Seminar: Kriegskindheit in der Kinder- und Jugendliteratur

Buchanalyse von Isabel Schoch

AUTOR/IN:                                         Tollmien, Cordula

TITEL                                                 Fundevogel oder Was war

                                                            hört einfach nicht auf

Erstausgabe/Erscheinungsjahr                       1990

Verlag                                                          Belz und Gelberg

Geburtsjahr Autor/in                                      1951

Geburtsort Autor/in                                       Göttingen

1.   INHALT

 

FIGUREN

Hauptfigur

Elisabeth , weiblich

Familienmitglieder
Echte Familienmitglieder sind überhaupt nicht bekannt .
Pflegefamilie (Winter) besteht aus
Tante Elly, Onkel Paul mit Jutta, Christa, Gerlinde
Tante Celest mit Sohn Dieter
Oma und Opa
Tante Erna (mit Huhn)
Weitere wichtige Figuren
Brückchen (Freundin der Mutter)

Schlupe (Christas Dackel)

Frau Sutterlitte (Mieterin der gem. Wohnung)

Huber (Ex-Verlobter von Tochter Gerlinde)

RAUM / ANSIEDLUNG DER HANDLUNG

Schauplatz / Ort
Dresden
Sondershausen

Zeitangabe/Jahr(eszeit)

01.12.45 - 01.12.46

KURZE INHALTSBESCHREIBUNG

Kurz nach Kriegende kommt Christa nach Hause und findet unten an ihrer Haustür Elisabeth. Sie ist ganz alleine und keiner erfährt wo sie herkommt. Die Familie Winter nimmt Elisabeth auf und sie wird schnell ein richtiger Bestandteil der Familie.

Sie ist sehr interessiert und deshalb erfährt sie von den anderen Familienmitgliedern, besonders von Elly und Opa was im Krieg passiert ist  und alles weiter über deren Leben.

Wenn Elisabeth Ruhe sucht, läuft sie oft stundenlang durch das von Bombenangriffen zerstörte Dresden und erkundet alles. Ihr Lieblingsplatz ist ein kleines Wiesenstück versteckt hinter einem Gebüsch. Wenn sie in ihrem Versteckt die Einsamkeit genießt vergisst sie oft die Zeit.

2.               FORMALANALYSE

ERZÄHLINSTANZ / PERSPEKTIVE

Der Erzähler ist heterodiegetisch (als Figur nicht beteiligt).

 

Die Erzählinstanz ist auktorial.

Intradiegetische Erzählinstanzen? Ja

ZEIT

Die Erzählung verläuft chronologisch.

DAUER

Die Erzählung ist weitgehend zeitraffend.

FREQUENZ

Die Erzählung verläuft singulativ (einmal ereignet, einmal erzählt).

MODUS / DISTANZ

Der Erzählstil ist eher narrativ / berichtend / mittelbar.

FIGURENREDE

In der Erzählung wird überwiegend folgende Figurenrede verwendet:

Direkte Rede

3.               THEMA KRIEGSKINDHEIT

BELASTUNGSFAKTOREN

Folgende Belastungsfaktoren stehen im Vordergrund:

(siehe auch erweiterte Liste im Anhang)

Abwesender Vater

Stufe 2: Lange Abwesenheit des Vaters, dauerhaft eingeschränkte Lebensbedingungen

Ständige Bombenangriffe

Trennung von Mutter und Geschwistern

Verlust des Vaters und/oder der Mutter

Hunger, Unterernährung, Verarmung, Krankheit

Übergriffe von Besatzungssoldaten

ENTLASTUNGSFAKTOREN

Folgende Entlastungsfaktoren kommen zum Zug:

starker Familienzusammenhalt

viele in der Familie können einen Beruf ausüben

Tiere (Hund und Huhn)

Alle nehmen sich Zeit um über Probleme offen zu reden

BEURTEILUNG ALLER FAKTOREN

Welche Faktoren stehen im Vordergrund?

Wirkt die Darstellung realistisch? Wird beschönigt?

Wiegen positive Faktoren die negativen auf, gibt es eine Versöhnung mit den Erfahrungen, die die Hauptfigur macht? Oder entsteht der Eindruck, dass die Belastungsfaktoren übermächtig waren/sind?

Das Leben der Hauptfigur wird in dieser Erzählung haupsächlich von den Entlastungen bestimmt. Die Belastungen die Elisabeth erfahren hat liegen vor dem Beginn der Geschichte und sind weder der Pflegefamilie noch dem Leser bekannt. Sie wird ohne zu zögern in eine Familie aufgenommen und geliebt. Alle integrieren sie nach sehr kurzer Zeit und sie wird ein richtiges Mitglied der Familie.

Die Belastungsfaktoren der Familie Winter sind eindeutig der Verlust ihrer Wohnung durch einen Bombenangriff und auch, dass sie eine Tochter nach dem Bombenangriff für mehrere Tage vermissten. Allerdings gibt es in dieser Erzählung auch eine Figur, die kurz auftaucht, die nicht mit den Belastungsfaktoren fertig wird. Huber, der ehemalige Verlobte von Gerlinde, ist Jude und kommt mit einem Leben in Deutschland nach dem Krieg nicht mehr klar. Er wandert nach Amerika aus.

Die Erzählung ist oft vereinfacht aber sehr realistisch, dass sie biographisch ist. Die Autorin ist die Enkelin der "Tante Elly" in dieser Geschichte.

LÜCKEN UND TABUS:

Wovon wird in diesem Buch nicht berichtet? Was wird ausgelassen?

Welche Tatsachen werden verschwiegen? Warum?

Die meisten Probelem die es gab werden geklärt. So wird über die Besatzungszonen gesprochen, über Schuld in Nazizeiten, Konzentrationslager und über die Erlebnisse des Krieger z.B. der Bombenangriffe.

Was verschwiegen wurde ist das Schicksal Elisabeths bis sie zur Familie Winter kam. Sie spricht einfach nicht darüber und es gibt nur wenige Anhaltspunkte im Buch, die kleine Hinweise geben. Auch was Christa in den fünf Tagen zugestoßen ist, die sie nach einem Bombenangriff verschwunden war erzählt sie keinem und somit bleibt es dem Leser auch vorenthalten.  

4.               ANGABEN ZUM AUTOR / ZUR AUTORIN

Geschlecht: weiblich
Geburtsjahr: 1951
Die Erzählung hat eine biografische Prägung und berichtet von der Familie der Autorin.

Beginn der Aufarbeitung/Erscheinen des Buches: 1990

Zeitlicher Abstand zum ursprünglichen Geschehen: 39 Jahre

5.               LESEREBENE

Der Text richtet sich an Kinder und/oder Jugendliche.

Der Text ist dementsprechend aufbereitet.

6.               KOMMUNIKATIONSEBENE INNERHALB DES BUCHES

Findet eine Zwei- oder Drei-Generationen-Kommunikation statt?

Von welcher Altersstufe wird diese geführt?

Wer wird angesprochen?

In diesem Buch findet Kommunikation zwischen allen Generationen statt. Elisabeth spielt mit Dieter und redet auch mit Christa und Jutta. Sie führt mit Elly, ihrer Pflegemutter viele Geespräche wenn diese etwas betrübt, da Elisabeth eine gute Zuhörerin ist. Sie weiß wann Elly jemanden zum reden braucht und ist dann da. Außerdem geniest Elisabeth ihrer Gespräche mit Opa. Er versucht ihr alle Probleme oder offnen Frage zu erklären und zu beantworten. Es gibt kein Problem, dass Elisabeth sich nicht traut anzusprechen und keine Frage die ihr nicht beantwortet würde. Außerdem merkt man das in dieser Familie die Probleme nicht vor Kinder versteckt werden, sondern alle versuchen sie gemeinsam zu lösen.

Ein jugendlicher oder kindlicher Leser bekommt schon im Vorwort eine Erklärung die als Einführung in die Zeit dienen soll. Sie geht sogar ein wenig weiter und beschreibt kurz, dass es von der Aufteilung der Zonen zur Entstehung der DDR kam.

7.               KOMMENTAR

Wie ist der Dialog mit der Folgegeneration zu beurteilen?

Trägt das Buch zu einer offenen intergenerationellen literarischen Kommunikation bei?

Wird diese Kommunikation durch Aussagen des Buches beeinflusst? Wenn ja, in welcher Richtung?

Die Autorin dieses Buches ist selbst eigentliche aus einer der Folgegenerationen, da ihrer Mutter, die in diesem Buch mitspielt selbst noch jung ist.

Dieser Bruch regt meiner Meinung nach den jungen Leser dazu an noch mehr aus über Nachkriegsliteratur zu lesen. Das Buch wirft viele Fragen auf, die dann sachlich, aber trotzdem für Kinder verständlich geklärt werden.

Stärkend wirkt in dieser Familie auch der Zusammenhalt zwar gibt es kleine Streitereien, aber jeder ist im Notfall für den anderen da.

Dieses Buch ist gut geeignet, wenn man sich in eine typische Nachkriegsfamilie hineinversetzen möchte. Die Probleme werden nicht allzu extrem und detailliert besprochen sondern eher ruhig und alle Probleme werden versucht zu lösen. Diese Geschichte schenkt Hoffnung, da in der Familie nie einer aufgibt egal wie groß ein Problem ist.

ANHANG

Belastungsfaktoren, erweiterter Thesaurus, alphabetisch

Abwesenheit Vater (Front/Gefangenschaft)

Arbeitseinsätze in Schulen, Verbänden

Ausfall Unterricht/Schule

Ausgebombte (Verlust Familienwohnung)

Bombardierung

Ernährungskrise

Erweiterte Verwandtschaft (Hilfe)

Heizprobleme

Holocaust

Nachkriegszeit

Notabschlüsse (Abitur)

Posttraumatische Folgen (PTS)

Strafrechtliche Verfolgung der Eltern

Übergänge Krieg-Frieden

Übergriffe feindliche Soldaten (Besatzung)

Veränderte Persönlichkeit

Zweiter Weltkrieg