Die vorliegende Untersuchung ist Teil einer großangelegten europäischen Studie, die sich damit befasst, wie Menschen in verschiedenen europäischen Ländern mit Konflikten und Meinungsverschiedenheiten in Organisationen umgehen. Dieses Projekt wird zeitgleich in Großbritannien, Holland, Spanien, Frankreich als auch in Deutschland durchgeführt, da beabsichtigt wird, einen möglichst großen Teil des europäischen Sprachraumes einzubeziehen.
Die Studie hat zum Ziel, die Gültigkeit des Dutch Test of Conflict Handling (DUTCH) von De Dreu et al. (2001) im Hinblick auf andere Länder zu überprüfen. Dementsprechend wurde der Fragebogen zuerst in die Zielsprache, wie z.B. deutsch, und dann noch einmal zurück in die ursprüngliche Sprache übersetzt, um sicher zu gehen, dass sich bei der Übertragung keine Veränderungen eingeschlichen haben.
Der Dutch Test of Conflict Handling (DUTCH) stützt sich in seinem Konzept auf theoretische Arbeiten bezüglich der Bewältigungsstile in interpersonalen Konflikten von Follett (1940), Blake und Mouton (1964), Thomas (1976), Rahim (1983), Rahim und Magner (1995). Er erfasst fünf Bewältigungsstile, die entlang zweier Dimensionen differenziert werden: eigenes Interesse und Interesse für andere. Die erste Dimension beschreibt dabei den Grad, in dem eine Person versucht, ihre eigenen Interessen zu befriedigen. Die zweite Dimension bezieht sich auf das Ausmaß, in dem eine Person versucht, das Interesse anderer zufrieden zu stellen. Diese Dimensionen spiegeln laut Rahim und Magner (1995) die motivationalen Orientierungen einer Person während eines Konflikts wider.

Abbildung 1: Zweidimensionales Modell der Bewältigungsstile in interpersonalen Konflikten
Aus der Kombination dieser beiden Dimensionen resultieren fünf spezifische Bewältigungsstile, die wie folgt charakterisiert werden:
- Zusammenarbeit verbindet hohes eigenes Interesse als auch hohes Interesse an der anderen Konfliktpartei. Dieser Bewältigungsstil ist verbunden mit Zusammenarbeit zweier Parteien (z.B. Offenheit, Austausch von Informationen und Prüfung der Unterschiede der Partei), um eine Lösung zu finden, die für beide Seiten akzeptabel ist.
- Anpassung verbindet niedriges Eigeninteresse und hohes Interesse für die Belange der anderen Konfliktpartei. Die sich anpassende Person versucht, die Unterschiede der beiden Parteien herunterzuspielen und betont nachdrücklich die Gemeinsamkeiten, um die Belange der anderen Partei zu befriedigen.
- Machteinsatz verbindet hohes Eigeninteresse mit geringem Interesse für die Belange der anderen Konfliktpartei. Dieser Bewältigungsstil steht in Zusammenhang mit einer Win-Lose-Orientierung bzw. mit Ausübungen von Zwang und Gewalt, um die Position der anderen Partei zu gewinnen.
- Vermeidung ist verbunden mit niedrigem Interesse an der eigenen als auch an der Position der anderen Konfliktpartei. Dieser Bewältigungsstil steht in Zusammenhang mit Rückzug, Ausweichen oder "Ich sehe nicht Böses, höre nicht Böses, sage nichts Böses"-Situationen.
- Kompromiss verbindet moderates Interesse an der eigenen als auch an der Position der anderen Konfliktpartei. Dieser Bewältigungsstil steht in Zusammenhang mit Geben- und-Nehmen oder Teilen, wobei beide Parteien etwas aufgeben, um eine gemeinsame, akzeptable Lösung zu finden.
Diese fünf Bewältigungsstile werden im Dutch Test of Conflict Handling (DUTCH) durch jeweils vier Fragen pro Bewältigungsstil erfasst.
Mit der vorliegenden Untersuchung soll nun auf Stichprobenebene ermittelt werden, ob diese fünf Faktoren auch durch die in andere Sprachen übersetzten Fragebögen erfasst werden und ob sich die Stichproben in den verschiedenen beteiligten Ländern hinsichtlich der Ausprägung dieser fünf Bewältigungsstile unterscheiden.
Informationen und Analysen zum DUTCH
De Dreu, C. K. W., Evers, A., Beersma, B., Kluwer, E. S., & Nauta, A. (2001). A theory-based measure of conflict management strategies in the workplace. Journal of Organizational Behavior, 22, 645-668.
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