DIE INSTITUTSBIBLIOTHEK
Beschreibung von Detlev Jordan

Das heute zum Fachbereich 13 (Physik) der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt gehörende Institut für Geschichte der Naturwissenschaften begann seine wechselvolle Geschichte im November 1943. Initiator und Gründer war der damalige Dozent für Geschichte der Naturwissenschaften an der Universität Frankfurt, Prof. Dr. Willy Hartner. Tatkräftige Unterstützung erhielt er vom Bürgermeister der Stadt Frankfurt, dessen Verdienst es war, die Gründung zunächst im Rahmen des Physikalischen Vereins überhaupt ermöglicht zu haben, da wegen des Widerstandes des Gauleiters gegen die politische Einstellung Hartners eine Gründung als Universitätsinstitut nicht erreicht werden konnte.

 Sein erstes Domizil bekam das Institut in einigen Räumen der Sternwarte an der Senckenberganlage, es sollten ihm aber nicht weniger als sieben Umzüge bevorstehen, bis es im April 1988 seine heutigen Räumlichkeiten in der Bettinastraße 64 beziehen konnte. Zum Glück ist die Geschichte der Institutsbibliothek von größerer Kontinuität, aber auch an ihr sind die vielen Umzüge nicht spurlos vorübergegangen. Da keine Stiftung, Schenkung oder Erbschaft einen Grundstock für die Institutsbibliothek bildete, wurden zunächst mit den bescheidenen Mitteln, die der Physikalische Verein abzweigte, Gelegenheitskäufe getätigt. Die ersten Eintragungen des Registerbuches sind unter dem 15. Dezember 1944:
 
 

Wie bunt zusammengewürfelt sich die ersten Eintragungen auch ausnehmen mögen, im Laufe der Zeit entstand eine Bibliothek, die über die Geschichte der Naturwissenschaften im engeren Sinne hinaus einen breiten kulturhistorischen Unterbau aufzuweisen hatte. Schon Anfang 1945 gelang der Erwerb der fast vollständigen Reihe Ostwalds Klassiker, der ersten Lehrbuchreihe, die in leicht zugänglicher Form das Wissen des 19. Jahrhunderts in den wichtigsten Naturwissenschaften zusammenfaßte. Die Ereignisse des letzten Kriegsjahres zwangen das Institut vorübergehend ins Exil nach Bad Homburg und danach wurden neue Räumlichkeiten in der Feldbergstraße 47 bezogen. 1947 übernahm das Institut als Dauerleihgabe der Stadtbibliothek Frankfurt den Nachlaß Paul Diergart, eine umfangreiche Sammlung chemiehistorischer Schriften aus dem Besitz des Bonner Chemikers und Chemiehistorikers, wenig später wurde diese Sammlung ergänzt durch die Privatbibliothek des Chemikers Günther Bugge. Diese war gemeinsames Eigentum der Deutschen Chemischen Gesellschaft und der Universität Frankfurt, an die das Institut nach Kriegsende dann doch angegliedert worden war. Wertvoller Bestandteil der Sammlung Bugge waren u.a. auch die Jahrgänge 1824 bis 1890 von Dingler's Polytechnischem Journal (Bde. 14-278). Auch die wertvolle Privatbibliothek des Leipziger Astronomiehistorikers Robert Böker, der in den fünfziger Jahren nach Bad Homburg gezogen war, fand damals schon ihren Platz unter dem Dach des Instituts. Zunächst noch privates Eigentum Robert Bökers in dessen Arbeitszimmer, gelangte sie später durch Ankauf in den Besitz des Instituts und bildet heute den wesentlichen Kern seines astronomiehistorischen Buchbestandes. Ende der fünfziger Jahre konnte das Institut gemeinsam mit dem Institut für Geschichte der Medizin Räume im Hauptgebäude der Universität Frankfurt beziehen, und beide Institute bezogen auch gemeinsam den ein Jahrzehnt später fertiggestellten Bau des Juridicums.

 In diese Zeit fielen die letzten Büchererwerbungen größeren Umfangs aus Privatbesitz. Die Bibliothek Friedrich Wieschke konnte gekauft werden und bildete den Hauptbestand der Sachgruppen Religionswissenschaft, Indologie, Nordistik und einiger kleinerer Gruppen. Außerdem fiel durch Erbschaft ein Teil des Nachlasses des Bamberger Astronomen Ernst Zinner ans Institut. Er bestand jedoch nur zum geringen Teil aus Büchern, da diese weitgehend von der Universität San Diego in Kalifornien aufgekauft worden waren. Der heute in Institutsbesitz befindliche Teil des Zinnerschen Nachlasses sind Manuskripte, Dokumentationen und Sammlungen zu historischen astronomischen Instrumenten, die bis heute noch keiner gründlichen Durchsicht unterzogen wurden. Immerhin gehören einige der von Zinner verfaßten Bücher, von ihm selbst mit Randbemerkungen und Ergänzungen versehen, dazu. Weil 1973 die Universitätsverwaltung die Räume des Juridicums beanspruchte, war wieder ein Umzug des Instituts erforderlich und zugleich fand die so zweckmäßige Nachbarschaft zum Institut für Geschichte der Medizin ihr Ende. Der neue Standort wurde das Gebäude Myliusstraße 30.

 1981 verstarb der bis zu seiner Emeritierung ununterbrochen amtierende Direktor und Gründer des Instituts, Prof. Dr. Willy Hartner. Sein Nachfolger wurde 1985 Prof. Dr. David King, der jetzige geschäftsführende Direktor des Instituts. In der Zwischenzeit war wiederum ein Umzug des Instituts in das Gebäude des Instituts für Geschichte der Arabisch-Islamischen Wissenschaften, Westendstraße 89, erfolgt. Dieser Umzug hatte erstmals auch Auswirkungen auf den Bibliotheksbestand, denn er wurde zum Anlaß genommen, einige Bücher, die dem Institut als Dauerleihgaben überlassen waren, bzw. solche, deren Eigentumsrechte auch bei anderen Institutionen lagen, wieder auszulagern. Betroffen wurden in erster Linie der belletristische Bestand sowie andere Bücher nichtnaturwissenschaftlichen Inhalts aus der Bibliothek Wieschke, aber auch Dingler's Polytechnisches Journal wurde damals ausgeschieden. Die enge Nachbarschaft zum Institut für Geschichte der Arabisch-Islamischen Wissenschaften war zwar aus fachlicher Sicht zu begrüßen, ließ sich jedoch wegen steigenden Platzbedarfs beider Institute nicht auf Dauer beibehalten. Seit April 1988 befindet sich das Institut für Geschichte der Naturwissenschaften nun im Gebäude Bettinastraße 64. Bis auf die oben erwähnten größeren Bibliothekszugänge aus privater Hand erfolgte der Bestandszuwachs kontinuierlich im Rahmen der finanziellen Mittel, die dem Institut aus dem Universitätsetat zustanden. Die Bibliothek umfaßt heute knapp 16000 Titel, wovon etwa 15% vor dem 20. Jahrhundert gedruckt wurden.
 
 

Bestandsbeschreibung

I Quantitative Bestandsbeschreibung

Der Gesamtbestand der Bibliothek ist heute in 47 Sachgruppen unterteilt, von denen einige jedoch mit weniger als einem Dutzend Büchern diesen Namen kaum verdienen. Einige der in die Bibliothek übernommenen Privatsammlungen wie die Sammlung Bugge oder die Sammlung Böker bilden eigene Sachgruppen, dagegen ist die Bibliothek Wieschke unter verschiedene Sachgruppen aufgeteilt, so da sie nicht mehr geschlossen in Erscheinung tritt. Die Sammlung Böker ist als einzige wiederum in Untersachgruppen eingeteilt, die genau den Sachgruppen der Gesamtbibliothek entsprechen.

 a) Sonderdrucke

 Die zahlenmäßig stärkste Sachgruppe bilden mit 1922 Titeln die Sonderdrucke, von denen 312 (16,2%) dem historischen Bestand zuzurechnen sind. Da es sich nicht um gebundene Bücher handelt, folgt hier eine vom übrigen Buchbestand getrennte Aufstellung:
 
 

Die lateinischen Sonderdrucke des 17. und 18. Jahrhunderts sind überwiegend astronomische Dissertationen, der deutsche ist ein Exemplar des Stiftungsbriefs der Senckenberg-Stiftung. Die große Gruppe der Sonderdrucke des 19. Jahrhunderts ist offensichtlich das Resultat langjähriger unsystematischer Sammlung. Sie umspannt neben naturwissenschaftlichen auch philosophische und philologische Fächer und ist insgesamt sehr heterogen. Der eigentliche historische Buchbestand gliedert sich wie folgt auf:
 
  Bis zum 17. Jh. einschließlich überwiegen die lateinischen Bücher; nur drei deutsche (eins 16. Jh., zwei 17. Jh.), drei französische (17. Jh.) und ein italienischer Titel sind vertreten. Im 18. Jh. sind mit 44 Titeln schon die deutschen Titel in der Mehrzahl, gefolgt von 41 lateinischen, 15 französischen, 4 englischen und 3 italienischen. Die gleiche Rangfolge gilt auch für das 19. Jh.: 704 deutsche Titel, 115 lateinische, 80 französische, 34 englische und 44 sonstige. Die sehr unterschiedliche Größe der einzelnen Sachgruppen hat zur Folge, daß allein die Sammlungen Bugge, Diergart, Böker, sowie die Sachgruppen Astronomie, Antike und Mathematik zusammen über 48% des Gesamtbestandes und sogar über 54% des historischen Bestandes enthalten. Diese großen Sachgruppen weisen einen Anteil an historischem Buchbestand auf, der zwischen 17,2% (Astronomie) und 49,4% (Böker) liegt. Nimmt man als weitere Sachgruppen Physik, Islam, Naturgeschichte, Biographien, Alter Orient, Philosophie, Wörterbücher, Indologie und Religionswissenschaft hinzu, so hat man insgesamt bereits über 76% des Gesamtbestandes und über 67% des historischen Bestandes. Die restlichen, hier nicht aufgezählten Sachgruppen sind vergleichsweise klein, der Anteil historischer Bücher darin entsprechend stark schwankend. So besteht die kleine rechtshistorische Gruppe aus nur vier Büchern, wovon jedoch eins aus dem 17. Jh. und eins aus dem 19. Jh. stammt, dagegen ist in der 81 Titel umfassenden nordistischen Gruppe kein einziger historischer Titel enthalten.

 b) Periodika

 Unter den Periodika der Institutsbibliothek sind laut Katalog drei Zeitschriften mit Auflagebeginn im 19. Jh.: "Natur und Offenbarung. Organ zur Vermittlung zwischen Naturforschung und Glauben" (Band 1 (1855) bis Band 11 (1865)), "Rheinisches Museum für Philologie, Geschichte und griechische Philosophie" (ab Folge 1 (1827)) und "Polytechnisches Journal" (Band 14 (1824) bis Band 278 (1890)). Der Verbleib des letzteren ist noch nicht restlos aufgeklärt, es steht den Bibliotheksbenutzern vorerst nicht zur Verfügung. Vier weitere Zeitschriften aus dem 19. Jh. sind Bestandteil der Sammlung Böker: Die "Annales du Service des Antiquités de l' Egypte" (Band 1 (1900) bis Band 38 (1938)), die "Orientalistische Literaturzeitung" (Jahrgänge 1898-1944), die "Proceedings of the Society of Biblical Archaeology" (ab 1879, unvollständig) und die "Archäologische Zeitung" (ab 1872, ebenfalls unvollständig).
 
 

II Qualitative Bestandsbeschreibung

Für die nun folgende qualitative Bestandsbeschreibung erscheint es sinnvoll, nach der oben angedeuteten Rangfolge vorzugehen und zunächst die größeren Sammlungen bzw. Sachgruppen einzeln, danach den Rest gemeinsam zu charakterisieren.

 a) Sammlung Bugge

 Die Sammlung Bugge enthält hauptsächlich chemiehistorische Literatur, wobei der Schwerpunkt auf technischen Verfahren und praktischen Anwendungen liegt, weniger auf der Entwicklungsgeschichte chemischer Theorien. Demzufolge ist auch die Grenze zur Geschichte der Physik fließend. Weiterhin ergibt sich daraus schon ein großes Übergewicht der Literatur des 19. Jhs. Ältere erwähnenswerte Bücher sind z.B. Stephan Blancarts "Chimia. Die neue heutigen Tags gebräuchliche Scheide-Kunst oder Chimia" (1697), Reinbold Spielmanns "Institutiones Chemiae' (1766) mit einem für den Chemiehistoriker aufschlußreichen Autorenverzeichnis, ein fingierter Briefwechsel "Von den Mineralien" (1781), sowie Johann Hübners "Curiöses und reales Natur-, Kunst-, Berg-, Gewerk- und Handlungs-Lexicon" (1776). Die 142 Titel aus dem 19. Jh. sind teils grundlegende Standardwerke wie etwa Leopold Gmelins "Handbuch der theoretischen Chemie", teils sind es Werke oder der Briefwechsel von namhaften Chemikern dieser Periode, zu einem großen Teil aber sind es Abhandlungen zu technischen bzw. industriellen Verfahren, die aus heutiger Sicht über die Geschichte der Technik mehr aussagen als über die Geschichte der Chemie.

 b) Sammlung Diergart

 Die Sammlung Diergart ist weit weniger verfahrenstechnisch ausgerichtet und enthält eine große Anzahl von Büchern, die der allgemeinen Kulturgeschichte oder anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen zuzurechnen sind. Auch hier finden sich nur vier Werke aus dem 18. Jh., die offensichtlich als einzelne Sammlerstücke innerhalb der Bibliothek Diergart den Rang von Kuriositäten besaßen. Erwähnenswert ist jedoch darunter Anton Heinolds "Kurze Biographien aller bekannten griechischen und lateinischen Schriftsteller vom Anfang der Wissenschaften bis ins fünfte Jahrhundert in alphabetischer Ordnung zusammengetragen." Die 119 Titel aus dem 19. Jh. lassen sich ähnlich kennzeichnen wie die der Sammlung Bugge, nur ist die fachliche Streuung bedeutend größer. Neben Gymnasiallehrbüchern für Chemie, Physik, Algebra, Geometrie finden sich Alexander von Humboldts "Ansichten der Natur", eine "Geschichte der Stadt Duisburg bis zur endgültigen Vereinigung mit dem Hause Hohenzollern (1666)" von Heinrich Averdunk, mehrere Jahrgänge der "Historischen Studien aus dem Pharmakologischen Institute der Kaiserlichen Universität Dorpat" und auch historische oder archäologische Abhandlungen. Mehrere Titel, besonders von chemiehistorischen Werken oder aus dem Bereich der industriellen Fertigung sind in der Sammlung Bugge ebenfalls enthalten.

 c) Sammlung Böker

 Die dritte der großen Privatsammlungen, die Sammlung Böker, ist eindeutig astronomiehistorisch ausgerichtet, wenn auch ein beträchtlicher Anteil der Bücher anderen Sachgruppen angehört. Robert Böker war durch sein umfassendes Wissen und dank seiner finanziellen Situation in der Lage, seine Bibliothek mit sowohl wissenschaftlich als auch bibliophil wertvollen Büchern auszustatten, so daß sie heute im Rahmen der Gesamtbibliothek des Instituts die Sachgruppe mit dem höchsten Anteil historischen Buchbestands darstellt. Eine Gruppe der ältesten und wertvollsten Bücher der Sammlung sind von der allgemeinen Benutzung ausgenommen und befinden sich unter Verschluß. Zu diesen zählen aus dem 16. Jh. zwei Werke des Ptolemäus: "Claudii Ptolemaei omnia quae extant opera praeter geographiam" (Basel 1551) und "De praedictionibus astronomicis" (Basel 1553), sowie astronomische Werke des Pontanus, Julius Firmicus und Hyginus. Aus dem 17. Jh. stammen zwei verschiedene Ausgaben von Marcus Manilius' "Astronomicon", sowie Werke von Johannes Bayer, Athanasius Kircher, Johannes Hevelius, Dionysius Petavius, Riccioli, Stanislaus de Lubienietski, Bullialdus, Scaliger u.a. Die ältesten deutschen Titel und ein französischer stammen aus dem 18. Jh. Es sind teils Kartenwerke, teils historische Abhandlungen zur Astronomie oder Mathematik. Unter den Büchern des 19. Jh. befinden sich auf der einen Seite Textausgaben, Übersetzungen oder kommentierte Werke antiker oder mittelalterlicher Autoren von Aratos bis Kepler, auf der anderen Seite die grundlegenden Werke von Mommsen oder Ideler zur mathematischen Chronologie, von Unger, Boll, Kugler, Hommel u.a. zur antiken Astronomie, einige der verbesserten Karten- und Tabellenwerke und eine Geschichte der Leipziger Sternwarte. Unter den fremdsprachigen Büchern fällt eine Gruppe französischer Bücher des 19. Jhs. auf, die sich mit der altägyptischen Astronomie und Zeitrechnung befassen, und auch die Astronomie und das Kalenderwesen während der Französischen Revolution sind Gegenstand der Untersuchung. Wichtigstes Werk dieser Gruppe ist Lalandes "Bibliographie astronomique; avec l'histoire de l'astronomie depuis 1781 jusqu'à 1802", erschienen im Jahre 11 der Republik (=1803). Unter den nicht astronomischen Büchern der Sammlung Böker sind Textausgaben des 18. Jh. von Columella, Seneca, Cicero, Varro und Horapollo hervorzuheben, außerdem Paul Ernst Jablonskis "Pantheon Aegyptiorum". Eine große Anzahl von Textausgaben antiker Autoren gehören dem 19. Jh. an, ebenso spezielle Untersuchungen zur antiken Mythologie, Bildsymbolik oder Kosmologie. In der Untersachgruppe Islam ist Ferdinand Wüstenfelds "Die Übersetzungen arabischer Werke in das Lateinische seit dem XI. Jahrhundert" zu finden, in der Untersachgruppe Religionswissenschaft einige der Werke von Usener und Roscher. Die ebenfalls der Sammlung Böker angehörenden Zeitschriften sind oben schon genannt worden.

 d) Sachgruppe Astronomie

 Die Geschichte der Naturwissenschaft ist, je weiter man zeitlich zurückgeht, zunehmend identisch mit der Geschichte der Astronomie. Dementsprechend umfangreich ist die Sachgruppe Astronomie, die trotz vieler Neuzugänge der letzten Jahre immer noch einen hohen Anteil historischen Buchbestands aufweist. Mehrere wichtige Publikationen des 16. Jhs. sind vorhanden, so Scaligers "De emendatione temporum", die Ptolemäus- Kommentare von Cardanus und Theon von Alexandria, Albohazens "Libri de indiciis astrorum", Regiomontanus, Pontanus, Melanchthon u.a. Eine deutsche Publikation des 16. Jhs. ist Petrus Apianus' "Instrument Buch". Auch das 17. Jh. ist mit insgesamt 10 Titeln vertreten, darunter der Ptolemäus-Kommentar des Proklos Diadochos, aber auch mehrere der nach Kepler aufgekommenen astronomischen Theorien. Erwähnenswert sind außerdem ein Verzeichnis der Finsternisse von 1554 bis 1606 von Cyprian Leovitius und ein frühes Werk über die Astronomie in China, nämlich Verbiests "Astronomia Europaea sub Imperatore Tartaro Sinico Cm H". Bei den Büchern des 18. Jhs. ist die sprachliche Auffächerung schon viel größer; 6 lateinische, 5 deutsche, 2 englische, 1 französischer und ein italienischer Titel sind vorhanden, darunter Eulers "Theoria motus lunae", die Sterntafeln von Cassini, die Himmelskarten von Bode, eine griechisch-lateinische Aratos-Ausgabe von Buhle, Briefe von Galilei. Unter den lateinischen Büchern des 19. Jhs. sind die zwei großen Werkausgaben des Manilius ("Astronomicon Libri Quinque") und des Geminus ("Elementa Astronomiae") und die 400-Jahres-Festschrift "Spicilegium Copernicanum" des Ermländischen Historischen Vereins. Die übrigen Bücher des 19. Jhs. lassen sich grob in allgemeine Lehrbücher oder Nachschlagewerke der Astronomie oder Chronologie und spezielle Werke zu einzelnen Detailfragen der Geschichte der Astronomie einteilen. Das Spektrum dieser Spezialliteratur ist zu breit, um es hier ausführlich darzustellen. Der Bibliotheksbenutzer kann sich mit Hilfe eines Sachkataloges orientieren.

 e) Sachgruppe Antike

 Diese Sachgruppe enthält vorwiegend Primär- und Sekundärliteratur zu antiken Autoren mit Schwerpunkt auf den naturwissenschaftlichen Theorien der Antike. Die thematische Abgrenzung dieser Sachgruppe zu den Sachgruppen Astronomie oder Mathematik ist oft nicht möglich. So sind unter den Büchern des 16. Jhs. die Autoren Dionysios ("Orbis descriptio"), Aratos ("Astronomicon"), Proclos ("Sphaera") neben Lykophronos ("Alexandra sive Cassandra") oder Iambichlos ("De vita Pythagorae", "Protrepticae orationes ad Philosophiam") zu finden. Aus dem 17. Jh. ist nur "De statu animae" des Claudius Mamertus vertreten. Die lateinischen Bücher des 18. Jhs. sind Textausgaben von Eratosthenes, Aristoteles, Antigonos, Pomponius Mela und Apuleius, die nichtlateinischen sind mit Ausnahme einer Plutarch-Übersetzung allgemeine Untersuchungen zur antiken Wissenschaft und Philosophie. Zahlenmäßig überwiegt auch hier die Anzahl der Bücher aus dem 19. Jh. Es sind in der Mehrzahl Werkausgaben antiker Autoren, zum Teil zweisprachig. Daneben sind einige der großangelegten Nachschlagewerke des 19. Jhs. vertreten, wie die Anthologia Graeca oder das Hesychii Lexicon. Die ebenfalls beträchtliche Anzahl von Werken, die sich mit Einzelfragen der Antike befassen, ließe sich in vielen Fällen auch anderen Sachgruppen zuordnen. Als Beispiele dafür seien Edmund Veckenstedts "Geschichte der griechischen Farbenlehre" und Menges "Kunsthistorische Bilderbogen" herausgegriffen.

 f) Sachgruppe Mathematik

 Der historische Bestand der Sachgruppe Mathematik stammt ebenfalls zum größten Teil aus dem 19. Jh. Jedoch sind außer vier Werken des 17. Jhs. (darunter Nicolaus Kauffungers "Plenaria Arithmetica oder Rechen-Buch auf Linien und Ziffern...") eine Reihe von Veröffentlichungen des 18. Jhs. vertreten. Es sind größtenteils Publikationen der Mathematiker dieser Zeit, Euler, Bernoulli, l'Hospital, Legendre zu aktuellen mathematischen Problemen, aber auch mathematikhistorische Werke wie Jean Etienne Montuclas "Histoire des Mathematiques" oder Abraham Gotthelf Kaestners "Geschichte der Mathematik". Als einzige Werkausgabe eines antiken Autors erscheint Robert Simsons Rekonstruktion eines Werkes von Apollonius von Perga. Zwei große Enzyklopädien des 18. Jh., die "Encyclopädie Methodique" der bedeutendsten Mathematiker der Zeit, und Christian Wolffs "Elementa Matheseos Universae" verdienen ebenfalls Beachtung. Mit dem 19. Jh. setzen auch hier die Werkausgaben antiker und mittelalterlicher Autoren, bzw. deren Kommentierung und Übersetzung ein. Bezeichnend für die Vorrangstellung der deutschen und französischen Mathematiker in dieser Periode ist das Überwiegen deutscher und französischer Autoren, besonders bei den Lehrbüchern der neueren mathematischen Disziplinen.

 g) Sachgruppen Physik, Chemie, Naturgeschichte

 Zum historischen Bestand dieser drei Sachgruppen, die ebenfalls vielfache inhaltliche Überschneidungen aufweisen, gehören neben einigen Werken des 17. Jhs., die noch vorwiegend den magischen Charakter der Wissenschaft hervorheben, Mersennes "L'optique et la catoptrique" von 1651 und Robert Boyles "Tentamina quaedam Physiologica" von 1667. An Werken des 18. Jhs. sind zu nennen Thorbjörn Bergmans "Opuscula Physica et Chemica", eine italienische Ausgabe der Werke Galileis sowie einige Abhandlungen zur Optik und den Anfängen der Elektrizitätslehre. Zu diesen beiden Teilgebieten der Physik treten im 19. Jh. mit Helmholtz und Chladni die Untersuchungen zur Akustik. Historisch ausgerichtete Veröffentlichungen sind z.B. Auseinandersetzungen mit Newtons "Principia mathematica" oder Poggendorffs Vorlesungen zur Geschichte der Physik. Vom gleichen Autor ist auch das "Handwörterbuch der Reinen Chemie" vorhanden, das neben Beilsteins "Handbuch der organischen Chemie" zu den wichtigsten Nachschlagewerken der Zeit gehörte. Die in der Bibliothek vorhandene chemiehistorische Literatur des 19. Jhs. beschränkt sich auf Auseinandersetzungen mit den Theorien von Liebig oder Lavoisier.

 h) Sachgruppe Islam

 Eine gewisse Sonderstellung nimmt die Sachgruppe Islam ein. Zahlenmäßig ziemlich groß, enthält sie relativ wenige alte Bücher, dafür umso mehr Nachdrucke aus neuer und neuester Zeit. Als Rarität des 16. Jhs. findet sich jedoch eine arabische Ausgabe von Euklids "Elementa". Alle anderen Bücher des historischen Bestandes sind aus dem 19. Jh., darunter Werke von de Goeje, Nöldeke, Dieterici und Wüstenfeld, dessen Ausgabe von Jacut's geographischem Wörterbuch hier hervorzuheben ist. Von ähnlichem Rang ist auch das 1862 von der Asiatic Society of Bengal herausgegebene "A Dictionary of the Technical Terms Used in the Sciences of the Muselmans".

 i) Sachgruppen Philosophie, Religionswissenschaft, Alter Orient, Indologie

 Der historische Bestand dieser Sachgruppen stammt bis auf wenige Ausnahmen aus dem 19. Jh. Zu diesen Ausnahmen zählen Thomas Stanleys "Historia Philosophiae" und die Abhandlungen "Versuch einer Kritik aller Offenbarung" und "Einige Vorlesungen über die Bestimmung des Gelehrten" von Johann Gottlieb Fichte. Von den übrigen Büchern ist der größte Teil der allgemeinen Standardliteratur der jeweiligen Wissenschaft zuzurechnen.

 j) Übrige Sachgruppen

 Die verbleibenden Sachgruppen sind teils sehr klein, teils gehören sie zum weiteren Umfeld der Geschichte der Naturwissenschaften und enthalten wenig Spezialliteratur. Dennoch sind einzelne ältere Werke noch zu erwähnen. Als einzigen Wiegendruck besitzt die Institutsbibliothek die "Margarita philosophica" von 1496. Unter den Biographien befindet sich Gassendis "Vitae Epicuri, Brahei, Copernici, Peurbachii, Peireskii etc.", unter den Wörterbüchern Gottfried Büchners "Biblische Real- und Verbal-Concordanzien oder Inbegriff der biblischen Gottesgelehrtheit ..." von 1757 sowie Gehlers zehnbändiges "Physikalisches Wörterbuch" von 1825. Ferner ist eine leider unvollständige Ausgabe von Wieglebs "Die natürliche Magie, aus allerhand belustigenden und nützlichen Kunststücken bestehend" von 1789 vorhanden. Zusammenfassend kann der historische Bestand der Institutsbibliothek als durchaus repräsentativ für die naturwissenschaftlichen Disziplinen gelten, in deren Umfeld muß er aber als arbiträr und lückenhaft bezeichnet werden. Bei dem großen Umfeld einer historischen Betrachtung der Naturwissenschaften ist dieser Mangel wahrscheinlich grundsätzlich nicht zu umgehen.

 k) Kataloge

 Der Buchbestand ist in drei Zettelkatalogen, einem alphabetischen, einem Standort- und einem Sachkatalog erfaßt. Der alphabetische Katalog weist in großem Umfang auch Titel von Zeitschriftenaufsätzen nach, dies aber nur für die älteren Jahrgänge bis etwa 1965. Der Sachkatalog ist weder alphabetisch noch systematisch und daher für auswärtige Benutzer unübersichtlich. Gedruckte Kataloge existieren nicht.