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Unterabschnitte


Pflichtversuche

Vitalfärbungen

Die Vitalfärbung wurde von Vogt (1929) entwickelt. Man benutzt Farbstoffe, die zwar die Zellen färben, sie aber nicht übermäßig schädigen (Neutralrot, Nilblausulfat). Die Farbstoffe sind in Agar eingegossen. Kleine Stückchen dieses getrockneten Farbagars können auf den Keim aufgelegt werden, um bestimmte Zellen oder Regionen zu markieren. Zweck: entweder durch Wandern der Farbmarken Materialbewegungen nachzuweisen, oder die prospektive Bedeutung von Keimbezirken festzustellen. Vorbereitung und Methode: Mit einer stumpfen, kräftigen Pinzette werden kleine Stückchen des getrockneten, auf Objektträger aufgezogenen Farbagars abgeschabt und in kleinen Schälchen gesammelt. Die Eier werden enthüllt; die Vitellinmembran wird jedoch nicht entfernt. Die Eier kommen in enge passende Wachsgruben. Die zu färbende Region soll dabei seitlich der Wand der Grube zugekehrt sein. Ein passend großer Farbagarsplitter wird in die Lösung der Wachsschalen eingebracht. Dort kurz quellen lassen. Dabei gibt er überschüssige Farbe ab. Dann wird er zwischen Keim und Wachsgrubenwand seitlich eingeschoben und die Wand mit einer Pinzette fest an den Keim gedrückt. Nach 15 bis 30 Minuten ist der Färbevorgang beendet. Der Keim wird entnommen und in eine sterile, kleine Petrischale überführt. Aufgaben:
  1. Färbung von kleinen Oberflächenbezirken einer Blastula und Gastrula. Beobachtung der Wanderung und Verformung der Farbmarke. Welche Teile des Embryos sind im Schwanzknospenstadium gefärbt?
  2. Färbung verschiedener Punkte der Neuraloberfläche. Besonders der Medullarplatte. Wo befinden sich die Farbmarken im späten Schwanzknospenstadium?

Transplantation der dorsalen Urmundlippe

Es handelt sich hier um das berühmte Organisationsexperiment von Spemann. Wird ein Stück dorsaler Urmundlippe in die Flanke eines zweiten Keimes implantiert, so differenziert es sich nicht nur selbst zu Neuralgewebe, sondern veranlaßt auch das Wirtsektoderm, sich an der Bildung der Neuralanlage zu beteiligen. Wird Urmundlippenmaterial in das Innere einer Blastula oder frühen Gastrula eingebracht, induziert es im darüberliegenden Wirtsgewebe ebenfalls die Bildung einer zweiten Neuralanlage. Durchführung:
Spender: Gastrulen mit sichelförmigem und rundem Urmund.
Wirte: Blastulen und Gastrulen mit geradem Mund.

Abbildung 5.1: Transplantation der dorsalen Urmundlippe
\includegraphics [width=0.75\linewidth]{spemannoperation.eps}

Spender und Wirt kommen so nahe in zwei Wachsgruben nebeneinander, daß sie gleichzeitig im Binokular zu sehen sind. Bei der Gastrula (Spender) ist die dorsale Urmundlippe nach oben orientiert, bei der Blastula (Wirt) die pigmentierte animale Hälfte. Zuerst schneidet man die dorsale Urmundlippe des Spenders aus (Glas- und Kugelnadel). Dann macht man mit Glas- und Kugelnadel einen genügend langen Schnitt in das Dach der Wirtsblastula, überträgt mit Glasnadel oder Pinzette die Urmundlippe und stopft sie mit der Kugelnadel durch den Schlitz ins Innere des Wirtes (Abb.5.1). Sobald der Schlitz verwachsen ist, überführt man den Wirt in ein steriles Schälchen mit MH-Lösung. Nur bei sterilem Arbeiten gelingt die Aufzucht des Wirtes (s. Seite [*]). Nachdem die Gallerte entfernt wurde, sollte das Medium nochmals gewechselt werden. Gelege, deren Entwicklung im Kühlschrank gebremst wurde, zeigen in diesem Versuch erfahrungsgemäß hohe Ausfallraten.
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Hans-Peter Rangol