Seminar: Kriegskindheit in der Kinder- und Jugendliteratur
Buchanalyse von Anja Fietzek
FIGUREN
RAUM / ANSIEDLUNG DER HANDLUNG
Zeitangabe/Jahr(eszeit)
KURZE INHALTSBESCHREIBUNG
Die 10-jährige Lena lebt mit ihrer Familie auf einem Hof in der Nähe von Linz in Oberösterreich. Ihr Vater ist Dorfarzt und kann seiner Familie ein relativ wohlhabendes und behütendes Leben bieten, bis die Nationalsozialisten an die Macht gelangen. Durch den Anschluss Österreichs an Deutschland verändert sich auch Lenas Leben. Obwohl ihre Eltern gegen diesen Anschluss sind, haben sie aus Angst vor einer Anzeige oder sogar dem KZ keine andere Wahl, als für die Hitler Diktatur zu stimmen. Lena ist hin- und hergerissen zwischen Begeisterung und Misstrauen gegenüber der neuen nationalsozialistischen Regierung. Als jedoch der Krieg beginnt, schwindet auch Lenas anfängliche Begeisterung. Immer mehr Männer müssen in den Krieg ziehen, auch ihr älterer Bruder Christoph muss an die Front. Armut, Hunger und ständige Bombenangriffe werden Alltag in ihrem Leben. Sie, ihre Eltern und alle anderen Gegner der nationalistischen Regierung lernen während dieser Zeit zu schweigen, um zu überleben.
2. FORMALANALYSE
Der Erzähler ist homodiegetisch (als Figur beteiligt) in der Rolle der Tochter.
Die Erzählinstanz ist Ich-Erzähler.
Intradiegetische Erzählinstanzen? Nein
Die Erzählung verläuft chronologisch.
Die Erzählung ist weitgehend zeitraffend.
Die Erzählung verläuft singulativ (einmal ereignet, einmal erzählt).
Der Erzählstil ist eher dramatisch / szenisch / unmittelbar.
In der Erzählung wird überwiegend folgende Figurenrede verwendet:
Direkte Rede
Erlebte Rede
3. THEMA KRIEGSKINDHEIT
Folgende Belastungsfaktoren stehen im Vordergrund:
(siehe auch erweiterte Liste im Anhang)
Ständige Bombenangriffe
Trennung von Mutter und Geschwistern
Seelische Verrohung durch Nazi-Erziehung und Krieg
Folgende Entlastungsfaktoren kommen zum Zug:
Freunde (Berni, Will und ihre Tiere)
guter Zusammenhalt der Familie, guter Verhältnis untereinander
BEURTEILUNG ALLER FAKTOREN
Welche Faktoren stehen im Vordergrund?
Wirkt die Darstellung realistisch? Wird beschönigt?
Wiegen positive Faktoren die negativen auf, gibt es eine Versöhnung mit den Erfahrungen, die die Hauptfigur macht? Oder entsteht der Eindruck, dass die Belastungsfaktoren übermächtig waren/sind?
Käthe Recheis beschreibt die Jahre des Krieges aus der Sicht der 10-jährigen Lena sehr realistisch, ohne zu beschönigen. Im Vordergrund steht die Unterdrückung der eigenen politischen Einstellung von der nationalsozialistischen Regierung. Sie, ihre Eltern und andere Gegner des Regimes müssen, aus Angst vor dem KZ gegen ihre eigenen politische und moralische Einstellung handeln. Dieser Konflikt, das Versteckspiel vor den Nationalsozialisten zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Durch die verschiedenen Überlistungsaktionen von Lena und anderen NS-Gegnern wird dieser Belastungsfaktor jedoch nicht als übermächtig empfunden.
LÜCKEN UND TABUS:
Wovon wird in diesem Buch nicht berichtet? Was wird ausgelassen?
Welche Tatsachen werden verschwiegen? Warum?
Außer, dass man nicht erfährt, wie genau Michel Mur ums Leben gekommen ist oder was Christoph genau an der Front erlebt hat, werden im großen und ganzen die Kriegsjahre sehr realistisch und ohne größere Lücken beschrieben.
4. ANGABEN ZUM AUTOR / ZUR AUTORIN
Beginn der Aufarbeitung/Erscheinen des Buches: 1987
Zeitlicher Abstand zum ursprünglichen Geschehen: 42 Jahre
Es handelt sich um ein zeitlich spätes Aufarbeiten.
5. LESEREBENE
Der Text richtet sich an Kinder und/oder Jugendliche.
Der Text ist dementsprechend aufbereitet.
6. KOMMUNIKATIONSEBENE INNERHALB DES BUCHES
Findet eine Zwei- oder Drei-Generationen-Kommunikation statt?
Von welcher Altersstufe wird diese geführt?
Wer wird angesprochen?
Es findet eine Drei- Generationen- Kommunikation statt. Lena wohnt zusammen mit ihren Eltern und ihrem Großvater in einem Haus und sie erleben zusammen die Jahre des Krieges. Die Kommunikation zwischen Lena und ihren Eltern spielt jedoch eine wesentlich größere Rolle, als die mit ihrem Großvater, wohin gegen die Kommunikation zwischen ihren Eltern und ihrem Großvater keine Rolle spielt.
7. KOMMENTAR
Wie ist der Dialog mit der Folgegeneration zu beurteilen?
Trägt das Buch zu einer offenen intergenerationellen literarischen Kommunikation bei?
Wird diese Kommunikation durch Aussagen des Buches beeinflusst? Wenn ja, in welcher Richtung?
Die Folgegeneration bekommt aus der Sicht einer 10- jährigen eine sehr realistischeDarstellung des zweiten Weltkrieges. Dadurch dass Käthe Recheis die Jahre des Krieges und den damit verbundenen inneren Konflikt eines jungen Mädchens sehr realistisch beschreibt, regt diese Buch nicht nur zu einer Kommunikation an, sondern macht sie sogar erforderlich. Zwar wird diese Kommunikation nicht durch das Buch beeinfluust, es wirft jedoch Fragen auf ( Hätte man sich z.B. anders verhalten könnne?)
ANHANG
Belastungsfaktoren, erweiterter Thesaurus, alphabetisch
Ausfall Unterricht/Schule
Bombardierung
Ernährungskrise
Gesellschaft der Gleichaltrigen
Kleidungsprobleme
Kriegsbegeisterung Kinder/Jugendliche
Nationalismus der Kinder/Jugendlichen
Nationalsozialismus und Krieg
Schule und Unterricht im Krieg
Strafrechtliche Verfolgung der Eltern
Umbruch Werte + Normen
Vertriebene (Verlust Nachbarschaft)
Zweiter Weltkrieg