Seminar: Kriegskindheit in der Kinder- und Jugendliteratur

Buchanalyse von Katarina Kraft

AUTOR/IN:                                         Nöstlinger, Christine

TITEL                                                 Maikäfer, flieg!

Erstausgabe/Erscheinungsjahr                       1973

Verlag                                                         Beltz Verlag, Weinheim und Basel

Geburtsjahr Autor/in                                     1936

Geburtsort Autor/in                                          Wien

1.               INHALT

 

FIGUREN

Hauptfigur

Mädchen (9 Jahre)

Familienmitglieder
Großmutter, Großvater, Vater, Mutter, Schwester
                                                        
Weitere wichtige Figuren
Frau von Braun, deren Kinder Gerald und Hildegard und der sowjetische Koch Cohn

RAUM / ANSIEDLUNG DER HANDLUNG

Schauplatz / Ort
Hernals (Bezirk von Wien)

Zeitangabe/Jahr(eszeit)

Nachkriegszeit in Wien

KURZE INHALTSBESCHREIBUNG

Die Geschichte "Maikäfer, flieg!" spielt zur Nachkriegszeit in Wien. Das Haus einer Familie in Hernals wird zerstört und weist einen grossen Riß auf. Die alte Frau Braun, eine Bekannte der Familie, bietet ihnen an in ihr Haus im benachbarten Adelsviertel zu ziehen, da sie auswandert. Kurz nach ihrem Umzug zieht auch die Tochter der alten Frau Braun, die junge Frau Braun mit ihren zwei Kindern Gerald und Hildegart in dieses Haus. Die Kinder freunden sich an und haben viel Spaß miteinander. Bald fallen die sowjetischen Besatzungssoldaten in Wien ein und besetzen der Familie ihr Haus. Das neunjährige Mädchen der Familie freundet sich mit dem sowjetischen Koch Cohn an, der in das Gartenhäuschen der Familie einzieht, um die sowjetischen Besatzungssoldaten zu verpflegen. Doch diese Freundschaft hält nicht ewig...

Eine Geschichte voller Tragik und Komik!

2.               FORMALANALYSE

ERZÄHLINSTANZ / PERSPEKTIVE

Der Erzähler ist homodiegetisch (als Figur beteiligt) in der Rolle der Tochter

 

Die Erzählinstanz ist Ich-Erzähler der eigenen Geschichte (Zentralstellung).

Intradiegetische Erzählinstanzen? Ja

ZEIT

Die Erzählung verläuft chronologisch.

DAUER

Die Erzählung ist weitgehend zeitraffend und mit Zeitpausen versehen.

FREQUENZ

Die Erzählung verläuft singulativ (einmal ereignet, einmal erzählt).

MODUS / DISTANZ

Der Erzählstil ist eher narrativ / berichtend / mittelbar.

FIGURENREDE

In der Erzählung wird überwiegend folgende Figurenrede verwendet:

Direkte Rede

Indirekte Rede

Indirekte Gedankenrede

3.               THEMA KRIEGSKINDHEIT

BELASTUNGSFAKTOREN

Folgende Belastungsfaktoren stehen im Vordergrund:

Ständige Bombenangriffe

Übergriffe von Besatzungssoldaten

ENTLASTUNGSFAKTOREN

Folgende Entlastungsfaktoren kommen zum Zug:

Hauptdarstellerin kann mit Freunden im Garten spielen

Familie hat genug zu essen (z.B.: Hirschgulasch und Rehbraten)

die gesamte Familie ist beisammen, ausser den Großeltern

BEURTEILUNG ALLER FAKTOREN

Welche Faktoren stehen im Vordergrund?

Wirkt die Darstellung realistisch? Wird beschönigt?

Wiegen positive Faktoren die negativen auf, gibt es eine Versöhnung mit den Erfahrungen, die die Hauptfigur macht? Oder entsteht der Eindruck, dass die Belastungsfaktoren übermächtig waren/sind?

In dem Buch von Christine Nöstlinger gibt es nicht viele Belastungsfaktoren. Zu Beginn der Geschichte gibt es noch einige Bombenangrife, die auch das Haus der Familie zerstören. Es gibt allerdings keine Trennung von nahestehenden Familienmitgliedern. Beim Umzug in das Adelsviertel werden aber die Großeltern hinterlassen.

Im neuen Virtel gibt es viele Kinder mit denen die Hauptdarstellerin einiges erlebt. Sie brechen in ein leerstehendes Haus im Viertel ein und klauen Einmachgläser mit Rehragout und Hirschgulasch. Die Familie muss nicht hungern.

Die Hauptdarstellerin freundet sich mit dem Koch Cohn an, der die Besatzungssoldaten verpflegt. Sie erleben viele aufregende Sachen miteinander.

Das Leben in der Nachkriegszeit wird beschönigt. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass die Familie in einem Adelsviertel lebt, und dort die Belastungsfaktoren wie Hunger und Tod nicht zu spüren waren.

Die positiven Faktoren überwiegen die negativen.

LÜCKEN UND TABUS:

Wovon wird in diesem Buch nicht berichtet? Was wird ausgelassen?

Welche Tatsachen werden verschwiegen? Warum?

Das Thema der zerrütteten Familienverhältnisse wird nicht erwähnt. Die junge Frau Braun hat zwar keinen Mann mehr, aber dies wird nicht weiter erwähnt. Sie verliebt sich in einen Besatzungssoldaten.

Der Tod wird auch nicht angesprochen. Ganz zu Beginn des Romans wird zwar eine Frau, die auf der Strasse herumrennt durch eine Bombe getötet. Sie wird aber im weiteren Geschehen als "Verrückte" betitelt und erweckt so keinerlei Mitleid.

Des weiteren sind kaum Elemente von Angst in die Geschichte eingebaut.

Man erfährt recht wenig über das Leben in der Nachkriegszeit ausserhalb des Adelsviertels.

4.               AUTOR/IN

Geschlecht: weiblich
Geburtsjahr: 1936
Die Erzählung hat eine autobiografische Prägung.

Beginn der Aufarbeitung/Erscheinen des Buches: 1973

Zeitlicher Abstand zum ursprünglichen Geschehen: 28 Jahre

Es handelt sich um ein zeitlich spätes Aufarbeiten.

5.               LESEREBENE

Der Text richtet sich an Kinder und/oder Jugendliche.

6.               KOMMUNIKATIONSEBENE INNERHALB DES BUCHES

Findet eine Zwei- oder Drei-Generationen-Kommunikation statt?

Von welcher Altersstufe wird diese geführt?

Wer wird angesprochen?

Es findet eine Drei-Generationen-Kommunikation statt. Diese wird zwischen den Großeltern, den Eltern und der Hauptdarstellerin selbst geführt. Die Kommunikation geht aber von der Hauptdarstellerin aus. Die Großeltern stehen eher im Hintergrund.

Die Geschichte wird aus der Sicht der Kinder erzählt und genau diese werden mit dem Roman auch angesprochen.

7.               KOMMENTAR

Wie ist der Dialog mit der Folgegeneration zu beurteilen?

Trägt das Buch zu einer offenen intergenerationellen literarischen Kommunikation bei?

Wird diese Kommunikation durch Aussagen des Buches beeinflusst? Wenn ja, in welcher Richtung?

Meiner Meinung nach widerspricht das Buch "Maikäfer, flieg!" meinen Vorstellungen von der Nachkriegszeit. Es erscheint mir unrealistisch und beschönigt.

Die Hauptdarstellerin hat ihre Freunde um sich herum, mit denen sie spielt, Spass hat und in leerstehende Häuser einbricht, um Rehragout und Hirschgulasch in Einmachgläsern zu klauen.

Dennoch hat der Roman mich dazu gebracht meine Großeltern zu fragen, ob ihr Haus auch von Besatzungssoldaten besetzt wurde und wie sich diese ihnen gegenüber verhalten haben.

Der Roman regt also trotz der Beschönigungen an mit den eigenen Großeltern über die Nachkriegszeit zu reden.

Das Buch "Maikäfer, flieg!" ist ein lustiges Buch für Kinder, welches einen kleinen Einblick in das Nachkriegsgeschehen gewährt, aber nicht zu grausam geschildert wird. Das Buch ist eher fröhlich aufgebaut und hinterlässt den Gedanken, dass die Nachkriegszeit wenigstens für einige Menschen nicht ganz so grausam war.

ANHANG

Belastungsfaktoren, erweiterter Thesaurus, alphabetisch

Ausfall Unterricht/Schule

Ausgebombte (Verlust Familienwohnung)

Bombardierung

Gesellschaft der Gleichaltrigen

Kriegsende

Nachkriegszeit

Übergriffe feindliche Soldaten (Besatzung)

Vertriebene (Verlust Nachbarschaft)

Zweiter Weltkrieg