Der Beginn intensiver anthropogener Nutzung der natürlichen Ressourcen

Berichterstattung über Projekte mit Beiträgen zu Zeitscheibe III (3500 bis 1500 Jahre cal. BP) - Physikalischer Aspekt -

Bernd Zolitschka, Potsdam

Einleitung. Die Zeitscheibe III ist durch den Beginn intensiver anthropogener Nutzung der natürlichen Ressourcen charakterisiert, wie es durch die zahlreichen vorliegenden Pollendaten belegt werden kann. Sie weisen eine Öffnung der natürlichen Waldvegetation bei gleichzeitigem Auftreten von Ackerbau anzeigenden Pflanzenarten nach. Im Vergleich mit der paläoklimatischen Entwicklung scheint sich die Besiedlungsgeschichte auf den ersten Blick an den generellen Klimatrend anzulehnen. Eine Intensivierung anthropogener Aktivitäten ist vor allem während der Klimaoptima zur Römerzeit und im Mittelalter festzustellen. Dem stehen die Völkerwanderungen der "Völkerwanderungszeit" und der "Kleinen Eiszeit" gegenüber.

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Abb. 1: Übersicht der Arbeitsgebiete für Zeitscheibe III.

Die Teilergebnisse mit physikalischem bzw. sedimentologischem Aspekt aus insgesamt 14 die Zeitscheibe III betreffenden Projekten (Abb. 1) stammen aus vier unterschiedlichen Archiven: Kolluvien, Alluvien, Böden und Seen. In der Übersicht (Abb. 2) sind bei allen Projekten zwischen 3000 und 2500 cal. BP (1000 bis 500 v. Chr.) größere Veränderungen erkennbar: Kolluvien treten vermehrt auf und Erosionsprozesse sind nachweisbar ebenso wie Schwermetallanreicherungen. Dies geht vielfach einher mit einer Zerstörung der Vegetation, aussetzender Torfbildung und Grundwasser- bzw. Seespiegelanstiegen. Besonders Grundwasser- und Seespiegelanstiege, aber auch die Vernässung von Mooren, können als überwiegend klimatisch gesteuert angesehen werden.

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Abb. 2: Übersichtsdarstellung der Ergebnisse aus den Projekten der Zeitscheibe III (physikalischer Aspekt), die Hinweise auf anthropogene und/oder klimatische Ursachen erlauben.

Insgesamt ist trotz zahlreicher Unschärfen bei den Datierungen ein in sich konsistentes Bild erkennbar, das eine allgemeine Phase der Veränderung für den Zeitraum von 3000 bis 2500 cal. BP andeutet. Mit Vorbehalten und unter Berücksichtigung einiger gut datierter Archive läßt sich dieser Zeitraum sogar auf das 8. vorchristliche Jahrhundert einengen. Diese Zeitgleichheit der Ereignisse steht in Übereinstimmung mit einer Reihe weiterer Paläoumweltarchive aus dem benachbarten Europa. Einiges deutet dabei auf eine Klimadepression hin:

Besonders das 14C-Plateau und das Auftreten von ice rafted debris events im Nordatlantik weisen auf einen globalen Aspekt dieser Klimaschwankung hin. Als Ursache bietet sich die auffallende Koinzidenz der beobachteten Erscheinungen mit dem nach Homer benannten Sonnenflecken-Minimum an, das nach Stuiver & Becker (1993) bei 830 Jahren v. Chr. (2780 cal. BP) beginnt. Möglicherweise könnten solare Aktivitäten, ähnlich wie es für die Koinzidenz von Maunder-Minimum und "Kleiner Eiszeit" vermutet wird, als steuernder Faktor dieser Klimaveränderung angesehen werden.

In den Projekten dieses DFG-Schwerpunktprogrammes sind die Hinweise auf klimatische Veränderungen höchstens als gleichbedeutend mit denen auf anthropogene Eingriffe zu werten. Die verstärkte Bildung von Kolluvien, Auenlehmen und minerogenen Sedimenten, zurückführbar auf intensivierte Erosionsprozesse, geht auf den Einfluß des Menschen zurück, der durch Landnutzung (vergl. Ergebnisse der Pollenanalysen) und erste frühindustrielle Wirtschaftsweise, wie z.B. den Abbau und die Verhüttung von Erzen (Schwermetallbelastungen), aktiv in den Naturhaushalt eingegriffen hat. In der vorrömischen Eisenzeit kam es somit zu einem deutlichen Anstieg der Morphodynamik. Warum kam es aber in Südeuropa zu dieser Zeit zu Völkerwanderungen, während in Mitteleuropa trotz klimatischer Ungunst offenbar eine Ausdehnung der Wirtschaftsfläche und damit eine großflächige Umwandlung der Natur- in eine Kulturlandschaft zu Beginn des 1. vorchristlichen Jahrtausends begann und warum führte diese Klimaverschlechterung nicht zur Aufgabe der Landnutzung, wie es während der klimatisch ebenfalls ungünstigeren Phasen der "Völkerwanderungszeit" und der "Kleinen Eiszeit" der Fall war? Hier müssen komplexe und noch wenig verstandene politische, ökonomische und sanitäre Ursachen im Verbund mit Klimaänderungen als Ursachen angenommen werden.

Ausblick. Zusammenfassend und als Perspektive für das weitere Vorgehen in diesem DFG-Schwerpunktprogramm steht die Forderung nach einer Verbesserung und Verdichtung der Datierungen zur Schaffung eines solideren chronologischen Rahmens. Erst dann kann abschließend geklärt werden, ob es sich bei den beobachteten Phänomenen tatsächlich um zeitgleiche Ereignisse handelt. Hier sind vor allem die Radiokohlenstoff- aber auch die optisch stimulierte Lumineszenzdatierung gefordert. Durch eine Kombination mehrerer Datierungsmethoden kann zudem eine Verbesserung der Alterseinstufung erzielt werden. Weiterhin ist die Verknüpfung von ur- und frühgeschichtlichen mit geowissenschaftlichen Arbeitsmethoden (Geoarchäologie) zukunftsweisend, vor allem wenn es darum geht, den klimatischen vom anthropogenen Einfluß zu differenzieren. Besonders bei dieser Fragestellung ist noch Raum für neue, innovative Denk- und Arbeitsweisen.

 

Literatur

Bond, G., W. Showers, M. Cheseby, R. Lotti, P. Almasi, P. deMenocal, P. Priore, H. Cullen, I. Hajdas & G. Bonani, 1997. A pervasive millennial-scale cycle in North Atlantic Holocene and Glacial climates. Science, 278: 1257-1266.

Frenzel, B., 1980. Klima der letzten Eiszeit und Nacheiszeit in Europa. Veröffentlichungen der Joachim Jungerius-Gesellschaft der Wissenschaften, 44: 9-46.

Röthlisberger, F., 1986. 10.000 Jahre Gletschergeschichte der Erde; Aarau, Frankfurt, Salzburg (Sauerländer).

Schönwiese, C.D., 1979. Klimaschwankungen, Verständliche Wissenschaft, 115, 181 S.; Berlin, Heidelberg (Springer-Verlag).

Schönwiese, C.D., 1994. Klima im Wandel, 255 S.; Hamburg (Rowohlt Verlag).

Stuiver, M. & B. Becker, 1993. High-precision decadal calibration of radiocarbon time-scale, AD 1950 - BC 6000. Radiocarbon, 35: 35-66.


DFG-Schwerpunktprogramm "Wandel der Geo-Biosphäre"
Bearbeitungsstand: 11.2.1999