Sicherheitswerkbänke 

 

Mikrobiologische Sicherheitswerkbänke schützen vor Bioaerosolen, die bei mikrobiologischen Arbeiten auftreten. Die luftgetragenen Mikroorganismen werden in der Sicherheitswerkbank mit dem Luftstrom fortgeführt und durch Hochleistungs-Schwebstofffilter (HOSCH- oder HEPA-Filter) zurückgehalten. 

Die Filter schützen nicht vor dampf- und gasförmigen Gefahrstoffen!

Sicherheitswerkbänke dürfen nicht mit Reinraum-Werkbänken verwechselt werden, die lediglich einen Produktschutz gewährleisten.

Klassen und Funktionsweisen

Man unterscheidet drei Klassen von mikrobiologischen Sicherheitswerkbänken:

Bei der  mikrobiologischen Sicherheitswerkbank der  Klasse I wird die Raumluft durch die Arbeitsöffnung über die Arbeitsfläche gesaugt. Dabei werden freigesetzte Aerosole und Partikel in die Abluftfilter befördert.
  • Schutz der Beschäftigten, solange der Luftstrom nicht behindert wird und solange ausreichend Luft angesaugt wird, um Partikel und Aerosole abzusaugen.
  • kein Schutz der Arme und Hände des Beschäftigten
  • kein Schutz der Arbeitsgegenstände in der Werkbank vor Kontaminationen von außen - kein Produktschutz (daher nur selten verwendet)
Funktionsschema einer mikrobiologischen Sicherheitswerkbank der Klasse I (Seitenansicht):

 SWB I

Seitenanfang

Bei der  typischen mikrobiologischen Sicherheitswerkbank der  Klasse II werden etwa 70% des Luftstroms über den Hauptfilter wieder von oben nach unten in einer vertikalen laminaren Fallströmung bis zu den an den Rändern der Arbeitsfläche befindlichen Absaugöffnungen geführt. Die verbleibenden 30% werden über Hochleistungsschwebstofffilter in die Raumluft abgegeben oder aus dem Raum abgeführt. Gleichzeitig bilden 30% Rohluft aus dem Laboratorium, die in die vorderen Absaugöffnungen eingesaugt werden, einen Luftvorhang für den Personenschutz. 

  • Schutz der Beschäftigten, solange der Luftstrom nicht behindert wird. Durch Störungen des laminaren Luftstroms kann es leicht zu Turbulenzen kommen, die beträchtliche Mengen aerosolhaltiger Luft aus der Arbeitszone freisetzen und die Beschäftigten gefährden können.
  • Schutz, solange ausreichend Luft aus der Sicherheitswerkbank abgesaugt wird.
  • kein Schutz der Arme und Hände des Beschäftigten
  • guter Schutz der Arbeitsgegenstände in der Werkbank vor Kontaminationen; damit ist eine Sicherheitswerkbank der Klasse II für den Produktschutz geeignet.

Siehe auch Musterbetriebsanweisung - Sicherheitswerkbank der Klasse II (word2000, pdf) - (uni-intern)

Seitenanfang

Funktionsschema von mikrobiologischen Sicherheitswerkbänken der Klasse II (2- und 3- Filtersystem):
SWB II
  • Stellungnahme der ZKBS zur Entsorgung der nachgeschalteten HEPA-Filter aus einer mikrobiologischen Sicherheitswerkbank der Klasse 2 in einer gentechnischen Anlage der Stufe 3

 

Die mikrobiologische Sicherheitswerkbank der Klasse III ist ein geschlossenes, unter Unterdruck stehendes System. Das mikrobiologische Arbeiten erfolgt mittels eingebauter Handschuhe. Die HEPA-filtrierte Zuluft und Abluft wird so reguliert, dass in der Sicherheitswerkbank ein Unterdruck vorhanden ist. Daraus ergeben sich folgende Eigenschaften:

  • ausgezeichneter Schutz der Beschäftigten
  • Umständliches Einbringen von Materialien über Schleusen
  • Arbeiten teilweise umständlich wegen der eingebauten, vergleichsweise dickwandigen Handschuhe.

Funktionsschema einer mikrobiologischen Sicherheitswerkbank der Klasse III (frontal/Seitenschnitt):

SWB III

Quellen: 

 

Seit September 2000 wurde die alte DIN 12950 - Sicherheitswerkbänke für mikrobiologische und biotechnologische Arbeiten (Stand: Oktober 1991) durch die DIN EN 12469 – Leistungskriterien für mikrobiologische Sicherheitswerkbänke ersetzt.

 

Bei Arbeiten mit sensibilisierenden oder toxischen Wirkungen kann auch bei S1-Arbeiten die Verwendung einer Sicherheitswerkbank angezeigt bzw. vorgeschrieben sein - z.B. zur Vermeidung der Exposition der Mitarbeiter gegenüber sporenbildenden Entwicklungsphasen von Pilzen. (s. Anhang III A. I. Stufe 1 Punkt 8 GenTSV (Sicherheitsmaßnahmen für den Laborbereich)) -  siehe auch 

Sicherheitswerkbänke sind nicht zu verwechseln mit sogenannten Reinraum-Werkbänken (Impfbank, Sterilwerkbank)!

Reinraum-Werkbänke / Produktschutzwerkbänke

Die Abluft von Reinraumbänken (syn. Produktschutzwerkbänke, Impfbänke) wird nicht gefiltert. Diese Bänke gewährleisten lediglich einen Produktschutz. Sie bieten keinen zusätzlichen Schutz für den Nutzer - luftgetragene Mikroorganismen oder Gefahrstoffe werden mit der Luftströmung auf den Nutzer und/oder in den Arbeitsraum geblasen (vertikale Luftführung, Abb. a)/horizontale Luftführung Abb. b)) . 

Daher ist es grundsätzlich untersagt, in diesen Reinraumbänken mit biologischen Arbeitsstoffen ab der Risikogruppe 2, sensibilisierenden oder toxischen Organismen oder mit gesundheitsgefährdenden Stoffen zu arbeiten.

Für Arbeiten, bei denen Aerosole entstehen (können), ist die Stellungnahme der ZKBS zu beachten.

Siehe auch Musterbetriebsanweisung - Reinraumwerkbank  (word2000, pdf) - (uni-intern)

Reinraumwerkbank

Seitenanfang

Stichwörter:

HOSCH-Filter: Schwebstoff-Luftfilter, das im kritischen Abscheidebereich (etwa 0,2 bis 0,5 µm) einen Durchlassgrad unter 0,01% hat.

HEPA-Filter:  engl. terminus tecnicus für HOSCH-Filter (hier: Durchlassgrad kleiner 0,01% nach DOP-Test).

DOP-Test:  Prüfmethode zum Prüfen von Schwebstoff-Luftfiltern (Stückprüfung) mit Hilfe eines thermisch erzeugten DOP-(Dioctylphthalat-) Nebels mit nahezu einheitlichem Partikeldurchmesser von 0,3 µm. Die Bestimmung der Aerosolkonzentration vor und hinter dem Prüfling geschieht mit Aerosol-Photometern.

 

Links:

 

 

Seitenanfang

zurück zur Startseite Biologische Sicherheit

M.Schneider  -  Stand 01/2013
uni ffm © 1998