Neuere Forschung sieht Zeitdruck als einen herausfordernden Stressor, der neben negativen Effekten wie Ermüdung auch positive Effekte auf Motivation und Leistung haben kann. Tatsächlich zeigen eigene Untersuchungen auch, dass es einen kurvilinearen oder linear positiven Zusammenhang von Zeitdruck mit Kreativität bzw. Eigeninitiative gibt (Ohly, Sonnentag & Plunkte, 2006; Ohly & Fritz, in press). Zeitdruck kann Individuen allgemein aktivieren und ihre Aufmerksamkeit auf relevante Aspekte der Arbeit lenken. Auf diese Weise können die positiven Effekte erklärt werden.

Allerdings sind die Rahmenbedingungen unklar. So wurde in einer heterogenen Stichprobe ein kurvilinearer Zusammenhang von Zeitdruck und Kreativität gefunden. In einer homogenen Stichprobe von Ingenieuren dagegen war der Zusammenhang linear positiv. Diese wiedersprüchlichen Ergebnisse weisen darauf hin, dass nur unter bestimmten Bedingungen positive Effekte zu erwarten sind. Beispielsweise könnte eine Rolle spielen, wie gut Arbeitnehmer für ihre Arbeit qualifiziert sind, und ob Kreativität zu ihrer eigentlichen Arbeitsaufgabe gehört oder darüber hinausgeht, wie es bei Mitarbeitern in der Produktion der Fall ist. Ausserdem spielt es vermutlich eine Rolle, ob der Zeitdruck als legitim wahrgenommen wird, oder beispielsweise eine schlechte Arbeitsorganisation dafür verantwortlich gemacht wird. In weiteren Untersuchungen sollen die Rahmenbedingungen für positive Zeitdruck-Effekte geklärt werden, um klarzustellen, wann Zeitdruck als Herausforderung wahrgenommen wird.

Literatur