Seminar: Kriegskindheit in der Kinder- und Jugendliteratur

Buchanalyse von Christina Winkler

AUTOR/IN:                                         Hornemann, Sabine

TITEL                                                 … und ich warte

Erstausgabe/Erscheinungsjahr                       1963

Verlag                                                             Franckh`sche Verlagshandlung

Geburtsjahr Autor/in                                        ?

Geburtsort Autor/in                                         ?

1.   INHALT

 

FIGUREN

Hauptfigur

Marianne Rupp, 19 Jahre alt , weiblich

Familienmitglieder
Stiefvater Wilutzki, Mutter Rupp, Halbbruder Manfred Wilutzki, 15 Jahre alt
Weitere wichtige Figuren
Sonja Heinitz, Freundin und Klassenkameradin von Marianne
Hanno Heinitz, Mariannes Liebe

Prof. Heinitz, Vater von Sonja und Hanno,

Mutter Heinitz,

Regine von Eppen, Mariannes Klassenkameradin,

Michael von Eppen, Mariannes Nachhilfeschüler,

Dr. Hartung Mariannes Lehrer,

Marion, Cousine von Sonja und Hanno,

Herr Wohlleb, Chef von Mariannes Sommerbeschäftigung an der Nordsee.

RAUM / ANSIEDLUNG DER HANDLUNG

Schauplatz / Ort
Hamburg und kleines Dorf an der Nordsee

Zeitangabe/Jahr(eszeit)

nach Kriegsende

KURZE INHALTSBESCHREIBUNG

Marianne ist mit ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und ihrem Halbbruder nach Hamburg gezogen. Sie besucht eine weiterführende Schule und strebt das Abitur an. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit den neuen Klassenkameraden findet sie in Sonja eine Freundin. Gemeinsam mit ihr verbringt sie jeden Tag, sie besuchen Partys und lernen für die Schule. Marianne distanziert sich immer mehr von ihrer Familie, welche zu viert abwechselnd in einem Bett in einer Einzimmerwohnung leben und nimmt das nette Angebot, bei Frau Heinitz, Sonjas Oma, einzuziehen gerne an. Sie lebt und kümmert sich rührend um die ältere Frau und verliebt sich zunächst unbewußt in ihren Enkel Hanno. Nach anfänglichen Missverständnissen mit ihm zeigt er ihr seine Zuneigung. Marianne nimmt neben den häuslichen Tätigkeiten bei Frau Heinitz weitere kleinere berufliche Herausforderungen an. Nach dem dramatischen Tod von Sonjas Vater verändert sich diese und fährt zur Erholung für längere Zeit mit ihrer Mutter zu deren Großeltern nach Chile. Marianne und Hanno kümmern sich um den Nachlass und beschließen das elterliche Haus von Hanno um zu bauen.

2.               FORMALANALYSE

ERZÄHLINSTANZ / PERSPEKTIVE

Der Erzähler ist homodiegetisch (als Figur beteiligt) in der Figur Marianne.

 

Die Erzählinstanz ist Ich-Erzähler der eigenen Geschichte (Zentralstellung), personal-aktorial.

Intradiegetische Erzählinstanzen? Ja

ZEIT

Die Erzählung verläuft chronologisch.

DAUER

Die Erzählung ist weitgehend zeitdeckend.

FREQUENZ

Die Erzählung verläuft singulativ (einmal ereignet, einmal erzählt).

MODUS / DISTANZ

Der Erzählstil ist eher dramatisch / szenisch / unmittelbar.

FIGURENREDE

In der Erzählung wird überwiegend folgende Figurenrede verwendet:

Wort und Gedankenrede:

Direkte Rede

Indirekte Rede

Erlebte Rede

Erzählte Rede / Gesprächsbericht

Gedankenzitat

Indirekte Gedankenrede

Erlebte Gedankenrede

Erzählte Gedankenrede / Bewusstseinsbericht

3.               THEMA KRIEGSKINDHEIT

BELASTUNGSFAKTOREN

Folgende Belastungsfaktoren stehen im Vordergrund:

(siehe auch erweiterte Liste im Anhang)

Abwesender Vater

Stufe 2: Lange Abwesenheit des Vaters, dauerhaft eingeschränkte Lebensbedingungen

Trennung von Mutter und Geschwistern

Verlust des Vaters und/oder der Mutter

ENTLASTUNGSFAKTOREN

Folgende Entlastungsfaktoren kommen zum Zug:

Berufliche und schulische Eingliederung

Kriegsende

Gesellschaftliche Integration

Versorgung mit Lebensmitteln

BEURTEILUNG ALLER FAKTOREN

Welche Faktoren stehen im Vordergrund?

Wirkt die Darstellung realistisch? Wird beschönigt?

Wiegen positive Faktoren die negativen auf, gibt es eine Versöhnung mit den Erfahrungen, die die Hauptfigur macht? Oder entsteht der Eindruck, dass die Belastungsfaktoren übermächtig waren/sind?

Im Vordergrund des Romans steht die erste große Liebe von Marianne und die Trennung von ihrer Familie, sowie die Integration in das gesellschaftliche Leben.

Es entsteht der Eindruck, dass die Belastungsfaktoren vollkommen von den Entlastungsfaktoren abgelöst werden.  

LÜCKEN UND TABUS:

Wovon wird in diesem Buch nicht berichtet? Was wird ausgelassen?

Welche Tatsachen werden verschwiegen? Warum?

In dem Roman wird der Krieg und die Auswirkungen des Krieges nur nebenbei und sehr kurz erwähnt. Der Leser erfährt, dass Mariannes leiblicher Vater ein Soldat war und die Familie aufgrund der Kriegsgeschehnisse ihre Heimat verlassen musste und nach Hamburg zog. Marianne löst sich in jungen Jahren von ihrer Mutter, Stiefvater und ihrem Stiefbruder, da sie nicht die gewünschte Zuneigung und Toleranz von dieser Erfährt. Das Leben der Marianne Rupp wird sehr ausführlich und detailiert beschrieben, dennoch fehlen die während der Kindheit prägenden Kriegsereignisse fast völlig in dem Roman. Dem Leser wird das Wissen über die Kriegsgründe und Ereignisse vorausgesetzt.

4.               ANGABEN ZUM AUTOR / ZUR AUTORIN

Geschlecht: weiblich
Die Erzählung hat eine selbsttherapeutische Ebene.

Beginn der Aufarbeitung/Erscheinen des Buches: 1995

Zeitlicher Abstand zum ursprünglichen Geschehen: 50 Jahre

Es handelt sich um ein zeitlich spätes Aufarbeiten.

5.               LESEREBENE

Der Text richtet sich an Kinder und/oder Jugendliche.

6.               KOMMUNIKATIONSEBENE INNERHALB DES BUCHES

Findet eine Zwei- oder Drei-Generationen-Kommunikation statt?

Von welcher Altersstufe wird diese geführt?

Wer wird angesprochen?

In dem Roman von Sabine Hornemann findet eine Drei-Generationen-Kommunikation zwischen Marianne und ihren Eltern, aber auch zwischen Marianne und Frau Konsul (Heinitz) statt. Marianne wird von ihnen in das gesellschaftliche Leben integriert und erfährt von den Personen ihres Bekannten- und Freundeskreises Zuneigung und Nähe. Zudem steht ihr ihre beste Freundin Sonja, sowie deren Oma Frau konsul mit zahlreichen Ratschlägen und ehrlich gemeinten Lebensweißheiten jeder Zeit zur Verfügung.

7.               KOMMENTAR

Wie ist der Dialog mit der Folgegeneration zu beurteilen?

Trägt das Buch zu einer offenen intergenerationellen literarischen Kommunikation bei?

Wird diese Kommunikation durch Aussagen des Buches beeinflusst? Wenn ja, in welcher Richtung?

Der Roman von Sabine Hornemann zentriert sich meiner Meinung nach zu sehr auf das Leben der Marianne Rupp und deren engeren Umgebung. Belastungsfaktoren, wie Hunger oder Trennung von der Familie werden angesprochen, wirken aber dennoch für das Leben der damaligen Zeit sehr verschönt. Marianne trennt sich sehr rasch von ihrer Familie und begibt sich in eine neue Welt, sie geht arbeiten und nimmt an dem wohlhabende gesellschaftliche Leben teilt. Sie löst sich fast vollkommen von ihrer Vergangenheit, welche dem Leser nur sehr kurz und gerafft berichtet wird. An dieser Stelle wäre es sehr interessant mehr über die Kindheit und die Lebensbedingungen der Marianne zu erfahren.

Persönlich viel mir beim Lesen auf, dass sich die Romanhandlung sehr in die Länge zog und ich nicht interessiert und gespannt den Geschehnissen und dem Ende entgegenfieberte. Etwas mehr Abwechslung würde den Roman spannender wirken lassen.

ANHANG

Belastungsfaktoren, erweiterter Thesaurus, alphabetisch

Abwesenheit Vater (Front/Gefangenschaft)

Familienarmut; Deprivation

Kriegsende

Veränderte Persönlichkeit