Goethe

Johann Wolfgang Goethe Universitaet



 

 

Home

Personal

Forschung

Projekte

Lehre (UNIVIS)

Studieninformation

Veröffentlichungen

Bibliothek

Geschichte

Links
 

Turkologische Forschungsprojekte in Frankfurt
 

Zur Zeit werden an der turkologischen Abteilung der Universität Frankfurt zwei Forschungsprojekte durchgeführt.

Projekt ""Ein tschalkanisches Textkorpus: Dokumentation gesprochener Texte zur Sicherstellung von Materialien aus einer entwicklungsgeschichtlich bedeutenden bedrohten Sprache”
Projekt " Extension of the possibilities of indigenous peoples of Siberia in obtaining the high level education”

Vorhergehende Forschungsprojekte:

Projekt "Vorislamische alttürkische Texte: elektronisches Corpus"
Projekt "Schorisch"




Projekt "Ein tschalkanisches Textkorpus: Dokumentation gesprochener Texte zur Sicherstellung von Materialien aus einer entwicklungsgeschichtlich bedeutenden bedrohten Sprache" (von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert)


			


Projekt "Extension of the possibilities of indigenous peoples of Siberia in obtaining the high level education" (von der Europaeischen Union finanziert)

Link in Sibirien:

http://www.nsu.ru/ip/



Projekt "Vorislamische alttürkische Texte: elektronisches Corpus"

Das Projekt wird im Zusammenarbeit mit dem Institut für Vergleichende Sprachwissenschaft der Uni Frankfurt sowie mit dem Seminar für Turkologie und Zentralasienkunde der Universität Göttingen und der Abteilung Turfanforschung an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt und von der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) finanziert.

An der Abteilung Turkologie/Frankfurt ist die für dieses Projekt zuständige Mitarbeiterin Frau Dr. habil. Irina Nevskaya.

Gegenstand des Projekts ist die einheitliche und gegenwärtigen Kenntnissen entsprechende elektronische Erfassung der nichtislamischen alttürkischen Handschriftentexte, die bereits veröffentlicht sind oder sich in Bearbeitung befinden. Zu diesem Zweck werden sämtliche handschriftlichen Quellen des Corpus neu gelesen, ferner transliteriert und transkribiert, dann interpretiert. Es wird ein Retrieval-System erarbeitet, das die Transliterationen der Handschriften, die diese Texte enthalten, mit einer interpretativen Transkription und mit einer Übersetzung verknüpft und den direkten Zugriff von einem ’Textmodus’ in den anderen ermöglicht. Für die Zukunft ist ferner die Zugriffmöglichkeit auf einen vierten Darstellungsmodus vorgesehen, nämlich auf die digitale graphische Repräsentation der Handschriften. Die Transliteration soll die zahlreichen Schriftsysteme, die für das Alttürkische benutzt wurden, so wiedergeben, daß die Gesamtheit der in ihnen enthaltenen relevanten Informationen erkennbar wird. Die Transkription wird als Neuedition anzusprechen sein. Schließlich findet eine morphologische Vorindizierung des Corpus statt, welche die grammatikalische Analyse der sprachlichen Daten erleichtert. Sie soll die elektronische Untersuchung lexikalischer Kompatibilitäten und der Phraseologie ermöglichen.

Mit diesem Pilotprojekt sollen innerhalb eines Zeitraumes von zwei Jahren anhand eines Corpus von exemplarisch ausgewählten Texten gemeinsam Verfahren erarbeitet und getestet werden, welche verschiedene Überlieferungsformen altuigurischer Sprache umfassen. Durch den kumulativen Austausch der im Laufe des Projekts anfallenden Fragestellungen soll ein (zu veröffentlichender) Problemkatalog erarbeitet werden, der die wissenschaftliche Agenda für den weiteren Verlauf der Forschung darstellen soll. Damit wäre eine Grundlage geschaffen, um in einem Folgeprojekt die vollständige Erfassung edierter oder in Bearbeitung befindlicher handschriftlicher vorislamischer alttürkischer Texte auf materiell und methodologisch fundierte Weise anzugehen.
Das Material soll ferner einerseits die Basis für eine weitere Erschließung des Lexikons sowie wichtiger semantischer Felder und der Phraseologie bilden,  andererseits der Erforschung verschiedener Bereiche der Grammatik dienen. Die aufzubauende Datenbank ist so zu konzipieren, daß sie für künftige editorische Aufgaben möglichst effektiv genutzt werden kann. 
Neben der Nutzbarkeit für die weitere editorische Bearbeitung alttürkischer Quellen (wie auch entsprechender Quellen in anderen zentralasiatischen Sprachen) soll das erarbeitete Corpus der sprachwissenschaftlichen, literarischen sowie kultur- und religionsgeschichtlichen Forschung zugänglich gemacht werden und somit einen Beitrag zur interdisziplinären Vernetzung der mit Mittelasien befaßten Wissenschaften darstellen. Dabei soll — auf gegenseitiger Basis — auch die internationale Kooperation angestrebt werden. 
Ein weiteres Ziel des Projektes ist der Ausbau und die Verfeinerung der Verarbeitungsmethoden für türkische Quellen dahingehend, daß sie in Zukunft auch für die sprachliche und inhaltliche Verarbeitung von Texten in anderen (auch zeitgenössischen) Türksprachen verwendet werden können.

http://vatec2.fkidg1.uni-frankfurt.de

Projekt "Schorisch"


Gegenstand des Projektes (ebenfalls von der DFG finanziert) ist das Schorische, eine der am stärksten vom Aussterben bedrohten Sprachen Südsibiriens. Es gehört zum Jenissejtürkischen, weist aber mehrere davon abweichender Merkmale auf und dürfte somit für Fragen zur Entstehungsgeschichte dieser Gruppe und so auch für das Verständnis der Entwicklung der gesamten türkischen Sprachfamilie wichtige Informationen liefern. Es ist eine dringende Aufgabe, unveröffentlichte oder auch nur unzugängliche schorische Materialien der Forschung  zu erschließen, um diese Sprache wenigstens für die Wissenschaft zu retten. Da das Schorische sehr schlecht bearbeitet ist, soll das  Projekt durch die möglichst umfassende Dokumentation von schorischen Materialien eine Datenbasis schaffen, die zu linguistischen Untersuchungen synchroner, diachroner und arealer Ausrichtung führen soll. Dies kann literaturwissenschaftliche, historische, kultursoziologische und -anthropologische Arbeiten (Stichwort ‘orale Literaturen’ bzw. ‘Mündlichkeit’) ermöglichen.
Das Schorische unterliegt z. Zt. tiefen und schnellen Veränderungen, die sowohl Morphologie als auch Syntax betreffen; das Projekt möchte diesen fließenden Zustand, der sowohl auf interne Entwicklungen als auch auf Sprachkontakt zurückzuführen ist, beschreiben und erklären.

Das primäre Hauptziel des Projekts ist die Schaffung einer Datenbank anhand publizierter, aber schwer zugänglicher sowie unpublizierter schorischer Quellen und die Veröffentlichung ausgewählter Texte in Transkription. Damit sind sowohl die von Forschern gesammelten Materialien gemeint, als auch die von den Schoren selbst in ihrer Sprache (in fünf verschiedenen Schriftsystemen) veröffentlichten ca. 150 Bücher und Hefte. Von Schoren verfaßte Dichtungen, Erzählungen usw. liegen darunter in kleinerem Umfang vor. Zumeist handelt es sich bei diesen Publikationen um Übersetzungen von Sachbüchern oder literarischen Werken aus dem Russischen, die aber auch von ethnologischem oder historischem Interesse sind. Das Studium schorischer Übersetzungen von religiösen Texten wird u.a. Licht auf den Kulturdialog werfen können, z.B. anhand einer Analyse der Transformation von christlichen Grundkonzepten in den Kontext der mythologischen Tradition südsibirischer Ethnien. Schorische politische Literatur (aus den Jahren 1927-1941) ist ein Dokument ihrer Zeit und spiegelt auch politische Konflikte innerhalb der Sowjetunion wieder. Da dieses gesamte Material in kleinen Auflagen in der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jhdts. gedruckt wurde, ist es heute auch für russische Forscher zumeist unauffindbar. Die sogenannte schorische Samizdat-Literatur, bestehend aus Flugblättern und Zeitungen (etwa 200 Seiten), die von Schoren verfaßt, vervielfältigt und innerhalb ihrer Gemeinden vertrieben wurden, steht den ausländischen wie auch den meisten russischen Forschern bisher ebenfalls nicht zur Verfügung. 
Der Zugang zu allen bearbeiteten Texten soll durch eine Übersetzung und ein umfassendes Glossar sowie durch sprach- und kulturwissenschaftliche Anmerkungen, u.a. anthropologischer und historischer Art, ermöglicht werden. Dadurch soll der sprachlichen, u.a. der lexikalischen Erkundung des sibirischen Areals, sowie der historisch oder typologisch vergleichenden Sprachforschung eine breitere Grundlage geschaffen werden.
Durch das Projekt wird auch für die Ethnologie, die Anthropologie usw. wertvolles Material zugänglich gemacht. Von Forschern niedergeschriebene Oralliteratur dokumentiert alte Glaubensstrukturen und die Mythologie der Schoren; dieses Kulturerbe, das durch die sozial und wirtschaftlich immer prekärer werdende Lage in der Kemerovo-Region sonst verloren geht, soll gerettet werden. Schließlich sind mehrere längere Epen von Forschern aufgenommen worden und sollen in unser Corpus eingehen.
Als zweites Hauptziel soll anhand des zu erstellenden Corpus die schorische Grammatik in ihrer dialektalen Vielfalt sowie in ihrer Entwicklung näher erkundet werden, um Lücken in der Beschreibung dieser Bereiche zu füllen. Die tiefen Veränderungen vollziehen sich bei dieser Sprache zumeist in den Dialekten, die rasante Morphologisierungsprozesse aufweisen, sowie in der städtischen Umgangssprache, die stark durch russische Strukturen beeinflußt wird. Diese alle Sprachsysteme umfassende Dynamik soll wissenschaftlich erfaßt werden.
 

1) Link in Sibirien:

http://shoriya.kuzgpa.ru

2) Mirror-site in Frankfurt:

http://web.uni-frankfurt.de/fb09/turkologie/shoriya

uni ffm © 2005