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Vasilena Petrova Vasileva

Werkstattproduktion, Produktverteilung und Import. Typologisch-chronologische und mineralogisch-chemische Analyse der frühmittelalterlichen Keramik aus Pliska, Bulgarien.

Untersuchungsgegenstand ist die gelbe schnellgedrehte Keramik aus Pliska, Bulgarien (8. - die erste Hälfte des 9. Jahrhunderts). Sie kommt fast ausschließlich in der Hauptstadt Pliska zum Vorschein. Da bislang keine Produktionsstätte dieser Keramikart gefunden wurden, stellte sich die Frage: wurde sie lokal produziert oder importiert? Der erste Teil der Arbeit ist der Technologie, der Typologie und der Chronologie dieser Keramik gewidmet. Zwei Tonrezepturen sind nachgewiesen - Tonmasse ohne Sand- und mit Sandmagerung. Die folgenden Gefäßformen sind erfasst: Krüge, Doppelhenkelkrüge, Kannen, Tüllengefäße, kleine Töpfe (Tassen?) und Schüsseln. Die meisten Gefäße sind mit roter Engobe überzogen, einzelne mit einer dünnen gelblichen Schicht. Im zweiten Teil werden die Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Untersuchungen an Ton- und Keramikproben ausgeführt. Durch die chemischen (RFA, EMS, ICP-MS) und mineralogischen (Dünnschliffe) Analysen konnte festgestellt werden, dass die sandfreie Keramik aus dem Mergel der Unteren Kreide, der in der Umgebung von Pliska vorhandenen ist, hergestellt wurde. Die gemagerte Keramik wurde höchstwahrscheinlich aus dem selben Material mit zusätzlicher Sandbeimischung gemacht. Für die Engobe wurden verschiedene eisenhaltige Tone (rote Ocker) benutzt; die gelbliche Schicht ist eine Bleiglasur (XRF Analyse). Die Schlussfolgerung, dass die gelbe schnellgedrehte Keramik eine lokale, für die Hauptstadt Pliska bestimmte Produktion war, bietet neue Kenntnisse über die Organisation des Töpferhandwerks im frühmittelalterlichen Bulgarien. Auf dieser Basis erlaubt die archäologische Auswertung des Materials eine neue Deutung der kulturellen Beziehungen Bulgariens mit dem untergehenden Awarenreich und neu entstandenen Mähren, wo es ähnliche Keramik gibt.