![]() |
|
|
|
|
|
|
|
|
Institut für Kunstpädagogik |
|
| Uni-Home Uni-Überblick Suche ![]() |
WS 2000/2001, 21.11.00 Ü Virtuelle Lehr- und Lernformen in der
Kunstpädagogik
Manuel Tiranno, Ida Jentzsch NETZKUNST WAS IST DAS? Netzkunst ist nicht "Kunst im Internet"! Die Bezeichnung "Kunst im Internet" kann auf die Präsentation von Kunstwerken angewendet werden, die unabhängig vom Medium Internet produziert wurden und werden. Das Internet fungiert dabei als reines Präsentationsmedium Netzkunst oder net.art ist "Produktion von Kunst im Internet". Netz-Kunstwerke entstehen im Internet und sind ohne dieses nicht denkbar. Eine neue Kunstgattung, die als eine Form der interaktiven Medienkunst angesehen werden kann. ANFÄNGE Ab ca. 1980 frühe künstlerische Arbeiten noch Textproduktionen, wegen zeitaufwändiger Bildübertragung und schlechter Bilddarstellung bei damaliger Technik (Monitor, Prozessor etc.). 1980 ARTBOX à ARTEX (Artists Electronic Exchange Programme, bis 1990) 1983 Planetary Fairytale von Roy Ascott in Paris vorgestellt: Publikum kann Vorschläge für die Weiterführung der Geschichte machen. Die Auseinandersetzung mit dem Computer als Telekommunikationsmedium steht hierbei im Mittelpunkt des künstlerischen Prozesses. 1984 Electronic Café multimediales Computer- und Video-Netz, das 1984 anläßlich der Olympischen Spiele in Los Angeles aufgebaut wurde. Die daran angeschlossenen Mediencafés waren auf sechs verschiedene Viertel der Stadt verteilt. Dies sollte dazu dienen, die Bewohner ethnisch verschiedener Neighborhoods miteinander ins Gespräch zu bringen: "Jeder Nutzer hat uneingeschränkten interaktiven Zugang zu den Datenbasen und [...] kann jederzeit Botschaften senden, Akten anlegen, andere Mitteilungen lesen und Kommentare und Anregungen durch öffentlich zugängliche Terminals in Bibliotheken, Lebensmittelgeschäften, Kaffeehäusern und Gemeinschaftszentren vorbringen. [...] ein Instrument für kollektives Denken, Planen, Organisieren, Entscheiden [...]." Der große Boom der Netzkunst begann 1995 mit dem Weiterentwicklung des HTML 1 Standards und der Einführung von Java-Script durch Sun Microsystems VORAUSSETZUNGEN für die Rezeption/Wahrnehmung von Netzkunst (im Vergleich
zu Gemälden, Skulpturen, etc.): VORAUSSETZUNG
für die Produktion von Netzkunst: Technik/Programmierkenntnisse,
oder Programmierer, der diese Arbeit erledigt. Zusammenarbeit von Künstler
und Techniker ERSCHEINUNGSFORMEN: KONTEXTSYSTEME Entwicklung und Gestaltung von Gemeinschaften (Mailbox, Mailinglisten), Strukturbildende Projekte (Rahmen für andere zur Verfügung stellen, die darin etwas tun können. etwas Bestimmtes, etwas Sinnvolles?) Beispiel Bielefelder Mailbox: Dieses Netzwerk war zur Zeit des Bosnienkriegs im ehemaligen Jugoslawien oft die einzige Möglichkeit, Nachrichten zwischen Personen und Gruppen verfeindeter Gebiete auszutauschen, da die Telefonverbindungen zwischen diesen Gebieten unterbrochen waren. Projekte, die vorgegebene Strukturen nutzen Beuyssche Idee der "Sozialen Skulptur", eine künstlerische Produktion, die eine Gruppe oder eine Gemeinschaft zusammen macht. REAKTIVE, INTERAKTIVE, PARTIZIPATIVE SYSTEME künstlerische Interventionen, die in erster Linie Konfusionen bei den Betrachtern auslösen sollen? reaktive Werke: User (Betrachter) bewegt sich nur durch Anklicken und Scrollen durch das Projekt. interaktive Werke User kann durch zusätzliche Möglichkeiten eine momentane Veränderung des Zustandes des jeweiligen Webprojekts veranlassen. Nachdem der User die Webseite verläßt, kehrt das Projekt in seinen Ausgangszustand zurück partizipative Werke Werke, bei denen ein Verändern des Projekts durch den User zu einer dauerhaften Formveränderung des jeweiligen Projekts führt. Durch die Prozeßhaftigkeit vieler Werke sind Überschneidungen und Veränderungen vom einen ins nächste jedoch möglich!!! Kommunikation ist ein weiteres wichtiges Merkmal (Veränderung eines Users wird zur Grundlage des nächsten Users, der quasi darauf antwortet.) INTERMEDIALE WERKE Netzkunstwerke, die neben dem Internet Strukturen nutzen, welche außerhalb des Internets liegen z.B. Bikini-Projekt http://www.thing.at/netzbikini/ Eva Grubingers "Netzbikini": Der Betrachter wird in dieser Arbeit aufgefordert sich das angebotene Schnittmuster für einen Bikini aus dem WWW zu laden, auszudrucken und danach einen Bikini anzufertigen. Der verwendete Stoff soll dabei möglichst einen Netzcharakter haben. Anschließend soll man den Bikini anziehen, ein Foto von sich machen und dieses der Künstlerin zusenden. Nach dem Empfang des Bildes schickt die Künstlerin per E-Mail das "grubi@thing.or.at"-Label zurück, das dann in den Bikini eingenäht werden soll. Das ausgedruckte Schnittmuster, der genähte Bikini, das Foto und das ausgedruckte Label sind die hierbei entstandenen Objekte Radio-Projekte, Live-Performance im Internet KÜNSTLERISCHES MATERIAL, STRUKTUR, EIGENSCHAFTEN Kunst als Prozeß!! Netzkunst ist in der Regel keine abgeschlossene Arbeit. Sie ist veränderbar. Kein Endprodukt. Viele laufen auch über längere Zeiträume. ZEIT ist also wichtig. RAUM: überall, wo ein Computer "am Netz" ist!!! Der Betrachter muss nicht weit fahren, um das Werk im Museum anzusehen. Er ist i.d.R. zuhause! à Dezentralität. Server-Standorte auch dezentral. Aber: Netzkunst ist auf das Netz angewiesen! Ohne Netz (d.h. auch ohne Strom) kein Werk! Material: Binärcode, Hypertext (Links)-Verbindungen, die zu anderen Elementen führen. Vorgegebenes Regelsystem, das als Gerüst dient. NETZKUNST ORIGINAL ODER FÄLSCHUNG??? Im digitalen Bildmedium ist eine technische Abbildung von Realität nicht mehr unterscheidbar von ihrer Simulation oder Konstruktion. Die Grenze zwischen reproduzierender und gestaltender Bildtechnik verschwimmt. Das "Original" ist zudem in der Netzkunst veränderbar. à Offenheit (Demokratie?) BENUTZER USER REZIPIENT: zentrale Stellung. Mitgestalten, Interaktivität. Veränderung des Betrachters ist für den Künstler und andere Betrachter wahrnehmbar, sodass andere darauf wiederum reagieren, antworten können. THEMEN/INHALTE (Kritische) Reflexion des Netzes www.binemai.com/globalsculpture/contact.htm Kommunikation: computervermittelte Kommunikation zwischen Menschen, bzw.
Mensch-Maschine- Soziales und politisches Engagement, z.B. bei Ingo Günther: www.refugee.net, Refugee Republic Utopien: http://hamburg-ersatz.trmd.de Utopische Hausmodelle der Geschichte, virtuelle "Datenkörper" mit verschiedenen Wünschen/Forderungen an Wohnformen. Utopien (Fortsetzung): http://www.thing.de/artwarpeace/1consul/in.htm Gründung einer "unsichtbaren Botschaft" des Fürstentums SEBORGA
WEITERE BEISPIELE: http://fgidec1.tuwien.ac.at/1002situations/start2.html Sammlung von Einschätzungen, Gefühlen, Erinnerungen (in Form von Texten, Fotos, Zeichnungen und Geräuschen) zum Begriff "Heimat" à "Heimatmuseum" http://www.thing.de/artwarpeace/1hotel/framhot.htm Ist im "Lifetime Hotel" noch ein Zimmer frei? Reservieren Sie und richten Sie sich ein mit eigenen Tapeten, Bildern, etc. Reisebericht?
NETZ-"LITERATUR"/LINKS: http://www.screenshock.com/theory/kmdipl/ Klaus Möller: Diplomarbeit über "Kunst im Internet Netzkunst, Untersuchungen zur Ästhetischen Bildung" Bielefeld 1999 http://www.lehrer-online.de/dyn/210171.asp?url=../dyn/210756.htm "Computer und Kunstunterricht" (mit Chatraum!!)
M. Schacht, letzte Änderung: 27.11.2000 uni ffm © 1997 |