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| Bildtitel:
Fotograf/in: Entstehungsdatum: |
Großvater und Enkelsohn
Amateurin
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Dieses Bild hat kein großer Künstler gemacht, sondern eine Amateurin. Sie beobachtete Großvater und Enkelsohn bei ihrem Gespräch während der goldenen Hochzeit des Großeltern. Der Großvater erklärte seinem Enkelsohn gerade, wie er es geschafft hatte, 50 Jahre mit der gleichen Frau zusammen zu sein und zog daraus einige Konsequenzen in der Form von Ratschlägen an den damals 13-Jährigen. Die Fotografin konnte zwar mithören, was gesprochen wurde, aber sie wirkte ansonsten nicht störend bei dieser bedeutsamen Konversation. Der Großvater hat es sich bequem gemacht und sitzt mit dem Enkel gemeinsam auf einem Sofa. Der hat seinen Arm liebevoll, als wäre der Opa ein Freund, um dessen Schultern gelegt. Sein Blick richtet sich schmunzelnd auf die Hand des Großvaters. In der hält dieser seine Brille. Der Großvater war bekannt für seine Leidenschaft, den pädagogischen Zeigefinger zu erheben, nun hält er statt dessen die Brille in die Höhe. Aber damit ist die Bedeutung der Geste keine andere, eher ist sie geschärft: Um Durchzuschauen bedarf man zuweilen der Sehhilfe. Als ob das Kind diese symbolische Anspielung verstanden hätte, fixiert es schmunzelnd die Hand. Gleichzeitig scheint der Junge aufmerksam dem zu lauschen, was ihm der Großvater sagt. Der wiederum schaut streng und energisch auf seinen Enkel. Nähme man nur diesen Blick in den Blick, so könnte man eine eher erschrockenen oder zurückhaltende Reaktion des Kindes erwarten. Aber dieses Kind weiß augenscheinlich sehr wohl zwischen der Erscheinung und dem Wesen nicht nur der Geste, sondern auch von Blick und Stimme zu unterscheiden. In Brechungen von dieser Art ist er wohl erfahren. Das bedeutet nun keineswegs, dass er den Opa bei seiner Lektion nicht ernst nehmen würde. Im Gegenteil setzt er sich mit Freude der Rede aus. Und auch der Großvater hat keine Probleme mit der Art, wie das Kind sich benimmt. Das tritt ja auf, als habe es das Sagen. Der Großvater akzeptiert sowohl die Umarmung als auch das Lachen. Hier, in diesem Augenblick agieren zwei Generationen miteinander, die noch einmal etwa anders zeigen als interessenloses Interesse, Interesse am anderen Verbindung oder Trennung. Sie zeigen den gegenseitigen Respekt und die Liebe zueinander. So wie der Kleine die Erfahrung des Großvaters respektiert, so auch der die Unbefangenheit und den Eigensinn, den der Kleine zeigen darf. Der Alte Akzeptiert in dem Jungen den eigenständigen Menschen. Ich vermute, dass so etwas nur gelingt, wo es zur Verbindung von zwei auf den ersten Blick unverträglichen Momenten kommt: von Liebe und Ironie, ein unbedingtes Vertauen, das sich aber auch dem Spiel der Bedeutungen aussetzen kann, weil dadurch dem Autoritätsgefälle zwischen den Generationen die mögliche Schärfe genommen wird. Andreas Gruschka |
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