Rezension:

Wer denkt, er könnte mit der Beendigung der Schulzeit und mit Beginn des Pharmazie-Studiums das Fach Physik endgültig ad acta legen, der irrt sich leider und erlebt mitunter ein böses Erwachen, denn gerade Physik - wie auch die Physikalische Chemie - stellt einen fundamentalen Bestandteil des Grundstudiums dar. So muss der Studienanfänger nicht nur eine oder mehrere Physik-Klausuren und ein physikalisches Grundpraktikum bewältigen, sondern zu allem Übel auch im Ersten Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung (1. Staatsexamen) sein Wissen in dieser Teildisziplin unter Beweis stellen. Doch wie kann man sich helfen, wenn man Physik bereits zu Beginn der gymnasialen Oberstufe abgelegt hat und nun bemerkt, dass man gegen erhebliche Defizite ankämpfen muss?

Prinzipiell gibt es für diesen Fall zwei Taktiken:

1. Entweder man möchte diese Prüfungen nur - egal mit welchem Ergebnis - bestehen, dann ist es sicherlich ratsam (und auch ausreichend), den Barth/Ziegengeist (Barth/Ziegengeist: Physik, Deutscher Apotheker Verlag, ISBN: 3769225651, 28,60€) zur Hand zu nehmen, die knapp 100 Seiten des Lehrbuchteils durchzuarbeiten und zur Übung die Multiple-Choice-Fragen - dabei handelt es sich um kommentierte Original-Fragen aus früheren Staatsexamina - durchzukreuzen.

2. Oder man möchte nicht nur die Klausuren be-, sondern auch die Materie verstehen, wobei sich der Junker als ausgesprochen hilfreich erweist, v.a. deshalb, weil für das Verständnis dieses Buches eigentlich so gut wie keine Physik-Vorkenntnisse erforderlich sind (aus diesem Grund auch der Titel "Physik für Ahnungslose"). In umfassender und leicht verständlicher Art und Weise werden in diesem Werk alle Einzeldisziplinen der Physik - also Mechanik, Wärmelehre/Thermodynamik, Akustik, Optik, Elektrizitätslehre und Magnetismus sowie Atom-/Quantenphysik - abgehandelt. Der Junker besticht hierbei besonders durch seine klare, deutliche und unkomplizierte Ausdrucksweise sowie durch die Vielzahl an Beispielen, die das Verständnis der einzelnen Sachverhalte immens erleichtern; auch die insgesamt 395 kommentierten Abbildungen und Graphiken tragen hierzu in erheblichem Maße bei. Zum Lernen erweist es sich weiterhin als sehr angenehm und zeitsparend, dass die wichtigsten Lernsätze und Formeln durch Fettdruck oder Rahmung besonders hervorgehoben sind. Auch an das Lösen von Übungsaufgaben, die jedes Thema in großer Anzahl begleiten, wird der Lernende gezielt herangeführt, indem zunächst einmal exemplarisch eine Beispielsaufgabe vorgerechnet wird, bevor man sich dann individuell an den weiteren Aufgaben versuchen kann. Der gravierendste Nachteil des Junkers besteht jedoch in den Lösungen zu diesen Aufgaben, die nicht - wie es eigentlich wünschenswert wäre - am Ende des Buches angeordnet sind, sondern sich direkt an die Übungsaufgaben anschließen. Somit ist es mitunter gar nicht zu vermeiden, dass man schon beim Durchlesen des Aufgabentextes den ein- oder anderen Blick auf die Lösung wirft - die Gefahr, dass man sich selbst betrügt, ist demnach enorm hoch. Auch ist eine gezielte Vorbereitung auf das 1. Staatsexamen nur mit diesem Werk nicht möglich, da es leider keine einzige MC-Frage beinhaltet.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass alle, die auf Verständnis lernen wollen, sicherlich im Junker ein für ihre Bedürfnisse hervorragend geeignetes Lehrbuch vorfinden werden. Dennoch bleibt für die Vorbereitung auf das 1. Staatsexamen das Bearbeiten alter MC-Fragen unerlässlich - ein Sektor, den dieses Lehrbuch leider nicht abzudecken vermag.

Michael Uebelacker