|
FUAT SEZGIN
GESCHICHTE DES ARABISCHEN SCHRIFTTUMS
BAND X-XII
MATHEMATISCHE GEOGRAPHIE UND KARTOGRAPHIE IM ISLAM UND IHR FORTLEBEN IM ABENDLAND
HISTORISCHE DARSTELLUNG UND KARTENBAND
Erschienen im April 2000. Bestelladresse:
Institut für Geschichte der Arabisch-Islamischen Wissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Westendstrasse 89 60325 Frankfurt am Main Telefon (069) 7560090 Fax (069) 75600912 e-mail: igaiw@rz.uni-frankfurt.de |
|
INHALT
BAND X: HISTORISCHE DARSTELLUNG (TEIL 1)
Die Ursprünge der mathematischen Geographie - Die mathematische Geographie in der Übergangsperiode zwischen Griechen und Arabern - Die Anfänge der mathematischen Geographie in der islamischen Welt - Die post-ma'munische Entwicklung von Verfahren zur geographischen Ortsbestimmung im 3./9. und 4./10. Jahrhundert - Die weitere Entwicklung der geographischen Koordinatentabellen im Zentrum und im Osten der islamischen Welt - Das Fortleben der arabischen Geographie im Abendland - Arabischen Vorbildern folgende, im 14. und 15. Jahrhundert in Europa entstandene Koordinatentabellen - Die ptolemaiische Geographie in Europa - Arabischer Einfluß auf die Entstehung des neuen Kartentyps in Europa - Die kartographische Gestaltung Asiens - Die kartographische Gestaltung des Indischen Ozeans. XXX, 634 Seiten Groß-Oktav, Abbildungen, Tabellen.
BAND XI: HISTORISCHE DARSTELLUNG (TEIL 2)
Die Bedeutung der arabischen Präsenz im Mittelmeer aus der Sicht der Entstehung der Portolankarten - Die erhaltenen arabischen Portolankarten - Portolankarten und mathematische Geographie - Die Grundlagen der Gradnetze auf europäischen Weltkarten - Arabische Nautik im Indischen Ozean als Zeugnis für eine weit entwickelte mathematische Geographie und Kartographie - Das Fortleben der astronomischen Nautik des arabisch-islamischen Kulturkreises bei den Portugiesen - Arabische Kartographie des Indischen Ozeans nach Angaben in außerarabischen Quellen - Das Fortleben der arabischen Kartographie des Indischen Ozeans bei den Portugiesen - Zusammenfassung - Literaturverzeichnis, Indices. VII, 716 Seiten Groß-Oktav, Abbildungen, Tabellen, Register.
BAND XII: KARTENBAND
Einleitung - Die Karten (Nr. 1-209y) - Inhaltsverzeichnis und Kartennachweis - Register der Karten nach Namen - Register der Karten nach Nummern mit Bezug auf Band X und XI. XIV, 447 Karten auf 333 Seiten, Register, Groß-Folio.
Gesamtpreis für Abonnenten € 250,00 Gesamtpreis im Buchhandel € 370,00 |
|
Weltkarte der Geographen des Kalifen al-Ma'mûn (1. Viertel 3./9. Jh.) erhalten in Masâlik al-absâr
Weltkarte der Geographen des Kalifen al-Ma'mûn (1. Viertel 3./9. Jh.) nach den originalen Koordinaten rekonstruiert
|
|
Nach langjähriger Ankündigung ist nun der der mathematischen Geographie und Kartographie gewidmete Teil der Geschichte des arabischen Schrifttums erschienen; er besteht aus zwei Textbänden (Bände X und XI) und einem Kartenband (Band XII). In diesem Teil sprengt der Verfasser den dem Benutzer seines Werkes seit 1967 vertrauten chronologischen und thematischen Rahmen. Er bleibt nicht dabei, dem Arabisten ein Handbuch zu schaffen, in dem die Geschichte der erfaßten Wissensgebiete nach dem jüngsten Stand der Forschung möglichst umfassend dargestellt und der dem arabisch-islamischen Kulturkreis in der Geschichte der Wissenschaften zukommenden Stellung auf Grund von Ergebnissen in Fachstudien Rechnung getragen wird. In den vorliegenden Bänden schlägt der Verfasser einen anderen Weg ein. Basierend auf den ihm bekannt gewordenen Leistungen der arabisch-islamischen Geographen und Kartographen unternimmt er einen ersten Versuch, die Geschichte der mathematischen Geographie und Kartographie von der Antike bis ins 18. Jahrhundert unter Berücksichtigung des heute bekannten, bedeutenden arabisch-islamischen Beitrages darzustellen. Zwangsläufig führte ihn das dazu, einige der bisherigen Grundfragen der Kartographiegeschichte erneut zu stellen. Die von ihm erzielten Ergebnisse resümiert der Verfasser wie folgt: 1. Die von den Griechen begonnene und im arabisch-islamischen Kulturkreis in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts zu einer selbständigen Disziplin ausgebaute mathematische Geographie hat hier, beginnend in der Mitte des 8. Jahrhunderts und bis ins 16. Jahrhundert hinein eine stete Entwicklung durchgemacht. Die dadurch erzielten Längen- und Breitengrade haben kontinuierlich ihren Niederschlag in Karten gefunden. Ohne die im arabisch-islamischen Kulturkreis verwirklichten Leistungen und die von der Arabistik bereits gelieferten Materialien zur Kenntnis zu nehmen, kann m.E. eine der Wirklichkeit entsprechende Geschichte dieser Disziplin nicht geschrieben werden. In den vorliegenden Bänden wurde der erste Versuch dazu gewagt. 2. Eine Reihe von Problemen der europäischen Geographie, die seit etwa anderthalb Jahrhunderten diskutiert werden, lassen sich nicht aus der europäischen Tradition, sondern nur im Lichte der seit dem 9. Jahrhundert im benachbarten islamischen Kulturkreis intensiv gepflegten mathematischen Geographie und Kartographie lösen. Dazu gehört die Entstehung oder Herkunft der sogenannten Portolankarten mit ihren Liniennetzen, der Ursprung der seit dem 13. Jahrhundert auf europäischen Karten auftauchenden recht akzeptablen und sich im Laufe der Zeit immer weiter verbessernden Formen Afrikas, die genaue kartographische Darstellung der Dreiecksgestalt des Indischen Subkontinentes oder des zunächst in Gestalt eines "Drachenschwanzes" und dann in fast korrekter Form erscheinenden Südostasien oder auch die kartographische Erfassung Madagaskars, kurz gesagt die Darstellung des gesamten Indischen Ozeans sowie die Konfiguration Asiens und seiner Teile wie Rußland, Sibirien, des Kaspischen Meeres und der übrigen asiatischen Binnenseen mit ihren oro-hydrographischen Systemen, die Darstellung Arabiens, des Roten Meeres, Persiens, des Persischen Golfes, Anatoliens, des Schwarzen Meeres und der Balkanhalbinsel. 3. Wir können viele der bis auf einen kleinen Überrest verlorenen, aus verschiedenen Entwicklungsstufen der arabisch-islamischen Kartographie stammenden Karten anhand erhaltener, durch Übertragung oder Abmalen entstandener und bis zu einem gewissen Grad auch modifizierter europäischer Karten zurückgewinnen. Zu den Überresten der arabisch-islamischen Kartographie gehören die vom Verfasser entdeckte Weltkarte und einige Teilkarten, die im ersten Viertel des 9. Jahrhunderts im Auftrag des Abbasidenkalifen al-Ma'mun von einer großen Gruppe von Gelehrten geschaffen worden sind. Die als Resultat wohl mehrmaligen Kopierens in einer arabischen Handschrift aus dem Jahre 1340 erhaltene Weltkarte ist in einigen Punkten sicher nicht einwandfrei, doch bildet sie eines der bedeutendsten erhaltenen Denkmale der Kartographiegeschichte unserer Welt. Sie erstaunt vor allem mit ihrer globularen Projektion, die allem Anschein nach auf eine stereographische zurückgeht, und mit ihrer Darstellung eines umfahrbaren afrikanischen Kontinents. Die aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammenden Karten des Kartenbandes dienen dazu, die vom Verfasser gewonnene Überzeugung vom Prozeß des historischen Zusammenhanges ihrer Entstehung zu untermauern. |
|
Weltkarte aus Nuzhat al-mushtâq von al-Idrîsî (verfasst 549/1154)
Weltkarte von Marino Sanuto - Petrus Vesconte (um 1320) Home |