| 05.07.2000 | Der Briefwechsel im Überblick: | ||||
| Sehr geehrter Herr Scholz, es freut mich, dass Sie meinen Beitrag zum Anlass genommen haben, mich mit Ihren Gedanken über Kinder und Lernen bekannt zu machen. Da Sie zwischen unseren beiden Beiträgen "eine kleine Differenz und eine große Übereinstimmung" sehen, las ich natürlich Ihren Bei-trag mit besonderer Aufmerksamkeit. Mein Eindruck nach der Lektüre war, dass es in der Tat lohnenswert wäre, miteinander in ein Gespräch zu kommen. Ihre und meine Gedanken zeigen zweifelsohne viele Berührungspunkte, aber auch eine Reihe von nicht zu unterschätzenden Unterschieden, die jedoch von innovativem Charakter sein können. Diese möglicherweise fruchtbaren Differenzen möchte ich in einer Ergänzung wenigstens andeuten. Diese Ergänzung betrifft den von Ihnen als Motto aufgegriffenen Satz Wagenscheins und sie soll ihn, bislang sozusagen ein Torso, vervollständigen. Um den aktuellen Kontext des Sachlernens des Kindes einzuholen, müsste er nach meiner Auffassung lauten: "Mit dem Kind von der Sache aus, die für das Kind die Sache ist", um ihm die Möglichkeit einzuräumen, auch an andere Ufer aktueller Sachlichkeit der Sache übersetzen zu können. Hinter dieser Ergänzung steckt wohl die Differenz zwischen unseren Texten, deren Spannweite schwer abzuschätzen sein dürfte und wohl allein in Gesprächen angemessen auszuloten wäre. Dabei müsste es sicherlich um Ihr "Entweder-oder" am Ende Ihrer Nachbemerkungen gehen. Es kann und darf wohl nicht die Alternative sein, vor der wir stehen; denn wir alle sind in unseren Lebenswelten aufgefordert, auch das Andere einzuholen: im Sinne des Sowohl-als-auch. Sie selbst nennen für diesen Vorgang eine Drehscheibe, mit der es jedermann gelingen kann, eben auch den Kindern, das jeweils nicht Eigene doch anzueignen: nämlich die Perspektivität unseres Denkens und Handelns. Sie ermöglicht nicht nur die obige Ergänzung des Wagen-scheinschen Satzes, sie fordert sie geradezu. Wie unsere bisherige Geschichte gezeigt hat, können wir davon überzeugt sein, dass Kinder und - im Übrigen auch - Erwachsene diese Überstiege zu anderen, ggf. sehr komplexen Konzepten auch tatsächlich, wenn auch zum Teil bruchstückhaft leisten; verfügen sie doch nach ihren eigenen Worten immer schon über die Kompetenz des Deutens. So weit einige Hinweise in Kürze. [...] Mit freundlichen Grüßen Ansgar Häußling |
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Ansgar Häußling an Gerold Scholz: |
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