Neue Rechtschreibregeln im Spiegel von Wörterbüchern

Von Esmeralda Bosch

Vorbemerkung

In dieser Arbeit werden die Auswirkungen der Rechtschreibreform von 1996 auf einige Wörterbücher untersucht.

Nach der Reform ist die Rechtschreibung

"nicht mehr mit den Angaben in einem einzigen Wörterbuch

identisch. Vielmehr sind alle Wörterbücher, die sich an das

amtliche Regelwerk halten oder zu halten behaupten,

grundsätzlich gleichberechtigt".

Es ergibt sich das Problem, dass die Schreibweisen der Einträge in den unterschiedlichen Wörterbüchern nicht in allen Fällen übereinstimmen. Besonders davon betroffen ist der Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung, auf dem der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt.

Dazu vergleiche ich die neuesten Auflagen von Duden (22. Auflage, 2000), Bertelsmann (1999) und Wahrig (7. Auflage, 2000). Hinzu kommt neben diesen etablierten Wörterbüchern ein sehr preiswertes Schülerwörterbuch aus dem Weltbild-Verlag (2. Auflage, 1999). Außerdem ziehe ich gelegentlich die vorigen Auflagen von Duden (21. Auflage, 1996), Bertelsmann (1996, 9. Ausgabe) und Wahrig (7. Auflage, 1997) in Betracht.

Als Einführung werden in Teil A einige Standpunkte und Erwartungen vonseiten der Reformer bzgl. der Unterschiede in den Wörterbüchern, die kurz nach Beschluss der Neuregelung erschienen sind, vorgestellt (A.1). Dem folgen einige Bemerkungen zu den Änderungsvorschlägen der Rechtschreibkommission in ihren Berichten (A.2) sowie eine kurze Beschreibung der Darstellung der Schreibweisen in den einzelnen Wörterbüchern (A.3).

Den Hauptteil dieser Arbeit (Teil B) bilden die aus den Unterregeln der Paragraphen 34 und 36 resultierenden Differenzen. In Kapitel B.I werden Wortverbindungen mit Verben untersucht, die durch § 34 geregelt werden sollen, wobei ein besonderes

Augenmerk auf die unterschiedlichen Schreibungen von Verbindungen mit der Partikel wieder gelegt wird (B.I.3.2). In Kapitel B.II geht es um die Verbindungen mit Partizipien, wobei diejenigen Verbindungen betrachtet werden, deren erste Bestandteile von Substantiven (B.II.1) und von Adjektiven oder Adverbien (B.II.2) gebildet werden.

Am Ende der Kapitel B.I und B.II werden kurz die wichtigsten Änderungsvorschläge aus dem ersten Bericht der Zwischenstaatlichen Kommission vorgestellt.

In Kapitel B.III werden die in § 37 geregelten Schreibweisen mehrteiliger substantivischer Fügungen besprochen, dabei liegt der Schwerpunkt auf der Schreibung mehrteiliger Fremdwörter. In dieses Kapitel fließen einige Problemfälle der Groß- und Kleinschreibung, der Schreibung mit Bindestrich und der Fremdwortschreibung ein. Weitere Regel, die diese Bereiche betreffen, werden in dieser Arbeit nicht betrachtet. Zwar sind sie zum Teil ebenfalls umstritten, sie führen jedoch zu keiner größeren Anzahl an Differenzen zwischen den Wörterbüchern.

Zu Beginn der Kapitel versuche ich die jeweilige Regel und die mit ihr verbundenen Probleme kurz anzuführen. Darauf anschließend werden die verschiedenen Wörterbücher untereinander verglichen, wobei gezeigt werden soll, welche Auswirkungen die Regeln haben können. Zu mehreren Regeln werden auch die verschiedenen Auflagen eines Wörterbuches miteinander verglichen.

Die Regeln der Getrennt- und Zusammenschreibung, die zwar umstritten sind, aber nicht zu Unterschieden in den Wörterbüchern führen, werden in dieser Arbeit nicht besprochen.

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung 1

Teil A – Einführung 3

1) Standpunkte der Reformer

2) Zu den Berichten der Zwischenstaatlichen Kommission 7

3) Kurze Anmerkungen zu den Darstellungen der Einträge in den Wörterbüchern 8

Teil B – Vergleich der Wörterbücher 11

B.I) Wortverbindungen mit Verben (§ 34)

1) Kurze Vorstellung der Problematik der "trennbaren Verben" (nach Ickler)

2) Die Partikelliste von § 34(1)

2.1) Einträge zu den Partikeln im Wörterverzeichnis 12

2.2) Vergleich der Wörterbücher 13

3) Wortgruppen aus § 34 E1 15

3.1) Vergleich der Wörterbücher 17

3.1.1) Verbindungen mit "daneben" 20

3.2) Verbindungen aus "wieder" und Verb 21

3.2.1) Duden – Bertelsmann 22

3.2.2) Weltbild – Wahrig 27

3.2.3) Vergleich der verschiedenen Auflagen 29

3.2.4) Die Schreibweise von "wiedersehen" 33

3.2.5) Das Beispiel "wiederaufbauen" 36

4) Das Kriterium der Steiger- und Erweiterbarkeit (§ 34(2.2), § 34 E3(3)) 37

4.1) Vergleich der Wörterbücher 38

5) Verbindungen aus (zusammengesetztem) Adverb und Verb (§ 34 E3(2)) 43

6) Hinweise auf weitere willkürliche Regeln (aus § 34 E3(3), § 34 E3(4)) 45

7) Kurze Anmerkungen zu den anderen Regeln aus § 34 47

8) Toleranzregel (§ 34 E4)

9) Änderungsvorschläge aus dem ersten Bericht der Zwischenstaatlichen Kommission 49

 

 

 

B.II) Wortverbindungen mit Partizipien (§ 36) 50

1) Verbindungen aus Substantiv und Partizip 55

1.1) Die Schreibweisen im Duden

1.2) Die Schreibweisen im Bertelsmann 58

1.3) Vergleich mit den Wörterbüchern von Wahrig und Weltbild 60

1.4) Vergleich zum amtlichen Wörterverzeichnis 62

1.5) Einzelne Fallbeispiele 64

1.5.1) "Blut" + Partizip

1.5.2) "Unheil" / "Gefahr" + Partizip 67

2) Verbindungen aus Adjektiv oder Adverb und Partizip 69

2.1) Einzelne Fallbeispiele 70

2.1.1) "hoch" + Partizip

2.1.2) "weit" + Partizip 72

2.1.3) "wohl" + Partizip 75

2.1.4) "gleich" + Partizip 78

2.1.5) "nicht" / "nichts" + Partizip

2.1.6) "schwerbehindert" / "schwerbeschädigt" 79

3) Das Kriterium der Bedeutungsverstärkung/-minderung am Beispiel von 81

Verbindungen mit "halb"

4) Substantivierungen von Verbindungen mit Partizipien 83

5) Vergleich der verschiedenen Auflagen eines Verlags 88

6) Änderungsvorschläge aus dem ersten Bericht der Zwischenstaatlichen Kommission 91

B.III) Verbindungen mit Substantiven (§ 37) 94

1) Vergleich der Wörterbücher 95

1.1) Englische Fremdwörter

1.1.1) "high" + Substantiv 98

1.2) Lateinische und französische Fremdwörter 99

1.3) Andere Verbindungen mit Substantiven

2) Vergleich verschiedener Auflagen eines Verlags 101

B.IV) Verbindungen anderer Wortarten (§ 39) 106

Teil C – Schlussbemerkung 108

Anhang 1-6

Literaturverzeichnis

 

Verzeichnis der Abkürzungen:

 

D96 Duden, 21. Auflage, 1996

D00 Duden, 22.Auflage, 2000

B96 Bertelsmann, 1996 (9. Ausgabe)

B99 Bertelsmann, 1999

Wh97 Wahrig, 6. Auflage, 1997

Wh00 Wahrig, 7. Auflage, 2000

Wb99 Weltbild, 2. Auflage, 1999

aRW amtliches Regelwerk (und Wörterverzeichnis), 1996

(in D. Bähr, Kommentar zur Rechtschreibreform)

 

Anmerkungen zu der Schreibweise in dieser Arbeit:

Im Text werden alle als Beispiele angeführten Wörter kursiv geschrieben, dabei wird nicht durch das Format der Buchstaben zwischen neuer und alter Form unterschieden. Handelt es sich um Fälle, bei denen im angesprochenen Wörterbuch beide Schreibungen gültig sind, führe ich im Allgemeinen nur die Zusammenschreibung an.

In allen Tabellen sind die Angaben eines Eintrags als Neuschreibung durch Kursivschrift gekennzeichnet.

Die angezeigten Betonungen entsprechen den Angaben der Wörterbücher, wobei diese in einzelnen Fällen (v.a. in Beispielsätzen) keine Betonung anführen. Die Unterscheidung zwischen langer und kurzer Akzentuierung führe ich nicht an.

 

Teil A - Einführung

1) Standpunkte der Reformer

Zur Einführung werden einige Standpunkte der Reformer zu den Differenzen in den Wörterbüchern von 1996 vorgestellt.

Kurz nach dem Beschluss der Reform sind die Befürworter der Neuregelung sehr zuversichtlich, dass die Unterschiede in den Wörterbüchern mit der Zeit beseitigt werden. Die Differenzen werden nicht ernst genommen und als selbstverständlich angesehen, da kurz nach Festlegung der neuen Regeln noch keine perfekte Adaption zu erwarten sei. Damit wird jedoch verdrängt, dass viele Unterschiede auf den "undeutliche[n] und widersprüchliche[n] Formulierungen der amtlichen Regeln" beruhen. Diese können insbesondere im Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung unterschiedlich interpretiert werden. Doch auch eindeutig formulierte Paragraphen führen möglicherweise zu Problemen bei der Umsetzung, da durch einige Neuregelungen die Schreibweisen von Wortverbindungen bei Komparation oder prädikativem Gebrauch der Grammatik widersprechende Folgen haben können, die einige Wörterbücher zu vermeiden versuchen.

Dass die Schwierigkeiten sich nicht einfach mit der Zeit lösen lassen, zeigen die Neuauflagen der Wörterbücher von 1999 oder 2000, die immer noch Problemfälle enthalten, wobei sogar, v.a. durch die vermehrten fakultativen Schreibungen im Duden, neue Unterschiede hinzugekommen sind.

Der Aufsatz von Horst Sitta "Wie uneinheitlich dürfen unterschiedliche Rechtschreibwörterbücher sein?" liefert ein gutes Beispiel für das Herunterspielen der Schwierigkeiten bei der Umsetzung der neuen Regeln in den Wörterbüchern und das Nicht-wahrhaben-Wollen der durchaus auch in den Regeln selbst liegenden Probleme.

Sitta bezeichnet die Unterschiede als nicht erheblich und behauptet, die unterschiedlichen Angaben in den Wörterbüchern seien "nach den neuen Regeln richtig". Die Gründe für die Differenzen, deren Anzahl verglichen mit der Zahl der Gesamteinträge "lächerlich klein" sei, liegen, so Sitta, zum einen in den Regeln, und zwar insbesondere in den offenen Regeln, sowie in den "freigegebene[n] Bereiche[n] (zum Beispiel bei der Getrennt- und Zusammenschreibung), wo eigentlich der Schreibende entscheiden können soll. Wie soll sich hier das Wörterbuch grundsätzlich verhalten?". Diese Frage nach dem Verhalten der Wörterbücher ist allerdings nicht ersichtlich, zumal es selbstverständlich sein müsste, dass ein Wörterbuch alle möglichen Fälle anführt (außer bei der Silbentrennung geht es in der Regel auch nur um zwei Fälle), vorausgesetzt es ist den Lexikographen möglich zu erkennen, dass ein Eintrag unter die betreffende Regel fällt. Es heißt zwar, der Schreibende könne im Zweifelsfall selbst entscheiden, wie er schreibt, doch ist es nicht ihm allein überlassen zu entscheiden, ob es sich um einen Zweifelsfall handelt. Dass alle gültigen Fälle in einem Wörterbuch stehen, ist besonders für Lehrer wichtig, die wissen müssen, wann eine Zweitschreibung möglich und wann die Schreibweise ein Fehler ist.

Zum anderen liegt ein Grund für die Unterschiede in der "Auslegung der Regel", wobei es, nach Sitta, neben einer möglichen falschen, "mehrere ,richtige‘ Auslegungen" geben kann, auch solche, die die Regelverfasser gar nicht beabsichtigen, bei denen es sich trotzdem um "vom Wortlaut der Regel gedeckte Interpretationen handelt". Auch damit soll wieder gezeigt werden, dass die Unterschiede in den Wörterbüchern weniger auf Fehlern, sei es der Lexikographen oder der Regelverfasser, basieren, sondern auf unterschiedlichen, aber regelkonformen Auslegungen. Die Regeln selbst werden keinesfalls in Frage gestellt.

Sitta behauptet, die Differenzen zwischen den Wörterbüchern von 1996 seien "überhaupt nicht der Rede wert". Er ist sicher, dass die Unterschiede zu "Kontakten zwischen den Wörterbuchredaktionen führen" und somit Verbesserungen im Nachdruck mit sich bringen werden.

An den Beispielen von reinwaschen und strammziehen, die 1996 im Duden getrennt, im Bertelsmann zusammengeschrieben wurden (inzwischen differenzieren beide Wörterbücher nach dem Gebrauch), erklärt Sitta, warum es zu den unterschiedlichen Schreibweisen gekommen ist. Er begründet es damit, dass der eine Lexikograph "bei stramm ziehen Steigerbarkeit ansetzt", somit getrennt schreibt, der andere die Steigerbarkeit aber "nicht sieht"11 und zusammenschreibt. Das gelte "für den Lexikographen ebenso wie für den Alltagsschreiber". Gleichermaßen argumentiert er bei den Schreibweisen von reinwaschen: "Wer die Erweiterbarkeit für möglich hält [...] wird zur Getrenntschreibung kommen.". Somit wäre es dem Zufall überlassen, ob ein Lexikograph gerade auf die Idee kommt, wie man den Ausdruck erweitern kann, oder nicht. Doch auch Sitta hat in diesem Fall Schwierigkeiten damit, einen richtigen Fortschritt in der Neuschreibung zu erkennen, er sei "eher klein". Er konstatiert, dass "Differenzen unvermeidlich sind, solange es mehrere Wörterbücher gibt". Demnach wird der Grund für die unterschiedlichen Angaben der Schreibweisen erneut nicht in den neuen Regeln gesucht. Selbst wenn es nur ein Wörterbuch gäbe, wäre es nach dieser Regelung ebenso dem Zufall überlassen, welche Schreibweisen angeführt werden, somit würde der Schüler, dem zu einem Begriff eine Erweiterung

einfällt, Fehler machen, weil der Lexikograph diese Idee nicht hatte.

Auch der Reformer Zabel verharmlost die aufgetretenen Probleme in seinem Buch "Widerworte" (1997) wie viele Befürworter der Reform mit der Begründung, dass die Zwischenstaatliche Kommission "alle aufgetretenen Unklarheiten und Missverständnisse baldmöglichst aus der Welt schaffen" und die Wörterbücher daraufhin überprüfen werde, ob sie den neuen Regeln entsprechen.

Die Neuregelung sei so strukturiert,

"dass sie von allen Mitgliedern der deutschen Schreibgemein-

schaft innerhalb der Pflichtschulzeit (9. bzw. 10. Schuljahr)

erlernt werden kann".

Für sogenannte "Schreibspezialisten", das sind nach Zabels Definition "Sekretärinnen und Sekretäre, Schriftsteller und Journalisten, Setzer und Drucker", aber auch für jeden anderen Schreiber, gebe es durch die Neuregelung Angebote, die eine differenziertere Verschriftlichung ermöglichen.

Zabel sieht in den Unterschieden zwischen den Wörterbüchern keinen Grund zur Beunruhigung, da es selbstverständlich sei, dass Zeit benötigt wird, um die Regeln vollständig umzusetzen, die Differenzen seien sogar zu erwarten gewesen. Er vergleicht die vorherrschende Situation damit, dass auch die Beschlüsse der II. Orthographischen Konferenz 1901 erst vier Jahre später in vollem Umfang umgesetzt wurden. Allerdings ist vom heutigen Standpunkt aus zu erkennen, dass trotz Ablauf derselben Zeitspanne, die Regeln der Reform keineswegs vollständig in den neuen Wörterbüchern umgesetzt wurden.

Zabel meint in den Differenzen der Wörterbücher sogar etwas Positives erkennen zu können, denn

"[e]s wäre auch in der Schulpraxis nicht bedenklich, wenn

Schülerinnen und Schüler sich in der Auseinandersetzung mit

einer Korrektur ihrer Lehrerin oder ihres Lehrers auf ein anderes

Wörterbuch, als es die Lehrkraft benutzt hat, berufen. Ein

solches Verhalten der Lernenden zeugt von Gründlichkeit und

orthographischer Bewusstheit. Oft kann eine solche Differenz

Ansatzpunkt für eine gemeinsame Reflexion über die in den

Wörterbuchartikeln enthaltenen grammatischen Auffassungen

sein."

Zabel behauptet, dass Fehler, die in diesem Bereich gemacht wurden, bisher kaum auffielen, da es dabei sich um einen unauffälligeren Bereich der Rechtschreibung handele. Dazu gibt er Beispiele wie garnicht, wieviele oder irgendjemand, die seiner Ansicht nach nicht als Fehler auffällig gewesen sein sollen. Er wirft den Gegnern vor, dass durch die Diskussion Probleme heraufbeschworen würden, "die es in der alltäglichen Schreibpraxis und Lesepraxis gar nicht gibt".

2) Zu den Berichten der Zwischenstaatlichen Kommission

Dass die Regeln der neuen Rechtschreibung durchaus Mängel haben, die auch die Reformbefürworter auf Dauer nicht ignorieren können, beweist der im Dezember 1997 fertig gestellte (endgültige Fassung im Januar 1998) erste Bericht der Zwischenstaatlichen Kommission, in dem Verbesserungen der Regeln vorgeschlagen werden. Dabei werden mehrere der umstrittenen Neuregelungen, vor allem aus den Paragraphen 34 und 36, zurückgenommen bzw. die alte Schreibweise wird als Alternative wieder zugelassen. Der Grund dafür, dass die neue Schreibung weiterhin gültig bleiben soll, liegt, so Ickler, darin "daß ,die in den neuen Wörterbüchern angegebenen Schreibungen richtig bleiben sollen‘ ".

Da die KMK im Februar 1998 beschloss, dass es ratsam sei, das Regelwerk nicht zu ändern, war es am 1. August 1998 nun doch die Neuregelung der Rechtschreibung von 1996, die in Kraft trat, obwohl selbst die Zwischenstaatliche Kommission für Änderungen plädierte. In ihrem zweiten Bericht, in dem die Kommission kurz über ihre Arbeit in dem Zeitraum von Februar 1998 bis Dezember 1999 berichtet, beschreibt sie ihre Aufgabe damit,

"zunächst auf einheitliche, dem amtlichen Regelwerk

entsprechende Eintragungen in den Wörterbüchern

hinzuwirken".

Trotzdem sind in einigen Wörterbüchern insbesondere fakultative Schreibungen neu aufgenommen worden (v.a. bei Verbindungen aus Substantiv und Partizip), die nach dem amtlichen Regelwerk nicht berechtigt sind, sondern die im ersten Bericht vorgeschlagen wurden. Ickler wirft den Reformern vor, sie hätten sich, nachdem der Änderungsvorschlag von den Kultusministern abgelehnt wurde, darauf verlegt,

"die Änderung als bloße Interpretation auszugeben und sie

stillschweigend in die neuesten Wörterbücher und sonstigen

Rechtschreibmaterialien einzuschleusen".

Allerdings werden auch diese Schreibungen in den Wörterbüchern nicht konsequent durchgehalten, so dass sie sich weder beständig nach dem amtlichen Regelwerk noch nach den Vorschlägen von 1998 richten.

Im Dezember 2001 gab die Zwischenstaatliche Kommission ihren dritten Bericht heraus, in dem zum einen die "Einführung der neuen Rechtschreibung in allen Schreibbereichen" untersucht wird, zum anderen werden "Alternativlösungen" diskutiert, aber "keine Vorschläge zur Veränderung" gemacht.

3) Kurze Anmerkungen zu der Darstellung der Einträge in

den Wörterbüchern

Bevor es zu dem eigentlichen Thema der Arbeit, dem Vergleich der Schreibweisen in den verschiedenen Wörterbüchern, kommt, möchte ich kurz die Darstellung der Einträge in den verschiedenen Wörterbüchern vorstellen.

Im Bertelsmann (1999) wird zunächst die alte Schreibweise angeführt. Ist diese nicht mehr gültig, steht daneben die Neuschreibung, gekennzeichnet durch ein rotes Dreieck. In dem Fall, dass beide Schreibweisen gelten, wird zwischen beide Formen ein Gleichheitszeichen eingefügt. In einigen Fällen wird zusätzlich zwischen Haupt- und Nebenvariante unterschieden.

Neue Trennmöglichkeiten werden durch rote Trennstriche angezeigt.

Mit Info-Kästchen wird versucht, Schwierigkeiten einzelner Einträge zu erläutern, wobei der zugehörige Paragraph des Regelwerks angegeben wird.

In der 22. Duden-Auflage (2000) steht die nach der Neuregelung geltende Schreibweise an erster Stelle. Stimmt diese nicht mit der bisherigen überein, wird zu den meisten Beiträgen die alte Schreibweise in Klammern hinzugefügt. Im Duden von 1996 ist dies nicht der Fall, dort sind nur die als nach der Neuregelung gültig erwogenen Möglichkeiten zu finden.

Wörter, mit neuer Schreibweise sind rot markiert, neue Varianten der Silbentrennung werden durch rote Trennstriche gekennzeichnet.

Zu mehreren Einträgen gibt es Info-Kästchen, die Beispiele für verschiedene Verbindungen mit den betroffenen Wörtern und gegebenenfalls eine Erklärung für die Schreibweisen anführen. Hinweise zu der Regel, die zu der Schreibweise führt, werden nicht durch den Verweis auf einen Paragraphen aus dem Regelwerk, sondern auf eine verlagseigene Regel gegeben. Im Regelteil des Dudens sind außerdem "weiterführende Hinweise, Erläuterungen oder Empfehlungen zu bestimmten rechtschreiblichen oder anderen Zweifelsfällen" (D00, S. 19) zu finden, die nicht auf den Paragraphen des amtlichen Regelwerks beruhen.

Im Schülerwörterbuch aus dem Weltbild-Verlag wird wie im Bertelsmann die alte Schreibweise zuerst angegeben. Ist diese nicht mehr gültig, wird sie grau markiert und ihr folgt, eingeleitet durch einen Pfeil, die durch rote Buchstaben gekennzeichnete Neuschreibung. Folgt einer Schreibweise in schwarzer Schrift eine Neuschreibung, sind beide Möglichkeiten gültig.

Neue Trennungsmöglichkeiten werden in gleicher Weise wie bei den beiden anderen Wörterbüchern angezeigt und es gibt ebenfalls Informationen zu der Schreibweise einzelner Beiträge.

Im Wahrig werden Neuschreibungen in roter Markierung ohne Hinzunahme eines Symbols hinter die bisherigen Schreibweisen gesetzt. Steht kein »auch« zwischen beiden Angaben, bedeutet das, dass nur die zweite, rot markierte Schreibung gültig ist.

Irritierend ist im Wahrig, dass Wörter deren Schreibweise zwar gleich bleibt, denen aber bisher nicht vorhandene Möglichkeiten der Silbentrennung zukommen, ebenfalls rot markiert sind.

Anstelle von Info-Kästchen werden nur an einzelnen Stellen Bemerkungen zu neuen Trennungsmöglichkeiten bei Fremdwörtern gemacht.

 

Teil B - Vergleich der Wörterbücher

B.I) Wortverbindungen mit Verben (§ 34)

1) Kurze Vorstellung der Problematik der "trennbaren

Verben" (nach Ickler)

§ 34 soll die sog. trennbaren Zusammensetzungen aus Partikeln, Adjektiven oder Substantiven und Verben regeln. Ickler kritisiert in seinen Schriften die Formulierung »trennbare Zusammensetzungen«, denn "Zusammensetzungen werden im Deutschen immer zusammengeschrieben". Demnach kann, so Ickler, nicht zwischen trennbaren und untrennbaren Zusammensetzungen unterschieden werden. Bei den Fällen, die von § 34 betroffen sind, handelt es sich "in Wirklichkeit um zusammengeschriebene Wortgruppen". Tatsächlich um die Unterscheidung von Zusammensetzungen und Wortgruppe geht es bei den in § 36 geregelten Verbindungen, deren zweiter Bestandteil ein Partizip oder Adjektiv ist, da in diesen Fällen Wortgruppen ausschließlich getrennt geschrieben werden, "während die Besonderheit der Verben gerade darin bestand, daß auch Wortgruppen unter gewissen Umständen zusammengeschrieben werden".

2) Die Partikelliste von § 34 (1)

Für die Zusammensetzungen aus Partikeln und Verb wird in

§ 34(1) eine Liste angeführt, die die Partikeln enthält, die mit Verben in infiniten Formen zusammenzuschreiben sind. Allerdings lässt die Formulierung

"Dies betrifft (1) Zusammensetzungen aus Partikel + Verb mit

den folgenden ersten Bestandteilen" (aRW, S. 75)

darauf schließen, dass es sich hierbei um eine geschlossene Liste handelt. In dieser Aufzählung fehlen aus unersichtlichen Gründen Partikeln wie darunter, dahinter, darüber oder vornüber, obwohl daneben, dazwischen oder hintenüber in ihr enthalten sind.

"Es ist nicht zu erkennen, warum die einen Partikeln aufgeführt

sind und die anderen nicht".

Auch Zabel gibt in seinem Buch "Widerworte" zu, dass "zu überlegen" wäre, davor und vornüber in die Liste aufzunehmen.

2.1) Einträge zu den Partikeln im Wörterverzeichnis

Einige dieser fraglichen Partikel kommen im Wörterverzeichnis des amtlichen Regelwerks vor und werden in Verbindungen mit Verben getrennt geschrieben, so z.B. dahinter kommen, darauf ausgehen, darunter stellen oder davor stellen.

Die synkopierten Formen sollen jedoch mit dem Verb zusammengeschrieben werden, also zwar

2 darauf eingehen, darauf kommen, aber drauflegen;

2 darin sitzen, aber drinsitzen;

2 darunter stellen, aber drunterstellen.

Seltsam erscheint der Eintrag "d[a]rüber fahren, aber drüberfahren" (aRW, S. 208). Das eingeklammerte a in darüber, lässt eigentlich annehmen, man könne schreiben darüber fahren oder drüber fahren. Ickler bezeichnet derartige Einträge als

"Einträge, aus denen niemand klug wird, auch die

Wörterbuchmacher nicht, denen man nicht verübeln kann, daß

sie daraus die abstrusesten Interpretationen ableiten".

Besonders widersprüchlich sind im Wörterverzeichnis einige Regelhinweise. Obwohl z.B. drunter oder drüber nicht in der Partikelliste des Regelteils vorkommen, gibt das Wörterverzeichnis zu den Einträgen drüberfahren und drunterstehen den Hinweis auf die Partikelliste des Paragraphen 34(1).

2.2) Vergleich der Wörterbücher

Die Wörterbücher halten sich bei oben genannten Fällen zumeist an das Wörterverzeichnis. Dementsprechend werden in den Wörterbüchern die Partikeln dahinter, darauf, darin, darüber, darunter und davor analog zu den Beispielen im amtlichen Wörterverzeichnis mit Verben getrennt, die synkopierten Formen drauf, drin, drüber, drunter zusammengeschrieben. Allerdings wurde im Regelteil des Dudens von 1996 unter R 38 Folgendes formuliert:

"Bei den Adverbien ,dahinter‘, ,darin‘ [...] gilt generell

Getrenntschreibung, bei den umgangssprachlichen Kurzformen

,drin‘, ,drüber‘, ,drauf‘, ,drunter‘ jedoch auch Zusammen-

schreibung." (D96, S. 34).

Für die synkopierten Formen, die in der verbindlichen Partikelliste des Regelwerks stehen, wurde also neben der Zusammen- auch die Getrenntschreibung zugelassen, trotzdem wurden im Wortteil dieser Duden-Auflage nur zusammengeschriebene Verbindungen mit den genannten Partikeln angegeben. Eine Entsprechung dieser Regel R 38 gibt es in der neuen Duden-Auflage allerdings nicht.

Das Schülerwörterbuch von Weltbild gibt, der Regel der 21. Duden-Auflage entsprechend, bei drüber und drunter beide Möglichkeiten der Schreibung an, drauf wird mit den Verben zusammengeschrieben, drin kommt nur in der Verbindung mit sein (drin sein) vor. So steht neben drüberfahren die Neuschreibung drüber fahren, darunter der markierte Hinweis:

"Verbindungen aus dem Adverb drüber [...] und einem Verb

kann man getrennt oder zusammenschreiben, Verbindungen mit

darüber hingegen nur getrennt" (Wb99, S. 118),

dasselbe gilt für drunterfallen. Die nichtsykopierten Formen werden vom Verb getrennt geschrieben, allerdings findet man bei diesen Einträgen keinen Hinweis zu der Schreibung der verkürzten Form.

Unstimmigkeiten sind bei Einträgen von Partikeln zu finden, die irritierender Wiese nicht in die Liste zu § 34(1) aufgenommen wurden und auch nicht in Wortverbindungen im Wörterverzeichnis aufgeführt sind (z.B. hinterdrein, nebenher, vornüber).

Zwar werden in den neusten Auflagen von Duden und Bertelsmann die unterschiedlichen Schreibweisen bei Verbindungen mit hinterdrein und nebenher getilgt, jedoch bestehen weiterhin Differenzen bei vornüber.

Nach diesen beiden Wörterbüchern und auch nach der 7. Auflage des Wahrig können Verbindungen von Verben mit hinterdrein und nebenher sowohl getrennt als auch zusammengeschrieben werden:

2 hinterdreinlaufen = hinterdrein laufen,

2 nebenhergehen = nebenher gehen.

In den Auflagen von 1996 wurden diese im Bertelsmann nur getrennt, im Duden nur zusammengeschrieben. Im Wahrig von 1997 wurde nebenher gehen als Getrenntschreibung angeführt, Verbindungen mit hinterdrein kamen überhaupt nicht vor.

Während Duden von Anfang an die alte Schreibung bei vornüberbeugen, vornüberkippen etc. beibehielt, vornüber somit analog zu hintenüber aus der Partikelliste behandelt wurde, steht in den neuen Auflagen von Bertelsmann und Wahrig immer noch die Getrenntschreibung von vornüber kippen. Allerdings folgt danach im Bertelsmann der zusammengeschriebene Eintrag vornübergebeugt.

Das Weltbild-Schülerwörterbuch übernimmt zwar auch nur die Neuschreibung von nebenher gehen, schließt sich aber bei Verbindungen mit vornüber (vornüberfallen, vornüberbeugen, ...) der Duden-Schreibung an.

Ickler führt die Getrenntschreibungen in den Wörterbüchern darauf zurück, dass "offenkundige Versehen der Reformer sklavisch reproduziert werden", obwohl, wie der erste Bericht der Kommission zeigt, die Reformer bereit sind, "ihre lückenhafte Liste zusammenzuschreibender Partikel zu ergänzen". Die Rechtschreibkommission sah in den Verbesserungsvorschlägen ihres ersten Berichts unter Anderem vor, dass aus der geschlossenen eine offene Liste werden soll und gab in ihrem Bericht vom Januar 1998 an, auch dahinter, darauf, darin, darüber und vornüber in die Liste zu § 34(1) aufgenommen zu haben.

3) Wortgruppen aus § 34 E1

Für unterschiedliche Auslegungen in den Wörterbüchern sorgt

§ 34 E1, wonach Verbindungen von Partikeln aus § 34(1) mit Verben auch getrennt geschrieben werden können, nämlich dann, wenn sie sog. Wortgruppen bilden. Zurecht kritisiert Ickler, dass trotz der sonstigen Ausführlichkeit des Regelwerks keine Erklärung gegeben wird, was eigentlich unter einer Wortgruppe zu verstehen sei. Ickler bemängelt, dass "die sprachlichen Tatsachen nicht beim Namen genannt, sondern in bloßen Beispielen versteckt sind", denn eigentlich handelt es sich hierbei, so Ickler, um eine einfache Regel. Es geht um den "Unterschied zwischen Verbzusätzen und adverbialen Erweiterungen". Anders als der Verbzusatz steht die adverbiale Erweiterung nur zufällig an dieser Position (z.B. zusammen (mit dem Ball) spielen). Somit ist getrennt zu schreiben, wenn sich zwischen die Bestandteile etwas einfügen lässt, wobei die Schreibung auch schon durch die Betonung ersichtlich ist. Eine diesbezügliche Regel anstelle der vagen Formulierung über Wortgruppen und Zusammensetzungen wäre sinnvoll gewesen, wobei Ickler ohnehin kritisiert, dass die Getrenntschreibungen in § 34 E1 als Wortgruppen bezeichnet werden.

Im Wörterverzeichnis wird, oftmals ohne die Bedeutungen anzugeben, darauf aufmerksam gemacht, dass zwischen Getrennt- und

Zusammenschreibung zu unterscheiden ist (dazugehören ¹ dazu gehören). Das Fehlen einer klaren Formulierung sowie die wenigen und irritierenden Beispiele führten zu eigenmächtigen Versuchen der Lexikographen, Hilfsregeln zu formulieren, woraus viele Unterschiede resultieren.

Völlig außer Acht gelassen wurde im amtlichen Regelwerk die Betonung. Im Duden wird im Regelteil unter K 48 ein Hinweis hinzugefügt, wonach

"bei den Zusammensetzungen aus Adverb und Verb [...] das

Adverb meist deutlich stärker betont [ist] als das Verb. Bei den

entsprechenden Wortgruppen sind die Bestandteile in der Regel

etwa gleich betont." (D00, S. 43).

Allerdings gibt es in Bezug auf die Betonung im Duden Probleme bei den fakultativen Schreibweisen von z.B. wiederbeleben oder weiterbestehen. Die bisher gültigen Zusammenschreibungen hatten den Akzent auf der Partikel, nun werden sie gleichgesetzt mit der getrennt zu schreibenden Wortgruppe, die auf beiden Wörtern betont wird (weiter bestehen = weiterbestehen). Diese unterschiedlichen Betonungen betreffen allerdings nicht alle fakultativen Schreibungen. So liegt u.A. bei dafürhalten der Akzent bei beiden Schreibweisen auf dem ersten Bestandteil (dafürhalten = dafür halten).

Bei Zusammensetzungen, die nach der Neuregelung getrennt geschrieben werden müssen, kommt es dadurch, dass bisherige zusammengeschriebene Wörter wie wiedergutmachen, wiederaufbauen und zunächst auch wiedersehen aus der Schriftsprache beseitigt wurden, zu einseitigen Schreibungen, die keine genauen Differenzierungen mehr ermöglichen. Da viele getrennt geschriebenen Verbindungen in den Wörterbüchern anders betont werden als die ihnen zugrunde liegenden bisherigen Zusammenschreibungen, werden die betroffenen zusammengesetzten Wörter mit nur einem Akzent somit theoretisch auch aus der Sprache eliminiert. Dementsprechend gibt es beispielsweise nach Bertelsmann davorschieben oder darüberfahren nicht mehr (sondern nur noch davor schieben, darüber fahren).

3.1) Vergleich der Wörterbücher

Entscheidend dafür, ob getrennt oder zusammengeschrieben wird, sind Funktion und Bedeutung, die der Partikel in der entsprechenden Verbindung zukommen. Im amtlichen Regelwerk und Wörterverzeichnis werden damit die unterschiedlichen Schreibungen von Beispielen zu den Paragraphen 34(1) und 34 E1 begründet, die Wörterbücher versuchen dieses Kriterium auf weitere Wortverbindungen anzuwenden, wodurch jedoch zahlreiche Differenzen entstehen. Dabei kommen für die Einträge vier Angaben zur Schreibweise in Frage. Entweder das Wörterbuch führt die neue Getrenntschreibung an oder es werden beide Schreibweisen als Alternativen zur Auswahl gestellt. Bei anderen Einträgen werden nur die Zusammenschreibung angegeben oder dieser Schreibweise wird zusätzlich ein Beispiel zu der nach § 34 E1 möglichen Getrenntschreibung als Wortgruppe gegeben. Da die Wörterbücher diese Schreibmöglichkeiten bei unterschiedlichen Einträge anwenden, ergeben sich folgende Unterschiede (s. Tabelle, S.19):

In den neuen Auflagen der Wörterbücher von Duden, Bertelsmann und Wahrig wird weiter bestehen als Neuschreibung mit weiterbestehen gleichgesetzt, obwohl das Wörterverzeichnis nur die Getrenntschreibung im Sinne von »weiterhin bestehen« aufführt. Dabei werden die verschiedenen Schreibweisen in Duden und Bertelsmann unterschiedlich betont. Das Weltbild-Wörterbuch führt nur die Neuschreibung an.

Bei Bertelsmann wurde 1996 differenziert zwischen weiterbestehen in der Bedeutung »fortbestehen« (zusammen) und weiter bestehen in Sinne von »weiterhin bestehen« (getrennt), im alten Duden wurde nur die neue Getrenntschreibung ohne weitere Differenzierung angeführt, allerdings mit nur einem Akzent (weiter bestehen).

Während Bertelsmann und das Schülerwörterbuch von Weltbild zwischen dafür halten (man könnte ihn dafür halten) und dafürhalten (= meinen) differenzieren, können nach Duden und Wahrig sowohl Getrennt- als auch Zusammenschreibung in der Bedeutung »meinen« verwendet werden, allerdings setzen diese beiden Wörterbücher den Akzent auch bei der Getrenntschreibung von dafür halten nur auf das Adverb. Auf den Gebrauch der Wortgruppe mit zwei Akzenten wird nicht hingewiesen. 1996 wurde im Duden noch so unterschieden, wie es im Bertelsmann der Fall ist.

Bei den Einträgen dafürkönnen und dafürstehen sind mit Ausnahme des Schülerwörterbuchs in den Wörterbüchern Getrennt- und Zusammenschreibung freigestellt, allerdings werden die fakultativen Schreibweisen im Bertelsmann unterschiedlich betont. Im Weltbild-Wörterbuch wird nur die Zusammenschreibung angegeben, dasselbe ist in den vorigen Auflagen von Bertelsmann (dafürkönnen) und Wahrig (dafürkonnen, dafürstehen). Nur der Duden führte schon in der 21. Auflage die neue Getrenntschreibung an, wenn auch als die einzige gültige Schreibweise und mit zwei Akzenten.

Das Verb dafürsprechen ist nur in den neuen Wörterbüchern von Duden und Wahrig zu finden. Dabei gibt Wahrig die Zusammenschreibung als gültige Schreibweise an. Nach dem Duden ist auch die Getrenntschreibung möglich, dabei wird die zusammengeschriebene Variante im Gegensatz zum Wahrig als neu gekennzeichnet.

Bei dareinsetzen und dawiderreden gibt es im Duden, gegensätzlich zum Bertelsmann, keinen Hinweis auf eine mögliche Getrenntschreibung beider Bestandteile, obwohl ein solcher im amtlichen Wörterverzeichnis angeführt wird.

Einige Unterschiede gibt es auch bei Beispielen zu Verbindungen mit der Partikel dazu. Im Duden werden bei dazukommen, dazusetzen und dazutun Beispiele zum Gebrauch als Wortgruppe gegeben, bei Bertelsmann hingegen nicht bei diesen Einträgen, sondern bei drei anderen, die wiederum im Duden nur zusammengeschrieben vorkommen: dazugehören, dazuschreiben, dazusetzen.

 

Tabelle: Partikel + Verb

Auflage

Duden

Bertelsmann

Wahrig

Weltbild

neu

dafürhalten, dafür halten

dafürhalten*

dafürhalten, dafür halten

dafürhalten*

alt

dafürhalten*

dafürhalten*

dafürhalten

--

neu

dafürkönnen, dafür können

dafürkönnen, dafür können

dafürkönnen, dafür können

dafürkönnen

alt

dafür können

dafürkönnen

dafürkönnen

--

neu

dafürstehen, dafür stehen

dafürstehen, dafür stehen

dafürstehen, dafür stehen

dafürstehen

alt

dafür stehen

-

dafürstehen

--

neu

dafürsprechen, dafür sprechen

-

dafürsprechen

-

alt

-

-

-

--

neu

weiter bestehen, weiterbestehen

weiterbestehen, weiter bestehen

weiterbestehen, weiter bestehen

weiter bestehen

alt

weiter bestehen

weiterbestehen*

weiter bestehen

--

 

*: Ein Sternchen weist darauf hin, dass zu dem Eintrag auch ein Beispiel für die Verwendung der Getrenntschreibung als Wortgruppe

gegeben wird.

(Vom Weltbild-Verlag stand mir nur die 2. (neue) Auflage zur Verfügung.)

3.1.2) Verbindungen mit "daneben"

Die Schreibweisen von danebenstehen werden im Wörterverzeichnis folgendermaßen differenziert:

"daneben(...)stehen (neben dem bezeichneten Ort stehen) ...

§ 34E1 ¹ danebenstehen" (aRW, S. 208),

letzteres wird mit "sich nicht hineinversetzen können" umschrieben. Im Bertelsmann wird im Info-Kästchen zu daneben erklärt,

"Zusammensetzungen aus Partikeln wie daneben und Verben

werden in den unflektierten (...) Formen zusammengeschrieben"

(B99, S. 230),

dazu gehören danebenstehen, danebengehen, danebengreifen und danebenschießen; ein Hinweis, der nicht dazu beiträgt, zu einer Entscheidung zu verhelfen, ob es sich um eine Zusammensetzung handelt oder nicht. Eine Konkretisierung für den Einsatz der Getrenntschreibung gibt es nicht. Im Duden wird hingegen entsprechend dem Wörterverzeichnis erklärt, dass getrennt zu schreiben ist, wenn daneben in der Bedeutung "neben dem/den bezeichneten Ort oder Gegenstand liegend" (D00, S. 273) verwendet wird. Das Verb danebenstehen wird allerdings nicht angeführt. Im Wahrig werden alle angegebenen Verbindungen mit daneben und einem Verb (außer daneben sein) zusammengeschrieben, sowohl die, bei denen daneben räumlich zu verstehen ist (z.B. danebenfallen) als auch die, die im übertragenen Sinn verwendet werden (z.B. danebenbenehmen). Die Beispielsätze, die zu Einträgen wie danebengehen, danebenliegen gemacht werden, beziehen sich nur auf den übertragenen Gebrauch. Zur konkreten Bedeutung wird kein Hinweis gegeben.

Im Weltbild-Wörterbuch werden ebenfalls nur Zusammensetzungen angeführt. Einerseits geht aus den Beispielen hervor, dass es sich um den übertragenen Gebrauch handelt (danebenbenehmen, danebengehen), andererseits ist zu danebenschießen auch die Bedeutung »(am Ziel) vorbeischießen« angegeben.

Als repräsentatives Beispiel für die große Variationsbreite der unterschiedlichen Schreibungen, Betonungen und Beispielauswahlen dienen Verbindungen mit der Partikel wieder, die ich im nächsten Kapitel ausführlich besprechen möchte.

3.2) Verbindungen aus "wieder" und Verb

Wortverbindungen mit der Partikel wieder machen besonders deutlich, dass die Bedeutung der Partikel als Kriterium für die Schreibweise nicht zu einer befriedigenden Lage führen kann. Es wird im Regelwerk zwar nicht ausdrücklich formuliert, dass Verbindungen mit wieder abhängig von verschiedenen Bedeutungen unterschiedlich zu schreiben sind, das Beispiel "wieder (erneut nochmals) gewinnen" zu § 34(1) E1 (aRW, S. 76) und der entsprechende Eintrag im Wörterverzeichnis, in dem wieder in der Zusammenschreibung wiedergewinnen die Bedeutung »zurück« zugewiesen wird, führten dazu, dass die Lexikographen daraus eine allgemeine Regel ableiteten und versuchten, alle Verbindungen mit wieder auf diese zwei Bedeutungen zurückzuführen.

Ickler unterscheidet die Schreibweisen nach folgendem Gesichtspunkt:

"Getrennt geschrieben wird, wenn wieder eine freie Angabe ist.

Man kann sie durch Änderung der Wortstellung oder Einfügung

anderer Glieder erkennen."

Die Differenzen und Fehler in den Wörterbüchern hätten vermieden werden können,

"[w]äre der Verbzusatz begrifflich vom Adverbial abgegrenzt

und wäre außerdem noch auf das Betonungsmuster und die

Nichtunterbrechbarkeit der Verbzusatz-Konstruktion

hingewiesen worden".

 

3.2.1) Duden - Bertelsmann

Ich vergleiche zunächst die neuesten Ausgaben von Duden und Bertelsmann diesbezüglich miteinander.

Im Bertelsmann steht im Info-Kästchen zu "wiederbekommen – wieder bekommen":

"Zusammensetzungen aus Partikel und Verb in der Bedeutung

»zurück« schreibt man im Infinitiv und den Partizipien

zusammen [...]. Aber: In der Bedeutung »erneut, nochmals«

wird das Gefüge getrennt geschrieben (Akzent auf der Partikel

wieder sowie auf dem Verb)" (B99, S. 978).

Im Eintrag zu wieder... wird hinzugefügt, dass außerdem zusammenzuschreiben ist,

"wenn der zweite Bestandteil in dieser Form oder Bedeutung

nicht selbständig vorkommt, z.B. wiederkäuen, wiederkehren".

Getrennt geschrieben werden muss, "wenn wieder nach

Bedeutung (»nochmals, erneut, wiederholt« usw.) und Funktion

Adverb ist und sich zwischen wieder und dem folgenden Verb

ein Satzglied einfügen lässt [...] bzw. das folgende Verb bereits

ein trennbares Präfix besitzt, z.B. wieder aufsuchen, wieder

gutmachen" (B99, S. 978).

Im Duden wird die Abhängigkeit der Schreibweise von der Bedeutung ein wenig relativiert, und zwar durch den Einschub "vor allem dann" sei wieder mit dem Verb zusammenzuschreiben, wenn es "im Sinne von »zurück« verstanden wird" (D00, S. 1074) (analog die Bedeutung »erneut, nochmals« bei Getrenntschreibung). Hinzugefügt werden Fälle von Verbindungen, in denen die Partikeln zwar nicht in diesem Sinne verstanden, aber trotzdem zusammengeschrieben werden (wiederkehren, wiedergeben ...).

Der entscheidende Unterschied zu Bertelsmann ist, dass im Duden Fälle zugelassen werden, in denen unabhängig von Bedeutung oder Gebrauch sowohl getrennt als auch zusammengeschrieben werden darf. Nur bei den Beispielen zur fakultativen Schreibung gibt es im Info-Kästchen zu wieder Angaben zu der Betonung. Im Duden ist die Freistellung der Schreibweise

"möglich, vor allem dann, wenn die Betonung entweder nur auf

»wieder« oder sowohl auf »wieder« als auch auf dem Verb [...]

liegen kann" (D00, S. 1074) (z.B. wiederaufbauen).

Aus dieser fakultativen Schreibweise resultieren viele unterschiedliche Einträge der Wörterbücher (s. Anhang 1).

Bei folgenden Fällen sind im Duden beide Schreibungen als gleichbedeutend zugelassen, während sie im Bertelsmann unterschiedlichen Bedeutungen zugewiesen werden (ich schreibe nur die zusammengesetzte Form hin):

wiederaufbauen, wiederbeleben, wiederentdecken,

wiedererkennen, wiedereröffnen, wiederfinden,

wiedervereinigen, wiederverwenden, wiederwählen.

Zu wiederaufbereiten und wiederaufführen gibt es nach Bertelsmann nur die getrennte Form, die als neu gekennzeichnet wird, während im Duden keine Getrenntschreibung der oben genannten Beispiel als Neuschreibung gilt.

Als Beispiele für den Gebrauch der unterschiedlichen Schreibweisen werden im Bertelsmann angegeben:

2 der Staat wurde wiederaufgebaut –

das Haus wurde wieder aufgebaut

2 der Verunglückte konnte wiederbelebt werden –

der Verkehr hat sich wieder belebt

2 ich habe das verloren geglaubte Stück wiederentdeckt –

du wirst es schon wieder entdecken

2 ich habe ihn wiedererkannt –

ich werde ihn immer wieder erkennen

2 sie haben das Theater wiedereröffnet –

sie wollen das Haus wieder eröffnen

2 ich finde das Buch wieder, habe es wiedergefunden –

ich werde es bestimmt wieder finden

Der Duden gibt in diesen Fällen zu den Einträgen keine Beispielsätze an, aber einige dieser Verbindungen tauchen im Info-Kästchen zu wieder als Exempel auf (z.B. Die Firma wieder aufbauen, auch wiederaufbauen).

An den Beispielen im Bertelsmann wird erneut deutlich (v.a. durch die Einschübe von schon oder immer), dass es sich bei der Partikel wieder um eine adverbiale Ergänzung handelt, wenn getrennt geschrieben wird. Nach dem neuen Duden soll jedoch nicht mehr zwischen den verschiedenen Konstruktionen wiederfinden oder wieder finden unterschieden werden.

In beiden Wörterbüchern nur getrennt zu schreiben, diesmal auch in beiden als Neuschreibungen markiert, sind

wieder aufnehmen, wieder einfallen, wieder einsetzen, wieder

gutmachen, wieder herrichten, wieder tun.

Zusätzlich dazu werden im Duden als Neuschreibung angeführt wieder aufsuchen, wieder auftauchen, im Bertelsmann wieder einführen, wieder eingliedern und wieder aufrichten. Letzteres steht zwar nicht im Duden von 2000, wurde jedoch in der 21. Auflage ebenfalls als Neuschreibung angegeben.

Darauf, dass die Regelung der Schreibeweise in Bezug auf die Bedeutung nicht eindeutig ist, weist Ickler mit dem Beispiel wiederherrichten hin. Nach der Neuregelung wird es getrennt geschrieben, somit müsste wieder in diesem Fall »nochmals, erneut« bedeuten, aber

"wer etwas wiederherrichtet, muß es nicht zuvor schon einmal

hergerichtet haben, sondern versetzt es durch Herrichten in den

früheren Zustand zurück".

Im Widerspruch zur Getrenntschreibung von wiederherrichten soll wiederherstellen zusammengeschrieben werden. Nach Duden und Bertelsmann wird diese Zusammenschreibung auch mit der Bedeutung "in den alten Zustand bringen" (D00) ("sie hat den alten Zustand wiederhergestellt" (B99)) begründet.

Wiedergeboren wurde 1996 sowohl im Duden als auch im Bertelsmann als Neuschreibung, also getrennt, angeführt, wird in der neuen Ausgabe des Bertelsmann aber weggelassen (nur die Wiedergeburt wird angeführt). Im neuen Duden sind beide Schreibungen nebeneinander möglich, die Getrenntschreibung wird jedoch nicht mehr rot markiert.

Einig sind sich beide Wörterbücher, dass zwischen Zusammen- und Getrenntschreibung zu unterscheiden ist bei

 

wiederbekommen, wiederbringen, wiedergewinnen,

wiederhaben, wiederherstellen und wiederkommen.

Folgende Einträge sind ebenso abhängig von der Bedeutung zu schreiben, werden aber nur im Bertelsmann angeführt:

wiederbeschaffen, wiedererhalten, wiedererzählen,

wiederimpfen, wiederverkaufen;

nur im Duden zu finden ist wiederkaufen.

Ausschließlich zusammenzuschreiben sind nach beiden Wörterbüchern wiedererlangen, wiederkäuen und wiederkehren. Während wiedererstatten, wiederfordern und wiedergeben nach Bertelsmann ebenso nur zusammenzuschreiben sind, unterscheidet der Duden auch hier nach der Bedeutung, wobei zwischen »zurück« und »erneut« differenziert wird:

2 die Bank hat das Geld wiedererstattet –

die Bank hat das Geld wieder erstattet

2 er hat das Geld wiedergefordert –

wir wurden vom Gegner wieder gefordert

2 die Freiheit wurde ihm wiedergegeben,

sie hat das Gedicht vollendet wiedergegeben –

sie hat ihm die Schlüssel schon wieder gegeben.

In solchen Fällen stellt sich natürlich die Frage nach der Ausschließlichkeit der Einträge. Es ist keineswegs anzunehmen, dass nach Bertelsmann in allen Fällen zusammenzuschreiben wäre. Ich merke dieses Fehlen jedoch hier an, da ansonsten im Bertelsmann Beispiele für die Verwendung der Verbindung als Wortgruppe gegeben sind und dies auch bei diesen drei Beispielen möglich ist (anders als z.B. bei wiederkäuen).

Schwierigkeiten im Bertelsmann liefern die Einträge, deren Beispiele nicht mit »aber«, sondern mit »oder« verknüpft sind. Während »aber« auf die Bedeutungsunterschiede bei Getrennt- oder Zusammenschreibung hinweisen soll, ist nicht klar, ob die Konjunktion »oder« ausschließend ist, also eigentlich dasselbe bezweckt, oder ob sie beide Schreibungen gleichberechtigt, demnach das bedeutet, was andere Wörterbücher mit »auch« kennzeichnen.

Beispiele hierfür sind wiedererobern, wiederhaben und wiederholen. Dabei sind die Beispielsätze:

2 sie eroberten die Stadt wieder, haben sie wiedererobert

oder wieder erobert

2 ich hole mir das Buch wieder, habe es mit wiedergeholt

oder wieder geholt

2 ich möchte das Buch wiederhaben

oder bald wieder haben

In den ersten beiden Beispielen ist kein Hinweis auf unterschiedliche Bedeutungen zu entdecken, und dass verschiedene Betonungen für denselben Begriff den gleichberechtigten Gebrauch nicht ausschließen müssen, sieht man auch an anderen Einträgen, z.B. weiterbestehen = weiter bestehen, davorstehen = davor stehen.

Nur bei wiederhaben wird »bald« vor die Getrenntschreibung eingeschoben, so dass wieder hier eher als adverbiale Ergänzung zu verstehen ist, denn als Verbzusatz. Die Funktion dieses Einschubs entspricht dem des Adverbs »schon«, z.B. in du wirst es schon wieder entdecken. Dort wird die Getrenntschreibung allerdings klar als Unterscheidung zu wiederentdecken angegeben und das Beispiel dementsprechend mit der Konjunktion »aber« eingeleitet. Im Duden wird bei diesen Einträgen ausdrücklich zwischen den Bedeutungen »zurück« und »erneut« unterschieden. Bezüglich einer Nachfrage bei der Bertelsmann-Sprachberatung wurde mir jedoch versichert, dass die Konjunktion »oder« ausschließend zu verstehen sei und die beiden Schreibweisen in Abhängigkeit von der Bedeutung zu verwenden seien.

 

3.2.2) Weltbild - Wahrig:

Auch im Weltbild-Wörterbuch für Schüler basiert die Entscheidung für oder gegen Getrenntschreibung hauptsächlich darauf, ob wieder in der Bedeutung »zurück« oder »erneut, nochmals«  gebraucht wird.

Bei einem Vergleich mit den Einträgen in Duden und Bertelsmann ist festzustellen, dass mehrere Angaben nicht mit denen der beiden anderen Wörterbücher übereinstimmen. Insbesondere werden im Weltbild-Wörterbuch keine freigestellten Schreibweisen angeführt.

Während im Duden die Schreibung bei folgenden Beispielen fakultativ ist, Bertelsmann jedoch den Gebrauch der Getrennt- und Zusammenschreibung differenziert, gibt es im Weltbild-Wörterbuch die Zusammenschreibung nicht mehr. Davon betroffen sind: wieder aufbauen, wieder eröffnen, wieder verwenden und wieder wählen. Dabei wird nun auf beiden Wörtern ein Akzent gesetzt, während bei der angegebenen alten Schreibweise nur die Betonung auf der Partikel vermerkt ist.

Übereinstimmend mit Bertelsmann, nicht aber mit Duden, nach dem sowohl Zusammen- als auch Getrenntschreibung zugelassen werden, sind die Getrenntschreibungen von wieder aufbereiten, wieder aufführen und die Differenzierung der Schreibweise bei wiederbeleben. Ebenfalls wie im Bertelsmann werden die Einträge wiedererkennen, wiedererstatten und wiederfinden zusammengeschrieben, allerdings fehlt im Weltbild-Wörterbuch der Hinweis auf eine mögliche Getrenntschreibung nach § 34 E1.

Wieder geboren, in der neuen Auflage von Bertelsmann nicht mehr vorhanden, im Duden mit freigestellter Schreibweise, wird nur getrennt geschrieben angeführt. Damit stimmt auch der Eintrag im Wahrig überein. Dort wird der Ausdruck folgendermaßen umschrieben: "zu einer neuen irdischen Existenz nochmals geboren" bzw. "geistig oder körperlich erneuert".

Gegensätzlich zu allen anderen Wörterbüchern ist die Zusammenschreibung von dem Verb wiedergutmachen, das nach Duden, Bertelsmann und Wahrig ausschließlich getrennt zu schreiben ist.

Die einzigen Einträge, die gleichzeitig mit allen der drei anderen Wörterbüchern vollkommen übereinstimmen, sind wiederkäuen, wiederkehren, wiederbekommen, wiederbringen, wiedererlangen wiederherstellen und wiederkommen, wobei (außer bei wiederkäuen und wiederkehren) auf den möglichen Gebrauch als Wortgruppe hingewiesen wird.

In der 7. Auflage des Wahrig kommt die Getrenntschreibung als Konsequenz der Neuregelung v.a. bei den Einträgen vor, in deren Erläuterung wieder die Bedeutung »erneut« zugeschrieben bekommt. Die Verbindungen, bei denen wieder in der Bedeutung »zurück« gebraucht wird, werden ausschließlich zusammengeschrieben. Allerdings gibt es mehrere zusammengeschriebene Einträge, in deren Zusatz zwar nicht das Wort »erneut« vorkommt, in denen die angegebene Bedeutung von wieder dennoch auf dasselbe hinausläuft:

2 wiederentdecken (von Neuem entdecken),

2 wiederergreifen (aufs Neue ergreifen),

2 wiedererkennen (aufs Neue erkennen),

2 wiedererzählen (noch einmal erzählen),

2 wiederfinden (von Neuem finden),

2 wiederherstellen (aufs Neue herstellen),

2 wiederimpfen (nochmals, zusätzlich gegen dieselbe Krankheit

impfen).

Als Synonyme sind angegeben wieder aufbereiten, in der neuen Getrenntschreibung, und wiederaufarbeiten, das allerdings zusammengeschrieben bleibt. Das Kriterium, das auf wieder aufbereiten angewandt wurde und zur Trennung führte, hätte auch bei dem Synonym zu demselben Ergebnis führen müssen.

Wie an den Einträgen zu erkennen ist, richtet sich die Schreibweise der Verbindungen mit wieder im Wahrig nicht so streng danach, ob wieder eher die Bedeutung »zurück« oder »erneut, nochmals« zukommt, wie es in den anderen Wörterbüchern der Fall ist oder zumindest versucht wird. Es werden im Wahrig auch keine Hinweise dazu gegeben, welche Regeln zur Trennung oder Beibehaltung der Zusammenschreibungen geführt haben.

In der 6. Auflage des Wahrig gab es bei Verbindungen mit wieder noch keine Neuschreibungen. Die einzige Ausnahme bildete die Freistellung der Schreibweise von wiederinstandsetzen/wieder in Stand setzen, was jedoch auf der fakultativen Schreibung von instand beruht. Von den Neuschreibungen der 7. Auflage waren die Verbindungen wieder aufnehmen, wieder einführen, wieder eingliedern, wieder einsetzen und wieder tun gar nicht angeführt, wiederaufbereiten, wiedergeboren und wiedergutmachen kamen in der 6. Auflage nur als Zusammenschreibung vor.

Die Schreibweisen im neuen Wahrig entsprechen denen im Bertelsmann. Es besteht nur der Unterschied, dass im Wahrig bei den Zusammenschreibungen nicht auf den möglichen Gebrauch beider Bestandteile als Wortgruppe hingewiesen wird.

Verglichen mit dem Duden bestehen die Differenzen darin, dass im Wahrig keine fakultative Schreibungen zugelassen werden.

3.2.3) Vergleich der verschiedenen Auflagen von Duden und

Bertelsmann

(s. Tabelle Anhang 2)

Bertelsmann

Schaut man sich die verschiedenen Auflagen der Wörterbücher an, so wird man feststellen, dass im Bertelsmann von 1996 bei viel mehr Verbindungen mit wieder nur die Getrenntschreibung angegeben wurde, und zwar als Neuschreibung, während man 1999 zur bisherigen Schreibung zurückkehrt, mit dem Hinweis auf die nach wie vor getrennt zu schreibende Wortgruppe (z.B. wiederbeschaffen, wiederwählen).

Bei den Einträgen, die nach der Neuregelung nur noch getrennt zu schreiben sind, ändert sich in beiden Auflagen mit der Neuschreibung die Betonung, so dass Wortverbindungen mit der alleinigen Betonung auf wieder eliminiert und zu Wortgruppen mit Akzenten auf beiden Wörtern werden. So gibt es z.B. nach Bertelsmann (1999) das Wort wiedererkennen nicht mehr, es wird zu wieder erkennen. Allerdings ist wieder gutmachen der einzige Eintrag, für den das oben Gesagte in beiden Auflagen zutrifft. Die Wortverbindungen, die 1999 nur noch getrennt zu schreiben sind, wurden im Bertelsmann von 1996 gar nicht angeführt (z.B. wieder einführen, wieder tun). In den anderen Fällen, die 1996 als Konsequenz der Neuregelung getrennt geschrieben wurden, wird 1999 auf die alte Schreibweise zurückgegriffen und die alleinige Zusammenschreibung angegeben (wiederimpfen, wiederverheiraten) oder der Eintrag wird ganz weggelassen (wieder erstehen, wieder geboren, wiederlieben). 1996 wurden wieder erstehen und wieder geboren als Neuschreibungen angegeben, allerdings mit unterschiedlichen Betonungen. Aus wiedererstehen wurde wieder erstehen, bei wiedergeboren blieb die Betonung gleich: wieder geboren.

Übereinstimmend im Unterscheiden der Schreibweise nach Gebrauch und Betonung sind beide Auflagen u.A. bei wieder herstellen und wieder bekommen. Bei einigen Einträgen, die zusammengeschrieben sind, wird im Bertelsmann von 1999 nachträglich auch ein Hinweis für den Gebrauch der Getrenntschreibung hinzugefügt (z.B. wiedererhalten).

Einige Widersprüche gibt es bei den Beispielsätzen zu den Einträgen. Die Beispielsätze, die 1996 zu der Getrenntschreibung von wiederaufbauen, wiederbeschaffen, wiedererkennen, wiedereröffnen, wiedererzählen, wiederfinden, wiederimpfen und wiederverkaufen angegeben waren, werden drei Jahre später als Beispiel für die Zusammenschreibung genutzt, wobei ein anderer Satz angeführt wird, der den syntaktischen Unterschied zur Getrenntschreibung verdeutlichen soll. Hierzu einige Beispiele:

 

Bertelsmann 1999

Bertelsmann 1996

der Staat wurde wiederaufgebaut, das Haus wurde wieder aufgebaut

der Staat wurde wieder aufgebaut, das Haus wurde wieder aufgebaut

er hat sich das Geld wiederbeschafft (im Sinne von zurückbeschaffen),

er konnte es sich wieder beschaffen

er hat sich das Geld wieder beschafft

sie haben das Theater wiedereröffnet, wir wollen das Haus wieder eröffnen

sie haben das Theater wieder eröffnet

er hat die Waren wiederverkauft

(als Großhändler),

ich habe das Auto wieder verkauft

er hat die Waren wieder verkauft

(als Großhändler),

ich habe das Auto wieder verkauft

An diesen Beispielen sieht man auch, dass die Betonung nicht immer angegeben wird.

In der Auflage von 1996 kam es vereinzelt vor, dass der Akzent in den Beispielsätzen anders als im Eintrag gesetzt wurde. Das war der Fall bei wieder eröffnen oder wieder beschaffen, in deren Einträgen beide Wörter betont wurden, im Beispielsatz aber nur das Verb (er hat sich das Geld wieder beschafft). Im Beispiel zu der Neuschreibung wieder erzählen wurde nur die Partikel betont:

ich (...) habe es ihm wieder erzählt. Doch die inkonsequente Akzentuierung betraf im Bertelsmann von 1996 nicht nur die Beispielsätze. So bekam wiederverheiraten als Neuschreibung zwei Akzente (wieder verheiraten), wiederwählen wurde jedoch zu wieder wählen. Es entstand also eine Umkehrung rar

der Akzente.

Wie schon erwähnt, werden viele dieser Neuschreibungen im neuen Bertelsmann wieder zurückgenommen. Inwiefern es auch in der neuen Auflage gelingt, mit Hilfe der Beispiele die unterschiedliche Bedeutung der Wortverbindungen zu verdeutlichen, ist in einigen Fällen fraglich. Während 1996 wiedererhalten nur als Zusammenschreibung angeführt wurde (er erhält das Geld wieder, hat es wiedererhalten), wird 1999 ein wenig aufschlussreiches Beispiel zur Getrenntschreibung hinzugefügt: er hat es wieder erhalten. Ebenso ist es bei ich habe ihn wiedergesehen, aber jmd. wieder sehen (1999). Außer dem Unterschied der Betonung werden durch diese Beispiele nicht die Unterschiede in der Bedeutung oder Verwendung der beiden Schreibweisen deutlich.

Duden

Alle Einträge, bei denen in der 22. Auflage des Dudens alternativ zu der Zusammenschreibung auch die getrennte Schreibung zugelassen wird, wobei diese nicht als neu gekennzeichnet wird, sollten nach der 21. Auflage als Konsequenz der Neuregelung getrennt geschrieben werden. Die Neuschreibungen aus der 22. Auflage entsprechen den Einträgen von 1996, zu letzteren gehörte zusätzlich wieder aufrichten, ein Eintrag, der 2000 nur noch als Substantivierung erhalten geblieben ist.

Wie auch in den Bertelsmann-Auflagen gibt es Unterschiede bei der Beispielauswahl. So fehlten in der früheren Auflage unter einigen zusammengeschriebenen Einträgen Beispiele oder Hinweise zur Differenzierung der möglichen Getrenntschreibung, z.B. bei wiedererstatten, wiederhaben, wiederkaufen.

Weitere wesentliche Unterschiede sind erneut die Angaben zur Betonung. Der neue Duden setzt die Betonungen in der Regel analog zum Bertelsmann von 1999 bei Getrenntschreibungen auf beiden Wörtern. Eine Ausnahme davon ist die einseitige Betonung im Duden bei wieder auftauchen.

In der 21. Auflage wurden die Akzente folgendermaßen auf die neuen Getrenntschreibungen gesetzt:

2 entweder nur auf das Verb: wieder aufbauen, wieder

aufbereiten, wieder aufführen, wieder aufheben, wieder

aufnehmen, wieder aufrichten, wieder aufsuchen, wieder

auftauchen, wieder einfallen, wieder einsetzen, wieder

gutmachen, wieder herrichten.

2 oder nur auf die Partikel wieder: wieder beleben, wieder

entdecken, wieder erkennen, wieder eröffnen, wieder erwecken,

wieder erfinden, wieder geboren, wieder sehen, wieder tun,

wieder vereinigen, wieder verwenden, wieder verwerten, wieder

wählen.

In der 21. Auflage gab es keine fakultativen Schreibweisen bei Verbindungen mit wieder, die allein gültigen Getrenntschreibungen wurden aber richtig betont, indem die Akzentuierung der nach der alten Rechtschreibung geltenden Zusammenschreibung nicht verändert wurde. Trotzdem gab es in der Auflage von 1996 eine Ausnahme, die sowohl auf der Partikel als auch auf dem Verb betont wurde. Diese Ausnahme bildete aus unerklärlichen Gründen wieder aufführen.

In der 22. Auflage kommt zu der falschen Betonung der neuen Getrenntschreibungen hinzu, dass bei Einträgen, deren Schreibung fakultativ ist, ein und dasselbe Wort nicht nur zwei Schreibweisen, sondern auch zwei verschiedene Akzentuierungen besitzt. Ickler führt diesen Fehler darauf zurück,

"daß der Bearbeiter die Betonungsverhältnisse der Präfixverben

(wieder entdecken / wiederentdecken [...] ) unbesehen auf die

ganz anders gebauten Doppelpartikelverben übertragen hat"

So werden z.B. die Schreibweisen wieder aufbereiten und wiederaufbereiten als Varianten für dasselbe Wort angeführt, was nicht nur wegen der Betonung, sondern damit verbunden, mit der Bedeutung nicht übereinstimmt, denn es ist zu differenzieren zwischen wieder aufbauen ("aufs neue aufbauen") und wiederaufbauen ("durch Aufbauen in den früheren Zustand bringen"). Es handelt sich also, wie bei vielen anderen Fällen, um zwei verschiedene Ausdrücke.

3.2.4) Die Schreibweise von "wiedersehen"

Eine eigene Betrachtung verdient die Schreibweise von wiedersehen. Aus den Beispielen im Regelwerk zu § 34 E1 und im Wörterverzeichnis, die besagen, dass in der Getrenntschreibung von wieder gewinnen die Partikel wieder die Bedeutung »erneut, nochmals« habe, in der Zusammenschreibung jedoch »zurück«, resultierte auch die Getrenntschreibung von wieder sehen in einigen Wörterbüchern von 1996. Ickler zeigt die Relativität dieser Regel damit, dass man wieder in wiedersehen auch "mit der Bedeutung ,zurück‘ erfassen" könnte, als "Rückkehr in den Zustand des Beisammenseins". Zabel kann keine Schwierigkeiten bzgl. der Getrenntschreibung des Verbs wiedersehen erkennen, es werde nach E1 in der Bedeutung »erneut, nochmals« getrennt geschrieben, könne wegen § 34(1) auch zusammengeschrieben werden:

"Sowohl aus dem Regelwerk als auch aus dem

Wörterverzeichnis geht eindeutig hervor, dass es auch künftig

das zusammengesetzte Verb ,wiedersehen‘ ebenso geben wird

wie die Wortgruppe ,wieder sehen‘."

Allerdings ist die Formulierung im Regelwerk keineswegs so eindeutig, wie auch an den unterschiedlichen Interpretationen der Wörterbücher zu erkennen ist. Auch gibt es kein explizites Beispiel für wiedersehen und im Wörterverzeichnis ist nur die Substantivierung Wiedersehen als Eintrag vorhanden.

Nach dem Duden von 1996 gab es wiedersehen nur noch als neue Getrenntschreibung, wenn auch ohne Veränderung der Betonung: wieder sehen. In der Auflage fünf Jahre später ändert sich dies folgendermaßen:

"wiedersehen (ein Wiedersehen feiern) auch wieder sehen

(erneut begegnen), aber nur der Blinde konnte nach der

Operation wieder sehen" (D00, S. 1075).

Das letzte Beispiel ist nicht in Frage zu stellen, was aber ist mit den ersten beiden? Die Konjunktion »auch« deutet auf eine fakultative Schreibung hin, es soll demnach gleich sein, ob man jemanden wiedersieht oder wieder sieht. Doch werden hinter beiden Schreibweisen verschiedene Bedeutungen in Klammern angegeben, wobei der Ausdruck "ein Wiedersehen feiern" irreführend ist.

Analog zu wiedergeben, dessen Schreibweise im Duden von der Bedeutung abhängig ist,

 

die Freiheit wurde ihm wiedergegeben,

sie hat das Gedicht vollendet wiedergegeben,

aber sie hat ihm die Schlüssel schon wieder gegeben (D00),

hätte auch folgendermaßen unterschieden werden können:

sie hat ihn wiedergesehen,

aber sie hat ihn schon wieder gesehen.

Bei den Zusammensetzungen mit wieder, neben denen im neuen Duden alternativ auch die Getrenntschreibung möglich ist, ist die Ableitung der Schreibung von der Bedeutung der Partikel, insbesondere bezüglich »zurück«, keinesfalls möglich (wiederaufbauen, wiederentdecken, wiedergeboren, wiedervereinigen etc.). Zu diesen Zusammensetzungen gehört auch (abgesehen von Icklers weit hergeholtem Beispiel) wiedersehen. Vielleicht ist diese mangelnde Zurückführung auf die Regel, die von dem Beispiel im amtlichen Regelwerk abgeleitet, darin jedoch gar nicht formuliert wurde, der Grund für diese fakultativen Schreibungen im Duden.

Im Bertelsmann von 1996 wurde aus wiedersehen auch die Neuschreibung wieder sehen, allerdings erst bei Nachdrucken in Anlehnung an den damaligen Duden. In der ersten Ausgabe wurde wiedersehen noch nicht verändert. Spätere Nachdrucke von 1996 übernahmen aber die Schreibung des Dudens, so auch die von mir benutzte Ausgabe. Die Auflage von 1999 nimmt die Neuschreibung wieder zurück und differenziert zwischen

ich sah ihn wieder, habe ihn wiedergesehen

und jmd. wieder sehen,

wobei diese Beispiele bis auf die Betonung keinen klaren Aufschluss über den Gebrauch der einzelnen Schreibweisen geben (genauso gut hätten die Beispiele auch lauten können: ich habe ihn wieder gesehen, aber jmd. wiedersehen).

Im Wahrig wird nur die Zusammenschreibung angegeben, und zwar in der Bedeutung: "nochmals mit jmdm. zusammentreffen, jmdm. nochmals begegnen". Wie schon bei den anderen Verbindungen mit wieder zu sehen war, scheut man sich im Wahrig nicht davor, der Partikel in einer Zusammensetzung die Bedeutung »nochmals« zuzuschreiben, ohne sie zu trennen.

Unklarheit über die Schreibung von wiedersehen herrscht im Weltbild-Schülerwörterbuch, das sich selbst widerspricht, indem unter dem Eintrag wieder ein Beispiel für wiedersehen in der als neu gekennzeichneten Getrenntschreibung angegeben ist:

jdn. nach vielen Jahren wieder sehen.

Der Eintrag wiedersehen bleibt allerdings entsprechend der alten Schreibweise zusammengeschrieben. Hier heißt das Beispiel:

sie hat ihre Klassenkameraden nach vielen Jahren

wiedergesehen.

3.2.5) Das Beispiel "wiederaufbauen"

Zum Abschluss dieses Kapitels möchte ich anhand des Beispiels wiederaufbauen zeigen, dass es durchaus vorkommen kann, in vier verschiedenen Wörterbüchern vier unterschiedliche Angaben zu der Schreibung eines Wortes zu finden.

Nach Bertelsmann 1999 wird zwischen den beiden möglichen Schreibungen differenziert:

der Staat wurde wiederaufgebaut,

aber das Haus wurde wieder aufgebaut.

Im Duden ist die Schreibung fakultativ:

wieder aufbauen auch wiederaufbauen.

Im Weltbild-Schülerwörterbuch steht nur die rot markierte Getrenntschreibung:

wieder aufbauen.

Die vierte Variante findet man im Wahrig, nämlich die alleinige Zusammenschreibung:

wiederaufbauen.

Dabei unterscheidet sich die Akzentuierung der Zusammenschreibung im Duden (wiederaufbauen) von der in Bertelsmann und Wahrig (wiederaufbauen).

4) Das Kriterium der Steiger- und Erweiterbarkeit

(§ 34 (2.2), § 34 E3 (3))

Nach den Paragraphen 34(2.2) und 34 E3(3) ist eine Verbindung aus Adjektiv oder Adverb und Verb dann zusammenzuschreiben, wenn der erste Bestandteil nicht erweiterbar oder steigerbar ist, bzw. getrennt zu schreiben, wenn das Gegenteil der Fall ist.

Bezüglich dieser Regeln resultieren die Unterschiede in den Wörterbüchern zumeist daraus, dass viele Verbindungen aus Adverb oder Adjektiv und Verb zwei Bedeutungen haben können, eine wörtliche und eine übertragene. Obwohl diese Unterscheidung in den neu formulierten Regeln keine Rolle spielen soll, tritt die Bedeutung der Ausdrücke doch darin in Erscheinung, dass die Entscheidung über Steiger- und Erweiterbarkeit des Adjektivs oder Adverbs letztendlich in der Bedeutung der Verbindung liegt und dies hängt zumeist von dem konkreten oder übertragenen Gebrauch ab (vgl. kalt machen – kaltmachen).

Nach der bisherigen Regel wurden Verbindungen aus Adjektiv und Verb getrennt geschrieben, wenn das Adjektiv bereits gesteigert oder erweitert war. Demnach war dem Schreiber "das fragliche Wortmaterial […] jeweils schon bekannt". Durch die Neuregelung sind "erst eine Reihe von Gedankenexperimenten" notwendig, die nicht unbedingt zu einem eindeutigen Ergebnis führen. Nach Ickler lässt sich die Schreibweise einfach damit begründen, dass zwischen Angabe und Verb Satzglieder eingeschoben werden können. Damit ergibt sich der Unterschied bei z.B. freisprechen/ frei sprechen nicht aus der Steigerbarkeit, sondern weil frei im zweiten Fall nicht fest an das Verb gebunden ist ("weil er frei über seine Vergangenheit sprach", hierbei ist es selbstverständlich, dass keine Zusammenschreibung in Frage kommt.

Auch wenn durch die Neuregelung "eine Differenzierung der Schreibung nach inhaltlichen Kriterien [...] zugunsten der Getrenntschreibung" aufgegeben werden soll, spielt der inhaltliche Zusammenhang bei der Zuweisung der Schreibweisen in den Wörterbücher dennoch eine große Rolle, wobei es bei der Entscheidung, in welcher Verwendung des Begriffs der erste Bestandteil gesteigert oder erweitert werden kann, Unstimmigkeiten gibt.

4.1) Vergleich der Wörterbücher

"freimachen"

Besonders auffällig ist hierbei, wie sich die Schreibweisen im Duden verändert haben. Die Erneuerung bei dem Begriff freimachen bestand 1996 darin, dass er auch in der Verwendung den Oberkörper freimachen zusammengeschrieben werden sollte, widersprüchlich zu der Neuregelung, da doch Erweiterungen möglich sind (ganz frei machen). Die neue Auflage macht dies rückgängig und unterscheidet wieder zwischen freimachen, bezogen auf Briefmarken, und der Getrenntschreibung bei den Oberkörper frei machen. Bertelsmann, Wahrig und Weltbild geben nur die Zusammenschreibung an, wobei Bertelsmann und Weltbild sie nur mit der Bedeutung »frankieren« verwenden. Im Wahrig wird außer der Bedeutung »frankieren« angeführt: sich für einen Tag freimachen.

"klarmachen"

Das Verb klarmachen wurde 1996 im Duden nur zusammengeschrieben, und zwar sowohl in der Bedeutung

jmd. etwas klarmachen (sie hat ihm die Sache klargemacht)

als auch als Ausdruck der Schifffahrt

das Schiff hat klargemacht.

Das ändert sich vier Jahre später dahingehend, dass die Zusammenschreibung nur als Schifffahrtsbegriff bestehen bleibt, ansonsten ist getrennt zu schreiben:

sie hat ihm die Sache klar gemacht.

Im Bertelsmann wird ebenso differenziert, allerdings wird die Getrenntschreibung anders als im neuen Duden als neu gekennzeichnet. Dasselbe ist auch im aktuellen Wahrig der Fall. Nach dem Bertelsmann von 1996 gab es klar machen nur in getrennt geschriebener Form. Im Weltbild-Wörterbuch wird allerdings in beiden Fällen zusammengeschrieben.

"reinwaschen"

Die Neuerung von 1996, rein waschen auch in der Bedeutung »Unschuld beweisen« getrennt zu schreiben, verschwindet in der 22. Auflage des Dudens, indem die Schreibweise wieder den übertragenen Sinn durch Zusammenschreibung vom wörtlichen Gebrauch abgrenzt:

sich von jeder Schuld reinwaschen wollen,

aber die Wäsche rein (sauber) waschen.

Bertelsmann verfährt in der Auflage von 1999 ebenso, 1996 war für beide Verwendungsmöglichkeiten die Zusammenschreibung vorgesehen. Bei Weltbild gibt es rein waschen nur als neue Getrenntschreibung, als Beispiel wird angegeben:

sich von einem Vorwurf rein waschen.

Wahrig führt wieder nur die Zusammenschreibung an und gibt dabei ein Beispiel zur übertragenen Anwendung.

Um die Frage zu beantworten, welche Schreibung nach § 34 E3(3) bzw. § 34(2.2) eigentlich die richtige sei, muss der Schreiber sich entscheiden können, ob bei sich reinwaschen auch im übertragenen Sinn Steigerung bzw. Erweiterung möglich ist. Wie man an den Wörterbüchern sieht, kann man dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

"schönmachen"

Nach der 21. Auflage des Dudens bedeutete das zusammengeschriebene Verb schönmachen einerseits »verschönern, aufputzen«, andererseits das Männchenmachen eines Hundes. Die Getrenntschreibung kam nur vor bei das hat er schön gemacht. In der neuen Auflage gibt es die Zusammenschreibung nur noch in der festen Wendung schönmachen bezogen auf die Geste des Hundes, ansonsten müssen die Wortteile getrennt werden. Demnach wird als Neuschreibung angeführt:

sie haben sich für das Fest schön gemacht.

Während die Schreibweisen im Wahrig denen des Dudens entsprechen, gibt es im Bertelsmann nur den zusammengeschriebenen Eintrag mit der Bedeutung »Männchen machen«. Ein Hinweis zur Neuschreibung in der Bedeutung sich verschönern wird nicht gegeben. Das Weltbild-Wörterbuch führt die Neuschreibung in der Bedeutung sich schön machen an, lässt daneben aber auch die Zusammenschreibung bestehen, obwohl schön in diesem Fall eindeutig steigerbar ist.

"strammziehen"

Auch bei strammziehen hat Duden in der Neuauflage die gleiche Schreibung der unterschiedlichen Bedeutungen wieder rückgängig gemacht. 1996 galt für das Seil stramm ziehen und für den Hosenboden stramm ziehen gleichermaßen die neue Getrenntschreibung, im Duden von 2000 wird strammziehen in der zweiten Bedeutung wieder zusammengeschrieben, die Neuschreibung von stramm ziehen in der wörtlichen Bedeutung bleibt bestehen. Ebenso sind die Schreibungen bei Bertelsmann von 1999, wobei die Getrenntschreibung nicht im Eintrag von strammziehen angeführt wird, sondern in einem Beispiel unter stramm (stramm ziehen (an einem Seil)) vorkommt, dabei wird es aber nicht als Neuschreibung markiert. Im Weltbild wird für beide Bedeutungen die, beidemal als neu gekennzeichnete, Getrenntschreibung angegeben.

Nach der 6. Auflage des Wahrig war beidemal zusammenzuschreiben, die neue Auflage gibt dasselbe vor wie Duden und Bertelsmann.

 

"scharfmachen"

Wurde bei den besprochenen Einträgen der Gebrauch im Duden nachträglich differenziert, so ist mit scharf machen ein gegenteiliges Beispiel gegeben. 1996 war zwischen scharf machen, bezogen auf ein Messer, und scharfmachen in der Bedeutung »aufhetzen« zu unterscheiden. Diese Differenzierung wird im Duden von 2000 aufgehoben, es gibt nur noch die Getrenntschreibung, verwendet in der Bedeutung »aufhetzen« als neu gekennzeichnet. Dieselbe Entwicklung hat sich im Bertelsmann vollzogen, Bertelsmann und Duden haben in diesem Fall also nach einigem Zögern die Regeln konsequent auch für den übertragenen Gebrauch angewandt. Weltbild differenziert weiterhin zwischen beiden Schreibweisen, in der 6. Auflage des Wahrig ist nur die Zusammenschreibung, in der 7. Auflage nur die Getrenntschreibung zu finden, allerdings beide Male nur bezogen auf scharf machen in der Bedeutung »aufhetzen«.

"trockenstehen"

Bei dem Verb trockenstehen gibt es keine unterschiedlichen Gebrauchsmöglichkeiten, der Ausdruck wird nur in der Bedeutung »keine Milch geben« verwendet, trotzdem sind sich nicht alle Wörterbücher über die Schreibweise einig.

Im Weltbild-Wörterbuch blieb man bei der Zusammenschreibung, die 1996 in Duden und Bertelsmann angeführt wurde. Jedoch ist man in deren neuen Auflagen zur Getrenntschreibung übergegangen:

die Kuh hat mehrere Wochen trocken gestanden (D00).

Anscheinend entschlossen sich die Lexikographen letztendlich dazu, dass trocken in diesem Zusammenhang doch erweiter- oder steigerbar ist.

Im neuen Wahrig wurde auf den Eintrag trockenstehen verzichtet, der 1997 noch in der Zusammenschreibung angeführt wurde. Unter dem Eintrag trocken ist das Beispiel Die Kuh steht trocken angegeben, woraus jedoch nicht die Schreibweise der Infinitivform erkennbar wird.

"hochhalten"

Weitere Differenzen gibt es bei hochhalten. Nach dem Bertelsmann von 1999 ist zu schreiben

jmds. Andenken hochhalten, aber die Fahne hoch halten.

1996 führte Bertelsmann dasselbe an, jedoch war die Getrenntschreibung damals nicht als neu gekennzeichnet. Ebenso wird auch im Weltbild-Wörterbuch differenziert:

ein Glas hoch halten – Traditionen hochhalten.

Die Ausnahmen bilden diesmal Duden und Wahrig. In beiden wird nur die Zusammenschreibung angeführt, dabei bezieht sich diese Schreibweise im Wahrig auf die Ausdrücke

jmds. Andenken hochhalten und die Fahne hochhalten.

Im Duden werden folgende Beispiele angegeben:

ein Kind hochhalten, Traditionen hochhalten.

Dabei ist der Ausdruck ein Kind hochhalten ebenso steigerbar oder erweiterbar wie ein Kind fest halten. Im Duden wird bei festhalten zwischen übertragenem und konkretem Gebrauch differenziert ("die Aussage wurde [schriftlich] festgehalten; man hat sie zwei Stunden auf der Wache festgehalten, aber das Kind [ganz] fest halten", D00, S. 373). Auf eine Anfrage bzgl. der Schreibweise von ein Kind hochhalten bei der Duden-Sprachberatung wurde mir geantwortet, der vorliegende Fall sei zwar "ausdeutbar", dennoch sei die Zusammenschreibung "besser begründbar". Daran, dass hochhalten mit in die Höhe halten umschrieben werden kann, sei zu erkennen, dass es um den Gegensatz zu nicht in die Höhe halten gehe und somit nicht um graduelle Unterschiede. Es wird allerdings nicht angemerkt, dass die Begründung dieser Schreibung nicht mit den Regeln der neuen Rechtschreibung, die solche Differenzierungen nicht ermöglicht, zu vereinen ist.

"krankmachen"

Bei krankmachen ist es wieder der Duden, der die Schreibweise nach der Bedeutung differenziert:

weil die Belastungen uns krank machen (Beispiel unter krank),

aber sie hat krankgemacht (= krankfeiern)).

Keines der Beispiele wird als Neuschreibung markiert. Nun bildet Bertelsmann die Ausnahme, denn es wird nur die als neu gekennzeichnete Getrenntschreibung angeführt, ohne dass ein Hinweis zur Bedeutung gegeben wird. Allerdings wird das Verb krankfeiern weiterhin zusammengeschrieben.

Weitere Unterschiede in den Wörterbüchern sind bei folgenden Einträgen zu finden. Während in der vorigen Auflage von Duden, Bertelsmann und Wahrig nur die neuen Getrenntschreibungen von warm halten und weiter bestehen gültig waren, kommt in den neuen Auflagen fakultativ die Zusammenschreibung hinzu, obwohl das Wörterverzeichnis des amtlichen Regelwerks ausdrücklich die Getrenntschreibung vorsieht.

Im Bertelsmann wird zwischen ein paar Tage freibekommen und etwas frei bekommen differenziert. Duden und Weltbild führen nur die Zusammenschreibung in der erstgenannten Bedeutung auf, im Wahrig wird in beiden Fällen zusammengeschrieben.

Alle diese Beispiele zeigen, dass die Regel der Erweiter- und Steigerbarkeit keineswegs zu eindeutigen Schreibweisen führt.

5) Verbindungen aus (zusammengesetztem) Adverb und Verb

(§ 34 E3(2))

In diesem Paragraphen werden getrennt geschriebene Beispiele von Verbindungen aus Adverbien und Verben aufgezählt, jedoch gibt es keine Erläuterung, warum in der Überschrift die Bezeichnung des Adverbs ("zusammengesetztes") eingeklammert wurde. Dabei ist es irreführend, dass auch in der Partikelliste von § 34 (1) zusammengesetzte Adverbien vorkommen (z.B. hintenüber, zurecht). Ickler führt diesbezüglich an, dass zwar überhand nehmen nach § 34 E3(2) getrennt geschrieben werden muss, vorwegnehmen aber zusammenzuschreiben ist, obwohl vorweg zusammengesetzt ist, denn das Adverb steht in der Partikelliste zu

§ 34(1).

Da unter den Beispielen zu § 34 E3(2) in einem Abschnitt nur Adverbien angeführt werden, die auf –einander enden, in einem anderen Abschnitt Adverbien mit den Endungen –seits und –wärts wurden daraus die Regeln hergeleitet, dass alle Adverbien mit oben genannten Endungen von Verben getrennt zu schreiben seien. Eine allgemeine Formulierung gibt es im Regelwerk diesbezüglich nicht. Doch handelt es sich hierbei nicht um miteinander vergleichbare Beispiele. So haben

"aneinanderlegen (mit Richtungszusatz) und aneinander denken

(mit Pronomen als valenzgebundenem Objekt) [...], wie man

auch an der Betonung hört, überhaupt keine Ähnlichkeit mit-

einander".

Durch die einheitliche Getrenntschreibungen verschiedener Konstruktionen werden grundlegende Unterschiede verwischt. Ickler führt als Beispiele auseinandersetzen/auseinander setzen oder aneinanderhängen/aneinander hängen an, die orthographisch nun nicht mehr zu unterscheiden sind. Im Duden gibt es zu auseinandersetzen keinen eigenen Eintrag, im Info-Kästchen zu auseinander werden Beispiele für wörtliche und übertragene Bedeutungen gegeben, jedoch ohne die Betonung anzugeben:

der Lehrer will die Schüler auseinander setzen,

wir haben uns noch mit diesem Thema auseinander zu setzen. Im Bertelsmann wird auseinandersetzen zu auseinander setzen, somit gibt es den Begriff auseinandersetzen, der nach der Neuregelung zwar getrennt, trotzdem weiterhin mit nur einem Akzent verzeichnet werden müsste, nicht mehr. Auch Zabel bezeichnet auseinandersetzen als einen Problemfall, allerdings behauptet er, es sei der einzige.

In keinem der Wörterbücher gibt es den Eintrag aneinanderhängen. Ickler zeigt das mögliche Missverständnis, das dadurch Zustande kommt, dass die Neuschreibung keine Differenzierung zulässt, an dem Beispiel von Geschwistern, die aneinander hängen

"Zwischen Geschwistern, die liebevoll aneinander hängen, und

siamesischen Zwillingen, die unglücklicherweise

aneinanderhängen, wird in der Schrift nicht mehr unterschie-

den".

Nach der Neuregelung bleibt nur noch die Betonung, die den Unterschied anzeigt.

Für den Reformer Horst Sitta gelten die bisher möglichen unterschiedlichen Schreibungen von z.B. auseinandertreten und auseinander treten als "Zweifelsfälle". Er bezeichnet diese Möglichkeit der Differenzierung sogar als "Defizit der Wortbildungslehre". Trotzdem fügt er hinzu, dass

"für manche Schreibende [...] solche Verbindungen auch bei

Zusammenschreibung einen etwas anderen Wert als bei

Getrenntschreibung"

haben. Jedoch "wurde aber die hier bestehende Freiheit auch immer wieder als Unsicherheit erlebt".

6) Hinweise auf weitere willkürliche Regeln (aus § 34 E3(3)

und § 34 E3(4))

Ebenso willkürlich wie diese Neuregelung ist die auch zu § 34 E3(3) gehörende Regel, nach der Adjektive mit den Endsilben –ig, -isch oder –lich vom Verb getrennt geschrieben werden müssen. Diese Regel ist zwar leicht anzuwenden, demnach gibt es in den Einträgen der Wörterbücher auch keine Differenzen, allerdings sind die einzelnen Begriffe nicht miteinander vergleichbar, was schon an der Betonung deutlich wird.

Es handelt sich um eine willkürliche Auswahl von Endsilben, die den Schreibweisen zugeordnet werden. Dabei stellt sich die Frage, "was die Adjektivausgänge mit der Getrennt- und Zusammenschreibung zu tun haben". Der Reformer Zabel meint diese Regel damit verteidigen zu können, dass es "bisher auch schon mehr als 100 getrennt geschriebene Fälle[]" gab.

Außerdem kommt es zu Überschneidungen mit der Steigerbarkeitsregel, da auch Adjektive, die nicht steiger- oder erweiterbar sind, getrennt vom Verb geschrieben werden müssen, weil sie zu der obengenannten Gruppe gehören (z.B. heilig/selig sprechen). Hingegen wird (jmd.) freisprechen weiterhin zusammengeschrieben, da es sich nicht steigern oder erweitern lässt und auf keiner der genannten Endsilben endet. Weitere Widersprüche, die auf dieser Regel beruhen, sind bereitstellen, aber fertig stellen; Kapital flüssig machen, aber Geld lockermachen.

Eine Ausnahme bildet richtiggehend. In diesem Fall ist trotz der neuen Regel auch die Zusammenschreibung möglich. Dazu wird im Wörterverzeichnis das Beispiel eine richtiggehende Verschwörung angegeben, eine richtig gehende Uhr ist getrennt zu schreiben. Bei letzterem wird auf die Paragraphen 34 E3(3) und 36 E1(1.2) hingewiesen, zu der Zusammenschreibung gibt es keine Paragraphenangabe. Die unterschiedlichen Schreibweisen beruhen lediglich auf der Unterscheidung von übertragenem und konkretem Gebrauch, die in der Neuregelung keine Rolle mehr spielen sollte.

Ebenfalls willkürlich ist § 36 E1(3), wonach Wortverbindungen mit einem Partizip als erstem Bestandteil getrennt zu schreiben sind. Daraus resultieren Schreibungen wie kochend heiß neben der Zusammenschreibung von lauwarm.

So sehr diese Paragraphen auch zu kritisieren sind, in den Wörterbüchern gibt es keine Widersprüche, da diese Regeln einfach anzuwenden sind.

7) Kurze Anmerkungen zu den anderen Regeln aus § 34

Der Paragraph 34 umfasst noch weitere Regeln, die zwar zumeist umstritten sind, aber keine Unterschiede in den Wörterbüchern verursachen, da sie keine Interpretation zulassen oder nur wenige Fälle betreffen.

In § 34(2.1) wird vorgeschrieben, dass Verbindungen aus Adverb oder Adjektiv und Verb, bei denen der erste Bestandteil nicht als selbständiges Wort vorkommt, zusammenzuschreiben sind. Dabei ist es fraglich, inwiefern die Wortart eines Bestandteils definiert werden kann, wenn dieser kein eigenständiges Wort sein soll.

Umstritten ist auch die Behauptung, dass z.B. feil, fehl oder kund keine eigenständigen Wörter sein sollen (siehe fehl am Platz). Auch in den Wörterbüchern haben die Beispiele eigene Einträge.

§ 34(3) regelt die Zusammenschreibung einzelner z.T. verblasster Substantive mit Verben, wozu eine Liste angegeben wird. Auch dabei gibt es Kritik, da insbesondere irre kein (verblasstes) Substantiv ist.

In § 34 E3 wird die Getrenntschreibung geregelt. Außer den bereits besprochenen Fällen geht es um die Getrenntschreibung von Verbindungen mit Verben in finiter Form am Satzanfang (§ 34 E3(1)), von Verbindungen aus Partizip und Verb (§ 34 E3(4)), aus Substantiv und Verb (§ 34 E3(5)) sowie aus Infinitiv und Verb (§34 E3(6)). Insbesondere § 34 E3(5) hat zur Folge, dass zahlreiche Zusammensetzungen aus Substantiven und Verben getrennt werden, was durch § 36 E1(1) die Trennungen vieler Partizipialformen nach sich zieht. Damit wird der vorherrschenden Univerbierungstendenz entgegengewirkt, was zu erheblichen Kritiken führt.

8) Toleranzregel (§ 34 E4)

Die Toleranzregel § 34 E4 besagt, dass es in einzelnen Fällen, in denen sich trotz der vorhandenen Regeln keine klare Entscheidung über die Schreibweise treffen lässt, dem Schreibenden überlassen bleibt, ob er die betroffene Wortverbindung "als Wortgruppe oder Zusammensetzung verstanden wissen will" (aRW, S. 78). Bei diesem Paragraphen handelt es sich um Verbindungen aus Adjektiv und Verb, § 36 E2 besagt dasselbe in Bezug auf Verbindungen aus Adjektiv, Adverb oder Pronomen und Partizip oder Adjektiv.

Zu § 34 E4 wird kein Beispiel angegeben. Bertelsmann führt in dem Kommentar zu dieser Regel ein falsches Beispiel an, nämlich schlecht gehen – schlechtgehen (B99, S. 50), das nach § 34 E3(3) eindeutig getrennt zu schreiben ist, zumal es sich steigern lässt und im Regelwerk auch als Beispiel zu diesem Paragraphen angegeben wird. Auch im Wörterteil des Wörterbuchs von Bertelsmann wird es nur als neue Getrenntschreibung angeführt.

Inwiefern diese Regeln mehr Freiheit für den Schreiber darstellen, ist fraglich, da nicht eindeutig ersichtlich ist, wann keine der anderen Regeln zu einem klaren Schluss führt.

"[W]enn es keine Kriterien gibt, wonach [...] die eine Variante

besser ist als die andere, dann herrscht nicht Freiheit, sondern

Beliebigkeit und neue Unsicherheit".

Die Differenzen in den Wörterbüchern zeigen, dass es nicht leicht zu entscheiden ist, ob die Schreibweise eines Eintrags freigestellt wird oder nicht. Letztendlich bleibt es nicht dem Schreibenden selbst überlassen, den Paragraphen anzuwenden, denn dieser ist davon abhängig, ob die Lexikographen sich für eine Schreibweise entschieden haben oder von der Toleranzregel Gebrauch machen.

In den Einträgen der Wörterbücher wird kaum auf diese Regeln hingewiesen.

 

9) Änderungsvorschläge aus dem ersten Bericht der

Zwischenstaatlichen Kommission

Abschließend werden in diesem Kapitel einige folgenreiche

Änderungsvorschläge aus dem ersten Bericht der Zwischenstaatli-

chen Kommission kurz vorgestellt.

Die Kommission sieht mehrere Änderungen des Paragraphen 34 vor, insbesondere soll die "Betonung als Hauptkriterium" eingeführt werden. Ickler kritisiert dennoch, dass der Betonung dabei ein zu hohes Maß an Wichtigkeit zugeschrieben wird, zumal sie nicht immer eindeutig sein muss.

Zu den Verbesserungsvorschlägen gehört auch die Darstellung der Partikelliste von § 34(1) als offene Liste. Außerdem wird das nach der Neuregelung von 1996 so wichtige Kriterium der Erweiter- und Steigerbarkeit, das so viele Unterschiede in den Wörterbüchern verursachte, in den Vorschlägen des ersten Berichts der Rechtschreibkommission in den Hintergrund gedrängt, wobei die Erweiterbarkeit gar nicht mehr erwähnt wird. Ebenso soll die Endung (-ig, -lich oder –isch) eines Adjektivs keine Auswirkung mehr auf die Schreibweise haben. Durch die Neufassung von § 34 E1(2) kommt es zu vermehrten fakultativen Schreibungen, und zwar dann, wenn bei Verbindungen aus Adjektiv oder Adverb und Verb "nur der erste Bestandteil betont und häufig auch steigerbar ist".

 

B.II) Wortverbindungen mit Partizipien (§ 36)

Der Paragraph 36 behandelt Wortverbindungen, deren zweiter Bestandteil ein Partizip oder Adjektiv ist. Ich beschränke mich auf die Partizipien, betrachte dabei zunächst Verbindungen mit Substantiven als erstem Bestandteil.

Verbindungen mit Partizipien sind dann zusammenzuschreiben, "wenn der erste Bestandteil für eine Wortgruppe steht" (§ 36(1), aRW, S. 79), bzw. getrennt zu schreiben, wenn "der erste Bestandteil erweitert oder gesteigert ist bzw. erweitert oder gesteigert werden kann" (§36 E1(4), aRW, S. 81). Außerdem wird in § 36(3) und § 36 E1(1) die Schreibweise von Verbindungen mit Partizipien auf die entsprechende Schreibung der zugrunde liegenden Verben geführt. Verbindungen aus Substantiven und Verben sind in der Regel getrennt zu schreiben (§ 34 E3 (2-6) und § 35), außer es handelt sich um sog. untrennbare Zusammensetzungen oder verblasste Substantive (§ 33, § 34 E2(3)).

Von diesen Regeln sind zahlreiche Adjektive betroffen, die sich aus Substantiven und Partizipien zusammensetzen und die nach der Neuregelung nicht mehr als selbständiges Wort existieren. Eine Getrenntschreibung von Verbindungen aus Substantiv und Partizip war schon vor der Neuregelung möglich, "denn die Wortgruppe Besorgnis erregend ist nach den Regeln der deutschen Grammatik jederzeit konstruierbar". Das Substantiv bildet dabei eine Akkusativ-Ergänzung zum Partizip. Allerdings ist auch der Zusammensetzung "aus bestimmten Gründen ebenfalls ein unbezweifelbares Existenzrecht" zuzuschreiben.

Die problematische Konsequenz der Neuschreibungen ist, dass sich durch das Auseinanderreißen von Substantiv (oder anderen Wortarten) und Partizip grammatische Unkorrektheiten ergeben, nämlich dann, wenn diese Ausdrücke gesteigert, erweitert oder

prädikativ gebraucht werden:

2 der Schauder erregendste Bericht

2 der Talisman war äußerst Glück bringend

2 Rauchen ist Krebs erregend.

Diese grammatischen Fehler bei Steigerungen und beim prädikativen Gebrauch zeigen, "daß es sich hier um echte Zusammensetzungen handelt, die keineswegs aufgelöst werden dürfen".

Zusammenschreibungen von Verbindungen aus Substantiv und Partizip bestehen nach der Neuregelung dann, wenn das Substantiv für eine sog. Wortgruppe steht. Ist das nicht der Fall existieren nur noch die Getrenntschreibungen. Welche Wörter davon betroffen sind, hängt gewissermaßen zufällig von der Beschaffenheit des Substantivs ab. Endet dieses nämlich auf -ung oder –heit, "so muß eine Fuge folgen und das Ganze ist ein Wort" (z.B. ordnungsliebend). Kann das Substantiv hingegen ohne Artikel in Verbindung mit dem Verb verwendet werden, ist getrennt zu schreiben.

"Bestimmte Substantive haben keine Chance, als erste

Bestandteile solcher Wörter aufzutreten, nur weil sie ohne

Artikel stehen können".

Beispiele hierfür sind die unterschiedlichen Schreibweisen Arbeit suchend, aber wohnungsuchend, die daraus resultieren, dass "bei Wohnung der abstrakte Gebrauch unüblich geworden" ist, wenn er, so Ickler, auch "nicht ganz unmöglich" sei. Auch die unterschiedlichen Schreibungen der Verbindungen mit Blut in den Wörterbüchern von 1996 basieren darauf, ob ein Artikel gebraucht wird oder nicht. Bei blutbildend und blutsaugend wird Blut als Abstraktum verwendet, deswegen gaben die Wörterbücher nur die Getrenntschreibung an (er saugt Blut ® Blut saugend), während der konkrete Gebrauch in blutstillend und blutreinigend zur Zusammenschreibung führte (reinigt das Blut). In den neuen Auflagen werden diese Unterscheidungen zugunsten einer fakultativen Schreibweise aufgehoben.

Dementsprechend wird in den Neuauflagen der Wörterbücher bei mehreren Einträgen die bisherige Zusammenschreibung als Alternative neben der Getrenntschreibung wieder aufgenommen. Damit sind beide Schreibweisen einerseits gleichberechtigt, andererseits wird angegeben, dass im Falle einer Steigerung oder Erweiterung, (der prädikative Gebrauch wird nur selten erwähnt) ausschließlich die Zusammenschreibung anzuwenden sei. Letzteres bedeutet eigentlich, dass beide Schreibweisen doch keine "gleichwertigen Varianten" sind.

In anderen Fällen bleiben die Wörterbücher bei der alleinigen Getrenntschreibung, versuchen aber das durch die Neuregelung entstandene Problem bei Steigerung des Ausdrucks zu umgehen, indem zu einem getrennt geschriebenen Eintrag angemerkt wird, dass bei Steigerung oder Erweiterung zusammengeschrieben werden muss. Jedoch ergibt sich dabei ein weiterer Widerspruch. Nach Bertelsmann gibt es z.B. die Zusammensetzung aufsehenerregend nicht mehr, es muss also geschrieben werden:

ein Aufsehen erregender Fall.

Allerdings ist bei Steigerung oder Erweiterung doch die alte Schreibweise anzuwenden, die es eigentlich nicht mehr geben soll und die demnach auch keinen eigenen Eintrag im Wörterbuch hat:

Der Fall ist noch aufsehenerregender/sehr aufsehenerregend.

Zurecht bezeichnet Ickler es als "widersinnig [...], zu den erweiterten oder gesteigerten Formen keinen entsprechenden nichterweiterten Positiv zuzulassen".

Im neuen Duden wird vermehrt bei Einträgen, die gesteigert werden können, neben der Neuschreibung auch die Zusammenschreibung zugelassen, mit dem oben genannten Hinweis, dass nur letztere bei Erweiterung oder Steigerung zu verwenden sei. Jedoch stimmt die Freistellung der Schreibweise nicht mit den amtlichen Regeln überein. Sie lässt sich auch nicht mit der Toleranzregel begründen, da in § 36 E2 nur von "einzelnen Fällen der Gruppen aus Adjektiv, Adverb oder Pronomen + Adjektiv/Partizip" die Rede ist, also keineswegs von Verbindungen mit Substantiven, deren Schreibweise in Zweifelsfällen "dem Schreibenden überlassen" (aRW, S. 81) bleibt.

Mehrere fakultative Schreibungen sind auch in der neuesten Auflage des Wahrig zu finden, allerdings wurde dabei sehr inkonsequent verfahren.

Sogar im Wörterverzeichnis des amtlichen Regelwerks gibt es Einträge, wie die fakultative Zusammenschreibung von gewinnbringend und die ebenfalls freigestellten Schreibweisen der Substantivierungen die Alleinstehenden, das Obenstehende oder die Ratsuchenden, die nicht durch die Regeln gerechtfertigt sind.

Das Weltbild-Wörterbuch für Schüler versucht, die amtlichen Regeln strickt zu befolgen. Zu jedem Eintrag ist demnach, bis auf die Ausnahmen bei gewinnbringend, krebserregend und grauenerregend, nur eine Schreibweise angegeben. Seltsamer Weise wird zu grauenerregend trotz der Gültigkeit beider Schreibweisen erklärt, die Verbindung sei getrennt zu schreiben, weil "das dem Partizip zugrunde liegende Verb vom ersten Bestandteil getrennt geschrieben wird" (Wb99, S. 198). Hinweise auf Schreibung bei Steigerung oder Erweiterung sind, ausgerechnet in einem Wörterbuch für Schüler, überhaupt nicht vorhanden.

Zabel meint, die widersprüchliche Schreibung von Abscheu erregend, aber äußerst abscheuerregend zum einen mit dem Grundsatz rechtfertigen zu können, "einmal Getrenntschreibung muss nicht heißen: immer Getrenntschreibung". Zum anderen begründet er sie damit, dass getrennt zu schreiben ist, "wenn eine infinitivische Basis existiert", also

"die Rat suchenden Bürger, weil die Bürger suchen Rat", aber

"eine äußerst abscheuerregende Tat, weil nicht möglich:

*die Tat erregt äußerst Abscheu".

Zu seiner Begründung gibt er allerdings den falschen Paragraphen (§ 35) an!

Die wiederaufgenommenen Zusammenschreibungen in den Wörterbüchern ergeben Widersprüche zum Paragraphen 36(1) des amtlichen Regelwerks dadurch, dass nach dieser Regel nur dann zusammenzuschreiben ist, wenn der erste Bestandteil für eine Wortgruppe steht. Jedoch ist das bei Zusammensetzungen wie mitleiderregend keineswegs der Fall.

Ein weiteres Problem, das aus den Neuschreibungen resultiert, liegt darin, dass Ausdrücke wie schlechtgelaunt oder hitzeabweisend in der neuen Getrenntschreibung nicht mehr als Adjektive bezeichnet werden können, da es sich nun um Wortgruppen handelt, die keiner Wortart zugehören. Außerdem "handelt es sich ja bei den Partizipien, wie schon die Akkutsationrektion zeigt, um Verbformen". Demnach ist unheildrohend weiterhin ein Adjektiv, unheilbringend in der Neuschreibung Unheil bringend aber nicht. Im Wahrig werden allerdings auch die Neuschreibungen weiterhin als Adjektive bezeichnet. Ausdrücke aus zwei Wörtern wie Insekten fressend sind nach Wahrig also ein Adjektiv. Ebenso sind sowohl besorgniserregend als auch Besorgnis erregend jeweils ein und dasselbe Eigenschaftswort.

Wortverbindungen, die nur noch getrennt geschrieben werden, sind "im lexikographischen Sinn" keine Wörter mehr, brauchen demnach in den Wörterbüchern nicht mehr angeführt zu werden, was insbesondere bei Übersetzungsarbeiten zu Schwierigkeiten führen kann. Außerdem führt die vermehrte Trennung von Substantiv und Partizip aus stilistischen Gesichtspunkten zu beschwerlichen Konstruktionen. Ickler führt hierzu das Beispiel an: "ein Händchen haltendes Paar".

Während durch die ausschließliche Getrenntschreibung von bisher zusammengeschriebenen Ausdrücken einerseits die Wörter selbst verschwinden, (wie schon in § 34,) werden andererseits Teile bisheriger Zusammensetzungen selbständig, die es als Wörter gar nicht gibt, z.B. ein weit reichender Gedanke oder schlecht gelaunt. Letzteres ist das Partizip von "launen", ein veraltetes Verb, das in den Wörterbüchern gar nicht mehr angeführt wird.

1) Verbindungen aus Substantiv und Partizip

(s. Tabelle, Anhang 3)

1.1) Die Schreibweisen im Duden

Im Duden wird versucht, die alleinige Getrenntschreibung nur bei den Ausdrücken anzugeben, die sich keinesfalls steigern oder erweitern lassen (z.B. Daten/Holz verarbeitend, Ackerbau treibend, Fleisch fressend). Ickler kritisiert diesbezüglich, dass Fachausdrücke wie fleischfressend nun ebenso wie "Wortgruppen, mit denen man aktuelle Zustände oder Vorgänge beschreibt", geschrieben werden sollen.

Beide Schreibungen werden festgesetzt für alle Verbindungen mit dem Partizip erregend sowie

achtunggebietend, ehrfurchtgebietend, furchteinflößend,

respekteinflößend, hitzeabweisend, schmutzabweisend, wasser-

abweisend, kostensparend, raumsparend, zeitsparend oder

kraftraubend.

Der Grund für dafür, beide Möglichkeiten nebeneinander stehen zu lassen, wird allerdings nirgends angegeben. Die Duden-Regel

K 58 besagt (nach § 36(3) und § 36 E1(1.2)):

"Partizipien richten sich generell nach den zugrunde liegenden

Verbindungen mit Verben" (D00, S. 46).

Demnach wäre z.B. furchteinflößend wegen Furcht einflößen eindeutig getrennt zu schreiben.

Die nachfolgende Regel K 59 nimmt § 36(1) auf, wonach dann zusammenzuschreiben ist, wenn es sich bei der Zusammensetzung um die Verkürzung einer Wortgruppe handelt. Allerdings bezieht Duden diese Regel nur auf Zusammensetzungen mit Substantiven als erstem Bestandteil. Im amtlichen Regelverzeichnis fallen unter diesen Paragraphen auch Wörter wie lernbegierig, röstfrisch oder selbstbewusst. Jedoch werden nur bei den Zusammensetzungen mit Substantiven Beispiele für die Wortgruppen, die verkürzt werden, angegeben.

Doch zurück zum Duden. Als verlagseigene Bemerkung steht unter der Regel K 59:

"je nach dem Zusammenhang können Wortgruppen oder

Zusammensetzungen vorliegen" (D00, S. 46).

Als Beispiele hierzu werden angegeben:

2 eine [großen] Gewinn bringende Investition –

eine [äußerst] gewinnbringende Investition

2 eine Furcht einflößende Gestalt –

eine [noch] furchteinflößendere Gestalt.

Der Zusammenhang zu der dazugehörenden Regel K 59 ist jedoch nicht gegeben, zumal es bei den Beispielen nicht um Wortverkürzungen geht. Auch beantwortet dieser Hinweis nicht die Frage nach der Rechtfertigung der fakultativen Schreibweise bei vielen Einträgen, denn die einzelnen Schreibmöglichkeiten werden unterschiedlichen Zusammenhängen zugeordnet, der Gebrauch wird somit nicht freigestellt, wie es im Wörterteil des Dudens bei vielen Einträgen der Fall ist.

Fraglich sind im Duden jene fakultativen Schreibungen, bei denen die Steiger- oder Erweiterbarkeit nicht eindeutig ersichtlich ist, sowie solche Fälle, bei denen keine fakultative Schreibung hinzugefügt wurde, obwohl eine Steigerung oder Erweiterung durchaus möglich wäre. Auch hier gleicht die Entscheidung für die Schreibweise, sofern die Steigerbarkeit überhaupt ein Grund ist, oftmals einem "Gedankenexperiment", erneut erscheinen einige der angegebenen Schreibweisen in den Wörterbüchern willkürlich.

Zu den Unstimmigkeiten im Duden gehört der Eintrag erholungsuchend, dessen Schreibung freigestellt ist, während Arbeit suchend, Hilfe suchend und Rat suchend getrennt geschrieben werden müssen. Ein Hinweis zur Schreibweise bei Erweiterung oder Steigerung wird nicht gegeben. Nach K 58 bzw. § 36 E1(1.2) müsste erholungsuchend eindeutig getrennt geschrieben werden, denn das zugrunde liegende Verb ist Erholung suchen. Nach der zusätzlichen Bemerkung zu K 59 ist erholungsuchend zusammenzuschreiben, wenn man es z.B. mit äußerst erweitert. Das ist jedoch ebensogut auch mit den anderen Ausdrücken möglich (äußerst hilfesuchend), für die keine Zusammenschreibung angeführt wird. Ich möchte jedoch noch einmal darauf hinweisen, dass mit dieser vom Duden aufgestellten Regel die fakultative Schreibung nicht gerechtfertigt wird, weil sie die unterschiedlichen Schreibweisen verschiedenen Bedingungen unterwirft, während sie im Wörterteil gleichberechtigt nebeneinander stehen.

Ein weiteres Beispiel ist die Hinzunahme der Zusammenschreibung bei der Verbindung epochemachend, die sich zwar nicht steigern, aber wie viele andere Ausdrücke durch Wörter wie äußerst oder besonders erweitern lässt. Allerdings können dementsprechend auch andere Begriffe erweitert werden, für die keine Alternativschreibung angegeben wird. Dazu gehören u.A. Funken sprühend, Rat suchend oder Schatten spendend, die allesamt durch Hinzunahme einer Partikel wie äußerst erweitert werden können.

Nicht bei allen Einträgen, die steiger- oder erweiterbar sind und bei denen der Duden beide Schreibungen zulässt, wird auch tatsächlich auf die gesteigerte oder erweiterte Form hingewiesen. Ein solcher Hinweis wäre allerdings angebracht, da in diesen Fällen nur die zusammengeschriebene Form möglich ist, der Eintrag jedoch besagt, der Schreiber könne sich eine Schreibweise auswählen. Er wird somit, insbesondere durch die Kennzeichnung der Getrenntschreibung als neu, zur falschen Schreibweise verleitet.

Dies ist der Fall z.B. bei achtunggebietend, fruchtbringend, glückbringend oder musikliebend. Im Übrigen sind das Fälle, bei denen eine Erweiterung, nicht aber eine Steigerung ersichtlich ist.

Zwei Ausnahmen gibt es bei Begriffen mit dem zweiten Bestandteil bringend. Während für frucht-/gefahr-/glück/profit- und verderbenbringend alternativ beide Schreibungen vorgesehen sind, müssen Segen und Unheil bringend ausschließlich getrennt geschrieben werden.

Eine weitere Unstimmigkeit im Duden ist bei fruchttragend/Frucht tragend und Laub tragend zu verzeichnen. Während bei ersterem fakultativ die Zusammenschreibung zugelassen wird, soll Laub tragend ausschließlich getrennt geschrieben werden, wie es das amtliche Wörterverzeichnis angibt, obwohl der Duden sich bei vielen anderen Fällen dem Wörterverzeichnis widersetzt, indem zusätzlich die Zusammenschreibung angeführt wird (z.B. bei gefahrbringend oder wasserabweisend). Ebenso bleibt fraglich, warum bei Begriffen wie Rat suchend die alleinige Getrenntschreibung des amtlichen Wörterverzeichnisses übernommen wurde.

1.2) Die Schreibweisen im Bertelsmann

Vergleicht man die Schreibweisen von Verbindungen mit Partikeln im Bertelsmann mit denen im Duden, fällt insbesondere auf, dass es im Bertelsmann weniger fakultative Schreibungen gibt.

Im Bertelsmann wird inkonsequent bei den Schreibweisen von Verbindungen mit erregend verfahren. Bei den meisten sind wie im Duden beide Schreibungen zugelassen, Besorgnis erregend und Aufsehen erregend werden jedoch nur getrennt geschrieben.

Anders als im Duden wird bei folgenden Einträgen nur die neue Getrenntschreibung angegeben:

Achtung gebietend, Ehrfurcht gebietend, Musik liebend,

Epoche machend, Hitze abweisend, Schmutz abweisend, Wasser

abweisend, Glück verheißend, Furcht einflößend, Respekt

einflößend, Vertrauen erweckend.

Übereinstimmend mit dem Duden sind beide Schreibweisen gleichberechtigt bei

erfolgversprechend, unheilverkündend, fruchttragend und

fruchtbringend.

Allerdings sind andere Begriffe, deren zweiter Bestandteil das Partizip bringend ist (Gefahr/Profit/Trost/Hilfe bringend, die beiden letzteren werden im Duden nicht angeführt), nur getrennt zu schreiben. Im Übereinstimmung mit dem Duden wird die Schreibweise von fruchttragend freigestellt, während Laub tragend nur getrennt zu schreiben ist. Begründet wird dies mit § 34 E3(5), also mit der Getrenntschreibung von Laub tragen. Zu dem Eintrag fruchttragend wird keine Regel angegeben. Ebenso willkürlich erscheint es, dass für Kosten/Raum und Platz sparend nur die Getrenntschreibung gilt, bei zeitsparend jedoch beide Schreibweisen möglich sind.

Anders als im Duden gibt es im Bertelsmann keinen Widerspruch bei den Verbindungen mit dem Partizip suchend. Es werden sowohl Arbeit/Hilfe/Rat als auch Erholung suchend nur in der Getrenntschreibung angeführt.

Keine Differenzen mit dem Duden gibt es bei Begriffen, die in letzterem entweder nur getrennt oder nur zusammengeschrieben werden. Unterschiede tauchen demnach nur in solchen Fällen auf, in denen der Duden alternative Schreibungen zulässt.

Hinweise auf die Schreibweise bei Steigerung oder Erweiterung des Ausdrucks kommen im Bertelsmann seltener als im Duden vor. Sie sind bei einigen Einträgen zu finden, die fakultativ beide Schreibungen zulassen, wie mitleiderregend, schreckenerregend oder zeitsparend. Allerdings wird auch in solchen Fällen eine Zusammenschreibung bei Steigerung vorgeschrieben, die in nicht-gesteigertem Zustand getrennt zu schreiben sind, z.B.

2 Besorgnis erregend, aber besorgniserregender

2 Vertrauen erweckend, aber sehr vertrauenerweckend.

Es bleibt die Frage, warum diese Begriffe nicht auch alternativ zusammenzuschreiben sind. Dasselbe gilt z.B. bei den Einträgen Raum sparend, Krebs erregend oder Schmutz abweisend, zu denen, wie zu vielen anderen, kein Hinweis auf die Schreibung bei Steigerung gegeben wird, obwohl eine Steigerung eindeutig möglich ist.

1.3) Vergleich mit den Wörterbüchern von Wahrig und

Weltbild

Im Wahrig wird bis auf eine Ausnahme bei Verbindungen mit dem Partizip erregend die Schreibweise freigestellt. Diese Inkonsequenz bildet der Ausdruck Krebs erregend, für den nur die Getrenntschreibung vorgesehen ist. Auch bei mehreren anderen Einträgen wird wie im Bertelsmann nur die Getrenntschreibung zugelassen, während Duden beide Schreibweisen angibt. Dazu gehören Achtung gebietend, Glück verheißend oder Heil bringend.

Ebenfalls nur noch die Getrenntschreibung gibt es nach Bertelsmann und Wahrig für Not leidend. Ickler stellt diesbezüglich die Frage, ob wirklich zu schreiben sei Die Kredite wurden Not leidend, was grammatikalisch falsch wäre. Allein der Duden beantwortet diese Frage und gibt an, fachsprachlich sei der Begriff zusammenzuschreiben, allerdings erneut ohne Rechtfertigung durch die neuen Regeln.

Zu Epoche machend gibt Wahrig ebenfalls gegensätzlich zu der Alternativschreibung im Duden nur die getrennte Schreibweise an, wohingegen übereinstimmend mit dem Duden bei Vertrauen erweckend der alleinigen Getrenntschreibung im Bertelsmann widersprochen wird.

Das Weltbild-Wörterbuch schreibt in der Regel jeweils nur eine Schreibweise vor, in einzelnen Fällen bleibt es sogar bei der Zusammenschreibung, so bei fruchtbringend, zeitsparend und leidtragend, obwohl in den anderen Wörterbüchern, sofern die Begriffe in ihnen enthalten sind, beide Schreibungen vorgesehen werden.

Die Einzelfälle, deren Schreibweise fakultativ ist, sind, dem amtlichen Wörterverzeichnis entsprechend, grauenerregend und gewinnbringend sowie das nicht im Wörterverzeichnis enthaltene krebserregend. Somit sind nach dem Weltbild-Wörterbuch grauenerregend und krebserregend die einzigen Verbindungen mit dem Partizip erregend, deren Schreibweise frei gewählt werden kann. Angaben zur Erweiterung oder Steigerung der Begriffe werden in diesem Schülerwörterbuch nicht gemacht.

Wenn im Wahrig Angaben zur Erweiterung oder Steigerung vorkommen, dann nur bei den Einträgen, deren Schreibweise freigestellt ist. Damit entsteht einerseits nicht der Widerspruch der anderen Wörterbücher, dass eine nicht mehr vorhandene Zusammensetzung doch wieder verwendet wird. Andererseits ist die fakultative Zusammenschreibung längst nicht bei allen Ausdrücken, die steigerbar sind, gegeben (z.B. Krebs erregend, Glück bringend).

Insgesamt gesehen ist bei dem Vergleich der Wörterbücher bzgl. der Verbindungen aus Substantiv und Partizip besonders auffällig, dass der Duden die meisten Einträge mit fakultativen Schreibungen besitzt. So gibt es zu folgenden Begriffen nur im Duden fakultative Schreibweisen, während die anderen Wörterbücher nur die Getrenntschreibung vorgeben:

achtunggebietend, ehrfurchtgebietend,

hitzeabweisend, schmutzabweisend, wasserabweisend

glückbringend, gefahrbringend, profitbringend,

verderbenbringend,

kostensparend, platzsparend, raumsparend,

furchteinflößend, respekteinflößend.

Ein weiterer Unterschied zwischen den Wörterbüchern liegt in der Betonung. Während Duden und Wahrig auch bei der Getrenntschreibung die Betonung der ursprünglichen Zusammensetzung bestehen lassen, ergibt sich bei Bertelsmann und Weltbild das Problem, das schon durch die Neuschreibungen aus § 34 bekannt ist. Die neue Schreibweise eines Begriffs zieht eine neue Betonung nach sich. Aus gefahrbringend wird Gefahr bringend. Begriffe, die fakultativ getrennt- oder zusammenzuschreiben sind, haben demnach zwei verschiedene Betonungen:

Gewinn bringend = gewinnbringend.

Ausnahmen davon bilden im Bertelsmann die Akzentuierungen bei Heil bringend, Dienst leistend und Krieg führend, im Weltbild-Wörterbuch bei Profit bringend, wobei durch die falsche Betonung auf dem Partizip bei den letzten beiden Beispielen anzunehmen ist, dass es sich um ein Versehen handelt. Auch im Duden gibt es eine Ausnahme, bei Papier verarbeitend wird die Akzentuierung der bisherigen Zusammenschreibung nicht beibehalten (anders als z.B. bei Metall verarbeitend).

1.4) Vergleich zum amtlichen Wörterverzeichnis

Bertelsmann widersetzt sich den Einträgen, die im Wörterverzeichnis enthalten sind, nur an zwei Stellen, nämlich (wie auch Wahrig und Duden) bei blutreinigend und blutstillend. Mit der Übernahme der sonstigen Schreibweisen aus dem Wörterverzeichnis sind wohl die Ausnahmen Aufsehen erregend und Besorgnis erregend zu erklären, die die einzigen Verbindungen mit erregend sind, die nach Bertelsmann nur getrennt geschrieben werden sollen. Orientiert an der Schreibung von Wasser abweisend, Furcht einflößend oder Gefahr bringend aus dem Wörterverzeichnis sind auch für die anderen Wortgruppen mit diesen Partizipien nur die Getrenntschreibungen vorgesehen (z.B. Hitze abweisend, Respekt einflößend, Glück bringend), Ausnahmen bilden Frucht bringend/fruchtbringend und Frucht tragend/fruchttragend. Jedoch ist der Grund dafür, dass bei einigen Einträgen, die nicht im Wörterverzeichnis angeführt werden, beide Schreibungen zugelassen sind und bei anderen nicht, unersichtlich (z.B. Erfolg versprechend oder erfolgversprechend, aber nur Glück verheißend (B99)).

Duden widersetzt sich in mehreren Fällen dem Wörterverzeichnis, indem auch die Zusammenschreibungen zugelassen werden, so bei

aufsehenerregend, besorgniserregend, wasserabweisend,

furchteinflößend, gefahrbringend, unheilverkündend,

vertrauenerweckend.

In diesen Fällen führen die anderen Wörterbücher gemäß dem Wörterverzeichnis die Getrenntschreibungen an, Ausnahmen davon gibt es im Wahrig, in dem bei aufsehenerregend, besorgniserregend und vertrauenerweckend wie im Duden die Zusammenschreibung als Alternative bestehen bleibt, sowie im Wahrig und Bertelsmann bei unheilverkündend.

Bei der alleinigen Getrenntschreibung von Verbindungen mit Partizipien stimmen in folgenden Fällen alle Wörterbücher mit der Angabe im Wörterverzeichnis überein:

Eisen verarbeitend, Metall verarbeitend, Hilfe suchend,

Not leidend, Fleisch fressend, Feuer speiend.

Generell ist anzumerken, dass im Wahrig weniger aus Wortverbindungen bestehende Einträge zu finden sind als in den anderen Wörterbüchern und auch mehrere Begriffe aus dem Wörterverzeichnis nicht angeführt werden (z.B. Rat suchend, Aufsicht führend, Handel treibend).

Überraschenderweise beide Schreibweisen werden im Wörterverzeichnis bei gewinnbringend und grauenerregend angeführt, was von allen vier Wörterbüchern übernommen wird.

Wieso dies möglich ist, wird dort allerdings nicht explizit erklärt, sondern es wird auf einzelne Paragraphen verwiesen, die die Getrenntschreibung (34 E3(5): Getrenntschreibung von Substantiv + Verb; § 36 E1(4): Erweiter-, Steigerbarkeit des ersten Bestandteils) und die Zusammenschreibung (§ 36(1): Zusammenschreibung bei Verkürzungen von Wortgruppen) rechtfertigen sollen.

1.5) Einzelnen Fallbeispiele

1.5.1) "Blut" + Partizip

(s. Tabelle S. 66)

Im amtlichen Wörterverzeichnis stehen unter Blut folgende Beispiele: "blutreinigend, ...stillend ..., aber das Blut reinigend".

Die neuen Auflagen, sowohl von Duden als auch von Bertelsmann und Wahrig, lassen beide Schreibweisen nebeneinander gelten, wobei die getrennte Variante als Neuschreibung gilt.

Während in den anderen Fällen die Wörterbücher neben der getrennten Schreibung des Wörterverzeichnisses die Zusammenschreibung weiterhin zugelassen haben, fügen sie diesmal die getrennte Schreibvariante hinzu. Ebenso wird die Schreibweise freigesellt bei blutsaugend und blutreinigend. Allerdings ist es nach den neuen Regeln nicht korrekt, blutreinigend ebenso wie blutbildend zu schreiben, denn "es heißt zwar Blut bilden, aber nicht Blut reinigen (sondern das Blut reinigen)", somit handelt es sich bei blutreinigend nach § 36(1) um eine verkürzte Wortgruppe, dasselbe gilt für blutstillend

Der Duden ist das einzige Wörterbuch, in dem zu den Einträgen (außer bei Blut saugend) jeweils ein Beispiel für den prädikativen Gebrauch hinzugefügt wird. In diesen Fällen muss zusammengeschrieben werden (das Mittel wirkt blutstillend). Zu allen diesen Einträgen gibt es im Duden einen Hinweis auf die Regeln K 58 und K 59, womit jedoch erneut nicht die Gleichstellung beider Schreibweisen begründet wird.

Das Weltbild-Wörterbuch gibt nur einen von diesen Begriffen an, nämlich Blut bildend, und zwar in der Getrenntschreibung. Die beiden Beispiele aus dem Wörterverzeichnis nimmt es nicht auf und orientiert sich auch nicht an deren Schreibung.

In Bertelsmann und Duden gibt es noch einen weiteren Eintrag, dessen erster Bestandteil blut ist, nämlich bluttriefend. Dieser ist aber ausschließlich zusammenzuschreiben, was nach § 36(1) auch richtig ist (von Blut triefen).

Besonders interessant ist die Entwicklung der Schreibung in den verschiedenen Auflagen der Wörterbücher. So waren nach der

6. Auflage des Wahrig blutbildend und blutstillend zusammenzuschreiben, blutsaugend und blutreinigend wurden überhaupt nicht angeführt.

Die 21. Duden-Auflage gab die Zusammenschreibung von blutreinigend und blutstillend an, wohingegen Blut bildend und Blut saugend getrennt zu schreiben waren. Man hatte sich also bei den ersten beiden Fällen dem Wörterverzeichnis angepasst, die anderen Fälle, die nicht explizit dort angeführt sind, wurden jedoch als Neuschreibung umgeändert. Bertelsmann führte 1996 als einzigen Eintrag blutstillend an.

An diesen Beispielen ist zu erkennen, zu welchen Unterschieden die schwierige Interpretation der neuen Regeln geführt hat. Inzwischen haben sich alle drei Wörterbücher geeinigt, indem jedes von ihnen alle vier Einträge anführt und jeweils beide möglichen Schreibungen zulässt, ein weiteres Indiz dafür, dass aus der amtlichen Regelung keine eindeutige Entscheidung zu fällen war.

 

Tabelle: "Blut" + Partizip

Auflage

Duden

Bertelsmann

Wahrig

Weltbild

neu

blutbildend, Blut bildend

blutbildend, Blut bildend

blutbildend, Blut bildend

Blut bildend

alt

Blut bildend

-

blutbildend

--

neu

blutreinigend, Blut reinigend

blutreinigend, Blut reinigend

blutreinigend, Blut reinigend

-

alt

blutreinigend

-

-

--

neu

blutsaugend, Blut saugend

blutsaugend, Blut saugend

blutsaugend, Blut saugend

-

alt

Blut saugend

-

-

--

neu

blutstillend, Blut stillend

blutstillend, Blut stillend

blutstillend, Blut stillend

-

alt

blutstillend

blutstillend

blutstillend

--

Tabelle: "Unheil" / "Gefahr" + Partizip

Auflage

Duden

Bertelsmann

Wahrig

Weltbild

neu

Unheil bringend

Unheil bringend

-

Unheil bringend

alt

Unheil bringend

-

-

-

neu

Unheil kündend

-

Unheil kündend

-

alt

Unheil kündend

-

-

-

neu

Unheil verkündend, unheilverkündend

Unheil verkündend, unheilverkündend

unheilverkündend,

Unheil verkündend

Unheil verkündend

alt

Unheil verkündend

Unheil verkündend

-

-

neu

unheildrohend

unheildrohend

unheildrohend

-

alt

unheildrohend

-

-

-

neu

-

-

gefahrdrohend

Gefahr drohend

alt

-

Gefahr drohend

Gefahr drohend

-

neu

Gefahr bringend, gefahrbringend

Gefahr bringend

-

Gefahr bringend

alt

Gefahr bringend

-

-

-

 

1.5.2) "Unheil"/"Gefahr" + Partizip

(s. Tabelle S. 66)

Die Wortverbindungen, deren erster Bestandteil das Substantiv Unheil ist, werden nach Duden, Bertelsmann und Wahrig folgendermaßen geschrieben:

unheildrohend, Unheil verkündend/unheilverkündend,

Unheil bringend (D00/B99), Unheil kündend (D00/Wh00).

Das Weltbild-Wörterbuch führt nur Unheil bringend und Unheil verkündend an.

Im Bertelsmann von 1996 wurde von diesen Partizipialformen nur Unheil verkündend, und zwar in Getrenntschreibung, angegeben. In dem Info-Kästchen zu "Unheil bringen/verkündend" wurde auf § 34 E3(5) verwiesen, also dem Paragraphen, der die Getrenntschreibung von Substantiv und Verb vorschreibt. Die Schreibweise der Verbindung mit dem Partizip wurde demnach der der Verbindung mit dem zugrundeliegenden Verb angeglichen.

Die 21. Duden-Auflage enthielt alle oben genannten Einträge, allerdings bis auf unheildrohend, in alleiniger Getrenntschreibung. Im Wahrig gab es 1996 gar keine Verbindungen mit Unheil.

Im amtlichen Wörterverzeichnis wird die Getrenntschreibung von Unheil verkündend mit der Schreibweise von Unheil verkünden begründet, bei unheildrohend wird auf § 36(1) verwiesen.

Duden und Bertelsmann sind in ihren Neuauflagen von der Getrenntschreibung bei Unheil verkündend zur fakultativen Schreibung übergegangen, auch die 7. Wahrig-Auflage schloss sich letzterem an. Außerdem hat Wahrig Unheil kündend und Bertelsmann Unheil bringend neu eingetragen. Warum wird jedoch in keinem der Wörterbücher zumindest bei Unheil bringend

auch auxhauauchdie Zusammenschreibung zugelassen, zumal sie bei einer möglichen Erweiterung (äußerst unheilbringend) doch vonnöten wäre?

Da unheildrohend zusammenzuschreiben ist, wirft das die Frage auf, wie nach der Neuregelung gefahrdrohend geschrieben werden soll.

Im Duden ist der Begriff in keiner der beiden Auflagen zu finden, wurde aber vor der Neuregelung geführt, Wahrig hat ihn in der siebten Auflage als Neuschreibung hinzugenommen, Bertelsmann hingegen führte Gefahr drohend 1996 in Übereinstimmung mit dem amtlichen Wörterverzeichnis als Neuschreibung an, ließ den Begriff in der neuen Auflage jedoch weg. Im Weltbild-Wörterbuch ist ebenfalls die Getrenntschreibung verzeichnet.

In der Bertelsmann-Ausgabe von 1996 waren demnach unheildrohend, aber Gefahr drohend verzeichnet. Diese Unstimmigkeit besteht nun nicht mehr, da der letztgenannte Ausdruck weggelassen wurde. Sie ist aber im Wahrig zu finden, denn neben Gefahr drohend wurde auch der Eintrag unheildrohend der Neuauflage hinzugefügt, allerdings als Zusammenschreibung.

Der Schreiber, der nur den Duden benutzt, muss nun selbst entscheiden, ob er Gefahr drohend der Schreibung von Gefahr bringend bzw. gefahrbringend anpasst oder der von unheildrohend. Die fakultative Schreibweise von gefahrbringend im Duden steht außerdem im Widerspruch zu der Getrenntschreibung von Unheil bringend.

Ickler weist darauf hin, dass im Duden Universalwörterbuch gefahrdrohend als Zusammenschreibung angeführt wird. Die unterschiedliche Schreibweise hänge davon ab, "wie man die etwas altertümliche Wendung Gefahr drohen einschätzt", ob es sich also nach § 36(1) um die Verkürzung einer Wortgruppe handelt oder nicht.

 

2) Verbindungen aus Adjektiv oder Adverb und Partizip

Als nächste Einheit betrachte ich Verbindungen aus Adjektiv oder Adverb und Partizip. Nach § 36(3) und § 36 E1(1) ist für die Schreibweise ausschlaggebend, wie die Verbindung mit dem

dem Partizip zugrunde liegenden Verb geschrieben wurde.

Wie schon bei den bisher besprochenen Verbindungen anderer Wortarten führt die vermehrte Getrenntschreibung zur "Beseitigung echter Zusammensetzungen wie selbstgebacken" und bewirkt somit "Änderungen in der Feinstruktur". Munske wirft der Neuregelung vor, "mit dem Instrument orthographischer Normierung massiv in die Entwicklung und differenzierte Gestalt des deutschen Wortschatzes" einzugreifen.

Zabel versucht das Problem der nicht mehr vorhandenen Differenzierungsmöglichkeit zwischen dem getrennt und dem zusammengeschriebenen Ausdruck damit zu relativieren, dass der Bedeutungsunterschied durch den Zusammenhang erfassbar sei. Dazu, dass orthographisch z.B. nicht mehr zwischen nahe liegendes Gehöft und naheliegender Gedanke unterschieden wird, schreibt Zabel, die Rechtschreibung werde "nur insofern" geändert, "als sie in all diesen Fällen allein die Getrenntschreibung vorsieht". Dass die vermehrte Getrenntschreibung dennoch zu Missverständnissen führen kann, zeigt das von Ickler angeführte Beispiel aus dem Duden von 1996: er hat das Buch mies gemacht (in der 22. Auflage wird es nicht mehr angegeben).

Die Unterschiede in den Wörterbüchern resultieren aus der Entscheidung, ob bisherige Zusammenschreibungen weiterhin als echte Zusammensetzungen geführt werden oder ob man sich nach der Schreibweise des zugrunde liegenden Verbs richtet.

Widersprüche gibt es auch innerhalb der einzelnen Wörterbücher, z.B. bei den Schreibweisen von Verbindungen eines Adjektivs oder Adverbs mit verschiedenen Partizipien. Ein gutes Beispiel hierfür sind Wortverbindungen mit hoch als erstem Bestandteil. Ickler macht erneut den Vorwurf, dass es sich bei der Entscheidung für die Schreibweise bei Zusammensetzungen mit Partikeln wie hoch oder wohl um "Willkür" handelt.

2.1) Einzelne Fallbeispiele

2.1.1) "hoch" + Partizip

(s. Tabelle S. 74)

Bei hochbegabt werden in Duden, Bertelsmann und Wahrig sowohl Zusammen- als auch Getrenntschreibung zugelassen (allerdings gibt es nur noch schwach begabt). Das Weltbild-Wörterbuch führt nur die Getrenntschreibung an.

Bei Bertelsmann und Wahrig wird die Schreibung von hochgebildet freigestellt. Im Duden scheint letzteres ebenso beabsichtigt zu sein, es werden jedoch Druckfehler gemacht, denn beide Alternativen sind zusammengeschrieben, die erste sogar mit großem Anfangsbuchstaben ("Hochgebildet, auch hochgebildet", die zweite Schreibweise ist als Neuschreibung rot markiert). Bei dem Adjektiv hochgelehrt wird in allen drei Wörterbüchern die alleinige Zusammenschreibung beibehalten.

Bei hochgewachsen sind es wiederum Wahrig und Duden, die beide Schreibungen nebeneinander bestehen lassen, während Bertelsmann und Weltbild nur die Getrenntschreibung anführen. Bei Anwendung des Paragraphen 36 E1(1.2) müsste eigentlich getrennt geschrieben werden, da sich hoch in der Verbindung mit dem zugrundeliegenden Verb (hoch wachsen) eindeutig steigern lässt.

In einigen Fällen werden die Schreibweisen verschiedenen Bedeutungen zugeordnet. So wird in allen vier Wörterbüchern hochgestellt als mathematischer Begriff im Zusammenhang mit einer Zahl gebraucht, während der Getrenntschreibung die Bedeutung »Ansehen« zugeordnet wird. Dies ist nach § 36 E1(1.2) richtig, denn hoch stellen lässt sich im diesem Fall steigern.

Bei hoch gesteckt geben Wahrig und Weltbild nur die Getrenntschreibung an, im Bertelsmann gibt es den Eintrag gar nicht, während Duden auch hier differenziert, und zwar zwischen hochgestecktem Haar und hoch gesteckten Zielen.

Ein Widerspruch zwischen Duden und Bertelsmann ist bei hochgespannt zu finden. Nach dem Duden ist hochgespannt in Verbindung mit Strom zusammenzuschreiben, hoch gespannte Erwartungen aber getrennt. Bertelsmann benutzt letzteres jedoch als Beispiel für die Zusammenschreibung. Im Wahrig wird nur die Zusammenschreibung angeführt, und zwar sowohl in der Bedeutung »unter Hochspannung« oder »unter hohem Druck stehend (Dampf)« als auch in Bezug auf Erwartungen.

In Duden, Bertelsmann und Wahrig wird der Ausdruck hochkonzentiert nach der Bedeutung differenziert (hochkonzentrierte Schülerin, hoch konzentrierte Säure), wobei Duden und Wahrig im Gegensatz zu Bertelsmann die Getrenntschreibung als neu kennzeichnen. Weltbild gibt auch in diesem Fall nur die neue Schreibung an, ohne Beispiele zu nennen.

Während Weltbild hochfrequent als Getrenntschreibung angibt, schreiben die anderen Wörterbücher es weiterhin zusammen.

Wie schon an der Schreibung von Verbindungen aus Substantiv und Partizip zu sehen war, gibt es mehrere Wörter, die durchaus erweiterbar sind, zumindest durch die Hinzunahme von äußerst, und somit nach § 36 E1(1.2) getrennt geschrieben werden müssten, bei denen die Wörterbücher aber trotzdem bei der alten Zusammenschreibung bleiben (hochbetagt, hochanständig), da es sich um echte Zusammensetzungen handelt, jedoch verfahren die Wörterbüchern dabei nicht konsequent.

Die Partikel hoch könnte in einigen Fällen auch als bedeutungsverstärkend gelten, müsste demnach nach § 36(5) zur Zusammenschreibung führen, auch wenn dort keine Beispiele mit hochoch hoch als erstem Bestandteil angeführt werden. In Übereinstimmung mit

§ 36(5) werden z.B. hochbetagt, hochberührt oder hochbeglückt zusammengeschrieben, nicht aber hoch angesehen, hoch geachtet oder hoch qualifiziert, in denen das Adjektiv hoch ebenso bedeutungsverstärkend verstanden werden kann. In diesem Zusammenhang kritisiert Ickler in seinem Buch "Regelungsgewalt" die Angaben im Info-Kästchen des Dudens zu hoch, die "von ungewöhnlicher Kompliziertheit" sind. So soll zwar hochanständig geschrieben werden, weil hoch in dieser Verbindung "rein intensivierend gebraucht wird" (D00, S. 474), hoch empfindlich ist aber getrennt zu schreiben.

Außerdem führt Ickler an, dass es im Duden neue Getrenntschreibungen von Wörtern gibt, die bisher angeblich zusammenzuschreiben waren, die aber der Duden von 1991 gar nicht enthielt. Dazu gehören hoch angesehen, hoch dosiert, hoch motiviert und hoch spezialisiert.

2.1.2) "weit" + Partizip

(s. Tabelle S. 74)

Im Duden werden für die meisten Verbindungen aus weit und Partizipien beide Schreibungen nebeneinander angegeben. Im Info-Kästchen zu weit werden dazu Beispielsätze angeführt, wobei meistens zwei verschiedene Steigerungen, bedingt durch die unterschiedliche Schreibung angegeben werden:

weit blickend, weiter blickend, am weitesten blickend,

auch weitblickend, weitblickender, am weitblickendsten.

Durch die Formulierung mit »auch« werden diese unterschiedlichen Steigerungsformen gleichgesetzt. Als Hinweis wird die Duden-Regel K 58 angegeben, die jedoch lediglich besagt, dass Verbindungen aus Partizipien genauso zu schreiben sind, wie Verbindungen mit dem entsprechenden Verb. Zu den Zusammenschreibungen von u.A. weitblickend, weitgreifend, weitverbreitend oder weitverzweigt müsste es demnach auch zusammengesetzte Infinitive geben, die allerdings im Duden nicht als Einträge zu finden sind. Die Schreibweisen der Partizipien, die auch im Wahrig stehen (weitblickend, weitgehend, weitreichend, weittragend), entsprechen der Zweifachschreibung bei Duden und Bertelsmann. Allerdings führt Bertelsmann anders als der Duden nur die Neuschreibung von weit verbreitet und weit verzweigt an.

Zur Getrenntschreibung von weitreichend ist noch anzumerken, dass, selbst wenn die Verbindung in gesteigerter Form zusammengeschrieben werden müsste, was allerdings in den Wörterbüchern nicht angegeben wird, es durch Deklination trotzdem zu der Getrenntschreibung weit reichender (ein weit reichender Gedanke) kommen würde, was unmöglich ist, da das Wort reichender nicht existiert.

Die im Weltbild enthaltenen Partizipien werden nur getrennt geschrieben, mit der Begründung, die Ausdrücke seien steigerbar (weiter blickend ...). Dabei wird nur die Partikel gesteigert, wie jedoch die andere, im Duden aufgezeigte Steigerungsform (weitblickender) zu schreiben ist, wird in diesem Schülerwörterbuch nicht ausgeführt.

Einen Widerspruch innerhalb der Wörterbücher von Wahrig und Bertelsmann gibt es bei den Einträgen weitblickend und weitschauend. Weitblickend kann sowohl getrennt als auch zusammengeschrieben werden, weitschauend wird nur als Neuschreibung (weit schauend) angeführt. Im Wahrig werden sogar beide Ausdrücke als Synonyme angegeben, trotzdem unterscheiden sich ihre Schreibungen. Im Duden kommt nur weitblickend vor, wobei die Schreibweise ebenfalls freigestellt ist, anders als im Weltbild-Wörterbuch, wonach getrennt geschrieben werden muss.

Unterschiede bei Verbindungen aus "hoch" und Partizip

Duden

Bertelsmann

Wahrig

Weltbild

hochbegabt, hoch begabt

hochbegabt, hoch begabt

hochbegabt, hoch begabt

hoch begabt

Hochgebildet, hochgebildetA

hochgebildet, hoch gebildet

hoch gebildet

-

-

hochgeachtet, hoch geachtet

hoch geachtet

-

hoch gewachsen, hochgewachsen

hoch gewachsen

hochgewachsen, hoch gewachsen

hoch gewachsen

hochkonzentriert, aber

hoch konzentriert (Säure)

hochkonzentriert, aber

hoch konzentiert (Säure)

hochkonzentriert, aber

hoch konzentriert

hoch konzentriert

hochgesteckt (Haar), aber

hoch gesteckt (Ziele)

-

hoch gesteckt

hoch gesteckt

hochgespannt (Strom), aber

hoch gespannt (Erwartungen)

hochgespannt (Erwartungen), aber hoch gespannt (Seil)

hochgespannt

-

 

Unterschiede bei Verbindungen aus "weit" und Partizip

Duden

Bertelsmann

Wahrig

Weltbild

weit blickend, weitblickend

weitblickend, weit blickend

weitblickend, weit blickend

weit blickend

weit reichend, weitreichend

weitreichend, weit reichend

weitreichend, weit reichend

weit reichend

weit verbreitet, weitverbreitet

weit verbreitet

-

weit verbreitet

weit verzweigt, weitverzweigt

weit verzweigt

-

-

A Im Info-Kästchen wird dieser Fehler nicht wiederholt, sondern richtig angegeben: hochgebildete, auch hoch gebildete Frau (vgl. D 00; 474).

 

2.1.3) "wohl" + Partizip

(s. Tabelle S. 77)

Bei Verbindungen mit wohl sind Partizipien wie wohl bedacht, wohl bekannt, wohl durchdacht oder wohl überlegt nach allen Wörterbüchern nur getrennt zu schreiben. Außer dem Duden führen alle wohl gemeint an, allerdings wird wohlmeinend zusammengeschrieben, obwohl beide Partizipien von dem Verb wohl meinen abstammen, auch steht im Duden wohltuend trotz der Neuschreibung von wohl tun (die anderen Wörterbücher lassen wohltuend weg). Ebenso ist wohlgetan in Wahrig und Bertelsmann nur als Zusammenschreibung zu finden. Im Duden wird hierbei zwischen dem veralteten Ausdruck in die Arbeit ist wohlgetan und der Urlaub hat ihr wohl getan differenziert, letzteres ist als Neuschreibung markiert.

Der Duden widersetzt sich auch der alleinigen Zusammenschreibung der anderen Wörterbücher bei wohlschmeckend und wohlgeraten, indem die Neuschreibung als Alternative hinzugefügt wird, allerdings werden übereinstimmend mit Bertelsmann wohllautend und wohlklingend nur zusammengeschrieben.

Ebenfalls freigestellt ist die Schreibweise in den Wörterbüchern von Duden und Wahrig bei wohlgelitten und wohlgenährt (letzteres steht auch im Bertelsmann als Fakultativschreibung), nicht aber im Weltbild-Verlag, wo nur die bisherige Zusammenschreibung angeführt wird. Bei der Schreibweise von wohlgeordnet bildet der Wahrig die Ausnahme, der auch hier beide Schreibungen zulässt, während Duden und Bertelsmann nur die neue Getrenntschreibung angeben.

Zu den Verbindungen aus wohl und Partizipien wird bei Duden im Info-Kästchen zu wohl angemerkt, sie seien getrennt zu schreiben, wenn wohl gesteigert oder erweitert werden kann. Somit müssten eigentlich wohllautend und wohlklingend auch getrennt geschrieben werden (sehr wohl lautend). Im Bertelsmann wird auch das Kriterium der Steigerbarkeit angegeben, allerdings wird zusätzlich erwähnt, dass wohl in der Bedeutung »wahrscheinlich, vermutlich« getrennt von der Partikel zu schreiben sei. Dazu wird § 34 E3(2) angeführt, nach dem Verbindungen aus (zusammengesetzten) Adverbien und Verben getrennt geschrieben werden. Jedoch ist wohl in der Bedeutung »wahrscheinlich«, z.B. bei er wird wohl wollen, kein Verbzusatz, die Getrenntschreibung hängt nicht mit dieser Regel zusammen, sondern damit, dass wohl in diesem Fall eine adverbiale Bestimmung ist.

Ickler kritisiert die Orientierung an der Steigerbarkeit bei Verbindungen mit wohl:

"Dieser Teil der Neuregelung krankt daran, daß die Reformer

mit dem Kriterium der Steigerbarkeit arbeiten und – in

schlechter Dudentradition – fälschlicherweise annehmen,

besser sei der Komparativ zu wohl, während es in Wirklichkeit

der Komparativ zu gut ist.".

Demnach ist die Steigerung zu wohlschmeckend natürlich keineswegs besser schmeckend, sondern wohlschmeckender und ist zusammenzuschreiben. Ickler behauptet, bei der Schreibung von wohlriechend würde im Duden von 2000 anders verfahren als bei wohlschmeckend, doch ist in der 22. Auflage bei beiden Begriffen die Schreibweise freigestellt, bei wohlschmeckend kommt der Hinweis hinzu, die Steigerung sei nur zusammenzuschreiben. In den anderen Wörterbüchern werden wohlschmeckend und wohlriechend (nur Bertelsmann lässt letzteres weg) zusammengeschrieben.

Die Zusammenschreibung von wohlhabend wird im Wörterverzeichnis mit dem Paragraphen 36(2) begründet. Danach ist zusammenzuschreiben, wenn ein Bestandteil des Wortes "in dieser Form nicht selbständig vorkommt" (aRW, S. 80). Ebenso begründet Zabel die Zusammenschreibung von wohlwollend damit, dass wollend nicht selbständig vorkomme. Zurecht stellt Ickler in Frage, wieso dies bei tuend anders sei, zumal wohl tuend getrennt zu schreiben ist. Diese Schreibweise resultiert aus § 36 E1(1.2), denn der Infinitiv wohl tun wird getrennt geschrieben, da z.B. mit sehr gesteigert werden kann. Unklar ist, nach welchen Kriterien man sich letztendlich richten soll, da mehrere Regeln in Frage kommen, deren Anwendung zu unterschiedlichen Ergebnissen führen kann.

 

Unterschiede bei Verbindungen aus "wohl" und Partizip

Duden

Bertelsmann

Wahrig

Weltbild

wohlgelitten, wohl gelitten

-

wohlgelitten, wohl gelitten

wohlgelitten

wohlgenährt, wohl genährt

wohlgenährt, wohl genährt

wohlgenährt, wohl genährt

wohlgenährt

wohl geordnet

wohl geordnet

wohlgeordnet, wohl geordnet

-

wohlgeraten, wohl geraten

wohlgeraten

wohlgeraten

-

wohlerzogen, wohl erzogen*

wohlerzogen

wohlerzogen

wohlerzogen

wohlgetan (die Arbeit ist w.),

aber wohl getan (der Urlaub hat ihr wohl getan)

wohlgetan

wohlgetan

-

wohlschmeckend,

wohl schmeckend*

wohlschmeckend

wohlschmeckendA

wohlschmeckend

wohlriechend, wohl riechend

-

wohlriechend

wohlriechend

 

*: in gesteigerter Form ist der Ausdruck nur zusammenzuschreiben

A: wegen der Trennung wohlschmeck-end als neu gekennzeichnet

 

2.1.4) "gleich" + Partizip

Bei Verbindungen von gleich mit Partizipien stimmen die Wörterbücher bis auf einen Fall in den Schreibweisen überein. Sofern die Begriffe in den einzelnen Büchern aufgeführt werden, sind gleich bleibend, gleich denkend, gleich gesinnt oder gleich lautend einheitlich nach Anwendung der neuen Regeln getrennt geschrieben, während bei gleichberechtigt oder gleichgestellt die alte Schreibung bestehen bleibt. Unstimmigkeiten gibt es jedoch bei dem Ausdruck gleichbedeutend, der nach Duden und Weltbild zusammen, nach Bertelsmann und Wahrig aber getrennt geschrieben wird. Allerdings ist

"gleich bedeutend [...] im Gegensatz zu gleich lautend nicht aus

den neuen Regeln zu begründen, denn man kann zwar sagen,

daß zwei Wörter gleich lauten, nicht aber, daß sie gleich

bedeuten".

Auch lässt sich anders als bei gleichlautend das Adverb nicht steigern oder erweitern (vollkommen gleich lautend).

2.1.5) "nicht"/"nichts" + Partizip

Ausnahmsweise beide Schreibungen werden im Weltbild-Wörterbuch bei nichtrostend angeführt, während nach Duden und Wahrig nur die Neuschreibung gilt. Bertelsmann differenziert auch hier wieder, indem die Zusammenschreibung weiterhin zugelassen wird, jedoch nur als fachsprachlicher Begriff. Ebenso verfährt Bertelsmann bei nicht leitend und nicht zielend (in der Zusammenschreibung mit der Bedeutung »intransitiv«), während Wahrig und Duden nur die Neuschreibungen anführen.

Fakultativ beide Schreibungen sind in allen Wörterbüchern zugelassen, sofern sie als Einträge vorhanden sind, bei nichtöffentlich, nichtamtlich, nichtberufstätig, nichtchristlich oder nichtehelich,

(wohl in Anlehnung an das Beispiel zur Toleranzregel § 36 E2 im amtlichen Regelwerk nichtöffentlich/nicht öffentlich,) wobei jedoch nur im Duden die getrennte Form nicht als Neuschreibung markiert wird.

Bei Verbindungen mit nichts liegen die Unterschiede erneut darin, dass nicht alle Wörterbücher beide Schreibungen zulassen.

Duden

Bertelsmann

Wahrig

Weltbild

nichts ahnend

nichts ahnend, nichtsahnend

-

nichts ahnend

-

nichts bedeutend, nichtsbedeutend

nichts bedeutend

-

nichts sagend

nichts sagend, nichtssagend

nichts sagend, nichtssagend

nichts sagend

Auffällig ist hierbei, dass ausgerechnet Duden in Übereinstimmung mit dem Wörterverzeichnis des amtlichen Regelwerks nichts sagend ausschließlich getrennt schreibt, wobei der gesamte Begriff eindeutig steigerbar ist (nichtssagender). Ickler gibt als Beispiel für die sprachwidrige Getrenntschreibung bei Steigerung an:

"noch nichts sagender war das Schlußwort".

Allerdings wird im Duden die Schreibweise von vielsagend ebenso wie bei Bertelsmann und Wahrig freigestellt.

2.1.6) "schwerbehindert" / "schwerbeschädigt"

Unterschiedlich gehen die Wörterbücher mit der Schreibweise von schwerbehindert und schwerbeschädigt um. Im Duden werden beide Begriffe zusammengeschrieben, wenn der Ausdruck bedeutet,

"durch gesundheitliche Schädigung nur beschränkt erwerbs-

fähig" (D00, S. 876).

Ist Steigerbarkeit des Begriffs möglich (schwerer behindert/ beschädigt), so wird getrennt geschrieben, als Beispiel hierzu führt Duden ein schwer beschädigtes Fahrzeug an, was nicht als Neuschreibung gilt.

Eine Erklärung für die Schreibweise ist im Bertelsmann nur begrenzt gegeben. Zu den Einträgen werden zwei Schreibweisen angeführt, wobei die Zusammenschreibung den Hinweis enthält

"mit einem ärztlichen Attest versehen" (B99, S. 802).

Zu dieser Bedeutungsangabe schreibt Ickler:

"Das bedeuten sie [die Begriffe schwerbehindert und schwer-

beschädigt (E.B.)] freilich nie; der linkische Hinweis deutet

vielmehr an, daß es sich hier wohl doch um feste Begriffe

handelt, woraus eben die besondere Betonung und Zusammen-

schreibung folgt.".

Zu diesen Zusammensetzungen gibt es im amtlichen Regelwerk keinen Hinweis. Als nächstes wird im Bertelsmann ohne weitere Erklärung die Getrenntschreibung angeführt, allerdings als Neuschreibung gekennzeichnet. Im Info-Kästchen zu "schwer behindert/fallen/nehmen, schwerstbehindert" wird auf § 34 E3(3) verwiesen, wonach steigerbare oder erweiterbare Verbindungen getrennt zu schreiben sind, mit dem Beispiel

Er war nach dem Unfall sehr schwer behindert.

Außerdem wird die Zusammenschreibung von schwerstbehindert damit erklärt, dass, angelehnt an § 36(2), der erste Bestandteil (schwerst-) nicht selbständig vorkommt. Allerdings gibt Ickler Beispiele aus Zeitungsberichten und Büchern, in denen schwerst durchaus als selbständiges Wort verwendet wird.

Im Wahrig sind nur die Zusammenschreibungen angeführt, das Weltbild-Schülerwörterbuch allerdings gibt nur die Neuschreibungen an, mit dem Hinweis auf eine mögliche Steigerung bzw. Erweiterung (ein (sehr) schwer behindertes Kind).

Als Substantivierung führen Duden, Wahrig und Bertelsmann bei Schwerbeschädigter nur die Zusammenschreibung an, Duden und Wahrig verfahren ebenso bei Schwerbehinderter (Bertelsmann hat dazu keinen Eintrag). Das Wörterbuch von Weltbild ist das einzige, das daneben auch die Getrenntschreibung zulässt. Im Wahrig von 1997 wurde diese Schreibung

ebenfalls freigestellt.

Wie auch für viele andere Beispiele gilt hier, dass, wie Ickler schreibt, die Reform dazu geführt hat, "daß die Schreibweise ganz alltäglicher Wörter unsicher geworden ist".

3) Das Kriterium der Bedeutungsverstärkung/-minderung

am Beispiel von Verbindungen mit "halb" (§ 36(5))

(s. Tabelle, S. 83)

Nach § 36(5) sind Wortverbindungen zusammenzuschreiben, wenn der erste Bestandteil bedeutungsverstärkend oder –mindernd ist. Die Beispiele, die hierfür gegeben werden, sind "ganz verschiedene Gebilde", so dass nicht klar definiert wird, was unter Bedeutungsverstärkung oder –minderung zu verstehen ist.

"Darauf mag beruhen, daß die Wörterbücher diese Regel

unterschiedlich anwenden und viele unplausible Lösungen

finden".

Neben der Frage, ob Zusätze zu Farbangaben, z.B. dunkelblau oder hellgrün, als bedeutungsverstärkend oder –mindernd zu interpretieren sind, wie es im Bertelsmann der Fall ist, gibt es mehrere Missverständnisse bei Begriffen, die mit halb zusammengesetzt sind.

"Die Wörterbücher bemühen sich, auch Zusammensetzungen

mit halb unter diese Nummer zu bringen, wozu sie durch den

Eintrag halbamtlich ¹ halb amtlich im Wörterverzeichnis aus-

drücklich ermuntert werden",

da halbamtlich, so Ickler, nach dem Regelwerk als »nahezu amtlich« zu verstehen ist, während zu dem getrennt geschriebenen Ausdruck keine Bedeutung angegeben wird.

Bei Verbindungen mit dem ersten Bestandteil halb ergeben sich hauptsächlich Unterschiede in den Fällen, in denen Duden, Bertelsmann oder Wahrig beide Formen zulassen, Weltbild jedoch nur die neue Getrenntschreibung. Dies ist der Fall bei halbblind, halbgar, halblinks und halbrechts. Zu letzteren ist noch anzumerken, dass Duden und Wahrig beide Schreibweisen nebeneinander gelten lassen und somit die Unterscheidung zwischen

"halb links = ,ein wenig links‘ [und] halblinks = ,auf der halblinken Position‘" aufgegeben wird. Dies geschieht

"kaum zum Vorteil der Sprache, und für den Lerner ist die

punktuelle Beliebigkeit auch kein Gewinn".

Nur Bertelsmann differenziert die Schreibweisen weiterhin nach der Bedeutung. So werden den zusammengeschriebenen Formen Begriffe aus dem Sport zugeordnet, während halb links, das nicht als Neuschreibung gilt, "zwischen links und geradeaus" (B99,

S. 395) bedeutet (analog halb rechts).

Zu den Verbindungen mit halb wird in den Wörterbüchern die Regel angegeben, dass zusammenzuschreiben ist, wenn

"halb als bedeutungsmindernd verstanden wird",

"[a]nsonsten gelten Verbindungen mit halb als getrennt zu

schreibende Wortgruppen" (B99, S. 394).

Im Duden wird versucht, die Bedingungen für die Getrenntschreibung genauer zu formulieren. So soll getrennt geschrieben werden,

"wenn »halb« als Gegensatz zu »ganz« aufgefasst wird" bzw.

"wenn »halb« die Bedeutung »teils« hat" (D00, S. 446).

Als Bedeutung von halb bei Bedeutungsminderung gibt Duden »nicht sehr« (z.B. bei halbbitter) an. Demnach ist zusammenzuschreiben, wenn halb »nicht sehr« bzw. getrennt, wenn halb »nicht ganz« bedeutet. Wie schwierig es ist, zwischen den Bedeutungen »nicht ganz« und »nicht sehr« zu unterscheiden, zeigen die sogenannten Zweifelsfälle, in denen beide Schreibungen zugelassen sind. Wie schon erwähnt, enthält das Schülerwörterbuch eine solche Ausweichmöglichkeit nicht.

Bei Bertelsmann und Weltbild haben die unterschiedlichen Schreibweisen auch verschiedene Betonungen. Außer dem, dass nicht mehr halbnackt, sondern halb nackt geschrieben wird, ändert sich demnach auch die Akzentuierung. Duden und Wahrig behalten die Betonung auch bei der Neuschreibung bei. Dasselbe Problem mit der Akzentuierung gibt es bei Wörtern, die sowohl getrennt als auch zusammengeschrieben werden. Als Beispiel hierfür soll halbreif dienen, das ohne Bedeutungsänderung auch getrennt geschrieben werden kann. Nach Duden und Wahrig liegt die Betonung in beiden Fällen auf halb, Bertelsmann gibt für die gleichwertigen Schreibweisen unterschiedliche Betonungen an (halbreif = halb reif).

 

Duden

Bertelsmann

Wahrig

Weltbild

halbfertig, halb fertig

-

halbfertig, halb fertig

-

halbfest, halb fest

-

halbfest, halb fest

-

halbgar, halb gar

halbgar, halb gar

halbgar, halb gar

halb gar

halblinks, halb links

halblinks, aber halb links

halblinks, halb links

halb links

halbrechts, halb rechts

halbrechts, aber halb rechts

halbrechts, halb rechts

halb rechts

halbreif, halb reif

halbreif, halb reif

halbreif, halb reif

-

halbblind, halb blind

-

-

halb blind

halb leer

halb leer

halb leer

halb leer

halb nackt

halb nackt

halb nackt

halb nackt

halb offen

halb offen

halb offen

halb offen

halb tot

halb tot

halb tot

halb tot

halb verhungert

halb verhungert

halb verhungert

halb verhungert

halb voll

halb voll

halb voll

halb voll

halb wach

halb wach

halb wach

halb wach

halbamtlich

halbamtlich

halbamtlich

halbamtlich

halbbitter

halbbitter

halbbitter

halbbitter

halblang

halblang

halblang

halblang

halbseiden

halbseiden

halbseiden

-

halbtrocken

halbtrocken

halbtrocken

halbtrocken

 

4) Substantivierungen von Verbindungen mit Partizipien

(Tabelle siehe Anhang 4)

Im Regelwerk werden unter § 36 keine Angaben zur Substantivierung von Wortverbindungen gemacht. In § 37, der die Schreibweise von Substantiven regelt, werden unter E2(2) "substantivisch gebrauchte Zusammensetzungen, bei denen der letzte Bestandteil kein Substantiv ist" (amtl. R., 83) (z.B. das Abhandenkommen, das Sitzenbleiben, das Vergissmeinnicht) angegeben, dabei kommen aber keine Wörter vor, deren zweiter Bestandteil ein Partizip ist.

Zwischen den Wörterbüchern gibt es bei den Substantivierungen von Verbindungen mit Partizipien viele Widersprüche, auch innerhalb der einzelnen Wörterbücher, vor allem dann, wenn ein Begriff nach der Neuregelung ausschließlich getrennt zu schreiben ist, jedoch zwei Möglichkeiten für seine Substantivierung angegeben werden. So steht in allen vier Wörterbüchern einheitlich die Getrenntschreibung von allein erziehend der fakultativen Schreibung der Substantivierung gegenüber (Alleinerziehende/allein Erziehende). Diese von den Reformgegnern als widersprüchlich kritisierten Schreibweisen benutzt Zabel als absurdes Argument gegen den Vorwurf der Wortvernichtung, da

"Wortgruppen, für die die Getrenntschreibung vorgeschlagen

wird, in substantivierter Form als Zusammensetzungen nach

wie vor zur Verfügung stehen".

In der Anmerkung zur Duden-Regel K 58 heißt es, dass Substantivierungen sich ebenso wie Partizipien "nach den zugrunde liegenden Verbindungen mit Verben" (D00, S. 46) richten, dass aber neben der Getrenntschreibung auch Zusammenschreibung zugelassen wird, was jedoch "grammatisch nicht ableitbar" ist.

Demnach gibt es Fälle, bei denen die Substantivierungen sowohl getrennt als auch, wie bisher, zusammengeschrieben werden können, obwohl das zugrunde liegende zusammengesetzte Adjektiv nicht mehr existiert, da die nicht-substantivierte Form nur getrennt geschrieben wird. Ickler bezeichnet dies als "grammatisch unmöglich". Der Fehler liegt darin, dass bei der Substantivierung von erweiterten Partizipien eigentlich nur das Partizip substantiviert wird, somit die Substantivierung einer Wortgruppe aus Adjektiv oder Substantiv und Partizip ebenfalls getrennt geschrieben werden muss. Erst in ihrem dritten Bericht vom März 2002 gibt die Kommission zu, dass die Zusammenschreibung nicht aus der Substantivierung der getrennt geschriebenen Verbindungen resultiert, sondern dass "vielmehr Univerbierung schon im zugrunde liegenden attributiven Gebrauch anzunehmen" ist und somit auch bei den nicht-substantivierten Formen Zusammenschreibung vorliegen müsste, im Widerspruch zu der Neuregelung von 1996.

Allein im Duden gibt es zahlreiche Beispiele für die fakultative Schreibung von Substantivierungen getrennt zu schreibender Wortverbindungen mit Partizipien, z.B.

2 allein erziehend – allein Erziehende, Alleinerziehende

2 anders denkend – anders Denkende, Andersdenkende

2 Arbeit suchend – Arbeit Suchende, Arbeitsuchende

2 Aufsicht führend – Aufsicht Führende, Aufsichtführende

2 blind geboren – blind Geborene, Blindgeborene

2 gleich gesinnt – gleich Gesinnte, Gleichgesinnte

2 oben stehend – oben Stehende, Obenstehende

2 schwer bewaffnet – schwer Bewaffnete, Schwerbewaffnete

Sofern diese Einträge in den anderen Wörterbüchern geführt werden, stimmen die Schreibweisen weitgehend mit denen des Dudens überein (s. Tabelle Anhang 4). Eine Ausnahme gibt es im Weltbild-Wörterbuch, in dem zu der Getrenntschreibung gleich gesinnt nur die zusammengeschriebene Substantivierung angegeben wird (gleichgesinnte).

Ebenfalls beide Schreibungen, jedoch ohne dass ein Eintrag zur nicht-substantivierten Partizipialform vorhanden ist, werden im Duden bei daheim Gebliebene angegeben, wohingegen Bertelsmann nur die Zusammenschreibung anführt. In den vorigen Auflagen von Wahrig, Duden und Bertelsmann war nur Daheimgebliebene zu finden. Im Wahrig wurde diese Zusammenschreibung in der neuen Auflage durch die Getrenntschreibung ausgetauscht. Dabei bleibt es fraglich, warum nicht wie im Duden vorgegangen und die Schreibung der vorigen Auflage fakultativ beibehalten wurde.

Weitere Substantivierungen, deren Schreibweisen in den Wörterbüchern freigestellt werden, sind z.B.

besser Verdienende / Besserverdienende (D00,Wb99) oder

außen Stehende / Außenstehende (D00,B99,Wh00).

Bei der Schreibweise von Außenstehenden bildet wieder das Weltbild-Wörterbuch ebenso wie bei Leidtragende die Ausnahme, da Duden, Bertelsmann und Wahrig in diesen Fällen die Schreibweise freistellen, während nach Weltbild nur die bisherige Zusammenschreibung obligatorisch ist. Dabei wird auch leidtragend nur in zusammengeschriebener Form angeführt, während Duden und Wahrig auch hier beide Schreibweisen zur Auswahl stellen (Bertelsmann führt nur die Substantivierung an).

Zu leicht bewaffnet, leicht verletzt und leicht verwundet, Wortverbindungen, die nach Duden, Bertelsmann und Weltbild ausschließlich getrennt zu schreiben sind, gibt Bertelsmann keine Substantivierung an, Duden behält neben der getrennten Fassung die bisherige Zusammenschreibung bei, während nach Weltbild auch hier nur die zusammengeschriebenen Substantivierungen angeführt werden, obwohl die drei oben genannten Begriffe in ihren nicht-substantivierten Formen getrennt zu schreiben sind (leicht verletzt, aber Leichtverletzte). Wahrig gibt nur die Substantivierung Leichtverwundete an, diese sowohl in der Getrennt- als auch in der Zusammenschreibung.

Zwei Schreibungen der Substantivierung analog zu zwei möglichen nicht-substantivierten Formen sind nur bei wenigen Einträgen in unterschiedlichen Wörterbüchern zu finden. Dazu gehören:

2 leidtragend, Leid tragend –

Leidtragende, Leid Tragende (D00, Wh00),

2 erholungsuchend, Erholung suchend –

Erholungsuchende, Erholung Suchende (D00),

2 nichtberufstätig, nicht berufstätig –

Nichtberufstätige, nicht Berufstätige (D00).

(Letzteres ist ein Beispiel für die Verbindungen mit einem Adjektiv als zweitem Bestandteil.)

Im Duden werden die unterschiedlichen Schreibungen von neuvermählt nach der Bedeutung differenziert, für die Substantivierung werden aber beide Formen gelten gelassen. Nach Weltbild gelten ebenfalls beide substantivierten Formen, den Begriff neuvermählt gibt es allerdings nur als Getrenntschreibung, ebenso bei Bertelsmann, wo gar keine Substantivierung angeführt wird.

Während Bertelsmann bei Spätgebärende nur die bisherige Zusammenschreibung anführt, fügt Duden fakultativ auch die Neuschreibung hinzu. Ebenfalls allein mit beiden Schreibungen steht der Duden bei Zivildienstleistende, bei den anderen Wörterbuchverlagen entschied man sich für die alleinige Zusammenschreibung. Dabei wird Dienst leistend in den Wörterbüchern nur getrennt geschrieben, eine Substantivierung dazu wird allerdings nicht angegeben. Zu Dienst habend ist es nur der Duden, der eine Substantivierung anführt, diese allerdings nur zusammengeschrieben (der Diensthabende). Eine getrennt geschriebene Substantivierung (der Dienst Habende) hätte nach K 58 angeführt werden müssen. Doch ist, wie in vielen anderen Fällen, durch die alleinige Getrenntschreibung der Verbindung mit dem Partizip, nach Ickler,

"nicht zu erkennen, wie man überhaupt zu der Substantivierung

Diensthabender gelangt, wenn es das entsprechende Adjektiv

nicht mehr gibt".

Anschließend möchte ich noch eine kurze Bemerkungen zu den Betonungsangaben machen. Im Bertelsmann stehen viele Substantivierungen nur in den Info-Kästchen, in denen die Akzentuierung nicht angegeben wird. An den Einträgen mit angezeigter Betonung ist aber zu erkennen, dass sich, wie im Schülerwörterbuch aus dem Weltbild-Verlag, auch hier die Betonung bei Getrenntschreibung geändert hat. Somit wird in diesem Wörterbuch z.B. nicht zwischen Außenstehende und außen Stehende (B99) oder Schwerkranke und schwer Kranke (B99, Wb99) unterschieden.

5) Vergleich der verschiedenen Auflagen eines Verlags

Duden

(eine ausführliche Auflistung der unterschiedlichen Schreibweisen zwischen der 21. und 22. Auflage, auch § 34 betreffend, ist im Anhang 5 zu finden)

Vergleicht man die Verbindungen mit Partizipien in den beiden Duden-Auflagen miteinander, fällt insbesondere auf, dass zu vielen Neuschreibungen von 1996 in der neuen Auflage die Zusammenschreibung wieder, wenn auch als fakultative Schreibung, hinzugenommen wurde. Ebenfalls hinzugefügt sind bei vielen Einträgen Hinweise auf die Schreibung bei Steigerung oder Erweiterung des Ausdrucks (z.B. bei schreckenerregend, platzsparend).

Fakultative Schreibungen gab es in der 21. Auflage nur bei

gewinnbringend, krebserregend, mitleiderregend

und einigen Substantivierungen:

die Arbeitsuchenden, die Erholungsuchenden, Ratsuchende,

Untenstehendes, Nichtzutreffendes.

Neue Einträge der 22. Auflage sind

Dienst leistend, Frucht tragend/fruchttragend oder

Kraft raubend/kraftraubend.

Ebenso wurden viele Verbindungen aus Adjektiv oder Adverb und Partizip neu hinzugefügt, doch gibt es auch einige Neuschreibungen aus der 21. Auflage, die 2000 nicht mehr als Eintrag vorhanden sind. Dazu gehören:

Hilfe bringend, Trost bringend, Welten umspannend,

ledig gehend, weit schauend, wohl gemeint, wohlgesinnt

(außer wohlgesinnt wurden alle Beispiele 1996 als neu gekennzeichnet). Außerdem haben die Lexikographen im neuen Duden Andersgesinnte weggelassen, dafür aber die nicht-substantivierte Form als Neuschreibung (anders gesinnt) hinzugefügt, die es in der 21. Auflage nicht gab.

Weitere Unterschiede, die nicht daraus resultieren, dass eine fakultative Schreibung hinzugefügt wurde, gibt es bei den Begriffen schwer kriegsbeschädigt (D96), dessen Neuschreibung in der 22. Auflage wieder zurückgenommen wird (schwerkriegsbeschädigt). Unterschiede, die auf Bedeutungsdifferenzierung in der neuen Auflage basieren, gibt es bei den Einträgen hochgespannt, hochgesteckt und neuvermählt. 1996 führte der Duden hochgespannt nur in der Zusammenschreibung an, in der 22. Auflage wird differenziert zwischen

hochgespannte Ströme, aber hoch gespannte Erwartungen ,

dabei wird die Getrenntschreibung als neu gekennzeichnet.

Bei hochgesteckt und neuvermählt gab es in der 21. Auflage nur die Neuschreibungen. Auch hier differenziert die Neuauflage zwischen

hochgesteckten Haaren und hoch gesteckte Zielen

bzw. zwischen

neuvermählt (gerade, eben erst vermählt) und

neu (=wieder, erneut) vermählt.

Nach dem Duden von 1996 waren schwer behindert, schwer beschädigt nur getrennt zu schreiben, es wurde der Hinweis "durch gesundheitliche Schädigung" gegeben. Der neue Duden nimmt die Zusammenschreibung wieder auf, gibt dazu die Erklärung an "durch gesundheitliche Schädigung nur beschränkt erwerbsfähig" und fügt, ohne Markierung als Neuschreibung, die Möglichkeit der Getrenntschreibung hinzu, im Falle, dass schwer steigerbar ist (schwer, schwerer, ... behindert).

Bertelsmann

Viele Unterschiede gibt es auch in den Bertelsmann-Wörterbüchern, wobei hier besonders auffällig ist, wie viele Ausdrücke 1999 neu aufgenommen wurden (z.B. allein erziehend, Krebs erregend, Achtung gebietend). Wie im Duden sind im Bertelsmann in der ersten Auflage kaum fakultative Schreibungen zu finden, auch wurden nur in seltenen Fällen Angaben zu der Schreibung bei Steigerung oder Erweiterung des Ausdrucks gemacht.

In der folgenden Tabelle werden einige Beispiele für Wortverbindungen mit Partizipien als zweitem Bestandteil aufgelistet, deren Schreibweisen 1999 fakultativ sind, die im Bertelsmann von 1996 entweder nur getrennt oder nur zusammengeschrieben waren.

1996

1999

1996

1999

schwer wiegend

schwerwiegend, schwer wiegend

viel sagend

vielsagend,

viel sagend

nicht leitend

nichtleitend,

nicht leitend

viel versprechend

vielversprechend, viel versprechend

nicht rostend

nichtrostend,

nicht rostend

Unheil verkündend

unheilverkündend, Unheil verkündend

nicht Krieg führend

nichtkriegführend, nicht Krieg führend

blutstillend

blutstillend,

Blut stillend

Zeit sparend

zeitsparend,

Zeit sparend

epochemachend

epochemachend, Epoche machend

Gewinn bringend

gewinnbringend,

Gewinn bringend

hilfebringend

hilfebringend,

Hilfe bringend

Grauen erregend

grauenerregend, Grauen erregend

erfolgversprechend

erfolgversprechend, Erfolg versprechend

Schwindel erregend

schwindelerregend, Schwindel erregend

schauererregend

schauererregend, Schauer erregend

Staunen erregend

staunenerregend, Staunen erregend

schreckenerregend

schreckenerregend, Schrecken erregend

Einige Beispiele für Einträge, die 1996 in der bisherigen Schreibweise, im neuen Bertelsmann aber als Konsequenz der Neuregelung getrennt geschrieben werden, sind:

1996

1999

dienstleistend

Dienst leistend

diensthabend

Dienst habend

diensttuend

Dienst tuend

heilbringend

Heil bringend

linksstehend

links stehend

Auch werden in der neuen Auflage Neuschreibungen von 1996 wieder zurückgenommen, z.B. bei doppeltkohlensauer und dünnmachen, die nun wie vor der Reform zusammenzuschreiben sind.

1996 gab es die Einträge blindfliegen, blindschreiben und blindspielen nur in der Zusammenschreibung, 1999 wird diese auf den fachsprachlichen Gebrauch reduziert, die Begriffe sind ansonsten getrennt zu schreiben.

Völlig weggelassen wird 1999 der Eintrag Gefahr drohend, obwohl dieser im amtlichen Wörterverzeichnis steht.

Wahrig

In der 7. Auflage des Wahrig werden ebenfalls viele Begriffe neu, eingetragen, z.B.

blutreinigend, mitleiderregend, unheilverkündend

(alle Schreibweisen fakultativ).

Als Alternativschreibung hinzugefügt wird die Getrenntschreibung z.B. bei

Arbeitsuchende, blindfliegen, blindschreiben, blindspielen,

blutbildend, blutstillend, vielsagend oder vielversprechend, alles Begriffe, die in der 6. Auflage als Zusammenschreibungen nicht von der Neuregelung betroffen waren. Ebenso wird zu einigen Begriffen, die 1997 als Neuschreibung angeführt wurden, in der neuen Auflage die Zusammenschreibung als Alternative hinzugefügt. Dies ist u.A. der Fall bei

besorgniserregend, erfolgversprechend, fruchtbringend,

fruchttragend, grauenerregend, schwindelerregend,

schwerwiegend oder vertrauenerweckend.

Beispiele für gegensätzliche Schreibweisen sind folgenden Einträge:

6. Auflage (1997)

7. Auflage (2000)

blasenziehend

Blasen ziehend

Dabeigewesene

dabei Gewesene

epochemachend

Epoche machend

immerwährend

immer während

schwerkrank

schwer krank

 

6) Änderungsvorschläge aus dem ersten Bericht der

Zwischenstaatlichen Kommission

Die Zwischenstaatlichen Kommission sieht in ihren Vorschlägen zur Änderung der Regeln aus § 36 vor, viele der bisherigen Zusammenschreibungen als Alternative wieder aufzunehmen, wodurch

"die als besonders ,konsequent‘ gerühmte obligatorische

Getrenntschreibung bei Aufsehen erregend, Eisen verarbeitend

[...] zurückgenommen" wird.

U.A. wird ein neuer Unterparagraph eingeführt (§ 36(4)*; das Sternchen soll darauf hindeuten, dass es sich um die Nummerierung des ersten Berichts handelt), nach dem zusammenzuschreiben ist, wenn der zweite Bestandteil der Verbindung "gesteigert ist und damit die ganze Verbindung steigert". Zwar geht aus dieser Regel keine Angabe über die Schreibweise der nicht-gesteigerten Form hervor, so dass Getrenntschreibungen wie schwer wiegend mit einem zusammengeschriebenen Komparativ (schwerwiegender) nach dieser Regel auch weiterhin möglich erscheinen. Jedoch werden durch § 36 E1(2)* Getrennt- und Zusammenschreibung für "Verbindungen aus Adjektiv + Partizip, die auch als Wortgruppe vorkommen" zugelassen.

Die vorgeschlagenen Neuerungen zu § 36 E1 erweisen sich als besonders folgenreich, da bei vielen nach der amtlichen Regelung von 1996 getrennt zu schreibenden Verbindungen mit Partizipien oder Adjektiven die bisherige Zusammenschreibung fakultativ wieder aufgenommen wird. Dazu gehören, außer den zu § 36 E1(2)* genannten Verbindungen, auch solche, deren erster Bestandteil ein sog. "bedeutungsverändernde(s) Adjektiv oder Adverb" ist. Ickler interpretiert diese unklare Definition dahingehend, dass es sich wohl um den "Rest der , bedeutungsverstärkenden und bedeutungsmindernden‘ Adjektive aus der Neuregelung" handelt. Somit wären z.B. bei den in Kapitel B.II.2.3 betrachteten Verbindungen mit halb sowohl Getrennt- als auch Zusammenschreibung möglich. Außerdem wird in § 36 E1(2)* die Betonung als Merkmal der einzelnen Schreibweisen erwähnt.

Die Wiederaufnahme der Zusammenschreibung gilt auch für viele Verbindungen aus Substantiv und Partizip (§ 36 E1(1)*), denn bei

"Verbindungen aus Substantiv + adjektivische(m) Partizip, die

auch als Wortgruppe vorkommen, d.h. wenn ein Akkusativ-

objekt aus einem bloßen Substantiv besteht, das in dieser

Verbindung keinen Artikel hat"

ist die Schreibweise fakultativ.

Allerdings bleibt die Möglichkeit unplausibler Getrenntschreibungen weiterhin erhalten, insbesondere wird nicht darauf eingegangen, dass "der prädikative Gebrauch der getrennten Wortgefüge ungrammatisch ist". Darauf wird erst im dritten Bericht von 2002 eingegangen, in dem der angesprochene prädikative Gebrauch als "kaum akzeptierbar" bezeichnet wird.

Mit den Vorschlägen aus dem ersten Bericht lassen sich die zahlreichen fakultativen Schreibungen bei Verbindungen aus Substantiv oder Adjektiv/Adverb und Partizip sowie deren Substantivierungen in den Wörterbüchern begründen, die nicht mit den amtlichen Regeln konform sind, obwohl der erste Bericht eigentlich keine Auswirkungen auf die Wörterbücher haben sollte.

Allerdings werden die vorgeschlagenen Regeln bei den verschiedenen Wörterbüchern in unterschiedlichem Maße umgesetzt, im Duden sind weitaus die meisten Einträge mit freigestellter Schreibweise zu finden, das Schülerwörterbuch von Weltbild scheint sich, wie von der KMK gefordert, überhaupt nicht an den Vorschlägen orientiert zu haben.

Da allerdings die Umsetzung bei Bertelsmann und Wahrig, aber auch bei Duden inkonsequent geblieben ist, gewinnt man den Eindruck, als wäre in diesen Wörterbüchern willkürlich bei manchen Einträgen die Neuregelung von 1996 angewandt worden, während bei anderen als Konsequenz aus den Vorschlägen die Schreibweise freigestellt wurde.

B.III) Verbindungen mit Substantiven (§ 37)

§ 37 soll Zusammenschreibungen von Verbindungen aus Substantiven, Adjektiven, Verbstämmen, Pronomen oder Partikeln mit Substantiven regeln. Dazu werden hauptsächlich zusammengeschriebene Begriffe aufgezählt, so auch in § 37(1), in dem es sich um "Zusammensetzungen, bei denen der letzte Bestandteil ein Substantiv ist" (aRW, S. 82), handelt. Darunter fallen zahlreiche englischsprachige Verbindungen. Ickler behauptet deswegen, "daß es offenbar die Fremdwörter sind, um derentwillen der Paragraph eingefügt ist". Dadurch kommt es zur Zunahme der Zusammenschreibung englischer Begriffe, womit einerseits eine einheitlichere Schreibung besteht "als in der einzelfallbezogenen, oft an der englischen Originalschreibweise orientierten Dudennorm". Andererseits gibt es Bedenken bei den "Auslandsgermanisten", die, so Ickler, "ihr Befremden über diese provinziell anmutenden Neuerungen geäußert" haben.

Nach § 37 E1 ist bei diesen Fremdwörtern "in Anlehnung an die Herkunftssprache" (aRW, S. 83) auch die Getrenntschreibung möglich, nämlich dann, wenn die Verbindung aus Adjektiv und Substantiv besteht. Dabei kann es zu Schwierigkeiten kommen, wenn dem Schreibenden nicht bewusst ist, um welche Wortarten es sich bei den Bestandteilen des betreffenden Ausdrucks handelt.

Die Regelung der Schreibung dieser Wortverbindungen fällt auch unter den Bereich der Groß- und Kleinschreibung. Nach § 55(3) ist bei mehrteiligen Substantiven aus anderen Sprachen der erste Bestandteil großzuschreiben. Gibt es außerdem Substantive innerhalb dieser Fügungen, sind auch diese mit einem großen Anfangsbuchstaben zu versehen. In § 55 E1 wird hinzugefügt, dass diese Verbindungen teilweise auch zusammengeschrieben werden können, dazu wird auf § 37 (1) verwiesen, außerdem gibt es einen Hinweis auf die Paragraphen 44 und 45, die die Schreibung mit Bindestrich

betreffen.

Wie schon erwähnt, muss der Schreiber wissen, aus welchen Wortarten die mehrteiligen Fremdwörter bestehen, um sich für die richtigen Schreibweisen fremdsprachlicher Wortverbindungen zu entscheiden. Besondere Schwierigkeiten dürften hierbei lateinische Begriffe machen, wobei § 37 E1 nicht für lateinische Fremdwörter zu gelten scheint, auch wenn das nicht ausdrücklich formuliert wird.

Doch müssen auch bei Fügungen aus dem Lateinischen die Substantive erkannt werden, um sie richtig zu schreiben, so dass Ickler resümierend feststellt,

"[d]ie Neuschreibung ist eindeutig schwieriger und erfordert

vermehrtes Nachschlagen".

Nach den bisherigen Regeln war bei mehrteiligen Fügungen nur das erste Wort großzuschreiben.

1) Vergleich der Wörterbücher

(s. Tabelle Anhang 6)

1.1) Englische Fremdwörter

Übereinstimmend, auch mit dem Wörterverzeichnis des amtlichen Regelwerks, sind alle Wörterbücher u.A. bei den Schreibweisen

Bigband/Big Band, Come-back/Comeback,

Midlifecrisis/Midlife-Crisis oder Show-down/Showdown.

Dabei beruhen diese Schreibungen auf folgenden Regeln:

Da es sich bei dem zweiten Bestandteil von Comeback und Showdown nicht um Substantive handelt, wird im Wörterverzeichnis für die Zusammenschreibung § 37(2) angegeben, unter dem eine Reihe "(s)ubstantivisch gebrauchter Zusammensetzungen, bei denen der letzte Bestandteil kein Substantiv ist" (aRW, S. 83), aufgezählt werden. Für die Alternativschreibung mit Bindestrich wird § 43

aus dem Bereich der "Schreibung mit Bindestrich" zurate gezogen, nach dem der Bindestrich "in substantivisch gebrauchten Zusammensetzungen (Aneinanderreihungen)" (aRW, S. 92) gesetzt wird.

Die Zusammenschreibung von Bigband beruht auf § 37(1), nach

§ 37 E1 ist auch die Getrenntschreibung möglich, da es sich in diesem Fall eindeutig um eine Verbindung aus Adjektiv und Substantiv handelt. Für die Getrenntschreibung wird im Wörterverzeichnis außerdem § 55(3) angegeben, denn es handelt sich um eine substantivisch gebrauchte Fügung, somit ist das erste Wort großzuschreiben, ebenso wie der zweite Bestandteil "Band", der selbst ein Substantiv ist. Die alternative Schreibung bei Midlifecrisis basiert wiederum auf einer anderen Regel, nämlich § 45(2). Danach wird der Bindestrich "zur Gliederung unübersichtlicher Zusammensetzungen" gesetzt.

Bei den Zusammenschreibungen stimmen die Wörterbücher überein. Unterschiede zwischen ihnen und im Vergleich zum amtlichen Wörterverzeichnis gibt es v.a. dabei, ob Varianten angeführt oder ob die Bestandteile der Wortverbindungen mit Bindestrichen verbunden werden oder nicht.

Insgesamt gesehen ist es erneut der Duden, in dem mehrere fakultative Schreibungen vorkommen als in den anderen Wörterbüchern. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um alternative Schreibungen mit Bindestrich. Beispiele, in denen die anderen Wörterbücher die Zusammenschreibung des Eintrags aus dem Wörterverzeichnis übernommen haben und nur der Duden eine Variante mit Bindestrich hinzufügt, sind

Beautyfarm, Beatgeneration, Boatpeople, Bottleparty,

Hairstylist, Hillbillymusic, Hometrainer, Lightshow,

Mountainbike, Shoppingcenter, Tearoom oder Toeloop.

In einzelnen Fällen sind es auch die anderen Wörterbücher, die die Schreibung mit Bindestrich der oftmals neuen Zusammenschreibung hinzufügen, so ist es Wahrig neben Duden bei Molotowcocktail oder Lovestory. Bei Talkshow, Sciencefiction und Personalityshow stimmen die Einträge im Weltbild-Wörterbuch mit den alternativen Schreibweisen des Dudens überein.

Bertelsmann führt weniger Schreibungen mit Bindestrich an, dazu gehören insbesondere die, die auch im Wörterverzeichnis angegeben werden.

Doch gibt es auch einige Fälle, in denen es nicht der Duden ist, der eine Bindestrichschreibung hinzufügt. Dies ist der Fall bei dem Eintrag Rollerskates, der bei Bertelsmann und Weltbild auch Roller-Skates geschrieben werden kann, während der Duden nur die Zusammenschreibung anführt. Während bei Duden und Bertelsmann nur die neue Zusammenschreibung von Jetset vorkommt, führt Wahrig auch Jet-Set an. Im Weltbild-Wörterbuch gibt es auch zwei Varianten, allerdings wird nach dem Bindestrich ein kleines s angegeben (Jet-set). Diese Schreibweise wurde in den vorigen Auflagen von Bertelsmann (1996) und Wahrig (1997) ebenfalls neben der Zusammenschreibung angeführt, in diesen beiden Wörterbüchern sogar als Neuschreibung. In den neuen Auflagen wird diese Variante weggelassen.

Neben den alternativen Schreibweisen mit Bindestrich gibt es auch solche, bei denen die Bestandteile getrennt werden. Dabei müsste es sich nach § 37 E1 nur um Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv handeln. Dass es jedoch schwierig ist, die Wortarten innerhalb fester Fügungen zu erkennen, zeigen die Unterschiede in den Wörterbüchern.

Die Getrenntschreibung als Variante wird zu Comicstrip oder Shootingstar nur im Duden angegeben, bei Payingguest oder Irishcoffee in Duden und Wahrig, während Bertelsmann bei diesen vier Beispielen nur die neue Zusammenschreibung anführt.

Widersprüchlich sind die fakultativen Schreibweisen von

Chewinggum. Während das amtliche Wörterverzeichnis, Wahrig und das Weltbild-Wörterbuch den Eintrag nur zusammenschreiben, wird zusätzlich im Duden Chewing-Gum angegeben, Bertelsmann lässt den Bindestrich weg und schreibt Chewing Gum, wonach "chewing" ein Adjektiv sein müsste. 

Ebenso unterscheidet sich die Schreibung Jam-Session im Duden von Jam Session im Wahrig, wobei auch hier im Wörterverzeichnis (und im Bertelsmann) nur die Zusammenschreibung angegeben wird.

Die Liveshow bekommt bei Bertelsmann und im Wörterverzeichnis keine zweite Schreibweise, bei Duden und Wahrig hat diese einen Bindestrich, nur im Weltbild-Würterbuch gibt es auch die Getrenntschreibung (Live Show).

1.1.1) "high" + Substantiv

Im Folgenden werden die Verbindungen betrachtet, deren ersten Bestandteil das englische Adjektiv "high" bildet.

Duden

Bertelsmann

Wahrig

Weltbild

Highfidelity,

High Fidelity

Highfidelity,

High Fidelity

High Fidelity,

Highfidelity

High Fidelity,

Highfidelity

Highlife

Highlife, High Life

Highlife, High Life

-

Highlight

Highlight

Highlight

Highlight, High Light

Highriser

Highriser, High Riser

-

-

-

Highscool,

High School

High School,

Highschool

 

Highsociety,

High Society

Highsociety,

High Society

High Society#,

Highsociety

Highsociety,

High Society

Hightech, High Tech

Hightech, High Tech

High Tech, Hightech

Hightech, High-Tech

(#: nur wegen der neuen Trennmöglichkeit als neu angegeben)

Bei Highsociety und Hightech sind es alle vier Wörterbücher, die auch die getrennt geschriebene Variante aufnehmen, obwohl das Wörterverzeichnis nur die Zusammenschreibung angibt. Ebenfalls beide Varianten werden in allen Wörterbüchern angegeben bei Highfidelity und Highschool (letzteres ist nur bei Bertelsmann und Wahrig zu finden). Allerdings wird im Wahrig behauptet, dass die Getrenntschreibungen High Fidelity, High Tech, High School und High Society bereits die alten Schreibweisen waren. Die anderen Wörterbüchern kennzeichnen diese als Neuschreibung und geben an, dass bisher nur mit Bindestrich geschrieben wurde.

Im Duden, das Wörterbuch, das sonst die meisten Variantenangaben zu verzeichnen hat, wird anders als im Bertelsmann zu

Highriser nicht die Getrenntschreibung angeführt, ebenso bei

Highlife, das auch im Wahrig in beiden Varianten zu finden ist.

Das Weltbild-Wörterbuch führt nur vier Wortverbindungen mit high an, gibt aber bei allen sowohl Zusammen- als auch Getrenntschreibung an, somit sogar auch bei Highlight/High Light.

1.2) Lateinische und französische Fremdwörter

In den neuen Wörterbüchern stimmen die Klein- und Großschreibung der meisten lateinischen und französischen Fügungen überein. Viele Schreibweisen sind im Vergleich zu den Auflagen von 1996 verändert und somit der Neuregelung angepasst worden. Unterschiede gibt es nur noch vereinzelt zwischen Bertelsmann, Duden und Wahrig, z.B. bei

2 Force de frappe (B99) – Force de Frappe (D00)

2 Aide-mémoire (Wh97) – Aide-Mémoire (D00)

2 Nomen proprium (B99, Wh00) – Nomen Proprium (D00).

Im Schülerwörterbuch werden nur wenige entsprechende Fremdwörter angegeben, dazu gehört Corpus delicti, das allerdings nicht der Neuschreibung der anderen Wörterbuch angepasst wird (Corpus Delicti).

1.3) Andere Verbindungen mit Substantiven

Die Differenzen in den Wörterbüchern bzgl. der Angabe einer alternativen Schreibweise beziehen sich nicht allein auf Fremdwörter. Als Beispiel hierfür sollen die Verbindungen mit "Ich" als erstem Bestandteil dienen.

 

 

 

Duden

Bertelsmann

Wahrig

Weltbild

Icherzähler,

Ich-Erzähler

-

-

Icherzähler,

Ich-Erzähler

-

Ich-Erzählung,

Icherzählung

Ich-Erzählung,

Icherzählung

 

Ichform

Ich-Form, Ichform

Ich-Form, Ichform

Ichform, Ich-Form

Ichgefühl

-

Ich-Gefühl,

Ichgefühl

Ichgefühl,

Ich-Gefühl

Ichlaut, Ich-Laut

Ich-Laut, Ichlaut

Ich-Laut, Ichlaut

-

Ichroman,

Ich-Roman

Ich-Roman,

Ichroman

Ich-Roman,

Ichroman

-

Ichsucht

Ich-Sucht, Ichsucht

Ichsucht, Ich-Sucht

Ichsucht, Ich-Sucht

Im Wörterverzeichnis sind nur Ichlaut, Ichform und Ichsucht angeführt, allesamt in Zusammenschreibung mit dem Hinweis auf

§ 37(1). Außer im Duden gelten für die in den drei anderen Wörterbüchern angeführten Einträge beide Schreibweisen. Der Duden stellt die Ausnahme dar bei den Einträgen Ichform, Ichgefühl und Ichsucht, die nur zusammengeschrieben werden, allerdings wird zu allen drei der Hinweis auf die Duden-Regel K 21 gegeben, wonach ein Bindestrich "[z]ur Hervorhebung einzelner Bestandteile von Zusammensetzungen" (D00, S. 31) gesetzt werden kann.

Sehr unterschiedlich ist allerdings die Kennzeichnung der Einträge als neue oder bisherige Schreibung. So sind nach Bertelsmann die Schreibungen mit Bindestrich die schon vor der Neuregelung gültigen, nach dem Weltbild-Wörterbuch sind gerade diese die neuen Schreibweisen. Im Wahrig werden bei den meisten Einträgen ebenfalls die Varianten mit Bindestrich als neu gekennzeichnet, nur bei Ichsucht gilt die zusammengeschriebene Variante als Neuschreibung.

Der Duden gibt zu den Einträgen mit freigestellter Schreibweise an, die Zusammenschreibung sei die Konsequenz der Neuregelung, während die drei oben genannten Beispiele Ichform, Ichsucht und Ichgefühl nicht markiert sind.

Ebenfalls unterschiedlich sind die Angaben der früheren Schreibung z.B. bei Herzass. Duden ist das einzige Wörterbuch, in dem auch eine alternative Schreibung angegeben wird, nämlich

Herz-Ass. Die in allen Wörterbüchern angeführte Zusammenschreibung wird im Duden wie auch im Weltbild-Wörterbuch nur wegen der neuen Endung als neu gekennzeichnet, demnach wurde bisher Herzas geschrieben. Nach Bertelsmann und Wahrig jedoch ist die Zusammenschreibung an sich neu, die alte Schreibung war demnach Herz-As.

Die Wörterbücher stimmen darin überein, dass schwarzweiß nach der Neuregelung auch mit Bindestrich geschrieben werden kann. Außer im Duden wird der Schwarzweißfilm aber nur als Zusammenschreibung angegeben. Duden gibt dazu erneut eine Variante mit Bindestrich an, wobei alle drei Bestandteile großgeschrieben werden: Schwarz-Weiß-Film.

Bei dem Eintrag Aha-Erlebnis steht im Duden zusätzlich zu der von allen Wörterbüchern angeführten bisherigen Schreibweise mit Bindestrich auch eine als neu gekennzeichnete Zusammenschreibung (Ahaerlebnis).

2) Vergleich verschiedener Auflagen eines Verlages

Duden

Im Vergleich zur 21. Auflage gibt es im neuen Duden auch im Bereich der Verbindungen mit Substantiven viele Einträge, bei denen eine Alternativschreibung hinzugefügt wird, z.B. die Variante mit Bindestrich bei

Beatgeneration, Crosscountry, Dixielandjazz, Glamourgirl,

Lightshow, Lovestory, Mountainbike, Sciencefiction,

Sightseeingtour, Swimmingpool, Beneluxstaaten, Herzass

oder die Getrenntschreibung bei

Coldcream, Irishcoffee, Shootingstar,

Highfidelity, Highsociety, Hightech.

Bei einigen zusammengeschriebenen Einträgen der 21. Duden-Auflage wurde allerdings zusätzlich auf R 33 hingewiesen, wonach eine Schreibweise mit Bindestrich möglich ist, wenn die Zusammensetzung "aus Substantiven (oder Substantivierungen)" besteht (D96, S. 32) oder wenn "der erste Bestandteil ein Adjektiv oder Partizip" ist (D96, S. 32). Das ist der Fall bei Actionpainting, Airconditioning, Easyrider, Heavymetal, Liveshow oder Payingguest, aber nicht bei den oben angeführten Beispielen.

Auch gibt es einige Einträge, die in den Duden von 2000 neu aufgenommen werden, dazu gehören u.A.

Businessclass/Business-Class, Cross-over/crossover,

Factoryoutlet/Factory-Outlet, Primtetime/Prime Time.

Differenzen, die nicht auf der Hinzunahme einer Variante im neuen Duden beruhen, sind insbesondere bei lateinischen oder französischen substantivischen Fügungen zu finden, wobei im Duden von 1996 die bisherige Schreibweise angegeben und somit der zweite Teil der Fügung auch dann kleingeschrieben wurde, wenn es sich um ein Substantiv handelte.

Beispiele hierfür sind:

21. Auflage (1996)

22. Auflage (2000)

Aide-mémoire

Aide-Mémoire

Force de frappe

Force de Frappe

Horror vacui

Horror Vacui

Nomen acti

Nomen Acti

Nomen agentis

Nomen Agentis

Nomen instrumenti

Nomen Instrumenti

Parole d’honneur

Parole d’Honneur

Pars pro toto

Pars pro Toto

Weitere Unterschiede gibt es bei der Kennzeichnung der Schreibweisen. So werden u.A. bei Showdown die als alt und neu angegebenen Schreibweisen in den Auflagen vertauscht:

2 1996: Show-down (neu) = Showdown (alt)

2 2000: Show-down (alt) = Showdown (neu).

Ein weiteres Beispiel für die Differenzen ist die Schreibweise von Tradeunion. Nach dem Duden von 1996 war die Getrenntschreibung (Trade Union) die allein gültige Neuschreibung, der neue Duden gibt zwei Neuschreibungen an, darin kommt die Getrenntschreibung allerdings nicht vor (Tradeunion/Trade-Union). Die vor der Neuregelung gültige Schreibweise wird nicht angegeben.

Bertelsmann

Die Bertelsmann-Auflagen unterscheiden sich weniger durch hinzugefügte Varianten , wie es im Duden der Fall ist. Dennoch gibt es auch hier Schreibweisen, die im Bertelsmann von 1999 zu denen der Einträge der vorigen Auflage gefügt werden:

1996

1999

Agent Provocateur

Agent Provocateur, Agent provocateur

Centre Court, Centrecourt

Centre Court, Centrecourt, Centre-Court

Chapeau claque

Chapeau claque, Chapeau Claque

Chewinggum

Chewinggum, Chewing Gum

New Yorker

New Yorker, New-Yorker

In einigen Fällen gab es 1996 zwei mögliche Schreibungen, von denen die bisherige in der Auflage von 1999 weggelassen wurde. Das ist der Fall bei folgenden Beispielen:

1996

1999

Jumbo-Jet, Jumbojet

Jumbojet

Live-Show, Liveshow

Liveshow

Love-Story, Lovestory

Lovestory

Paying Guest, Payingguest

Payingguest

Unterschiede sind insbesondere dadurch zu verzeichnen, dass im neuen Bertelsmann viele Fügungen aus dem Lateinischen oder Französischen der Neuregelung angepasst werden, indem auch der zweite Bestandteil, sofern er als Substantiv erkannt wird, einen großen Anfangsbuchstaben bekommt. Doch gibt es durchaus auch englische Ausdrücke, deren Schreibweise 1996 noch nicht verändert wurde, z.B.

1996

1999

Academy award

Academy Award

Air mail

Airmail

Basic-English

Basic English

Hier ist eine Auswahl unterschiedlicher Schreibweisen von französischen oder lateinischen Fügungen:

1996

1999

Ancien régime

Ancien Régime *

Angina pectoris

Angina Pectoris

Captatio benevolentiae

Captatio Benevolentiae *

Consilium abeundi

Consilium Abeundi *

Consecutio temporum

Consecutio Temporum *

Curriculum vitae

Curriculum Vitae *

Eau de toilette

Eau de Toilette *

Pluralis majestatis

Pluralis Majestatis *

Pars pro toto

Pars pro Toto

Spiritus rector

Spiritus Rector *

Status nascendi

Status Nascendi *

Summum bonum

Summum Bonum *

Tertium comparationis

Tertium Comparationis *

Die mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet Schreibweisen werden sowohl in der 21. als auch in der 22. Auflage des Dudens verwendet. Schon an dieser Auswahl ist zu erkennen, dass es 1996 in diesem Bereich der Rechtschreibung mehrere Unterschiede zwischen Bertelsmann und Duden gab, als es in den neuen Auflagen beider Verlage der Fall ist.

Neu hinzugenommen wurden im Bertelsmann von 1999 u.A. Hometrainer, Hillbillymusic, Irishcoffee, Poleposition oder Primetime. Allerdings wurden auch einzelne Einträge weggelassen, z.B. Aide-mémoire, Herpes zoster, Parole d‘honneur.

Auch in den Bertelsmann-Auflagen gibt es unterschiedliche Kennzeichnungen, z.B. galt die Zusammenschreibung von Braindrain, Lightshow, Multiplechoiceverfahren oder Shootingstar 1996 noch nicht als Neuschreibung, 1999 wird sie aber als solche angegeben. Das Gegenteil ist der Fall bei der Schreibweise Show-down, die nur 1996 als Neuschreibung galt.

Bei manchen Einträgen wurden die Zuordnungen zur Haupt- oder Nebenvariante vertauscht:

2 1996: High Life, Nv. / Highlife, Hv.

1999: Highlife, Nv. / High Life, Hv.,

dabei galt 1996 die Zusammenschreibung als neue Form, 1999 ist die getrennte Fassung die Neuschreibung.

In manchen Fällen werden in einer Auflage zwei Schreibweisen in Haupt- und Nebenvariante eingeteilt, während die andere Auflage sie nebeneinander stehen lässt:

2 1996: Midlife-Crisis, Nv. / Midlifecrisis, Hv.

1999: Midlife-Crisis, auch Midlifecrisis

2 1996: Rollerskates, auch Roller-Skates

1999: Rollerskates, Hv./ Roller Skates, Nv.

Wahrig

Beim Vergleich der Wahrig-Auflagen fällt auf, dass bei mehreren, v.a. englischsprachigen Einträgen in der 6. Auflage (1997) zwei Varianten angeführt waren, von denen eine im neuen Wahrig weggelassen wurde. So fallen in der 7. Auflage bei z.B. Beautyfarm, Beatgeneration, Bottleparty, Jumbojet, Lightshow oder Personalityshow die Bindestrich-Schreibungen von 1997 weg, die bei vielen Einträgen als alte Schreibweise galten. Dadurch entsprach die Schreibweise des Wahrig-Wörterbuchs von 1997 bei diesen Beispielen der der neuen Duden-Auflage, während die alleinige Zusammenschreibung der 7. Wahrig-Auflage der im Bertelsmann von 1999 gleicht.

Wie bei den anderen Wörterbüchern gibt es auch in den Wahrig-Auflagen unterschiedlichen Angaben zur Schreibweise, so z.B.

2 Paying guest (1997) - Payingguest/Paying Guest (2000)

2 Puertoricaner (1997) – Puerto-Ricaner (2000),

und Unterschiede bei der Kennzeichnung als Neuschreibung (1997 galt Personalityshow ebenso wie Jointventure als Neuschreibung, 2000 sind diese Zusammenschreibungen nicht mehr rot markiert).

Wie im Bertelsmann werden viele lateinischen oder französischen Wortverbindungen im neuen Wahrig der Neuschreibung angepasst, indem auch der zweite Bestandteil großgeschrieben wird:

1997

2000

Angina pectoris

Angina Pectoris

Captatio benevolentiae

Captatio Benevolentiae

Cornet de passages

Cornet de passages

Consilium abeundi

Consilium Abeundi

Consecutio temporum

Consecutio Temporum

Eau de toilette

Eau de Toilette

Horror vacui

Horror Vacui

Testimonium paupertatis

Testimonium Paupertatis

B.IV) Verbindungen anderer Wortarten (§ 39)

Der letzte zur Regelung der Getrennt- und Zusammenschreibung gehörende Paragraph, § 39, soll die Schreibweise mehrteiliger Adverbien, Konjunktionen, Präpositionen und Pronomen regeln. Danach ist zusammenzuschreiben, wenn Wortart, Wortform oder Bedeutung der einzelnen Bestandteile nicht mehr deutlich zu erkennen ist.

In § 39(1) werden mehrteilige Adverbien aufgelistet, die aus den oben genannten Gründen zusammengeschrieben werden. Allerdings ist es bei mehreren dieser Wortverbindungen fraglich, inwiefern die einzelnen Bestandteile nicht als selbständige Wörter erkennbar sind.

Ickler wirft den Reformern vor, Wörter wie stromabwärts oder immerwährend, die nach dem amtlichen Regelwerk unter diesen Paragraphen fallen, würden nur darum zusammengeschrieben,

"weil die Experten erkannt haben oder auch einfach festlegten,

die Zusammensetzungen seien nicht vollkommen

durchsichtig".

Zu den Zusammenschreibungen gehören auch Verbindungen, deren zweiten Bestandteil das Adverb mal bildet. Dazu werden diesmal, einmal, zweimal, keinmal und machmal angeführt.

Bei der Schreibweise des umgangssprachlichen Adverbs nochmal

gibt es in den Wörterbüchern Unstimmigkeiten, da nach Duden sowohl Zusammen- als auch Getrenntschreibung möglich sind, nach Bertelsmann im Gegensatz zu den im Regelwerk angeführten Beispielen nur die Getrenntschreibung. Dabei wird diese im Bertelsmann als Neuschreibung angeführt, während Duden die Zusammenschreibung rot markiert. In den Wörterbüchern von Weltbild und Wahrig wird nochmal gar nicht angegeben.

Der Eintrag ebensovielmal wird im Bertelsmann, trotz der neuen Getrenntschreibung von ebenso viel, nur zusammengeschrieben, während Duden auch hier beide Varianten angibt.

Unter den Paragraphen 39 fällt auch die Zusammenschreibung von Verbindungen mit irgend (§ 39(4)), wobei schon die Getrenntschreibung von irgend so etwas (§ 39 E2(1)) zeigt, dass irgend durchaus ein selbständiges Wort darstellt. In allen Wörterbüchern ist dementsprechend ein eigener Eintrag zu irgend verzeichnet mit Beispielsätzen wie wenn irgend möglich.

Die Freigabe der Schreibweise bei zahlreichen "Fügungen in adverbialer Verwendung" (aRW, S. 87) (§ 39 E3(1-3)) führt letztendlich dazu, dass vermehrt nachgeschlagen werden muss, um zu wissen, bei welchen Wortverbindungen eine Schreibweise zwingend ist und bei welchen nicht, was in einigen Fällen je nach dem Wörterbuch, das benutzt wird, zu unterschiedlichen Ergebnissen führen kann.

 

C. Schlussbemerkung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Erwartungen der Reformbefürworter, die Unterschiede in den Wörterbüchern würden sich mit der Zeit aufheben, noch nicht erfüllt haben.

Die unterschiedlichen Angaben zur Schreibweise, unabhängig davon, ob sie aus dem Vergleich verschiedener Wörterbuchverlage oder verschiedener Auflagen desselben Verlages stammen, machen deutlich, wie viele Schwierigkeiten die neuen Rechtschreib-regeln mit sich bringen. Es geht dabei einerseits um die Entscheidung, ob die Neuregelung in den einzelnen Fällen neue Schreibungen nach sich zieht, andererseits aber auch, um die Probleme, die genau diese Neuregelungen bei ihren Anwendungen mit sich bringen.

Während die Differenzen in den ersten Wörterbuchauflagen nach den Reform insbesondere aus den Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Regeln resultierten, kommen nun Unterschiede vermehrt dadurch zustande, dass, vor allem im Duden, versucht wird, die Unplausibilität mehrerer Regeln zu umgehen.

Aus den Berichten der Zwischenstaatlichen Kommission lässt sich der Schluss ziehen, dass es in vielen Fällen nicht bei den umstrittenen neuen Schreibweisen bleiben wird, da entweder die bisherige Schreibung als Alternative hinzugefügt oder letztlich doch in mehreren Fällen zu der alten Form zurückgekehrt wird. Dies wird wiederum nicht ohne Folgen für die Lexikographen bleiben, da viele ihrer Versuche, Schreibweisen der Neuregelung anzupassen, wieder rückgängig gemacht werden müssen und die Frage aufkommt, inwieweit dies vielleicht neue Unterschiede mit sich bringt.

Dass in den Wörterbüchern weiterhin so viele Unterschiede enthalten sind, bezeugt nicht den Erfolg der Arbeit der Zwischenstaatlichen Kommission, die ihre Aufgabe in einer Presseerklärung am 07.06.1997 folgendermaßen definierte:

"Aufgabe der Kommission ist es, die Einführung der Neuregelung zu begleiten und dabei auftretende Probleme zu klären. Sie wird deshalb auch den Wörterbuchredaktionen Empfehlungen für eine einheitliche Umsetzung der neuen Regeln geben."

Doch zeigt sie sich drei Jahre später mit ihrer Arbeit zufrieden. Es wird behauptet, die Zweifelsfälle seien in den neuen Wörterbuchauflagen bereinigt worden, die Wörterbücher würden auf den Regeln der Reform basieren und diese einheitlich auslegen.

"Auf Betreiben und unter Mithilfe der Zwischstaatlichen Kommission einigten sich die großen Wörterbuchverlage seither auf eine einheitliche Auslegung der amtlichen Regeln. Sie haben dies in den jeweils neuesten Auflagen ihrer Rechtschreibwörterbücher umgesetzt. Bertelsmann im März 1999, Duden im August 2000. Beide Nachschlagewerke sind damit zuverlässige Ratgeber in orthografischen Fragen." (Erklärung vom 17.8.2000).

Dass sich insbesondere im Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung die zuversichtlichen Erwartungen der Reformer kurz nach Beschluss der Reform, nämlich dass sich mit der Zeit die Schreibweisen der Einträge in den Wörterbüchern gleichen würden, ebensowenig bestätigt haben, wie die von der Zwischenstaatlichen Kommission behauptete Einheit erreicht ist, und dass viele Unterschiede auf der unzureichenden Beschaffenheit der Regeln basieren, sollten die Vergleiche der neusten Wörterbücher in dieser Arbeit zeigen.

Anhang 1: Verbindungen aus "wieder" und Verb (B.I.3.2)

Duden (2000)

Bertelsmann (1999)

Wahrig (2000)

Weltbild (1999)

wieder aufbauen, wiederaufbauen

wiederaufbauen*

wiederaufbauen

wieder aufbauen

wieder aufbereiten, wiederaufarbeiten

wieder aufbereiten

wieder aufbereiten

wieder aufbereiten

wieder aufführen, wiederaufführen

wieder aufführen

wieder aufführen

wieder aufführen

wieder aufnehmen

wieder aufnehmen

wieder aufnehmen

-

wieder beleben, wiederbeleben

wiederbeleben *

wiederbeleben

wiederbeleben *

wieder einsetzen

wieder einsetzen

wieder einsetzen

-

wieder entdecken, wiederentdecken

wiederentdecken *

wiederentdecken

-

wieder erkennen, wiedererkennen

wiedererkennen *

wiedererkennen

wiedererkennen

wieder eröffnen, wiedereröffnen

wiedereröffnen *

-

wieder eröffnen

wieder gutmachen

wieder gutmachen

wieder gutmachen

wiedergutmachen

wieder vereinigen, wiedervereinigen

wiedervereinigen *

-

-

wieder verwenden, wiederverwenden

wiederverwenden *

-

wieder verwenden

wiedergeboren, wieder geboren

-

wieder geboren

wieder geboren

wiedersehen, wieder sehen

wiedersehen *

wiedersehen

wiedersehen

*: Es wird ein Beispiel zur Getrenntschreibung bei Verwendung der Bestandteile als Wortgruppe gegeben.

(Bertelsmann gibt bei den angeführten Wortgruppen Akzente auf beiden Wörtern an.)

 

Anhang 2: Unterschiede bei Verbindungen aus "wieder" und Verb in den verschiedenen Auflagen von Duden und Bertelsmann

(B.I.3.2.3)

Duden (2000)

Duden (1996)

Bertelsmann (1999)

Bertelsmann (1996)

wieder aufbauen, wiederaufbauen

wieder aufbauen

wiederaufbauen*

wieder aufbauen

wieder aufbereiten, wiederaufarbeiten

wieder aufbereiten

wieder aufbereiten

-

wieder aufführen, wiederaufführen

wieder aufführen

wieder aufführen

-

wieder beleben, wiederbeleben

wieder beleben

wiederbeleben *

wiederbeleben *

-

-

wiederbeschaffen *

wieder beschaffen

wieder entdecken, wiederentdecken

wieder entdecken

wiederentdecken *

wieder entdecken

-

-

wiedererhalten *

wiedererhalten

wieder erkennen, wiedererkennen

wieder erkennen

wiedererkennen *

wieder erkennen

wieder eröffnen, wiedereröffnen

wieder eröffnen

wiedereröffnen *

wieder eröffnen

wieder erwecken, wiedererwecken

wieder erwecken

-

-

-

-

wiedererzählen *

wieder erzählen

wieder finden, wiederfinden

wieder finden

wiederfinden *

wieder finden

wiedergeboren, wieder geboren

wieder geboren

-

wieder geboren

-

-

wiederimpfen *

wieder impfen

wiedersehen, wieder sehen

wieder sehen

wiedersehen *

wieder sehen

wieder vereinigen, wiedervereinigen

wieder vereinigen

wiedervereinigen *

wiedervereinigen *

-

-

wiederverheiraten

wieder verheiraten

-

-

wiederverkaufen *

wieder verkaufen

wieder verwenden, wiederverwenden

wieder verwenden

wiederverwenden *

-

wieder verwerten, wiederverwerten

wieder verwerten

   

wieder wählen, wiederwählen

wieder wählen

wiederwählen *

wieder wählen

*: Es wird ein Beispiel zur Getrenntschreibung bei Verwendung der Bestandteile als Wortgruppe gegeben.

(Bertelsmann gibt bei den angeführten Wortgruppen Akzente auf beiden Wörtern an.)

 

Anhang 3 – Tabelle: Substantiv + Partizip (Kapitel B.II.1)

*: Zu den mit einem Sternchen gekennzeichnet Einträgen wird angegeben, dass der Ausdruck in gesteigerter Form ausschließlich

zusammenzuschreiben ist.

(+): mit diesem Zeichen sind Einträge versehen, die im amtlichen Wörterverzeichnis ein Sternchen in Klammern (*) haben, was bedeutet, "dass eine

analoge Schreibung bereits vorhanden war" (aRW, S. 177)

Duden

Bertelsmann

Wahrig

Weltbild

Wörterverzeichnis

Abscheu erregend, abscheuerregend*

abscheuerregend,

Abscheu erregend

-

-

-

Aufsehen erregend, aufsehenerregend*

Aufsehen erregend*

aufsehenerregend,

Aufsehen erregend*

Aufsehen erregend

Aufsehen erregend (x)

Besorgnis erregend, besorgniserregend*

Besorgnis erregend*

besorgniserregend,

Besorgnis erregend*

Besorgnis erregend

Besorgnis erregend (x)

Ekel erregend, ekelerregend*

ekelerregend, Ekel erregend*

-

Ekel erregend

-

Entsetzen erregend, entsetzenerregend*

-

-

-

-

Furcht erregend, furchterregend*

furchterregend, Furcht erregend

furchterregend, Furcht erregend*

Furcht erregend

-

Grauen erregend, grauenerregend*

grauenerregend,

Grauen erregend*

grauenerregend,

Grauen erregend*

grauenerregend,

Grauen erregend

Grauen erregend (x), grauenerregend

Krebs erregend, krebserregend*

Krebs erregend

Krebs erregend

krebserregend, Krebs erregend

-

Mitleid erregend,

mitleiderregend *

mitleiderregend,

Mitleid erregend*

mitleiderregend,

Mitleid erregend*

Mitleid erregend

-

Schauder erregend, schaudererregend*

schaudererregend,

Schauder erregend*

schaudererregend, Schauder erregend*

Schauder erregend

-

Schrecken erregend, schreckenerregend*

schreckenerregend,

Schrecken erregend*

schreckenerregend, Schrecken erregend*

Schrecken erregend

-

Schwindel erregend, schwindelerregend*

schwindelerregend,

Schwindel erregend

schwindelerregend, Schwindel erregend*

Schwindel erregend

-

Staunen erregend, staunenerregend*

staunenerregend,

Staunen erregend

-

 

-

Achtung gebietend, achtunggebietend

Achtung gebietend

Achtung gebietend

Achtung gebietend

-

Ehrfurcht gebietend, ehrfurchtgebietend*

Ehrfurcht gebietend

-

-

-

Hitze abweisend, hitzeabweisend*

Hitze abweisend

-

-

-

Schmutz abweisend, schmutzabweisend*

Schmutz abweisend

-

Schmutz abweisend

-

Wasser abweisend, wasserabweisend*

Wasser abweisend

-

Wasser abweisend

Wasser abweisend (x)

Furcht einflößend, furchteinflößend*

Furcht einflößend

-

Furcht einflößend

Furcht einflößend

Respekt einflößend, respekteinflößend*

Respekt einflößend

-

Respekt einflößend

-

Frucht bringend, fruchtbringend

fruchtbringend, Frucht bringend

fruchtbringend,

Frucht bringend*

fruchtbringend

-

Gefahr bringend, gefahrbringend*

Gefahr bringend

-

Gefahr bringend

Gefahr bringend

Glück bringend, glückbringend

Glück bringend

Glück bringend

Glück bringend

-

Heil bringend, heilbringend*

Heil bringend

Heil bringend

heilbringend

-

Profit bringend, profitbringend

Profit bringend

-

Profit bringend

-

Segen bringend

Segen bringend

Segen bringend

Segen bringend

-

Verderben bringend, verderbenbringend*

-

Verderben bringend

Verderben bringend

-

Gewinn bringend, gewinnbringend*

gewinnbringend,

Gewinn bringend

gewinnbringend,

Gewinn bringend

gewinnbringend,

Gewinn bringend

Gewinn bringend, gewinnbringend

-

Hilfe bringend

-

Hilfe bringend

-

-

Trost bringend

-

-

-

Unheil bringend

Unheil bringend

-

Unheil bringend

-

Frucht tragend, fruchttragend

fruchttragend, Frucht tragend

fruchttragend, Frucht tragend

-

-

Laub tragend

Laub tragend

Laub tragend

Laub tragend

Laub tragend

Leid tragend, leidtragend

-

leidtragend, Leid tragend

leidtragend

-

Sporen tragend

Sporen tragend

-

-

-

Kosten sparend, kostensparend*

Kosten sparend

-

Kosten sparend

 

Platz sparend, platzsparend*

Platz sparend

-

Platz sparend

-

Raum sparend, raumsparend*

Raum sparend

-

Raum sparend

-

Zeit sparend, zeitsparend*

zeitsparend, Zeit sparend*

zeitsparend, Zeit sparend*

zeitsparend

-

Arbeit suchend

Arbeit suchend

-

Arbeit suchend

-

Erholung suchend, erholungsuchend

Erholung suchend

-

-

-

Hilfe suchend

Hilfe suchend

Hilfe suchend

Hilfe suchend

Hilfe suchend (x)

Rat suchend

Rat suchend

-

Rat suchend

Rat suchend (x)

Aufsicht führend

Aufsicht führend

-

Aufsicht führend

Aufsicht führend

Buch führend

Buch führend

Buch führend

-

-

Kohle führend

Kohle führend

-

Kohle führend

-

Krieg führend

Krieg führend

Krieg führend

Krieg führend

-

Sporen bildend

Sporen bildend

Sporen bildend

-

-

Staaten bildend

Staaten bildend

Staaten bildend

Staaten bildend

-

Ackerbau treibend

Ackerbau treibend

-

-

-

Handel treibend

Handel treibend

-

Handel treibend

Handel treibend (x)

Sport treibend

Sport treibend

Sport treibend

Sport treibend

-

Blutbildend, Blut bildend (*)

Blutsaugend, Blut saugend (*)

Blutreinigend, Blut reinigend(*)

Blutstillend, Blut stillend (*)

blutbildend, Blut bildend

blutsaugend, Blut saugend

blutreinigend, Blut reinigend

blutstillend, Blut stillend

blutbildend, Blut bildend

blutsaugend, Blut saugend

blutreinigend, Blut reinigen

blutstillend, Blut stillend

Blut bildend

-

-

-

-

-

blutreinigend

blutstillend

Epoche machend, epochemachend

Epoche machend

Epoche machend

Epoche machend

-

Vertrauen erweckend, vertrauenerweckend*

Vertrauen erweckend*

vertrauenerweckend,

Vertrauen erweckend*

Vertrauen erweckend

Vertrauen erweckend (x)

Erfolg versprechend, erfolgversprechend*

erfolgversprechend,

Erfolg versprechend,

erfolgversprechend,

Erfolg versprechend*

Erfolg versprechend

-

Glück verheißend, glückverheißend

Glück verheißend

Glück verheißend

-

-

Unheil verkündend, unheilverkündend

unheilverkündend,

Unheil verkündend

unheilverkündend,

Unheil verkündend*

Unheil verkündend

Unheil verkündend (x)

Unheil kündend

-

Unheil kündend

-

-

Kraft raubend, kraftraubend*

-

-

-

-

Not leidend (fachspr. notleidend)

Not leidend

Not leidend

Not leidend

Not leidend

Musik liebend, musikliebend

Musik liebend

-

Musik liebend

-

Funken sprühend

Funken sprühend

-

Funken sprühend

-

Daten/Eisen/Fisch/Holz/Leder/ Metall verarbeitend

Papier verarbeitend

Daten/Eisen/Fisch/Holz/Leder/ Metall verarbeitend

Papier verarbeitend

-

Metall verarbeitend

-

Daten/Eisen/Fisch/Holz/Leder/ Metall verarbeitend

-

Eisen verarbeitend (x)

Metall verarbeitend (x)

Fleisch/Insekten fressend

Fleisch/Insekten fressend

Fleisch/Insekten fressend

Fleisch/Insekten fressend

Fleisch fressend (x)

Beifall heischend

Beifall heischend

Beifall heischend

-

-

Blasen ziehend

-

blasenziehend

-

-

Dienst habend/tuend/leistend

Dienst habend/tuend/leistend

Dienst habend/tuend/-

-

-

Feuer speiend

Feuer speiend

Feuer speiend

Feuer speiend

Feuer speiend (x)

Händchen haltend

Händchen haltend

-

Händchen haltend

-

 

Anhang 4 – Substantivierungen von Verbindungen mit Partizipien (Kapitel B.II.4)

 

Duden

Bertelsmann

Wahrig

Weltbild

allein erziehend,

allein Erziehende, Alleinerziehende

allein erziehend

allein Erziehende, Alleinerziehende

allein erziehend,

Alleinerziehende(r), allein Erziehende(r)

allein erziehend,

Alleinerziehende, allein Erziehende

allein stehend,

allein Stehende, Alleinstehende

allein stehend

allein Stehende, Alleinstehende

allein stehend,

-

allein stehend,

Alleinstehende, allein Stehende

anders denkend,

anders Denkende, Andersdenkende

anders denkend,

der anders Denkende/Andersdenkende

-

Andersdenkende(r), anders Denkende(r)

anders denkend,

Andersdenkende, anders Denkende

anders lautend,

anders Lautende, Anderslautende

-

-

anders lautend

-

-

außen Stehenden, die Außenstehenden

-

Außenstehende(r), außen Stehender

-

Außenstehende(r), außen Stehende(r)

-

Außenstehende

(besser stellen)

besser Gestellte, Bessergestellte

besser gestellt

Bessergestellte(r), besser Gestellte(r)

-

besser gestellt,

Bessergestellte, besser Gestellte

-

besser Verdienende, Besserverdienende

besser verdienend

-

-

-

Besserverdienende, besser Verdienende

blind geboren,

blind Geborene, Blindgeborene

-

-

-

-

daheim Gebliebene, Daheimgebliebene

Daheimgebliebene(r)

-

Daheimgebliebene(r),

daheim Geblienbene(r)

-

fest besoldet,

fest Besoldete, Festbesoldete

fest besoldet

-

fest besoldet

-

fest besoldet,

Festbesoldete, fest Besoldete

gleich gesinnt,

gleich Gesinnte, Gleichgesinnte

gleich gesinnt

-

gleich gesinnt

-

gleich gesinnt,

Gleichgesinnte

klein gedruckt,

klein Gedruckte, Kleingedruckte

-

klein gedruckt,

Kleingedruckte(s), klein Gedruckte(s)

klein gedruckt,

Kleingedrucktes, klein Gedrucktes

leicht bewaffnet,

leicht Bewaffnete, Leichtbewaffnete

leicht bewaffnet

-

-

leicht bewaffnet,

Leichtbewaffnete

leicht verwundet,

leicht Verwundete, Leichtverwundete

leicht verwundet

-

-

Leichtverwundete(r), leicht Verwundete(r)

leicht verwundet,

Leichtverwundete

neuvermählt, aber neu vermählt

neu Vermählte, Neuvermählte

neu vermählt

-

-

neu vermählt,

Neuvermählte, neu Vermählte,

nichtberufstätig, nicht berufstätig,

nicht Berufstätige, Nichtberufstätige

-

-

nichtberufstätig, nicht berufstätig,

-

-

nicht Zutreffende, Nichtzutreffende

-

Nichtzutreffende(s), nicht Zutreffende(s)

-

Nichtzutreffende(s)

-

Nichtzutreffendes

oben genannt

oben Genanntes, Obengenanntes

oben genannt

das oben Genannte, Obengenannte1

-

oben genannt,

oben Genanntes

schwer bewaffnet,

schwer Bewaffnete, Schwerbewaffnete

schwer bewaffnet

-

schwer bewaffnet

-

schwer bewaffnet,

Schwerbewaffnete,

schwer Bewaffnete

schwer krank,

schwer Kranke, Schwerkranke

schwer krank

-

schwer krank

-

schwer krank,

Schwerkranke, schwer Kranke

-

spät Gebärende, Spätgebärende

-

Spätgebärende

-

-

Arbeit suchend,

Arbeit Suchende, Arbeitsuchende

Arbeit suchend

Arbeit Suchende, Arbeitsuchende

-

Arbeitsuchende(r), Arbeit Suchende(r)

Arbeit suchend

-

Aufsicht führend,

Aufsicht Führende, Aufsichtführende

Aufsicht führend

-

-

Aufsichtführende(r),

Aufsicht Führende(r)

Aufsicht führend

-

Dienst habend,

Diensthabende

Dienst habend

-

Dienst habend

-

-

Erholung suchend, erholungsuchend, Erholung Suchende, Erholungsuchende

Erholung suchend,

Erholungsuchende

-

-

Erholungsuchende,

Erholung Suchende

Leid tragend, leidtragend,

Leid Tragende, Leidtragende

-

Leidtragende(r), Leid Tragende(r)

leidtragend, Leid tragend

Leidtragende, Leid Tragende

leidtragend,

Leidtragende

Not leidend,

Not Leidende, Notleidende

Not leidend

der Not Leidende, Notleidende

Not leidend

-

Not leidend,

Notleidende, Not Leidende

Rat suchend,

Rat Suchende, Ratsuchende

Rat suchend

die Rat Suchenden, Ratsuchenden

-

Rat suchend,

Ratsuchende, Rat Suchende

-

Zivildienst Leistende Zivildienstleidende,

-

Zivildienstleistende(r)

-

Zivildienstleistende(r)

-

Zivildienstleistende

 

Anhang 5 – Unterschiede zwischen den Duden-Auflagen

2 Substantiv und Partizip

*: Es wird ein Hinweis bzgl. der Zusammenschreibung bei Steigerung oder Erweiterung gegeben

Duden 2000

Duden 1996

Abscheu erregende, abscheuerregende Tat *

Abscheu erregend *

Aufsehen erregend, aufsehenerregend *

Aufsehen erregend

Besorgnis erregend, besorgniserregend *

Besorgnis erregend *

Ekel erregend, ekelerregend *

Ekel erregend

Entsetzen erregend, entsetzenerregend *

Entsetzen erregend

Furcht erregend, furchterregend *

Furcht erregend

Grauen erregend, grauenerregend *

Grauen erregend *

Schauder erregend, schaudererregend *

Schauder erregend

Schrecken erregend, schreckenerregend *

Schrecken erregend

Schwindel erregend, schwindelerregend *

Schwindel erregend

Staunen erregend, staunenerregend *

Staunen erregend

Profit bringend, profitbringend *

Profit bringend

Glück bringend, glückbringend

Glück bringend

Frucht bringend, fruchtbringend

fruchtbringend

Heil bringend, heilbringend

heilbringend

Gefahr bringend, gefahrbringend *

Gefahr bringend

-

Trost bringend

-

Hilfe bringend

Unheil bringend, unheilbringend

Unheil bringend

Schmutz abweisend, schmutzabweisend *

Schmutz abweisend

Wasser abweisend, wasserabweisend *

Wasser abweisend

Staub abweisend, staubabweisend *

Staub abweisend

Wasser abstoßend, wasserabstoßend *

Wasser abstoßend

Respekt einflößend, respekteinflößend *

Respekt einflößend

Furcht einflößend, furchteinflößend *

Furcht einflößend

Platz sparend, platzsparend *

Platz sparend

Kosten sparend, kostensparend *

Kosten sparend

Raum sparend, raumsparend *

Raum sparend *

Zeit sparend, zeitsparend *

zeitsparend

Glück verheißend, glückverheißend

Glück verheißend

Kraft raubend, kraftraubend

-

Achtung gebietend, achtunggebietend

Achtung gebietend

Erholung suchend, erholungsuchend

Erholung suchend

Unheil verkündend, unheilverkündend

Unheil verkündend

Epoche machend, epochemachend

Epoche machend

Erfolg versprechend, erfolgversprechend *

Erfolg versprechend

Ehrfurcht gebietend, ehrfurchtgebietend *

Ehrfurcht gebietend

Frucht tragend, fruchttragend

-

Laub tragend, laubtragend

Laub tragend

Musik liebend, musikliebend

Musik liebend

blutbildend, Blut bildend

Blut bildend

blutsaugend, Blut saugend

Blut saugend

blutreinigend, Blut reinigend

blutreinigend

blutstillend, Blut stillend

blutstillend

Dienst leistend

-

-

Welten umspannend

2 Adverb/Adjektiv und Partizip

Duden 2000

Duden 1996

heiß laufend, heißlaufend

heißlaufend

hoch angesehen

-

hoch begabt, hochbegabt

hoch begabt

hoch gewachsen, hochgewachsen

hoch gewachsen

hoch konzentriert (Säure), hochkonzentriert (Schüler)

-

hochgespannt (Strom),

hoch gespannte (Erwartungen)

hoch gespannt

hochgesteckt (Haare), hoch gesteckt (Ziele)

hoch gesteckt

-

ledig gehend

neuvermählt (gerade, eben erst),

neu vermählt (wieder, erneut)

neu vermählt

nichtzielend, nicht zielend (beide auch für intransitives Verb)

nichtzielend (intr. Verb)

schwer beschädigt, aber schwer beschädigt

schwer beschädigt

schwerbehindert, aber schwer behindert

schwer behindert

schwerkriegsbeschädigt

schwer kriegsbeschädigt

viel sagend, vielsagend

viel sagend

viel versprechend, vielversprechend

viel versprechend

warm halten, warmhalten

warm halten

warm laufen, warmlaufen

warm laufen

weit blickend , weitblickend

weitblickend

weit greifend, weitgreifend

weit greifend

weit reichend, weitreichend

weit reichend

-

weit schauend

weit tragend, weittragend

weit tragend

weit verbreitet, weitverbreitet

weit verbreitet

weit verzweigt, weitverzweigt

weit verzweigt

weitgehend, weit gehend

weitgehend

weiter bestehen, weiterbestehen

weiter bestehen

-

wohl gemeint

-

wohlgesinnt

wohl temperiert, wohltemperiert

wohl temperiert

wohl vorbereiet

-

wohlerzogen, wohl erzogen

wohlerzogen

wohlgenährt, wohl genährt

wohlgenährt

 

2 Partikel und Verb

Duden 2000

Duden 1996

hinterdrein laufen, hinterdreinlaufen

hinterdreinlaufen

mit berücksichtigen (nicht als neu markiert), mitberücksichtigen

mit berücksichtigen

mit unterzeichnen, mitunterzeichnen

--

wieder aufbauen, wiederaufbauen etc.

(nicht als neu markiert)

wieder aufbauen, aufbereiten, beleben u.v.a.

dafür können, dafürkönnen

dafür können

dafürhalten, dafür halten (auch für meinen)

dafürhalten

dafürstehen, dafür stehen

dafürstehen

dafürsprechen, auch dafürsprechen

--

2 Adverb, Adjektiv und Verb

Duden 2000

Duden 1996

reinwaschen (übertr. Sinn), aber rein waschen (Wäsche)

rein waschen (auch übertr.)

stramm ziehen (Seil), strammziehen (Hosenboden)

stramm ziehen

schönmachen (Hund), schön machen (verschönern)

schönmachen

scharf machen (aufhetzen)

scharfmachen (aufhetzen)

trocken stehen

trockenstehen

freimachen, aber:

den Oberkörper frei machen

freimachen, auch:

den Oberkörper freimachen

klarmachen (Schiff), klar machen (deutlich machen)

Sie hat ihm die Sache klar gemacht.

klarmachen

Sie hat ihm ... klargemacht.

2 Substantivierungen

Duden 2000

Duden 1996

-

Andersgesinnte

anders Lautende, Anderslautende

-

Außen Stehende, Außenstehende

Außenstehende

Daheim Gebliebene, Daheimgebliebene

Daheimgebliebene

Gleich Gesinnte, Gleichgesinnte

Gleichgesinnte

Gut Gesinnte, Gutgesinnte

Gutgesinnte

Blind Geborene, Blindgeborene

Blindgeborene

Fest Angestellte, Festangestellte

Festangestellte

Fest Besoldete, Festbesoldete

Festbesoldete

Leicht Bewaffnete, Leichtbewaffnete

Leichtbewaffnete

Leicht Verletzte, Leichtverletzte

Leichtverletzte

Leicht Verwundete, Leichtverwundete

Leichtverwundete

Neu Vermählte, aber Neuvermählte

Neuvermählte

Nicht Berufstätige, Nichtberufstätige

Nichtberufstätige

Nicht Geschäftsfähige, Nichtgeschäftsfähige

Nichtgeschäftsfähige

Nicht Gewünschte, Nichtgewünschte

Nichtgewünschte

Nicht Sesshafte, Nichtsesshafte

Nichtsesshafte

Nicht Zutreffendes, Nichtzutreffendes

Nicht Zutreffendes, Nichtzutreffendes

Schwer Bewaffnete, Schwerbewaffnete

Schwerbewaffnete

Schwererziehbare, Schwererziehbare

Schwererziehbare

Schwer Kranke, Schwerkranke

Schwerkranke

Schwer Verletzte, Schwerverletzte

Schwerverletzte

Spät Gebärende, Spätgebärende

Spätgebärende

Zivildienst Leistende, Zivildienstleistende

Zivildienstleistende

Not Leidende, Notleidend

Notleidende

2 andere Wortarten

Duden 2000

Duden 1996

halbblind, halb blind

halb blind

halbgar, halb gar

halb gar

halblinks, halb links, halbrechts, halb rechts

halb links, halb rechts

halbfertig, halb fertig

halb fertig

noch mal, nochmal

noch mal

reingolden, rein golden, reinseiden, rein seiden etc.

reingolden, reinseiden etc.

ebensovielmal, ebenso viel Mal

-

Anhang 6 – Tabelle: (Unterschiede)Verbindungen mit Substantiven (Englische Fremdwörter) (Kapitel B.III.1.1)

N: Nebenvariante; H: Hauptvariante

(*): dieses Zeichen bedeutet im amtlichen Wörterverzeichnis, dass zu den damit versehenen Einträgen "eine

analoge Schreibung bereits vorhanden war" (aRW, S. 177)

 

Duden

Bertelsmann

Wahrig

Weltbild

Wörterverzeichnis

Beautyfarm,

Beauty-Farm

Beautyfarm

Beautyfarm

-

Beautyfarm

Beatgeneration,

Beat-Generation

Beatgeneration

Beatgeneration

-

Beatgeneration

Bigband, Big Band

Big BandN, BigbandH

Big Band, Bigband

Big Band, Bigband

Bigband, Big Band

Boatpeople, Boat-People

Boatpeople

Boatpeople

-

Boatpeople

Bottleparty, Bottle-Party

Bottleparty

Bottleparty

-

Bottleparty

Braindrain, Brain-Drain

Braindrain

Brain-Drain, Braindrain

-

Braindrain

Businessclass,

Business-Class

Businessclass

-

-

-

Chewinggum,

Chewing-Gum

Chewinggum,

Chewing Gum

Chewinggum

Chewinggum

Chewinggum

Come-back, Comeback

ComebackN, Come-backH

Comeback, Come-back

Comeback, Come-back

Come-back, Comeback

Comicstrip, Comic Strip

Comicstrip

Comicstrip

Comicstrip

Comicstrip

Dreamteam, Dream-Team

Dreamteam

Dreamteam

-

-

Glamourgirl, Glamour-Girl

Glamourgirl

Glamourgirl

Glamourgirl

-

Hairstylist, Hair-Stylist

Hairstylist

Hairstylist

Hairstylist

Hairstylist

Highlife

Highlife, High Life

Highlife, High Life

-

Highlife (*)

Highlight

Highlight

Highlight

Highlight, High Light

-

Highriser

Highriser, High Riser

-

-

Highriser (*)

-

Highscool, High School

High School, Highschool

 

-

Highsociety, High Society

Highsociety, High Society

High Society, Highsociety

Highsociety, High Society

Highsociety (*)

Hightech, High Tech

Hightech, High Tech

High Tech, Hightech

Hightech, High-Tech

Hightech (*)

Hillbillymusic,

Hillbilly-Music

Hillbillymusik

Hillbillymusic

Hillbillymusik

Hillbillymusic

Hillbillimusik

-

Hillbillymusic

Hillbillymusik

Homebanking,

Home-Banking

Homebanking

Homebanking

-

-

Hometrainer, Home-Trainer

Hometrainer

Hometrainer

-

Hometrainer

Irishcoffee, Irish Coffee

Irishcoffee

Irish Coffee1, Irishcoffee

-

-

Jamsession, Jam Session

Jamsession

Jam Session, Jamsession

-

Jamsession

Jetset

Jetset

Jet-Set, Jetset

Jet-set, Jetset

-

Jobsharing

Jobsharing

Jobsharing

Jobsharing

Jobsharing

Jointventure, Joint Venture

Jointventure, Joint Venture

Joint Venture, Jointventure

Jointventure, Joint Venture

Jointventure, Joint Venture

Jumbojet, Jumbo-Jet

Jumbojet

Jumbojet

-

-

Lightshow, Light-Show

Lightshow

Lightshow

Lightshow

Lightshow

Liveshow, Live-Show

Liveshow

Live-Show, Liveshow

Liveshow, Live Show

Liveshow

Lovestory, Love-Story

Lovestory

Lovestory, Love-Story

-

Lovestory

Midlifecrisis, Midlife-Crisis

Midlifecrisis, Midlife-Crisis

Midlifecrisis, Midlife-Crisis

Midlifecrisis, Midlife-Crisis

Midlifecrisis, Midlife-Crisis

Molotowcocktail,

Molotow-Cocktail

Molotowcocktail

Molotow-Cocktail,

Molotowcocktail

Molotowcocktail

-

Mountainbike,

Mountain-Bike

Mountainbike

Mountainbike

Mountainbike

Mountainbike

Multiplechoiceverfahren,

Multiple-Choice-Verfahren

Multiplechoiceverfahren,

Multiple-Choice-Verfahren

-

Multiplechoiceverfahren,

Multiple-Choice-Verfahren

Multiplechoiceverfahren,

Multiple-Choice-Verfahren

Nonstopflug, Nonstop-Flug,

Non-Stop-Flug

Nonstopflug, Nonstop-Flug,

Non-Stop-Flug

Nonstopflug, Nonstop-Flug,

Non-Stop-Flug

-

Nonstopflug,

Non-Stop-Flug

Payingguest, Paying Guest

Payingguest

Payingguest, Paying Guest

-

-

Personalityshow,

Personality-Show

Personalityshow

Personalityshow

Personality-Show, Personalityshow

Personalityshow

Poleposition, Pole-Position

Poleposition

Poleposition

-

-

Primetime, Prime Time

Primetime

Primetime, Prime Time

-

-

Public Relations, Publicrelations

Public RelationsN, PublicrelationsH

Publicrelations

Public Relations, Publicrelations

Publicrelations,

Public Relations

Rollerskate

RollerskatesH,

Roller-SkatesN

Rollerskate

Rollerskates, Roller-Skates

-

Sience-Fiction, Sciencefiction

Sciencefiction

Sciencefiction

Sciencefiction,

Science-Fiction

-

Shootingstar, Shooting Star

Shootingstar

Shootingstar

-

-

Shoppingcenter,

Shopping-Center

Shoppingcenter

Shoppingcenter

-

Shoppingcenter

Showbusiness,

Show-Business

Showbusiness1

Showbusiness1

Showbusiness1

-

Show-down, Showdown

ShowdownN, Show-downH

Showdown, Show-down

-

Show-down, Showdown

Talkshow, Talk-Show

Talkshow

Talkshow

Talk-Show, Talkshow

Talkshow

Tearoom, Tea-Room

Tearoom

Tearoom

-

Tearoom

Toeloop, Toe-Loop

Toeloop

Toeloop

-

Toeloop