| www.widerstreit-sachunterricht.de/Ausgabe Nr.4/März 2005 |
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Meike Wulfmeyer
Ökonomie mit Kindern - Ein Konzept zum handlungsorientierten Lernen in der Grundschule
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Einleitung
Von Erwachsenen werden Kinder oft für zu jung für das Verstehen komplexer ökonomischer
Zusammenhänge gehalten, von der Werbung als Zielgruppe aber durchaus als lukrative
Adressatengruppe ernst genommen. Wenn die Grundschule ihrem Bildungsanspruch gerecht werden
will, müssen ökonomische Inhalte sowohl in der Schule als auch in der Lehrerbildung intensiv
thematisiert werden. Wie und in welcher Form es gelingen könnte, sie bereits in der Grundschule
zu verankern, soll hier diskutiert werden.1
Eine eigene Untersuchung mit fünf Jahre alten Kindern in verschiedenen Bundesländern hat gezeigt,
dass die meisten Vorschulkinder bereits ökonomische Alltagsvorstellungen haben, die sie als
Basis für ihr Handeln nutzen und die sie z. T. differenziert verbalisieren können.
Ein kurzer Ausschnitt aus einem Interview mit zwei Mädchen aus Baden-Württemberg verdeutlicht
dies:
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I: Beschreibt doch mal, wie es ist, wenn man in einem Geschäft einkauft.
K: Da gehen wir zum Beispiel zum Bäcker.
I: Und wie geht das da vor sich?
K: Ja, also wir sagen zum Beispiel, wir möchten ein Kuchenstück. Und dann sagt die
Verkäuferin: "50 Cent" oder meinetwegen "1 Euro". Und wir geben ihr
halt das Geld und dann kriegen wir den Kuchen.
I: Und was passiert dann mit dem Geld? (Pause) Was macht die Verkäuferin mit dem Geld?
K: Sie tut es in die Kasse.
I: Und was macht sie mit dem Geld, das sie dann am Ende des Tages eingenommen hat?
K: Hmm, ja! Sie geht dann in so ein Großgeschäft und da kauft sie dann Sachen in dem Geschäft,
die sie für den Laden braucht.
I: Aha, was denn zum Beispiel?
K: Ja, also, sie verkauft da ja auch Pizza [im Laden]. Und in dem Großgeschäft kauft sie dann
eine so [breitet ihre Arme weit auseinander] große Schachtel mit Pulver, woraus sie dann ganz,
ganz viel Pizza machen kann. Und die verkauft sie dann wieder.
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Vorstellungen zu den ökonomischen Prinzipien Tausch, Markt sowie
Produktion bzw. Güterstrom und monetärer Strom sind also durchaus bei zahlreichen Kindern
bereits in der Elementarstufe vorhanden. Sie sind also keineswegs zu jung, um elementare
ökonomische Vorgänge zu verstehen; vielmehr muss die Grundschule an ihren Alltagsvorstellungen
anknüpfen.2
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1 Aufgaben der Grundschule
Die Grundschule definiert sich heute als erste Schule für alle Kinder, die
an die Elementarerziehung anknüpft. Vor dem Hintergrund der sog. Bedeutsamkeit des frühen
Lernens sollte Kindern grundlegende Bildung mit eigenständigen Aufgaben und Zielen
vermittelt werden, an die weiterführende Schulen mit ihrem Unterricht anknüpfen konnten.
Scheibe (1974) zitiert die Richtlinien zur Aufstellung von Lehrplänen von 1921 so:
"Im gesamten Unterricht der Grundschule ist der Grundsatz zur Durchführung zu bringen,
dass nicht Wissensstoffe und Fertigkeiten bloß äußerlich angeeignet, sondern möglichst alles,
was die Kinder lernen, von ihnen innerlich erlebt und selbsttätig erworben wird. Deshalb hat
aller Unterricht die Beziehungen zur heimatlichen Umwelt der Kinder sorgsam zu pflegen [
]&quoot; (Scheibe 1974, S. 60).
Hier schließen sich Überlegungen zu einem Konzept von Allgemeinbildung an, wie es auch Klafki
vertritt. Es geht um grundlegende Bildung, um Grundfragen des menschlichen Zusammenlebens.
Elementare Dinge werden gelernt, was sich zunächst auf den Inhalt bezieht; in der
bildungstheoretischen Kategorialen Bildung materiale Kategorie genannt: epochaltypische
Schlüsselprobleme sowie Gegenwarts-, Zukunfts- und Gesellschaftsrelevanz werden als wichtige
Kriterien zur Inhaltsauswahl angesetzt. Des Weiteren bezieht es sich auf die sog.
Schlüsselqualifikationen im Sinne sozialer Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit
uvm., also auf die formale Kategorie.
Grundschuldidaktik ist heute ein eigenständiger Bereich erziehungswissenschaftlicher Forschung
und Lehre. Sie greift zurück auf zahlreiche Disziplinen, die für das Lernen von Kindern
bedeutsam sind.3 Darüber hinaus rekurriert Grundschule in ihren Lernbereichen auf
verschiedene Fachdidaktiken, die wiederum auf Fachwissenschaften beruhen. Grundbildung, oder
besser Allgemeinbildung, gilt auch in der Grundschule als Motor der Persönlichkeitsentwicklung
und dient der Förderung der Autonomie des Individuums. Der Allgemeinbildungsanspruch verweist
u.a. nach Klafki auf die sehr anspruchsvollen Ziele der Mit- und Selbstbestimmung und der
Solidarität.4
Die Arbeit in der Grundschule ist stets Veränderungen unterworfen und muss auf Entwicklungen
in allen Bereichen von Gesellschaft und Wissenschaft reagieren. Das gilt auch und besonders
für die Lernbereiche der Grundschule, wie z.B. für den naturwissenschaftlich-technischen oder
auch den sozialwissenschaftlichen Lernbereich der Grundschule, die beide in das Aufgabenfeld
der Sachunterrichtsdidaktik fallen und das Fach stellt heute einen Kernbereich der Grundschule
dar.
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1.1 Zur Didaktik des Sachunterrichts
Der Sachunterricht versteht sich als Vermittler zwischen Kind und Sache.
Doch über die Sache des Sachunterrichts wird viel diskutiert. Welche Kriterien bestimmen über
die Inhalte, die Schülerinnen und Schüler im Laufe von vier Schuljahren auf weiterführende
Schulen vorbereiten sollen, die ihnen helfen sollen, ein Weltverständnis anzubahnen?
Der Sachunterricht ist also aufgefordert, in seinem Rahmen grundlegende Bildung zu ermöglichen,
anzubahnen und anzuregen. Die Konzeption des Faches, wie sie in den Rahmenplänen und
Richtlinien der Länder und bundesweit im 2002 erschienenen Perspektivrahmen der GDSU
nachzuvollziehen ist, gründet sich u.a. auf den bildungstheoretischen Ansatz von
Wolfgang Klafki und nennt als zentrale didaktische Prinzipien den Lebensweltbezug, die
Bedeutsamkeit und Zugänglichkeit sowie die Propädeutik.
Der Perspektivrahmen der GDSU definiert fünf Perspektiven des Sachunterrichts, die Schülerinnen
und Schüler darin unterstützen sollen, "ihre natürliche, soziale und technisch gestaltete
Umwelt bildungswirksam zu erschließen und dabei auch Grundlagen für den Fachunterricht an
weiterführenden Schulen zu legen" (GDSU, S. 2). Sachunterricht ist an der Lebenswelt
der Lernenden orientiert und geht auf komplexe Probleme und Fragestellungen des Lebens
interdisziplinär ein. Kinder sollen im Sachunterricht lernen, sich kulturell bedeutsames
Wissen zu erschließen, dieses Wissen kritisch zu reflektieren und so Problemlösefähigkeit
erlangen und kreative Ideen entwickeln. Es geht um die Anbahnung, Stärkung und Förderung von
Kompetenzen, die hier als Zusammenspiel von Sach- und Verfahrenswissen (deklarativ und
prozedural) mit metakognitivem Wissen und Orientierungswissen bezeichnet werden.
Der Sachunterricht bietet Kindern in der Primarstufe einen Erfahrungsraum zum Erschließen
der Welt aus verschiedenen Perspektiven. Eine Perspektive bietet hier die sozial- und
kulturwissenschaftliche, in der sich auch der Bereich des politischen Lernens verortet, in
den wiederum der Bereich des ökonomischen Lernens fällt.
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1.2 Politisches Lernen mit Kindern
Untersuchungen zur politischen Sozialisation belegen, dass Kinder ungefähr
ab dem fünften Lebensjahr Vorformen politischer Einstellungen haben und dass es keine
alterspezifischen Stufen für das Verstehen gesellschaftlicher Probleme und den Erwerb
entsprechender Handlungskompetenzen gibt. Der Lernbereich des politischen Lernens basiert
zu einem Teil auf empirischen Forschungen zu politischer Sozialisation, die hier als Prozess
der Vermittlung von Strukturen der politischen Kultur mit Strukturen der Subjekte
(vgl. Claußen 1996) verstanden werden soll.
Politisches Lernen ist ein Aufgabenbereich der Grundschule und hat zahlreiche
Inhaltskomponenten, gilt aber auch als Unterrichtsprinzip im Hinblick auf demokratisches Lernen.
Kinder sollen zu mündigen Bürgern werden, selbstbestimmt und verantwortlich denken,
Entscheidungen treffen und handeln.5 Diese Mündigkeit lässt sich in eine kognitive,
affektiv-habituelle und pragmatische Struktur ausdifferenzieren (vgl. Henkenborg 2001, S. 4),
die dann wiederum in die Stufen der Anbahnung, der Entfaltung und der Gewohnheit unterteilt
werden. Inhaltlich orientiert sich das politische Lernen auch an den Klafki'schen
Schlüsselproblemen oder wie Wolfgang Sander beschreibt, die "Aufgabe der politischen
Bildung ist die systematische unterrichtliche Auseinandersetzung der Gegenwart und der
absehbaren Zukunft aus sozialwissenschaftlicher Perspektive" (Sander 1989, S. 159).
Dieser Äußerung liegt ein weiter Politikbegriff zugrunde, wie ihn beispielsweise Rohe
formuliert: "Politik entsteht und geschieht immer und überall dort, wo Menschen den
öffentlichen Aspekt ihres gesellschaftlichen Lebens zu regeln versuchen" (Rohe 1994, S. 136).
Inhalte beziehen sich dann nicht nur auf das öffentlich-politische System, sondern auf alle
gesellschaftlichen Beziehungen.
Aus didaktischer Sicht werden drei Dimensionen von Politik wirksam: die Form des
Politischen, also Polity, hier geht es u.a. um Institutionen, Organisationen,
Legitimität (Verfassung, Staat, politisches System); um den Inhalt des Politischen, also
Policy, hier werden politische Ziele, Prinzipien und die daraus entstehenden Konflikte,
Chancen und Gefahren analysiert (Probleme, Programme, auch Ideologien) und Politics,
als Kennzeichnung politischer Prozesse, bei denen es um Kommunikation von Differenzen
geht, um Konsens und Konflikt um Betroffenheit und Partizipation (vgl. Herdegen 1999;
von Reeken 2001).
Im Rahmen der bereits erwähnten Schlüsselprobleme setzt sich politisches Lernen also mit
diesen drei Dimensionen und ihrem Zusammenwirken auseinander. So lassen sich auch für die
Grundschule zahlreiche politisch-gesellschaftliche Lernebenen identifizieren, und auch die
ökonomischen Implikationen des gesellschaftlich-politischen Lebens haben hier ihren Platz.
"Wirtschaft" ist ein öffentlicher Bereich, der im Leben aller Menschen, also auch
der Kinder, eine große Rolle spielt, und Kindern muss ermöglicht werden, entsprechende
bereichsspezifische Kompetenzen anzubahnen.
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2 Ökonomie in der Grundschule?
Wirtschaft ist ein Kulturbereich (vgl. Abraham 1966), in dem Kinder sich
bewegen. Das Leben von Grundschulkindern ist heute in weiten Teilen wirtschaftlich geprägt.6
Sie nehmen indirekt und auch direkt am Wirtschaftsleben teil. Sie sind zwar nur bedingt
geschäftsfähig, doch ihnen steht ein vielschichtiger Markt gegenüber, sie bewegen sich nach
Hurrelmann frei im Medien- und Konsumbereich (vgl. Hurrelmann 1997, S. 76).
Ökonomische Bildung gilt heute unbestritten als wichtiger Teil von Allgemeinbildung und seit
einigen Jahren finden wirtschaftsbezogene Themen zunehmend Eingang in den Unterricht an
allgemein bildenden Schulen - hier allerdings größtenteils in der Sekundarstufe. Der Stand
ökonomischen Wissens in der Bevölkerung allgemein und auch bei Schülerinnen und Schülern wird
häufig als defizitär bezeichnet.
Für Deutschland fasst Feldmann 1987 in einer Forschungsstudie Ergebnisse verschiedener
empirischer Untersuchungen zum ökonomischen Bewusstsein zusammen, das am Beispiel diverser
Wirtschaftsaspekte wie Tausch, Arbeitsmarkt usw. erhoben wurde und ergänzt sie um
Untersuchungen von 1982/83 in Hannover und Wien. Die Ergebnisse dieser Studien deuten
zwar auf kindliche Vorstellungen hin7, diese scheinen jedoch wenig umfangreich
im Sinne eines fachwissenschaftlichen Verständnisses. Die Ergebnisse des amerikanischen
Council on Economic Education von 1999 bestätigen dies für die USA.
Lüdecke/Szesny (1999/1998) haben mit dem Wirtschaftskundlichen Bildungs-Test von Beck-Krumm,
analog zum Text of Economic Literacy im Vergleich verschiedener Länder 8
festgestellt, dass das Niveau wirtschaftskundlichen Wissens der deutschsprachigen Länder
durchweg schlechter ist als das der anderen Länder.
Als Barrieren des ökonomischen Lernens (barriers to economic learning) gelten nach
Walstad (Walstad 1994, S. 119 ff.) u.a. die unzureichende Repräsentanz und Qualität
wirtschaftsbezogener Passagen in Schulbüchern und anderen Unterrichtsmaterialien, die
inhaltliche Unverbindlichkeit (also das Fehlen eines Kerncurriculums) sowie das geringe
Interesse an ökonomischen Fragestellungen und die unzureichenden wirtschaftswissenschaftlichen
Kenntnisse der Lehrkräfte, so dass hier neben der Forderung nach einer curricularen
Verankerung in der Grundschule auch eine Forderung für die Lehrerbildung entsteht.
Neben den tatsächlichen Gegenständen und Fragestellungen, die in ihrer Vielzahl und wechselnden
Aktualität nur schwer in einen festen Kanon zu fassen sind, sind es auch spezifische
Denkweisen, Theorien und Methoden, anhand derer Problemstellungen analysiert und beurteilt
werden sollten. Grundlegend für das Verständnis wirtschaftlicher Probleme ist ein Verständnis
für politische Ordnungen, Kenntnis ökonomischer Prinzipien und das Denken in komplexen
Wirkungszusammenhängen, denn die wirtschaftliche Wirklichkeit, wie fachwissenschaftliche
Ansätze sie konstruieren, präsentiert sich in einer überwältigenden Komplexität und Dynamik.
Aufgabe der Grundschule und hier besonders des Sachunterrichts ist es, exemplarische Prinzipien
und Zusammenhänge von Wirtschaften zu identifizieren und für didaktische Zwecke zu nutzen.
Ausführlichere didaktische Konzepte liegen hauptsächlich für Berufsbildende Schulen oder für
die Sekundarstufe vor. Für die Primarstufe gibt es Unterrichtsvorschläge zur Verbraucher- bzw.
Konsumerziehung, auch das Thema Arbeitswelt ist Bestandteil von Unterrichtsvorschlägen, doch
gestaltet sich ökonomische Bildung in der Primarstufe häufig trivialisiert.
Wissenschaftsorientierte Ansätze müssen sich hingegen die Kritik gefallen lassen, dass sie sich
nicht der komplexen Lebenssituationen der Lernenden widmen und kontroverse Erklärungsansätze
und Handlungs- bzw. Gestaltungsmöglichkeiten vernachlässigen. Handlungsorientierten Ansätzen
wird wiederum vorgeworfen, dass der Aktion gegenüber den Inhalten ein überproportionaler
Stellenwert eingeräumt wird und es so zu einer Theoriearmut kommt (vgl. Krol 2003, S. 17).
Grundsätzlich besteht die Gefahr, dass durch eine falsch verstandene Kindorientierung der
ökonomische Denkansatz, also die Ökonomik, nicht Gegenstand des ökonomischen Lernens ist,
dass es zu einer Aufweichung wirtschaftswissenschaftlicher Kategorien im Fächerübergriff kommt.
Doch ökonomische Kompetenz im Sinne einer zeitgemäßen Sachunterrichts-Konzeption verlangt die
Vermittlung zwischen der Sache, hier den wirtschaftswissenschaftlichen Modellen, Erkenntnissen
und Fragestellungen, und dem Kind. Denn ohne ökonomische Grundkenntnisse bleiben moderne
Lebensverhältnisse Kindern undurchschaubar, zumal die Komplexität moderner Gesellschaften
nicht allein aus der Alltagserfahrung erschlossen werden kann.
Die Bezugsdisziplin ökonomischen Lernens ist natürlich die Wirtschaftswissenschaft.
Die fachwissenschaftliche Analyse führt zu bestimmten Merkmalen und Prinzipien, die bei
wirtschaftlichen Sachverhalten immer wieder auftreten. Fachdidaktiker ermitteln aus der
Wirtschaftswissenschaft zentrale Kategorien, die als Kanon ökonomischer Bildung gelten können
(vgl. May 1998; Kruber 1994). Orientiert an einer kategorialen Wirtschaftsdidaktik, sucht man
nach wirtschaftswissenschaftlichen Kategorien als Grundlagen ökonomischen Denkens.
Sie geben den Lernenden eine Orientierungsmöglichkeit in der komplexen Lebenswirklichkeit,
indem sie ihnen ermöglichen, im Besonderen das Allgemeine, das Typische zu erkennen.
Auf diese Weise werden nach May Stoffkategorien zu Bildungskategorien.9
Beispiele dafür sind Schlüsselbegriffe, Zusammenhänge und spezifisch ökonomische Denkmethoden.
Sie können, didaktisch gewendet, zu Kategorien des ökonomischen Lernens werden.
Volkswirtschafts- und Betriebwirtschaftslehre bilden somit den Referenzrahmen.
Das ökonomische Lernen bezieht sich zwar auf die Wirtschaftswissenschaft in ihrer aufklärenden
Funktion, sie ist aber durch die didaktische Fragestellung keineswegs ihr reduziertes Abbild;
es geht um einen differenzierten Umgang mit wirtschaftswissenschaftlichen Erkenntnissen.
Die Zielsetzung des ökonomischen Lernens im Hinblick auf ein Wirtschafts- und
Gesellschaftsverständnis lässt sich folgendermaßen umschreiben: Die Lernenden verfügen über
dasjenige Wissen und Können, das sie befähigt, wirtschaftspolitische und unternehmerische
Gesamtzusammenhänge zu verstehen. Bei typischen Problemen können sie Zielkonflikte definieren
und mögliche Lösungen beurteilen. Sie gelangen also im reflektierten Urteil zu einer eigenen
Meinung. Dieses Urteil beruht aber nicht nur auf einer Sachanalyse aufgrund von Effizienz- und
Gewinnmaximierungszielen, sondern ebenso sehr auf Überlegungen zur menschlichen Verträglichkeit
der Lösung (vgl. Dubs 2001, S. 300). Diese Ansprüche setzen voraus, dass der Unterricht
problemorientiert und interdisziplinär durchgeführt wird.
Was aber müssen Kinder in der Primarstufe nun konkret über Wirtschaft wissen? Müssen sie
erläutern können, dass eine moderne Volkswirtschaft ein komplexes Gefüge von Betrieben und
Haushalten ist, die einander brauchen und erst in ihrer Vernetzung lebensfähig sind?
Sie können einfache Wirtschaftskreisläufe durchaus verstehen. 10 Sollen sie den
Zusammenhang zwischen Wirtschaftsform und Demokratie kennen und ihn über nationalstaatliche
Grenzen hinaus auf Europa und die globale Welt beziehen? Sie haben in ihren
Alltagsvorstellungen durchaus Anknüpfungspunkte an die Ideen der sozialen Marktwirtschaft,
fassen ihr Verständnis von einem Wirtschaftsraum teilweise weit, so dass der Begriff
Globalisierung ebenfalls Anknüpfungspunkte bietet. Grundlegende Vorstellungen von
Produktionsfaktoren, der Arbeitswelt und von verschiedenen Märkten können erworben werden.
Themen wie eigene und fremde Bedürfnisse oder Gerechtigkeit diskutiert,
Alternativen wie Konsum oder Sparen, Funktionen und wirtschaftliche Abläufe in
Betrieben sowie ökonomische Prinzipien wie Knappheit der Güter oder Angebot und
Nachfrage können kritisch betrachtet und an Beispielen illustriert werden.
Im Rahmen des ökonomischen Lernens ist es jedoch wichtig, nicht lediglich der Frage nach
geeignetem Input nachzugehen, sondern stattdessen das angestrebte Resultat im Blick zu
behalten und zu hinterfragen, welche Kompetenzen das Ergebnis von Lehr-Lernprozessen sein
sollen. Im Sinne der Interdisziplinarität und Ganzheitlichkeit der Unterrichtsinhalte
liegt die Chance für eine Förderung des Wirtschaftsverständnisses zudem in der
fächerübergreifenden Realisierung wirtschaftlicher Unterrichtsinhalte. Grundschulunterricht
ist dann anschlussfähig an die Alltags- und Lernerfahrungen der Schülerinnen und Schüler,
wenn er sich auf die sich dynamisch verändernde Gesellschaft bezieht und zu selbstständiger
Auseinandersetzung mit individuellen, betrieblichen und kollektiven ökonomischen
Problemstellungen befähigt. Hierbei stehen auch ethische Fragestellungen im Mittelpunkt.
Problembereiche wie die Erzeugung von Bedürfnissen werden reflektiert, Ungleichheiten und
Konflikte hinterfragt und Handlungsalternativen entwickelt.
Albers versteht ökonomische Bildung als Qualifikation zur Bewältigung wirtschaftlich geprägter
Lebenssituationen (vgl. Albers 1995). Das gilt natürlich auch für Kinder.
Die ca. 10 Millionen 6 bis 12jährigen Kinder in Deutschland konsumieren bereits in jungen
Jahren eigenständig oder nehmen am Konsum teil. Sie bestimmen direkt oder indirekt über
die volkswirtschaftlich sehr relevante Summe von ca. 10 Milliarden Euro pro Jahr.
Deswegen muss auch der Frage nachgegangen werden, wie sich ökonomisches Verhalten vollzieht?
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2.1 Ökonomie als Verhaltenswissenschaft
Es ist eine Frage des Ansatzes, Ökonomie als Verhaltenswissenschaft
zu definieren. Wo sonst die Verflechtungen der Komplexität einer Volkswirtschaft oder sogar
Weltwirtschaft im Rahmen der Makroökonomie im Vordergrund stehen und in Modellen als
vereinfachten Abbildungen errechnet und ausgedrückt werden, wo Verhaltensweisen mechanisiert
und nicht erfassbare Einflussfaktoren isoliert werden, vertritt die ökonomische
Verhaltenswissenschaft einen anderen Ansatz: Statt deduktiv zu modellieren, geht z.B.
Kirchgässner vom Individuum aus. Nutzenmaximierung wird als Ziel definiert - als ein vom
Ziel der Gewinnmaximierung abgeleitetes Ziel, denn der Homo Oeconomicus ist nicht nur
materiell orientiert. Er bewertet nicht nur die materielle Qualität eines Gutes, sondern
beispielsweise auch die ästhetische Komponente und entscheidet sich rational zwischen den
ihm zur Verfügung stehenden Alternativen, die verglichen werden.11 Rationalität
bedeutet, dass das Individuum prinzipiell in der Lage ist, gemäß seinem relativen Vorteil zu
handeln, also seinen Handlungsraum abzuschätzen und zu bewerten, um entsprechend zu handeln.
12 Doch verhalten sich Menschen wirklich immer rational? Wenn ja, könnte man ihre
Handlungen antizipieren; aber fallen Entscheidungen nicht häufig auch auf vollkommen
irrationaler Ebene, sind nicht vorhersehbar und erst recht nicht vorhersagbar?
Die Werbeindustrie versucht, Stimmungen, besonders Konsumstimmungen, und den sog. Zeitgeist
aufzufangen, damit zu arbeiten und zu ihrem Nutzen zu verwenden oder ihn sogar zu produzieren,
um einen neuen Markt zu erschließen: Von der Mutter aller Schnäppchen über Es lebe
billig und Kaufen! Marsch! Marsch! bis hin zu Geiz ist geil gelingt es der
Werbeindustrie, verschiedene Typen von Konsumenten (Beck definiert in diesem Zusammenhang
verschiedene Konsumstile) anzusprechen und so manipulativ in den Markt und das Prinzip Angebot
und Nachfrage einzugreifen.
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2.2 Nachhaltige Entwicklung
Sollte das Modell der Ökonomie als Verhaltenswissenschaft zutreffen und
Menschen, also auch Kinder, entscheiden sich grundsätzlich auf der Basis einer Abwägung von
Alternativen, kommen neben Kenntnissen oder Wissen und Erfahrungen auch Wertvorstellungen
ins Spiel. Das als ethischer Imperativ bezeichnete Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung
bietet in diesem Zusammenhang eine Chance. Wir wissen, dass ökonomische Geschehnisse und
Entscheidungen niemals auf den Bereich der Ökonomie beschränkt bleiben, sondern, und davon
geht das Bild der Nachhaltigen Entwicklung aus, im Sinne der Retinität immer ökologische
und sozio-kulturelle bzw. gesellschaftliche Implikationen bestehen. Nicht auf eine
Dimension beschränkt, geht das Leitbild auch von einer Verknüpfung lokaler Ereignisse mit
globalen Bezügen aus und fragt nach globaler Gerechtigkeit sowie nach Gerechtigkeit
zwischen den Generationen.
Wir befinden uns mitten in der national und international ausgerufenen Dekade der
Nachhaltigen Entwicklung. Das größte deutsche Bildungsprogramm, BLK 21, wurde inzwischen
als Transferprogramm für weitere vier Jahre zur Umsetzung in 5000 bundesweiten Schulen
beschlossen; hier sind inzwischen auch die Grundschulen eingeschlossen.
Ökonomisches Lernen in der Grundschule positioniert sich deswegen nicht lediglich im Rahmen
einer bewussten Konsum- resp. Konsumentenerziehung, die auf Aspekte der Arbeitswelt eingeht;
vielmehr sollte Wirtschaftspädagogik stets vor dem Hintergrund des Leitbildes Nachhaltige Entwicklung
verstanden werden. Mit der Auswahl von Unterrichtsinhalten im Rahmen der ökonomischen
Bildung muss es gelingen, Kindern eine aktive Aneignung von Grundstrukturen des
Wirtschaftslebens zu erschließen und so dazu beizutragen, typische Vorgänge und wirtschaftliche
Prinzipien zu durchschauen, kritisch zu hinterfragen und im Rahmen ihrer eigenen
Wirklichkeit auf aktuelle Geschehnisse und Prozesse übertragen zu können. Ziel ist es also,
elementare Inhalte mit allgemeinbildender Relevanz zu finden, die im Hinblick auf einen
spezifischen Bereich zur Erschließung der Welt beitragen und anhand derer exemplarisch
Kenntnisse und Kompetenzen erworben werden können, die gleichzeitig vielfältige
Transfermöglichkeiten offerieren.
Vor dem Hintergrund einer Bildung für nachhaltige Entwicklung kann besonders der Sachunterricht
Kindern im Rahmen der sozial- und kulturwissenschaftlichen Perspektive ökonomische,
ökologische und soziale Grundlagen des Zusammenlebens erschließen und sie so für das
Zusammenwirken dieser Dimensionen sensibilisieren. Dies geschieht am eindrucksvollsten,
wenn die Kinder ihre Kenntnisse und Kompetenzen an einem konkreten Beispiel erproben können.
Auf diesem Weg durchdringen sie nicht nur handelnd ausgewählte wirtschaftliche Vorgänge,
sondern erfahren auch unmittelbar die Auswirkungen ihres wirtschaftlichen Handelns auf das
Zusammenleben von Menschen.
Über das Moment der Vermittlung und Veranschaulichung hinaus steht also reflektiertes Handeln
im Mittelpunkt des wirtschaftlichen Lernens im Sachunterricht. So fördert ökonomisches Lernen
in der Primarstufe im Rahmen von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung das Erkennen und
Erproben von Partizipationsmöglichkeiten im Hinblick auf eine allgemeine sowie eine
bereichsspezifische Gestaltungskompetenz.
Ein gutes Beispiel für eine ökonomische Einbindung von Kindern geschieht beispielsweise durch
die Gestaltung von Kiosken oder Läden wie sie z.B. im BLK-Programm in Form sog.
SchülerInnenfirmen (vgl. www.blk.de) vorgeschlagen wird, in denen
betriebswirtschaftliche Vorgänge erfahren und erprobt werden. Allerdings waren diese Vorschläge
bislang nicht für die Primarstufe gedacht. Ökonomie gehört m.E. jedoch zum Kerncurriculum der
Grundschule.Dieses Kerncurriculum muss allerdings nicht nur inhaltlich, also vom Gegenstand
ausgehend, organisiert sein, sondern muss auch von den Kindern ausgehen und anschlussfähig an
ihre Deutungen von Welt, ihr Wissen sein. Daraus ergibt sich die Forderung, curriculare
Entwicklungen empirisch zu fundieren.
Der Begriff Entwicklung steht ja oft als Gegenpol zum Begriff Forschung, dennoch sind beide
Aspekte untrennbar miteinander verbunden, denn eine curriculare Entwicklung
zukunftsfähiger und lebensweltorientierter Unterrichtsinhalte muss auf empirischen
Forschungsergebnissen zu Vorkenntnissen und Vorstellungen von Kindern basieren, um greifen zu
können; es muss ihr Lernen in den Blick nehmen. Grundschuldidaktische Vorschläge zu
ökonomischem Lernen können sich nicht nur auf die Auswahl, Legitimation und Aufbereitung
der relevanten Inhalte aus der ökonomischen Wissenschaft beschränken, um Lernprozesse bei
Kindern anzuregen, sondern müssen deren Lebenssituationen, ihre individuelle Entwicklung,
ihre Konstrukte und individuellen Lernprozesse berücksichtigen. So wichtig die Ermittlung
relevanter ökonomischer Kategorien ist, so nötig ist ihre Einbettung in subjektorientierte
Lernprozesse und individuelle Konstrukte. Wir wissen, dass Kinder Vorstellungen von der
ökonomisch geprägten Lebenswirklichkeit entwickeln. Hier kann die Lehr-Lernforschung zur
Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung ansetzen, die die Untersuchung von Lernerperspektiven,
Lernprozessen und Lernstrategien mit dem Ziel der Verbesserung von Lehr-Lernprozessen
fokussiert.
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3 Handlungsorientiertes ökonomisches Lernen in der Grundschule
Die Verbesserung von Lehr-Lernprozessen hat auch ein Konzept für
ökonomisches Lernen im Sachunterricht der Grundschule zum Ziel, das angelehnt an Sloane
(vgl. Sloane 2003) entwickelt wurde. Es handelt sich um eine Form der Verschränkung von
Theorie und Praxis, dessen Grundgedanke in der Anwendungsbezogenheit des im Unterricht von
den Kindern Erlernten liegt. Schülerinnen und Schüler erwerben zunächst Kenntnisse in
fächerübergreifenden Unterrichtsmodulen zum ökonomischen Lernen. Die Themen sind vielfältig
und können im Sinne der Situations- und Problemorientierung ergänzt werden.
Die Module bauen nicht unmittelbar aufeinander auf; sie behandeln vielmehr unterschiedliche
Aspekte des Wirtschaftslebens in Form eigenständiger Unterrichtssequenzen, die je nach
Klassenstufe umgesetzt werden und so eine Art Spiralcurriculum bilden. Sie sind inhaltlich
durch das Dach Bildung für eine nachhaltige Entwicklung miteinander verbunden.
Das organisatorische Prinzip dieses Lernarrangements ist es, das die im Unterricht erworbenen
Kenntnisse 13 in einer Simulation, z.B. einem Planspiel, in Handlungssituation oder
(aber das trifft wohl eher auf höhere Klassen zu) in einem Betrieb erprobt, reflektiert und
zurück in die Unterrichtssituation gebracht werden. Hier findet eine Generalisierung und
Erweiterung des Gelernten statt, die wiederum in der Praxis oder einer Simulation überprüft
wird usw.. So entwickelt sich ein Swinging-Learning-Arrangement (vgl. Sloane 2003), das in der
Schule Anwendung findet.
Vor dem Hintergrund der Überzeugung, dass anspruchsvolles vernetztes Lernen in den oft abstrakt
empfundenen Bereichen von Wirtschaft bereits in der Primarstufe möglich ist, wird hier am
Fachbereich in Zusammenarbeit mit einer Schule und der Firma Pelikan ein Pilotprojekt zum
ökonomischen Lernen im Rahmen von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung durchgeführt und
empirisch begleitet.
An einer Grundschule wurde ein von Kindern selbstorganisierter Schülerladen eingerichtet,
in dem die Kinder einer jahrgangsübergreifenden Arbeitsgemeinschaft (AG 3/4) an einem konkreten
Beispiel Wirtschaft erfahren, sich handelnd und weitgehend eigenverantwortlich mit
betriebswirtschaftlichen Vorgängen auseinandersetzen, diese erfahren, erproben und somit
kognitiv durchdringen. Von der Auswahl und (Nach-)Bestellung adäquater Ware und deren
Inventarisierung, über Preisfestlegung, Verkauf und Verwaltung von Umsatz und Gewinn bis hin
zur ästhetischen Gestaltung des Raums, zu Werbestrategien und Verkäuferverhalten übernehmen
Schülerinnen und Schüler klassische unternehmerische Aufgaben. Ein solches
handlungsorientiertes Projekt öffnet die Schule zur außerschulischen Realität, vernetzt
Strukturen und widmet sich der innovativen Aufgabe, Schülerinnen und Schülern bereits in der
Primarstufe die Möglichkeit zu geben, unter dem Leitbild Nachhaltigkeit planvoll zu handeln.
Es zielt hierbei auf das Verständnis der Kinder von wirtschaftlichen Prozessen und deren
ökologischen und sozialen Implikationen.
Das Projekt Schülerladen ist ein Teil des Konzepts zur Implementation von ökonomischem Lernen
in der Grundschule und auch in der Lehrerbildung.
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4 Konsequenzen für Grundschule und Lehrerbildung
Die Schwerpunkte des Swinging-Learning-Arrangements (SLA) für die
Schule könnte man so zusammenfassen: Kinder erwerben betriebs- und volkswirtschaftliche
Grundkenntnisse, sie reflektieren ihr Verhalten und erwerben Schritt für Schritt eine auf den
Bereich des Ökonomischen ausgerichtete Kompetenz. Im Hinblick auf die Aufgaben und Ziele der
Lernbereichsdidaktik Sachunterricht bzw. der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in der
Grundschule können folgende Merkmale des ökonomischen Lernens festgestellt werden: Es ist
situations- und problemorientiert, handlungs- und erfahrungsorientiert, es ist
interdisziplinär, denn es vernetzt die ökonomische mit der ökologischen und der sozialen
Dimension des Lebens. Neben fächerübergreifenden Kompetenzen setzt es wissenschaftsorientiert
auf die Erlangung einer sog. Economic Literacy und ist damit auch im Sinne des
Sachunterrichts-Perspektivrahmens kompetenzorientiert.
Doch das SLA ist nicht nur ein Konzept für die Schule, auch zukünftige
Multiplikatoren sollen im Rahmen ihrer Ausbildung im Sinne eines SLA Erfahrungen mit
curricularer Entwicklung aber auch im Sinne eines forschenden Studiums mit Lehr-Lernforschung
bekommen, um im Sinne ihrer Professionalisierung didaktisch-methodische Entscheidungen
empirisch absichern zu können. Analog zu dem SLA in der Schule werden
fachwissenschaftliche und lernbereichsdidaktische Grundlagen in der Universität erworben,
auf deren Basis Unterrichtsmodule entwickelt werden, die dann in der Schule gemeinsam mit den
Kindern erprobt werden. Entsprechend der folgenden Reflexion werden die Lern-Module in der
Universität modifiziert, ergänzt, erweitert und wieder überprüft, zudem führen Studierende im
Sinne eines forschenden Studiums eine empirische Untersuchung zu ökonomischen Vorstellungen von
Kindern durch. Während die Module parallel weiterentwickelt werden, finden Untersuchungen zu
ökonomischen Vorstellungen und zur Implementation des ökonomischen Lernens bzw. zur Akzeptanz
der Aktivitäten statt. Die Ergebnisse werden in die curriculare Entwicklung einfließen.
Die Weiterentwicklung dieses Konzeptes zum ökonomischen Lernen in der Grundschule,
die Ausweitung und Intensivierung der Unterrichtsmodule von der ersten Klasse an und die
Implementation von Schülerfirmen auch schon in Grundschulen sichert für Kinder und
Multiplikatoren eine reflektierte Teilnahme an einer von ökonomischen Belangen bestimmten Welt.
Wirtschaft ist eine grundlegende Aufgabe für den Sachunterricht der Grundschule. Kinder sind
nicht zu jung, um ökonomische Themen zu verstehen; sie können genau wie ihre Leh-rerinnen und
Lehrer das Leben in der Gemeinschaft aktiv, selbstbestimmt und solidarisch gestalten.
Letztlich ist die Frage nach der Verankerung ökonomischen Lernens nicht unbedingt eine Frage
eines eigenständigen Fachs, sondern nach der verfügbaren Zeit, dem Lernarrangement, dem
inhaltlichen Anspruch und außerdem der entsprechend professionellen Vorbereitung durch die
Lehrer- und Lehrerinnenausbildung.
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Anmerkungen
- Dieser Artikel stützt sich auf den Habilitationsvortrag der Autorin und ist eine gekürzte
Version.
- Grundsätzlich sollten nicht erst Inhalte der Primarstufe, sondern bereits die der
Elementarstufe an Lernervorstellungen anschließen. Dieser Artikel konzentriert sich jedoch
auf die Primarstufe.
- Z.B. Entwicklungs-, Lern-, Motivations-, Kognitions-Psychologie und Soziologie.
- Das kann im Lernen von Kindern angebahnt werden: Mitbestimmung im offenen Unterricht
(inhaltlich/methodisch) und Partizipation bei Entscheidungen generell, Selbstbestimmung setzt
Freiräume und eine gewisse Informationslage voraus und Solidarität gelingt durch einen
Perspektivwechsel und die Fähigkeit des Hineinversetzens in andere.
- Im Anschluss an die Sozialphilosophie von Rawls hat Brumlik drei Konkretisierungen für
Mündigkeit vorgeschlagen. Mündige Personen zeichnen sich dadurch aus, dass
"sie oder er wissen und fühlen: worum es ihnen bei der Verwirklichung ihres Lebens geht;
wie das Prädikat gerecht auf Institutionen, Rechtssysteme oder ganze
Gesellschaften jeweils sinnvoll anzuwenden ist; und wie im Lichte solcher
Gerechtigkeitsgrundsätze auch noch die eigenen Konzeptionen eines guten Lebens verändert
werden können" (Brumlik 1997, S. 18).
- Beck spricht bereits 1986 von auch für das Leben von Kindern bedeutsamen Konsumstilen
(vgl. Beck 1986, S. 125); diskutiert werden auch die Phänomene der Egalisierung, also der
Angleichung des kindlichen und des Erwachsenenlebens bzw. eine Infantilisierung der
Erwachsenen (vgl. Feil 2003, S. 267).
- Es hat sich gezeigt, dass Kinder in Untersuchungen zur Entwicklung ihres ökonomischen
Denkens interessanterweise nicht beim Homo Oeconomicus ansetzten, sondern "ein reines
Wirtschaftsmodell ohne Affekt, Motivation und Entscheidungsstruktur zu Grunde legen&Quot;
(Feldmann 1987, S. 20).
-
USA, Großbritannien, Korea, Österreich, Schweiz und Deutschland. Die Deutschen lösten nur 45% aller Aufgaben korrekt, die Amerikaner 48%, die Koreaner 52%, die Briten 64 %.
- "Wirtschaften heißt Entscheiden. Als Verbraucher am Markt, bei der Berufswahl,
angesichts von gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen (Arbeitslosigkeit, Strukturwandel,
Geldentwertung) und wirtschaftspolitischen Entscheidungen [
]" (Kruber 1995, S. 98). Teilbereiche des Wirtschaftsunterrichts sind z.B.
Arbeits- und Konsumökonomie sowie die Gesellschaftsökonomie.
- Auch die beiden zu Beginn zitierten Mädchen haben Vorstellungen zu Güterstrom und monetärem Strom.
- Das Individuum handelt somit nur entsprechend seinen eigenen Interessen, Neid, Missgunst
aber auch Altruismus sind im Prinzip ausgeschlossen. Das bedeutet nicht, dass soziale
Orientierungen ausgeschlossen sind.
- Das Rationalitätsprinzip (Rational Choice) kann neben der Ökonomie auch auf andere
Sozialwissenschaften angewendet werden.
- Auch im Sinne von Heinrich Roths Stufenmodell.
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Literatur
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Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt: Suhrkamp
- Brumlik, M. (1997):
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