Über wichtige Eigenschaften
von Proben für dendrochronologische
Datierungen unterrichtet ein
eigenes Merkblatt.

Bei Einlieferung von Hölzern füllen
Sie bitte das Formblatt zur Dokumentation
aus (Aussagen zu den einzelnen Punkten
soweit möglich bzw. bekannt) und legen
es den Proben bei."

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Dendrochronologisches Labor

Leitung:
Dr. Thorsten Westphal

Campus Westend, Poelzig-Bau
Zimmer 6.518
069- 798 / 32122 (Durchwahl)
069- 798 / 32120 (Sekretariat)
069- 798 / 32121 (Fax)
Email: t.westphal@em.uni-frankfurt.de

Postanschrift:
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Dendrochronologisches Labor
am Seminar für Vor- und Frühgeschichte
Grüneburgplatz 1
D - 60323 Frankfurt am Main


Dendrochronologie als Datierungsmethode

Das Prinzip

Die Dendrochronologie ist eine Methode, mit der bestimmt werden kann, in welcher Periode ein Baum gelebt hat und wann er schließlich gefällt wurde. Sie basiert auf der Auswertung des Jahrringmusters eines Holzes. In den gemäßigten Klimazonen bilden die Bäume jedes Jahr einen bestimmten Zuwachs, den im Querschnitt erkennbaren Ring, aus. Dessen Breite wechselt von Jahr zu Jahr und ist abhängig vom Zusammenwirken verschiedener innerer und äußerer Einflüsse wie z. B. Nährstoffzufuhr, Konkurrenz zu Nachbarbäumen, Beschädigungen, Schädlingsbefall u. ä. m.. Hauptfaktor ist jedoch die Witterung des jeweiligen Jahres. Die charakteristische Abfolge von schmalen Ringen (ungünstige Bedingungen) und dickeren (günstige Bedingungen) zeichnet so den Wachstumsverlauf des Baumes nach. Durch das Ausmessen der Jahrringbreiten im Labor erhält man Kurven, welche miteinander verglichen werden. Bei Bäumen, die im gleichen Zeitraum gewachsen sind, wird augenfällig, daß sich ihr Muster von schmalen und breiteren Ringen sehr ähnlich ist, da sie die gleiche Information über das Klima sowie weitere, das Wachstum stark beeinflussende Ereignisse beinhalten. Kann beim Vergleich der Kurven ihre relative (synchrone) Lage zueinander bestimmt werden, werden aus ihnen Mittelwerte oder Chronologien erstellt. Überlappen sich die Meßkurven an ihren Enden, so verlängert sich die Chronologie in die jeweilige Richtung. Durch dieses Überlappungsverfahren werden von lebenden Bäumen ausgehend Jahrringkalender bis in weit zurückreichende Zeiten (z.T. bis 10000 Jahre vor heute) für jede Holzart und klimatische Regionen erstellt. An ihnen kann man nun Holz unbekannten Alters bis auf das Jahr, unter Umständen bis auf die Jahreszeit genau bestimmen. Das gelingt jedoch nicht in allen Fällen. Ist das Holz zu unregelmäßig gewachsen oder handelt es sich um Äste oder Wurzeln, führt eine dendrochronologische Untersuchung meist nicht zum Erfolg. Wenn jedoch ein Ergebnis vorliegt, sollte dieses eindeutig sein. Mehrere "Datierungsvorschläge" sind unseriös; bei solchen Resultaten sollte man lieber den Dendrochronologen wechseln.




Die Anwendung

Die dendrochronologische Altersbestimmung findet heute in vielen Bereichen Einsatz. Denn solange die Ringe eindeutig darstellbar sind, kann Holz jeder Beschaffenheit untersucht werden. Feuchtes Holz kommt vorwiegend aus Ausgrabungen, geologischen Untersuchungen, Flußbaggerungen, Tagebauen u. ä.. Durch die Datierung mittels Dendrochronologie wird z. B. der Archäologe in die Lage versetzt, das Alter von hölzernen Konstruktionen oder Artefakten absolut festzulegen. Darüber hinaus wird über das Holz die zeitliche Ansprache der weiteren, mit ihm vergesellschafteten Fundstücke sowie der anthropogenen Ablagerungen, in die sie eingebettet sind, wesentlich konkreter, als dies allein durch Chronologiemodelle oder typologische bzw. stratigraphische Vergleiche möglich ist.
Verkohltes Holz eignet sich ebenfalls für dendrochronologische Analysen. Durch die Einwirkung des Feuers erfolgte zwar eine Schrumpfung des gesamten Materials, die Relationen der Jahrringe untereinander bleiben jedoch erhalten. Bei der Bergung von Holzkohle sollte darauf geachtet werden, daß diese nicht auseinanderbricht. Dazu sollte sie mit geeigneten Materialien fixiert und anschließend möglichst schnell ins Labor gebracht werden.

Trockenes Holz stammt vorwiegend aus stehenden Gebäuden. Neben Scheiben, welche an dafür günstigen Stirnflächen von Balken, Bohlen, Brettern oder Sparren gewonnen werden können, lassen sich auch aus Konstruktionshölzern an geeigneten Stellen Bohrkerne mit Hilfe von Hand- oder Elektrobohrern entnehmen. An Sichtflächen oder Kunstgegenständen (Chorgestühle, Altarfiguren, Bildnisse), deren Substanz nicht durch Bohrungen beeinträchtigt werden soll, können Messungen mit der Anlage oder Lupe vor Ort durchgeführt werden. In Einzelfällen kann die Ausmessung der Ringe auch anhand von Abdrücken oder von Fotografien erfolgen. Dadurch bietet sich Denkmalpflegern, Architekten, Historikern und Restauratoren u. a. die Möglichkeit, innerhalb kurzer Zeit (zur Entscheidungsfindung über den weiteren Verlauf von Untersuchungen wenige Stunden oder Tage) die jahrgenaue Datierung mit den eigenen Ergebnissen zu vergleichen und in den Gesamtkontext ihrer Fragestellung einzubauen.





Die Holzarten

Datieren lassen sich mittlerweile relativ viele Holzarten. Mit Hilfe der Eiche, welche die in der Ur- und Frühgeschichte am häufigsten zu Bauzwecken verwendete Holzart darstellte, wurden seit dem Beginn der Dendrochronologie in Europa viele und z. T. auch sehr weit zurückreichende Standardkurven erstellt. Auch die im Mittelgebirgsbereich beheimatete Tanne eignet sich sehr gut, da sie über relativ große Distanzen hinweg gut vergleichbar ist. Erst in letzter Zeit wurden in größerem Umfang auch an anderen Arten Untersuchungen durchgeführt. Bei den Nadelholzarten erweisen sich z. B. Kiefer und Fichte durchaus als geeignet, bereiten jedoch wesentlich mehr Schwierigkeiten als die Tanne. Bei der Kiefer fehlen bisweilen - klima- oder parasitenbedingt - Jahrringe. Die Fichte läßt oft erhebliche Wachstumsunterschiede erkennen, auch bei Bäumen, die zur gleichen Zeit und im gleichen Gebiet wuchsen. Bei den Laubhölzern erwies sich die Buche als relativ gut geeignet. Wenn die Ringe ausreichend dargestellt werden können (was bei Material aus archäologischen Ausgrabungen gar nicht so einfach ist), um eine erfolgreiche Messung zu bewerkstelligen, können mit ihr z. T. sogar bessere Ergebnisse erreicht werden als mit Eiche. Mit Esche wurden, besonders beim Vorhandensein objektgleicher Eichen, ebenfalls gute Ergebnisse erzielt. Wesentlich schwieriger gestalten sich die Untersuchungen an Erlen, Ulmen und Pappeln, führen aber auch bedingt zum Erfolg.


Die Proben

Für die möglichst erfolgreiche Datierung von Hölzern ganz gleich welcher Art ist darauf zu achten, daß die zur Untersuchung vorgesehenen Proben möglichst regelmäßig gewachsen und astfrei sind sowie 50 Ringe und mehr aufweisen. Soweit dies möglich ist, ist es immer von Vorteil, wenn pro Zusammenhang eine Vielzahl von Proben genommen wird. Erst durch die Messung einer größeren Anzahl lassen sich Eigentümlichkeiten der einzelnen Hölzer ausschalten und gemeinsame Merkmale hervorheben. Auch sind Proben mit einer geringen Anzahl von Ringen allein meist nur selten zu datieren. Auch Äste und Wurzeln sind, da sie anderen Anforderungen entsprechen müssen als Stammholz, äußerst problematisch, ihre Untersuchung führt kaum bzw. gar nicht zu Ergebnissen.