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Universität

Deutsches Archäologisches Institut

SPP 1209 -
Die hellenistische Polis als Lebensform: Priene

 

 

 

Projekte

   

Die antike Stadt Priene


Mitarbeiter und Studierende des Archäologischen Instituts arbeiten seit 1998 in der antiken Stadt Priene (Westtürkei) unter der Leitung von Wulf Raeck an einem der wichtigsten Orte für die Erforschung der griechisch-römischen Kultur im östlichen Mittelmeerraum. Das Projekt (vollständiger Titel: Stadtentwicklung, Wohnverhältnisse und Lebensbedingungen im antiken Priene) wird in interdisziplinärer Zusanmenarbeit mit einem Team der Technischen Universität München unter Leitung des Bauhistorikers Wolf Koenigs und weiteren Spezialisten, z.B. einem Team von Wasserbau-Ingenieuren um Henning Fahlbusch von der Fh Lübeck, durchgeführt.
Das von heutigen Reisenden als landschaftlich reizvolles Besuchsziel geschätzte Priene wurde im 4. Jh. v. Chr. mit einem gleichmäßig rechtwinkligen Straßenraster ("hippodamisches System") im Mündungsgebiet des Mäander als Nachfolgerin einer frühgriechischen Siedlung angelegt, deren Lage bis jetzt nicht feststeht.
Die eindrucksvollsten Gebäude der Stadt sind der in der Antike weltberühmte Athenatempel des Architekten Pytheos, das Bouleuterion (Versammlungsgebäude des Rates) und das vorzüglich erhaltene Theater. Die sichtbaren Baureste stammen größtenteils aus dem 4. bis 1. Jh. v. Chr. (Hellenismus); die römische Kaiserzeit und auch das Mittelalter (in Priene wurde bis ins 13. Jh. gesiedelt) haben die hellenistische Bausubstanz wenig verändert. Darauf beruht die für die Archäologie zentrale Rolle Prienes als Zeugnis für griechische Stadtplanung und Wohnarchitektur.

 
 

Grundlage für die Erforschung des antiken Priene bilden bislang die von den Berliner Museen 1895-1898 durchgeführten Ausgrabungen, an denen der erste Professor für Klassische Archäologie in Frankfurt, Hans Schrader, maßgeblichen Anteil hatte. Auf diesen Grabungsergebnissen beruht die Rekonstruktion von A. Zippelius. In den 50er Jahren wurde das in der Antike zum Territorium von Priene gehörende Panionion, das Zentralheiligtum des ionischen Städtebundes, durch Gerhard Kleiner ausgegraben, auch er Professor in Frankfurt. Die Erforschung des antiken Mäandertales vom Main aus hat also Tradition. Das neue Projekt geht von einer Fragestellung aus, die durch die archäologische Diskussion zur antiken Urbanistik bestimmt ist. Dabei geht es auch um die These, wonach als Konsequenz aus der Idee politischer Gleichheit die Stadt zunächst in einheitlichen Rasterelementen und Bauformen geplant und ausgeführt worden sei.
Anhand der vor hundert Jahren ermittelten Befunde ließen sich jedoch solche Fragen nicht beantworten, denn nur in Ausnahmefällen waren die ursprünglichen Grundstücksgrenzen oder komplette Hausformen zu erschließen, auch blieb die Datierung antiker Baumaßnahmen meist unklar. Heute lassen sich derartige Fragen aufgrund weiterentwickelter Arbeitsmethoden und verbesserter Kenntnis des Fundmaterials viel präziser beantworten.

Priene. Zeichnerische Rekonstruktion von A. Zippelius 1908
   
Neben der antiken Stadtplanung und -entwicklung sowie der Wohnarchitektur werden auch die Lebensbedingungen der Bewohner (Ernährung, Krankheiten) mit naturwissenschaftlichen Methoden erforscht.
In den Grabungskampagnen konnten bereits wichtige Zwischenergebnisse gewonnen werden:
  • Die Vermessung des antiken Stadtgebietes mit modernen geodätischen Methoden hat topographischen Untersuchungen in Priene eine neue Grundlage gegeben.
  • Die Entwicklung der Agora (Markt und Zentrum des öffentlichen Lebens) von einer Freifläche zu einem architektonisch gefaßten Platz mit repräsentativen Charakter im Hellenismus und kleinteiligen Umbauten in der Spätantike ist im Detail faßbar und aufgrund der Grabungsbefunde datierbar. Das Rastersystem des Stadtplans ist hier in der Gründungsphase der Stadt nicht verbindlich gewesen.
  • Sondagen im Wohnhaus Nr. 33, das in Handbüchern der Architekturgeschichte als Muster für die Rekonstruktion eines griechischen Wohnhauses diente, haben Sicherheit über die ursprüngliche Grundstücksaufteilung und die Bauphasen gebracht.
  • Sondagen in Wohnvierteln im Westen und Osten des Stadtgebietes haben eindrucksvolle Reste von Wohnbebauung aus der Gründungszeit im 4. Jh. v. Chr. erbracht. Diese Bebauung bestätigt die einheitliche Grundstückseinteilung im gesamten Stadtgebiet, zeigt aber in der Grundrißgestaltung der Häuser ein differenzierteres Bild als bisher angenommen.
  • Im Demeterheiligtum konnte die kürzlich publizierte Annahme von Gebäuderesten aus der Zeit vor der Stadtgründung widerlegt und unsere Kenntnis der für den Demeterkult typischen Votivgaben erweitert werden.
  • Von diesen Ergebnissen ausgehend soll sich die Grabung in den nächsten Kampagnen auf den Abschluß der Arbeiten und die Publikation des reichen Fundmaterials und auf die vergleichende Untersuchung der verschiedenen Wohnviertel konzentrieren.
  • Hellenistische Terrakottastatuette eines Waffentänzers (?). Neufund 2000
       

    Die Finanzierung erfolgt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG); Kosten vor Ort (Instandhaltung des Grabungshauses, Löhne für Wächter) übernimmt z.T. das Deutsche Archäologische Institut (DAI Berlin, Abteilung Istanbul), allerdings aufgrund der allgemeinen Finanzlage mit dramatisch sinkender Tendenz. Erhebliche Unterstützung erhalten wir von weiteren Geldgebern, wie der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität, der Theodor-Wiegand-Gesellschaft und privaten Spendern.
    Es besteht weiterhin erheblicher Finanzierungsbedarf, um das Projekt erfolgreich fortsetzen zu können:

  • Ständig anfallende Konservierungs- und Restaurierungsaufgaben, die nicht in direktem Zusammenhang mit der Grabung stehen, die aber Bedingung für die Lizenzerteilung sind.
  • Komplettierung des Arbeitsplatzes für Restaurierungsarbeiten.
  • Bau und Einrichtung von Depoträumen.
  • Herstellung von Informationsmaterial.

  • Hellenistische Münzen von Priene. VS: Athenakopf. RS: Mäanderornament um Inschrift

     


     

     

     Es besteht daher die Möglichkeit, durch eine Spende an das Archäologische Institut (LZB Hessen/Thüringen,
    BLZ 500 000 00 Kto. 50001508 zu Gunsten Fonds 31 09 0213/500 10 000, Verwendungszweck Name, Adresse des Spenders) einen Beitrag zum Gelingen des Projektes zu leisten.
    Über den weiteren Verlauf der Unternehmung unterrichten wir Sie regelmäßig.
    Adresse des Grabungshauses in Priene:
    Alman Kazi Evi, TR 09230 Güllübahce/Söke, Aydin
    Fax 0090/256 547 1892
     Grabungshaus. 1999

     
       
     
       
     

    Priene 

     

     
         

     

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